Fortsetzung folgt ... leider nie- Serien, die mit Cliffhangar enden
Wir alle kennen das: Unsere Lieblingsserie wird abgesetzt, und als wäre das nicht schon schlimm genug, endet sie noch dazu mit einem Cliffhangar oder zumindest einem offenen Ende. Damit verdoppelt sich unser Ärger, denn frei nach “Misery”: Wir hätten uns zwar immer gefragt, wie es weiter geht, aber durch den Cliffhangar fragen wir uns das um so mehr. Und oft ist es so, dass wir Serien mit runden Schluss vorgesetzt bekommen hätten, wenn die letzten paar Minuten nicht wären.
Wer erinnert sich nicht an das Ende von “Heroes”? Gerade war das letzte Buch vorbei und alles gut,und plötzlich beginnt ein neues, und die Serie endet mit einem Cliffhangar, der so nicht nötig gewesen wäre, und der auch niemals direkt aufgelöst wurde, nur in Comicform, und was “Heroes Reborn” daraus gemacht hat, war nur noch eine Frecheit. Jetzt war es natürlich so, dass die entsprechende Folge viel früher produziert und ausgestrahlt wurde als das Network Entscheidungen über sein Programm für die nächste Season getroffen hat, aber trotzdem konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Produzenten zum Zeitpunkt des Endcuts doch wohl eine gewisse Ahnung betreffend der Zukunft ihrer Serie gehabt haben müssen.
Noch schlimmer ist das im Fall von “The Gifted”. Schon lange vor der Ausstrahlung des Finales der 2. Staffel sprach der Showrunner in Interviews offen aus, dass es vermutlich keine dritte Staffel geben würde, wenn dann höchstens eine sehr verkürzte. Dann hatten wir im Staffelfinale mehr oder weniger ein rundes Ende. Nach den traumatischen Geschehnissen war Gras über die Sache gewachsen und es wurden Pläne für die Zukunft geschmiedet, die für eine eventuelle dritte Staffel durchaus genug Stoff geliefert hätten, aber nein, im letzten Moment taucht ein zuvor totgeglaubter Charakter wieder auf und möchte den anderen etwas zeigen, das wir als Zuseher nie zu Gesicht bekommen werden. War das denn nötig? Das der entsprechende Charakter nicht tot ist, war schon zuvor stark angedeutet, und im Fall einer dritten Staffel hätte man diese Szene einfach als Eröffnungsmoment verwenden können und sie aus dem Ende der 2. Staffel hinausschneiden können. In diesem Fall hätte man auch die Rückehr des Charakters anteasen können und seine Kräfte wirken zeigen können und dann zu Schwarz schneiden, was den Eindruck vermittelt hätte, dass der Charakter noch lebt, aber zugleich eben nicht so vollkommen ärgerlich wäre, weil es keine neue Handlung begonnen hätte, sondern nur eine alte abgeschlossen hätte.
So etwas passiert immer wieder. Produzenten wissen, dass sie keine weiteren Staffeln bekommen werden, hoffen aber auf ein Wunder oder wollen einfach zeigen, was gekommen wäre, oder sind einfach trotzig und wollen nichts mehr umändern. Und die Leidtragenden sind am Ende immer die Zuseher. Natürlich gibt es die Hoffnung, dass ein anderer Sender die Serie übernimmt und weiterführt (im Fall von “The Gifted” aber wohl eher nicht, da Fox nun ja offiziell Disney gehört, die die “X-Men”-Rechte damit zurück bekommen haben und sie keinen anderen Sender mehr geben werden. Wenn sie planen würde die Serie nur auf Hulu zu geben, wären sie anders vorgegangen), aber trotzdem sollte diese Hoffnung nicht auf einem Cliffhangar ruhen.
“Primeval” wurde nach der Rückkehr nach der Einstellung auf einem Cliffhangar erst wieder auf einem Cliffhangar beendet, genau wie sein kanadischer Spin-Off, was irgendwie die Vermutung nahe legt, dass die Produzenten nichts aus ihrer eigenen Geschichte gelernt haben. “The Lost World” endete mit der Zerstörung des Universums, weil die Autoren wussten, dass beim Sender keiner mehr ihre Scripts gegenliest, woraufhin sie beschlossen wie ein beleidigtes Kleinkind zu reagieren. “Terminator: S.C.C.” endete mit dem besten Moment der Serie jemals, der eine viel interessantere Fortsetzung versprochen hätte als das, was auch immer James Cameron uns dieses Jahr vorsetzt, interessanter Weise aber einige Ideen mit dem neuen Film zu teilen scheint, aber keiner kann behaupten, dass nicht schon klar war, dass ein Wunder nötig gewesen wäre um dieser Serie eine dritte Staffel zu beschaffen. Und lasst uns gar nicht erst von “Flashforward” anfangen. “Caprica” hingegen hat es geschafft, dass ich persönlich verwirrte Menschen, die nach der DVD-Version der 2. Staffel in einem Geschäft gefragt haben, darüber aufklären musste, dass diese Vorschau am Ende nur das ist, was die Produzenten gemacht hätten, wenn sie eine zweite Staffel bekommen hätten. Und die letzte Szene von “Iron Fist” ärgert mich bis heute, während das ungeplante Ende von “Luke Cage” mich bis heute aggressiv zu Aussagen ala “Man hätte diese Leute niemals diesen Charakter schreiben lassen dürfen” anregt.
Worauf ich hinauswill? Dass wir als loyale Zuseher besseres verdient haben. Lieber eine runde Staffel mit ein paar offenen Enden und möglichen Fortsetzungen als einen Last Minuite-Cliffhangar um potentielle Käufer anzulocken. Etwas scheinbar abgeschlossen aber interessant genug für eine Fortsetzung zu hinterlassen zeigt von viel größerem schriftstellerischen Talent als ein Cliffhangar, der sowieso nie aufgelöst wird.