David Buckel
1.
David Buckel war Anwalt, ein berühmter noch dazu, spätestens seit der von Buckel betreute Fall Brandon Teena mit Hilary Swank in der Hauptrolle verfilmt wurde (Boys don't cry) und Swank dafür einen Oscar bekam. Seine Selbstverbrennung fand ohne Zuschauer und ohne Publikum, fand nicht für Fotografen statt. Er war trotz Interesse am Buddhismus nicht Buddhist, vor allem aber auch kein Fotograf. Er hat sich nachts verbrannt, in einem zwar öffentlichen, aber zu der Zeit dunklen und leeren Park. Erst am Morgen fand man den Körper und die Brandstelle. Buckel hat Schreiben hinterlassen, Abschiedsbriefe, in denen er seine Opferung mit dem Klimawandel und der Politik des Umgangs mit fossilen Brennstoffen assoziierte, indem er sich entschuldigte. I apologize to you for the mess, schrieb er. Mess heißt hier Unrat, nicht Messe. Man entschuldigt sich nicht für Messen, man entschuldigt sich in Messen. Das muss man unterscheiden, weil es sich sonst nicht unterscheidet. Man sagt zwar, Unrat und Messe würden sich so gründlich unterscheiden wie mass und mess, aber in der Messe sitzt nicht nur die Wiederholung eines Opfers, einer Tötung oder sogar eines Mordes, darin sitzt auch die Negativität eines Rates. Auch in der Messe Unrat, et in arcadia ego, so etwas gibt es öfters.
Man kann Unrat und Messe so unterscheiden wie mass und mess, aber das ist ein Distanzschaffen und nach Warburg bliebe das nicht nur polar gespannt, es könnte sich auch umkehren, invertieren, so dass dasjenige, was eben noch mit großem Abstand vom Anderen sich unterschied, sich annähert, sogar als das Andere oder im Anderen, so wie das Andere erscheint. Auch insoweit muss man etwas unterscheiden, weil es sich sonst so nicht unterscheidet.
2.
Auch Buckel hat die Medien involviert, die Abschiedsbriefe gingen auch an die Presse. Auch seine Praxis ist Bildpraxis. Anwälte schreiben und sprechen nicht nur, sie gestikulieren, inszenieren, sie nehmen wahr und lassen wahrnehmen, nicht nur solche Rechte, die man nur schriftlich oder mündlich erkennen könnte. Und doch folgt Buckel mit seiner radikalen juridischen und juristischen Bildpraxis einem anderem Protokoll als Bruce, der sich auf Treppen vor dem Supreme Court verbrannte und als Fotograf wohl auch auf direkte Fotos von seiner Opferung kalkulierte. Buckel macht die Abbildung des Opfers umwegiger, er will den brennenden Körper, das Brandopfer, nicht ins Bild nehmen. Buckels Opfer war 2018, deutlich vor der Kampagne, die mich seit diesem Sommer als Pathosformelaktualisierung interessiert. Auch 2018 sind furchtbare Bilder entstanden, aber es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Aktion augen- und kameradienerisch durchgeführt wird oder aber nicht. Buckels Aktion sollte zumindest Fotos und Zuschauer vermeiden, es sollte die direkte Übertragung von Opferung in Bild wohl vermeiden. Bisher hat auch niemand Buckel zu einer Ikone gemacht, nicht, wie das mit Bruce geschah. Statt dessen hat sich aber Joel Sternfeld dieses Falls angenommen und einen Fotoband daraus gemacht, der heißt Our Loss und ist, wie für Sternfeld üblich, bei Steidl erschienen. Sternfeld macht aber - wie so oft - Bilder eines Tatortes daraus, keine Ikonen. Er dokumentiert den Ort über längere Zeit, auch so, als würde Gras darüber wachsen, was ja auch passiert, nur nicht richtig, nur in jenem Ersatz, den das blöd stumpfe Vorgehen von Wirklichkeit liefert.











