Ab und zu spielte er Toter Mann, um auszuruhen. Wasser gluckerte um seine Ohren, und er lag auf dem Rücken im Ozean, ohne an die Grenze zum Schlaf zu geraten, weil er in der Vorstellung schwelgte, weit und breit das einzige menschliche Wesen zu sein. Dieser Gedanke fühlte sich an wie ein Rausch. Über ihm: bis zum Himmel nichts als Luft, ein weites, leichtes Nichts. Rund um ihn: nichts als Wasser. Ein Luftmeer über der Erde, ein Wassermeer über der Erde darunter, die eine eigene Landschaft bildete, die noch nie ein Mensch gesehen hatte. Auf dem Wassermeer tanzte er wie ein Korken, und alles, was in ihm an Kummer war, galt in dieser Sekunde nicht. Er war allein. Und allein sein bedeutet, alles, was ist, in sich zu vereinigen, so dass Gut und Böse einander neutralisieren.
- Thomas Glavinic: Der Jonas-Komplex













