Seit die Seife so tut, als kenne sie keine lgbtq-Figuren, tue ich so, als kenne ich die Seife nicht, weswegen ich nicht über des Anwalts neue Wohnung, und im Speziellen seine Entscheidung sich Arcimboldos ‘Der Jurist’ ins ehemalige Wohnzimmer des Kochs zu hängen, schreiben kann. Egal. Worum es gehen würde liegt eh auf der Hand.
Es gibt ein Argument, das der ein oder andere Seife-Schauer gerne verwendet, um, danach gefragt, die Daseinsberechtigung seiner favorisierten “Langstreckenläufer” zu rechtfertigen, eins, das mich immer wieder auf ein Neues überrascht: XY ist eine gute Figur, denn sie hat in den letzten Jahren immer gute Geschichten abgekommen. Ja, vielleicht macht dieses, von der Figur selbst völlig losgelöste und nur auf die Geschichten blickende Bewertungssystem sogar Sinn, besteht das Leben der meisten Seifenhelden schließlich nicht aus kontinuierlicher Entwicklung, sondern figurenspezifischer Wertewandel in zyklischer Wiederholung: glücklich/unglücklich, verliebt/einsam, reich/arm, erfolgreich/erfolglos usw. Jedoch, die übliche Art die Qualität einer Figur zu messen, ist es nicht.
McKee schreibt: “Wenn Charakterisierung und wahrer Charakter der Figur übereinstimmen, wenn inneres Leben und äußere Erscheinung [...] von ein und der selben Substanz sind, dann wird die Rolle zu einer Auflistung sich wiederholender, vorhersehbarer Verhaltensweisen”, sie ist schlichtweg eindimensional. Betrachtet man die Liste der Seifenhelden genau, wird man einige finden, die in diese Kategorie fallen. Und egal wie sehr sich die PR Abteilung der Seife auch bemüht, in einer Werbekampagne diesen Figuren zwei ‘konträre’ Titel à la “ Verlierer oder Held?” zuzuordnen, dem Rummelboxer (bzw. Szenekoch), seinem besten Freund, dem Lottomillionär und anderen fehlt es einfach an echten Kontrasten, die ihnen die nötige Tiefe für eine über viele Jahre hinweg nachvollziehbare, gerechtfertigte Daseinsberechtigung verleihen könnte; eine, die über das subjektive wir haben sie halt einfach lieb gewonnen hinaus geht.
Wenn Frau Frank in Interviews unverblümt anmerkt, ihre Rolle sei die beste, dann könnte man ihr Voreingenommenheit unterstellten, hätte sie damit nicht absolut recht - zumindest in der Klasse der Langstreckenläufer ist Frau Flemming jene Figur, deren Charakterisierung und wahrer Charakter den wohl deutlichsten Kontrast zueinander bilden: nach außen eine stolze, unabhängig, über den Dingen stehende Geschäftsfrau, tatsächlich jedoch verletzbar, einsam und unerfüllt. Ihre Figur besitzt Widersprüche. Sie ist komplex. Zum Vergleich: der Rummelboxer gibt sich nicht nur nach außen als männlichen, selbstbewussten, siegessicheren und doch bodenständigen Familienmensch, er ist schlichtweg genau das. Nicht mehr, nicht weniger.
Wie schön es doch also wäre, wenn man viel häufiger sagen und lesen könnte: XY ist eine gute Figur, denn sie hat Tiefe.
Ein einzelner, beengter, dunkler Raum mit nichts als einer Liege darin dient als Kulisse der Untersuchungshalt. Dort sitzt der Koch still und einsam, sieht sich Fotografien seiner Liebsten an, blickt ins Nichts oder liegt wach und grübelt. Alle anderen Strapazen, welcher ein unfreiwilliger Aufenthalt innerhalb von Gefängnismauern mit sich bringen mag, bleiben an jener Stelle unthematisiert. Für sie gibt es kein Set oder notwendige Ausstattung, denn die Seife ist eben keine Gefängnisserie. Sie schickt ihren Darsteller stattdessen lieber in den Urlaub und verlagert die Geschichte auf die andere Seite der Gitterstäbe.
“There’s an expression at Danbury, and I suppose at all prisons, in talking about the loved ones of inmates: “They do the time with you.” True, that.”, heißt es in dem Essay A Life to Live, This Side of the Bars von Larry Smith, auf welchen die Seife mit der Kolumne der Praktikantin anspielen mag. Mit dem Fokus fast ausschließlich auf der Zeit, welche die Praktikantin absitzen muss, wird sie zur eigentlichen Protagonistin dieser etwas anderen Gefängnisgeschichte, in der der tatsächlich Inhaftierte zu einem Requisit wird. Es geht um ihre Einsamkeit und ihre unfreiwillige ‘Gefangenschaft’ in der Verantwortung für eine fremde Familie, einem stressigen Job und den eignen Sorgen.
Noch viel wörtlicher scheint die Seife “the Danbury expression” allerdings im Fall von Mieze umzusetzen - unbeabsichtigt oder gezielt sei dahingestellt. Ihr, durch die Haft ihres Pflegevaters verschuldetes, Exil wird zum Schauplatz für jene Knast-Soap typischen und klischeehaften Machtkämpfe unter Häftlingen, für die es in seinen kurzen Szenen keinen Platz gibt. Mit ein wenig Willen zur Abstraktion lässt sich alles auch auf jener falschen Seite der Gitterstäbe erkennen: die Beleidigungen, Sticheleien und das Kräftemessen zweier ‘inhaftierter’ Rivalinnen die sich, in ihrer Situation gefangen, nicht aus dem Weg gehen können und das überforderte Aufsichtspersonal, das zu schlichten versucht aber wenig Gehör findet. Und so wird die Seife doch noch irgendwie zu einer Gefängnisserie.
In February 1933, Max Schreck played the Cook in a very amusing segment of a program called Die Pfeffermühle (The Pepper Mill) at the Munich Kammerspiele. It was written by Erika Mann, daughter of Thomas Mann. Gespenstertheater had this lovely photo and accompanying text for the performance, with a music credit, so imagine Max singing this and you will at the very least be smiling. xD
Below is half of it which I translated into English. The rest is in German under the cut.
Der Koch
Written by Erika Mann, music by Eugen Auerbach
Of course one knows me, I am the cook.
The chef, the mighty,
who can do everything, who knows everything.
From Parmesan to truffles,
to chocolate ice cream.
I am the cook.
Before anything else, I strive for my money.
I am already rich --
If you do not keep me in a good mood,
Then I cook with the same rage.
Only horrible stuff.
I pepper the soups,
With things your eyes cannot detect,
I salt the pastry accidentally.
This I can certainly do,
I am the cook.
I scream to the kitchen boy --
I am content.
If anyone can cook for themselves --
wsst - it's the boot for them.
He who may rinse, clean, peel --
The cook, I am.
I could tell quite a lot to you.
With many things, I could torment you,
and pride myself.
As I killed the kitchen cat,
Because she was so greedy and bold,
I have not long since buried her --
She was eaten.
I clubbed her and salted her,
and seasoned her and rolled her.
The kitchen cat was served
As a fine Cote d' agneau --
The guest who lusted after the roasting,
Enjoyed it so!
He smacked happily:
"Who's the head chef, the master cook?"
I am the cook!
The complete German text under cut...
Mich kennt man doch, ich bin der Koch.
Der Küchenchef, der Mächtige,
der alles kann, der alles weiss,
von Parmesan bis Trüffelspeis
und bis zum Schokoladeneis
Bin ich der Koch.
Zu allererst krieg ich mein Geld,
Ich bin schon reich --
Wenn man mich nicht bei Laune hält,
Da koch ich gleich vor Wut
Nur grauenhaftes Zeug
Ich pfeffer die Suppen Euch,
Das Euch die Augen übergehen,
Ich salz die Mehlspeis aus Versehen
Das kann ich doch
Ich bin der Koch.
Ich schrei die Küchenjungen an--
Ich bin vergnügt
Wenn einer selber kochen kann --
wsst -- der fliegt.
Die dürfen spülen, putzen, schälen--
Der Koch bin ich.
Ich könnte Ihnen viel erzählen,
Mit manchem könnte ich Sie quälen
Und brüsten mich.
Als ich die Katze totgeschlagen
Weil sie so naschhaft war und dreist,
Hab ich sie gar nicht lang begraben --
Sie war verspeist.
Ich klopfte sie und salzte sie
und würzte sie und walzte sie --
Die Küchenkatze ward serviert
Als feines Cote d´agneau --
Der Gast, der nach dem Braten giert,
Genoss sie so!
Er schmatzte froh:
"Wie heisst er doch
Der Küchenchef der Meisterkoch?"
Ich bin der Koch!
Am liebsten koche ich Pasteten,
Und delikat.
Da ist viel Raffinement vonnöten,
Und keiner weiss bei den Pasteten,
Was er da hat.
Ich lasse alle Speisen stehen,
Bis Schimmelpilze drauf zu sehen,
Dann schneide ich sie kurz und klein,
Und rühre sie und spuck hinein,
Und mach noch dies und das hinein,
damit die Speisen würzig seien.
Ich hacke sie und backe sie,
Garniere sie, verziere sie --
"Pasteten a la Wilhelm zwo"
Verzehrt der Gast, und freut sich so,
Das die von höchstem Raffinement,
Ein Labsal sind für den Gourment --
Er preist ihn für und für und noch,
Den Küchenchef, den Meisterkoch --
Ich bin der Koch!
Manch Gast bestellt beim Ober sich
Recht sorgsam und recht ausführlich
Ein Irishstew auf Führerweis,
Und freut sich kindisch auf die Speis.
Wenn ich grad schlechter Laune bin,
Dann schick ich folgendes ihm hin --
Spaghettirest und russisch Borschtsch
Schütt ich zusammen frank und forsch,
Ein wenig deutsches Lamm hinein
Wird dem Gerichte dienlich sein --
Der Paprika wird nicht gespart
Beim Irishstew auf Führerart --
Der Gast weint leis, weil es so scharf,
Und er es nicht bemäkeln darf.
Serviert von oben, frisst er´s doch --
Ich bin der Koch!