Bei allen Branchen dieser Welt, ihren Diversitäten und ihren unterschiedlichen Arbeitsweisen- und Abläufen, steht eine Sache über Allem – der Auftrag. Dieser geht vom potentiellen Kunden aus. Der Kunde fragt eine Leistung an, bekommt diese, zahlt dafür. Überall? Wohl nicht ganz. In der Kreativbranche hat sich, eine der Auftragserteilung vorrangige Praxis etabliert, die kaum nachvollziehbar ist.
Vor dem Pitch ist nach dem Entwurf
Vor Auftragserteilung bitten Kunden nicht selten um einen Entwurf, eine Idee. In goldenen Zeiten nannte man das noch Pitch. Genau genommen, war das ein bezahlter Pitch. Der unbezahlte Pitch hingegen wird nicht mehr als solcher bezeichnet, denn alleine das Wort “Pitch” beinhaltet “Ich muss etwas für eine Leistung bezahlen”. Also spricht man heute von einem Entwurf, oder auch gerne von einer Schreibprobe bei Textern, oder allgemein von einer Idee. “Vergütung? Ne, Sorry, dafür haben wir leider kein Budget bewilligt bekommen.”. Gängige Praxis.
Wessen Schuld ist das?
Schuld daran hat nicht zwingend allein der Kunde. Schuld trägt nicht selten auch derjenige, der sich auf diese zweifelhaften Anfragen einlässt. Jeder kennt das, vor allen Dingen als Freelancer, versucht man schnell Potentiale zu erkennen, ob sich ein Auftrag ergeben könnte. Jedoch, so finde ich, sollte man stark sein und den Verlockungen widerstehen, auch nur Ideen kostenfrei in den Raum zu werfen.
Aber was kann ich dagegen tun?
Der Verheißung, die kalte Schulter zu zeigen, ist nicht leicht. Besser ist es da, den Ball zurückzuspielen. Soll heißen: Fragen stellen zur Anforderung, sich in den Kunden versetzen und Bedürfnisse erkennen. Und dann auch nüchtern erklären, dass sich das Projekt toll anhört, jedoch die Vorbereitung mit Arbeit verbunden ist. Arbeit die vergütet gehört. Arbeit die in Form einer Präsentation oder eines Workshops stattfinden kann. Das wird nicht selten, gut bis sehr gut angenommen, da auch damit suggeriert wird, was einem auch selber an der Aufgabe liegt. Es soll ja schließlich ein Erfolg werden. Und eine Vertrauensbasis ist damit auch schon geschaffen. Verlieren kann dabei niemand, denn am Ende ist das Resultat eine Grundlage, auf der das Projekt verwirklicht werden kann. Ob sich der Kunde bei der Realisierung für oder gegen einen entscheidet, ist letztlich nichts weiter als ein Wermutstropfen. Denn der nächste (bezahlte) Entwurf wartet schon.