Daniel Binswanger beschreibt im “Magazin” die Realitätsverweigerung der SVP-Elite nach der Ablehnung der sogenannten “Durchsetzungsinitiative”.
Zitat:
“Es begann damit, dass Alt-Bundesrat Blocher schon vor der Abstimmung das Diktum prägte, alles, was Rang und Namen habe, sei gegen die «Mehrheit der Bürger» – was selbstverständlich «unschweizerisch» sei. Dass Blocher glaubt, definieren zu können, wer ein «Schweizer» und wer ein «Unschweizer» ist, gehört zur Routine. Dass er nun auch noch die «Mehrheit» festlegt – unter Negierung von Abstimmungsresultaten und den Regeln der Arithmetik –, ist eine Neuerung.”
Daniel Binswanger führt als weiteres Beispiel SVP-Nationalrat Roger Köppel an, der zur Erklärung der Niederlage verlauten lies, es handle sich «um einen Aufstand der Eliten».
Köppel sage das “ausgerechnet über eine Nein-Kampagne, die mittels Crowdfunding über 1,2 Millionen an Kleinstspenden eingesammelt hat und auf einer bürgernahen Bottom-up-Organisation beruhte, wie sie in der bisherigen Geschichte der Eidgenossenschaft beispiellos ist”, schreibt Binswanger, und fügt an:
“Hat der Neo-Politiker bereits so stark verinnerlicht, dass effiziente Kampagnen aus den Privatschatullen milliardenschwerer Gönner finanziert werden müssen, dass eine echte zivilgesellschaftliche Mobilisierung schlicht jenseits seines Vorstellungsvermögens liegt?”
Binswanger geht dann noch auf die “Lebenslüge” der SVP-Eliten ein, “die zwischen Goldküstenvillen und Bündner Wochenendresidenzen hin- und herzirkulieren” und dabei “tatsächlich die Fiktion aufrechterhalten, sie seien bodenständige Anwälte des «Volkes» gegen abgehobene «Eliten».
Den Höhepunkt der Realitätsverweigerung liefert für Daniel Binswanger SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, “die sich am Abstimmungssonntag über die schockierende «Hetzkampagne» der Gegner beschwerte.”
Es sei ein surrealer Fernsehmoment gewesen, schreibt Binswanger. Die Partei der Schäfchenplakate stelle allen Ernstes die Stilfrage. Natalie Rickli habe über Jahre ihren politischen Gegnern unterstellt, sie würden Partei ergreifen für Vergewaltiger.
“Wenn professionelle Polit-Hooligans sich urplötzlich über mangelndes Zartgefühl vonseiten ihrer Gegner beschweren, dann weiss man, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind.”
Quelle: http://blog.dasmagazin.ch/2016/03/01/wir-sind-das-volk/

















