Im Jahr 2002 beschließe ich, mir den Luxus einer eigenen Domain zu leisten. Die Domain [meinfamilienname].de ist nicht verfügbar (ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich in echt gar nicht Alan Smithee heiße), die hat sich ein Namensvetter bereits geschnappt; auch er wird sie wenig später abgeben müssen, da es in Deutschland eine Gemeinde gibt, die genauso heißt wie ich, und Gemeinden in Deutschland haben ein Recht auf die Herausgabe ihrer de-Domain.
Ich bestelle daher die Domain [vornamefamilienname].de, und fange an, mir ein Mailadressenimperium einzurichten: mail@[vornamefamilienname].de für meine Freunde, diese gebe ich konsequent keinem Versandhändler oder Dienstleister an, um sie so spamfrei wie möglich zu halten. Diesen weise ich jeweils eine eigene Mailadresse zu: fueramazon@[vornamefamilienname].de, fuerebay@[vornamefamilienname].de, und so weiter. Alle diese Adressen laufen auf einem Catch-All-Account zusammen. Die Idee dahinter: Wenn Spam eintrifft, kann ich gleich sehen, welches Schwein hier meine Adresse verkauft hat; und wenn es zu viel wird, kann ich der betreffenden Adresse einfach den Hals umdrehen, und es ist Ruhe. – Soweit die Theorie. In der Praxis erweisen sich allerdings diverse Schwächen der Konstruktion. Erstens ist ein Catch-All-Account ein Problem, weil viele Spammer ihr Zeug einfach an bob@[domain].de oder sue@[domain].de schicken. Zweitens verwirrt das umfangreiche System nicht nur die Spammer, sondern in allererster Linie mich selbst, nie weiss ich genau, wer nun welche Adresse von mir hat. Drittens kriege ich so zwar ab und an heraus, welches Schwein meine Adresse verkauft hat, aber ich weiß nicht genau, was ich mit dieser Erkenntnis dann anfangen soll, außer zornig zu sein. Viertens ist das mit dem Abschalten korrumpierter Mailadressen nicht so einfach, da ich schon bald nicht mehr sicher bin, welche berechtigten Absender die betreffende Adresse noch benutzen könnten.
Ich entschliesse mich daher zu einer Reform. Es gibt nur noch drei Mailadressen:
mail@[vornamenachname].de – Diese ist für private Kontakte, sie hat ein mittelsicheres Passwort, das nicht allzu nervig einzugeben ist, und ich rufe die Mails auch von unterwegs ab, wann immer mir danach ist. Sollte jemand dieses Postfach hacken und dann lesen, was ich so mit meinen Freunden bespreche, würde mich das ärgern, aber mehr auch nicht.
shop@[vornamenachname].de – Für Shops und Dienstleister, deren regelmäßiger Kunde ich bin. Das Postfach hat ein langes, garstiges Passwort, nicht einmal mein eigenes Handy darf es wissen, und ich gebe es nur auf wohlbekannten, gutgesicherten Rechnern ein; denn wenn es gehackt wird, kann der Bösewicht ja neue Passwörter für all meine Accounts besorgen. Ab und zu schaue ich in dieses Postfach rein, verschiebe die wenigen interessanten Mails in meinen Hauptaccount und lösche den Rest.
adhoc871@[vornamenachname].de – Für lästige Sites, die zum Registrieren eine Mailadresse verlangen und diese durch einen Aktivierungsschritt überprüfen. Ich schaue ausschließlich hinein, um die Aktivierungsmails zu öffnen, und lösche bei der Gelegenheit allen Mist, der sonst noch gekommen ist. Ursprünglich hatte ich geplant, auf adhoc872 umzuziehen, wenn zuviel Spam kommt, aber da ich sowieso alles lösche, hat sich das als überflüssig erwiesen.
Ein einziges Mal geschieht es mir, dass eine Site (ein Chat für Fußballschiedsrichter) die adhoc871-Adresse nicht akzeptiert; diese Adresse, antwortet der Server, sehe aus wie eine Wegwerfadresse, und das sei nicht akzeptabel. Seufzend richte ich die Adresse apfelbutzen@[vornamenachname].de ein, und damit ist der Chatserver (o sancta simplicitas des Computers, genießen wir sie, solange wir sie noch haben) zufrieden.
Dieses System hat sich gut bewährt und ist seither im Prinzip unverändert in place. Es hat 2015 nochmal eine Änderung erfahren, als ein grosser Schwung neuer Top Level Domains freigegeben wurde, seither habe ich endlich meine Adresse „[vorname]@[nachname].one“. Nun können auch inzwischen interessierte weitere Familienmitglieder von der Domain profitieren. Nur ganz selten geschieht es, dass ein dämlicher Server nicht rafft, dass „one“ eine TLD ist und meine Mailadresse nicht als solche akzeptiert. Dann schlägt doch noch einmal die Stunde meiner lieben alten de-Domain.