Hallo! Danke erst einmal für dein Dasein. Du bist für mich so etwas wie ein Vorbild, das klingt vielleicht komisch, aber... naja. Ich bin noch in der Schule, ich würde nach der Schule aber gerne schreiben. Doch meine Eltern verstehen den Sinn nicht. Denn... ich strebe weder eine Ausbildung noch ein Studium an. Ich möchte lediglich meine Texte... schreiben. Veröffentlichen. Aber ich "darf" nicht. Hast du einen Tipp/Ratschlag für mich? - Du bist sowas von mein Vorbild!!! Danke.
[Oh, so viele nette Menschen zurzeit in den Kommentaren. Deine Worte bedeuten mir viel, gerade weil ich in letzter Zeit gar nicht mehr so aktiv hier war wie früher.]
Zunächst: In derselben Situation war ich nie, weswegen all meine “Vorschläge” nur Ideen und Hoffnungen für dich sind, keine Erfahrungen. Die Situation ist nicht gerade einfach, für beide Seiten.
Die Frage ist, ob du unabhängig leben möchtest, denn das ist nur als sehr erfolgreicher Autor möglich. Bezahlt dir das Schreiben die Miete nicht, bist du immer auf andere angewiesen, entweder deine Eltern, Freunde oder Sozialleistungen. Dazu steht jeder anders, aber ich z.B. habe starke Probleme damit, Hilfe von anderen anzunehmen bzw. nicht selbst für mich sorgen zu können.
Andererseits bin ich ein großer Vertreter davon, seine scheinbar “unnützen” Neigungen zu verfolgen - zu schreiben, zeichnen, tanzen, wasauchimmer. Ich finde es insofern unterstützenswert, so etwas durchzuziehen. Was unsere aktuelle Gesellschaft als “erfolgreich” beschreibt, entspricht auch nicht meinem Ideal, weswegen man keinen konventionellen Weg gehen muss, aber - wie gesagt - von anderen abhängig zu sein, gefällt mir auch nicht.
Am eindrucksvollsten wäre es für deine Eltern bestimmt, wenn sie richtigen Elan und eventuell sogar Folgen davon sehen, d.h. wenn du z.B. an Wettbewerben teilnimmst [im besten Fall auch gewinnst], ein Schreibstipendium suchst, es wirklich ernsthaft betreibst, vielleicht einer Autorengruppe beitrittst [falls es so etwas in deiner Gegend gibt], deine Texte an Zeitschriften schickst. Hast du zufälligerweise einen guten Draht zu deinem Deutschlehrer und mit ihm schon mal über das Schreiben gesprochen? Die Meinung eines Lehrers kann manchmal einen guten Einfluss haben. Du müsstest dich jetzt schon richtig bemühen, d.h. neben alltäglichen Dingen wie Hausaufgaben sollte Schreiben deine Hauptsache sein, denke ich, damit deine Eltern das auch merken.
Letztlich kann man ja auch Schreiben studieren, in Leipzig z.B. - vielleicht wäre das ein Kompromiss für alle? Möglich wäre später auch ein Mini- oder Teilzeitjob. In einer WG oder kleinen Wohnung und mit nicht allzu großen Reichtumshoffnungen lässt es sich davon gerade so leben [zumindest hier bei mir] und man hätte noch ca. 5/7 seiner Zeit [”450€-Job”] der Woche frei fürs Schreiben.
Noch einmal: Das sind nur meine ersten Überlegungen. Es wird definitiv nicht einfach und ich hoffe wirklich, du/ihr findet eine Lösung. “Normale” Eltern wollen im Endeffekt nur das Beste für ihre Kinder und wenn du ihnen wirklich verständlich machst, wie wichtig das für dich ist, dass du mit allem anderen unglücklich wirst, lernen sie hoffentlich, dich dabei zu unterstützen. [Aber ich kenne deine Situation nicht und sicherlich variiert das von Familie zu Familie.] Mit den besten Wünschen an dich.