Auf dem verschneiten Weg hinauf zu den Toren von Eisenschmiede stauen sich die Lastkarren. Ein alter Jäger, auf dessen Holzkarren einige frisch geschossene Klippeneber liegen, unterhält sich gut gelaunt mit einer Bierbrauerin, die vor ihm in der Schlange wartet.
In den Straßen der alten Zwergenstadt herrscht rege Betriebsamkeit. Aus den umliegenden Dörfern treffen nach und nach die Lieferanten für das bevorstehende Winterhauchfest ein. Verwandte und Freunde, die sich lange nicht gesehen haben, begrüßen sich überschwänglich. Im Militärviertel werden lange Tischreihen für ein großes Bankett aufgebaut. Alle Balkone sind mit festlichen Girlanden und Lichterketten geschmückt. In den Werkstätten werden Geschenke gebastelt und geschraubt, verzaubert und bunt verpackt.
Aus der Ingenieurwerkstatt von Bryn Steinschild schallt fröhliches Lachen. Bryn und ihre Gehilfin Arlyn Schwarzbach legen letzte Hand an eine Reihe mechanischer Yetis und reichen sie dann zum Testen an Arlyns kleine Schwester Gretie weiter. Die kleine Worgin trägt stolz eine Ingenieursbrille mit grünen Gläsern und eine Schürze auf der "Kwalitetskontrole" steht. Um sie herum marschieren surrend einige der fertigen Spielzeuge.
Da flitzt ein dunkler Schatten zur Tür hinein und stürzt sich auf das Mädchen, die durch den Schwung umgestoßen wird und auf einen Haufen Yetifelle plumpst. "Azira!" Lachend legt sie die Arme um das aufgeregte Marsuul und krault es hinter den Ohren.
Das lächelnde Gesicht der Waldläuferin Rhanoriel taucht im Türrahmen auf. Ihre leuchtend blauen Haare sind unter einer roten Winterhauchmütze versteckt, an der ein kleiner Mistelzweig steckt. "Fröhliches Winterhauchfest, ihr Lieben! Die Wachen sagen, sie müssen bald hier sein. Beeilt euch, wir treffen uns dann mit Noxa an der Steinfeuertaverne."
"Endlich, das wurde aber auch Zeit!" Bryn fährt sich nervös durch ihre Haare. "Wie sehe ich aus?" Arlyn nimmt einen Lappen und reibt der Zwergin einen kleinen Ölfleck von der Stirn. "Perfekt!" Dann eilen sie hinaus in Richtung des Bankenviertels, wo sich die Taverne befindet. Überall treten die Bewohner Eisenschmiedes aus ihren Häusern auf die Straßen und schauen gespannt nach oben. Ein aufgeregter Ruf ertönt "Dort! Ach nein, das ist nur eine Wache." Vor der Taverne treffen sie Rhanoriel und die Gnomin Noxa, die einen Beutel Zuckerstangen herumreicht und aufgeregt von einem Fuß auf den anderen hüpft. "Hach! Die Parade der Heimkehrenden ist doch das allerschönste an Winterhauch! Und das Essen natürlich!"
Derweil ist der alte Jäger mit seinem Karren schon fast zu den Toren von Eisenschmiede aufgerückt als er den Ruf eines Gebirgsjägers hört. "Sie kommen! Sie sind da!" Wie ein Lauffeuer wird der Ruf weitergetragen, bis hinein in die Stadt. Er dreht sich auf seinem Karren um und schaut nach oben. Noch in weiter Ferne, doch für seine scharfen Augen gut zu erkennen, nähern sich mehrere große Formationen von Greifenreitern und Flugmaschinen der Stadt. Aus ganz Azeroth, Nordend, den Verheerten Inseln, aus Pandaria und Kul Tiras kommen Zwerge, Gnome, Nachtelfen, Worgen um das Winterhauchfest im Kreis ihrer Freunde und Verwandten in Eisenschmiede zu verbringen. Unterwegs schließen sie sich wie Zugvögel zu Verbänden zusammen um dann schließlich gemeinsam in Eisenschmiede eine Ehrenrunde durch die Stadt zu fliegen.
Jubel bricht aus, als die Heimkehrenden näher kommen und hintereinander durch die Tore von Eisenschmiede in die Stadt fliegen. Taschentücher werden gezückt, um zu winken oder sich die Tränen zu trocknen, Mützen und Helme werden geschmissen und von einer über der Bankenhalle kreisenden Flugmaschine feuert eine Ingenieurin eine Konfettikanone ab.
Die Barbierin Pella hat vor ihrem Salon ein Fass mit Eierpunsch für ihre Kundschaft aufgebaut. Eine junge Lagerarbeiterin mit hoch aufgetürmten rosafarbenen Haaren und einer vom Punsch geröteten Nase stößt einen Schrei aus. "Da ist Kiruni!" Sie winkt freudig und eine rothaarige Zwergin auf einem kräftigen Wildhammergreif erwidert lachend ihren Gruß.
Vor der Steinfeuertaverne späht Bryn nervös in die Höhe. Rhanoriel legt ihr eine Hand auf die Schulter und zeigt nach oben. "Dort!" Erleichtert lacht die Zwergin auf und reißt jubelnd die Arme hoch "Whoo-hoo!" Rosmelda, die nach der spektakulär fehlgeschlagenen Aktion in Tirsfal in den Un'Goro Krater versetzt wurde, strahlt und wirft ihr eine Kusshand zu. Rhanoriel, Noxa und Arlyn werfen lachend ihre Winterhauchmützen in die Luft.
Später beim Bankett sitzen die Freundinnen zusammen, erzählen, lachen, essen und trinken. Sie erinnern sich an die schlimmen Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres, doch auch an die Hoffnung und die neuen Freundschaften, die daraus entstanden sind. Zusammen schmieden sie Pläne für neue Abenteuer und stoßen miteinander auf die Zukunft an.
Moin Leute, liebe Gildenmitglieder!
Nach langer Zeit ist endlich das Video des Hauptstadtraids in gekürzter Fassung online! Im Sommer diesen Jahren waren wir zum Abschluss von Legion und zum Beginn des Krieges zwischen Allianz und Horde in den Hauptstädten der Allianzler um die Bosse zu klatschen und uns den Erfolg + Mount zu sichern.
Wenn ihr mal sehen wollt wie die Söhne (und Töchter) durch ganze Städte rasieren, schaut euch gerne das Video an!
Read the full article
Kiruni eilt durch das Bankenviertel von Eisenschmiede. Die bequemen Kettenstiefel der untersetzten Zwergin machen erstaunlich wenig Geräusche auf den alten Steinfliesen. Über ihrem langen blaurot gemusterten Kilt trägt sie einen grauen Reiseumhang. Das rundliche Gesicht ist von feinen Lachfältchen durchzogen. Sie mustert interessiert das exotische Reittier eines Pandaren, der gerade die Bankhalle verlässt.
Schon von weitem sieht Kiruni, dass die Steinfeuertaverne heute Abend zum Bersten voll ist. Kein Wunder, nachdem Moira die Stämme zum Kampf gegen die Horde aufgerufen hat kommen täglich neue Gruppen von Kriegern, Abenteurern und Glücksrittern in Eisenschmiede an.
Am Eingang drängt sie sich an einer Gruppe Worgen mit finsteren Gesichtern vorbei. Eine Kriegerin, deren Fell im Nacken bereits grau gefärbt ist, hebt ihren Krug und ruft mit tiefer, knurrender Stimme. „Auf die, die nicht mehr hier sind!“ Stille senkt sich kurz über die volle Gaststube als alle respektvoll ihre Humpen heben.
„Kiruni! Das Übliche?“ Gwenna, die energische Bardame der Steinfeuertaverne, schiebt sich mit einem großen Holztablett voller dampfender Schüsseln mit Eintopf an ihr vorbei. „Du wirst schon erwartet.“ Die rotbackige Kellnerin nickt in Richtung eines Tisches in der Ecke der Gaststube. Obwohl die Gäste in der Taverne dicht gedrängt stehen, sitzt an dem Tisch nur eine einzige Zwergin, das Gesicht teilweise im Schatten ihrer Kapuze verborgen.
Kiruni lässt sich in einen der freien Stühle fallen und lacht. „Rosi! Na du tust ja geheimnisvoll.“ Die Dunkeleisenzwergin wirft ihr einen gelassenen Blick zu und erwidert. „Tja, ich habe eben noch kurz überlegt, ob ich eine Pfeife auspacken soll.“ Sie schlägt ihre Kapuze zurück und ein Lächeln huscht über das strenge Gesicht der Kriegerin, dann wird ihr Blick wieder ernst. „Hast du dich umgehört?“
Kiruni nickt. „Von den alten Gefährten ist leider kaum noch jemand übrig. Marlonzo ist an der Verheerten Küste verschollen.“ Gwenna stellt einen Krug Honigmet vor ihr ab. „Hier meine Liebe.“ Kiruni nimmt einen großen Schluck. „Tja und Malabar lebt jetzt bei einer reichen Nachtelfe in Goldhain.“ Die Dunkeleisenzwergin schüttelt den Kopf. „Menschen. Immer dasselbe mit denen. Kaum die ersten Kämpfe hinter sich, schon wollen sie sich zur Ruhe setzen. Ich glaube ja, das kommt von der kurzen Lebenserwartung.“
„Da kannst du Recht haben.“ Kiruni zuckt mit den Achseln. „Aber es gibt da eine Jägerin, eine Leerenelfe. Sie ist neu in Eisenschmiede. Macht einen verlässlichen Eindruck. Ich habe ihr neulich ein paar Bündel Felle abgekauft und wir kamen ins Gespräch. Sie sagte, sie bringt noch eine Hexenmeisterin mit.“
„Hm, na gut. Wir werden sehen. Ich habe Arlyn gefragt und sie war sofort Feuer und Flamme. Sie will Rache für den Tod ihrer Eltern.“ Kiruni starrt die Kriegerin ungläubig an. „Sprichst du von der Schurkin, die vor kurzem bei euch eingebrochen ist weil sie dachte, dass sie ihre Schwester aus den Händen von Feinden befreien muss? Die dann zitternd und wirres Zeug phantasierend auf dem Boden lag als ihr mich gerufen habt?“ Die Dunkeleisenzwergin nickt. „Ja, genau die.“
Kiruni runzelt die Stirn und trinkt einen weiteren Schluck Met. „Rosmelda, wir haben beide schon oft gesehen, wie Krieger ihre schlimmen Erinnerungen mit der Gegenwart verwechselt haben. Es braucht einige Zeit, bis die Wände um das Hier und Jetzt wieder stabiler werden.“ Die Augen der Dunkeleisenzwergin glühen orange als sie erwidert. „Arlyn verdient eine Chance. Und ich vertraue auf deine Fähigkeiten als Heilerin.“ Kiruni seufzt. „Ja, schon gut, es ist deine Entscheidung. Ich habe nur keine Lust, plötzlich einen Dolch im Rücken zu haben weil sie mich mit einem Ork verwechselt.“ Rosmelda lächelt. „Das wird nicht passieren. Zumindest solange du nicht wieder diese hässliche grüne Schulterrüstung anziehst.“
Gwenna stellt ein Holzbrett mit einem Laib Brot, einem Klumpen Butter und einer Blutwurst aus Thelsamar auf den Tisch. „Die beiden da drüben haben nach dir gefragt, Kiruni.“ Sie deutet auf ein ungleiches Paar an der Theke.
Die größere der beiden ist eine schlanke Leerenelfe in einer dunkel schimmernden Kettenrüstung. Das hübsche, wenn auch leicht arrogant wirkende Gesicht wird von dunkelblauen Haaren umrahmt, die an den Spitzen hellblau leuchten. Die schönen Augen der Elfe leuchten in einem nebligen Graublau. Gelassen beobachtet sie die Gäste der vollen Taverne.
Neben ihr steht eine nervös aussehende junge Gnomin. Auf ihrem schlichten, schwarzen Kleid sind mit rotem und violettem Garn gestickte Runen zu erkennen. Schwarze, zu großen Schnecken geflochtene Haare umrahmen ein blasses, pausbäckiges Gesicht. In ihren großen blauen Augen zeigt sich Neugier, Unsicherheit und ein zwar schwacher aber unübersehbarer Funken von Entschlossenheit.
Mit weit aufgerissenen Augen starrt die Gnomin einen riesigen Wildhammerzwerg an, der gerade eine wilde Geschichte zum besten gibt. Die Schultern und Arme des Veteranen zieren auffällige blaue Tätowierungen. Plötzlich dreht sich der Zwerg zu ihr um und poltert „Was gibt es da zu gucken, Kleine?“ Erschrocken stottert die Gnomin „Ent...Entschuldigung!“
Die Leerenelfe macht eine Handbewegung und ein Marsuul klettert blitzschnell am Bein des Wildhammerzwergs hoch bis auf seine Schulter, wo es sich festkrallt. Schattenhafte, sich bewegende Flecken überziehen das Fell des Marsuuls, das seine messerscharfen Nagezähne um das Ohr des Zwergs legt. Der Zwerg erstarrt.
Die Leerenelfe legt den Kopf schief und sagt mit ruhiger, fast gelangweilter Stimme „Azira ist der Meinung, das ihr derjenige seid, der sich bei meiner Begleitung für seine Unhöflichkeit entschuldigen sollte.“ Der Zwerg starrt sie an. Dann lacht er laut auf. „Ha! Ihr habt mich erwischt!“ Grinsend verbeugt er sich vor der Gnomin. „Ich entschuldige mich für mein ruppiges Benehmen! Darf ich euch beiden einen Krug Met spendieren?“ „Später vielleicht.“ lächelt die Leerenelfe „Wir sind verabredet.“ Das Marsuul wirft noch einen bedauernden Blick auf das Zwergenohr, klettert dann flink wieder hinab und verschwindet in der Umhängetasche der Elfe.
Gwenna kommt mit einem Tablett voller leerer Krüge zurück zur Theke und macht eine Kopfbewegung in Richtung des Tisches von Rosmelda und Kiruni. „Ich bringe euch gleich etwas zu trinken.“
Die beiden nähern sich dem Tisch, an dem inzwischen auch eine große junge Worgin Platz genommen hat. Ihr dunkelbraunes Fell ist am Kopf bereits von grauen Strähnen durchzogen. Unter ihrem Umhang ist Kleidung aus weichem dunklem Leder zu erkennen sowie ein breiter Gürtel mit vielen Taschen und mit Halterungen, in denen Dolche und Wurfmesser stecken. Ihre grauen Augen starren grimmig in einen Krug Ziegenmilch und ihr linkes Augenlid zuckt nervös.
Als die Neuankömmlinge sich gesetzt haben und Gwenna zwei kleine Humpen Kirschgrog vor ihnen abgestellt hat, beginnt Kiruni die Vorstellungsrunde. „Dies hier ist die Waldläuferin Rhanoriel Morgentau und dies ist Noxa, eine Hex...“ Sie stutzt und starrt die Gnomin aus zusammengekniffenen Augen an. „Äh, die Wahrsagerin aus dem düsteren Viertel?“ Noxa wird rot und nickt eifrig. “Aha. Nun ja.“ Sie räuspert sich und zeigt dann auf die junge Worgin „Und dies ist Arlyn Schwarzbach aus Teldrassil.“
„Mich kennen ja die meisten schon, ich bin Kiruni Silberhammer. Wenn ich nicht gerade mit den Kollegen von der Forscherliga unterwegs bin, flicke ich Verwundete wieder zusammen. Und dies ist Rosmelda Steinschild, eine erfahrene Kriegerin mit der ich schon in vielen Schlachten gekämpft habe. Sie erzählt euch besser selbst von dem Auftrag, um den es geht.“
Rosmelda räuspert sich. „Danke, dass ihr alle gekommen seid. Ich will euch nichts vormachen. Der Auftrag ist äußerst gefährlich.“ Sie räuspert sich erneut. „Ihr wisst alle, was in Teldrassil geschehen ist. Der Kriegshäuptling der Horde ist wahnsinnig geworden und muss gestoppt werden. Wenn die Horde es nicht selbst tut, dann tun wir es. Der Auftrag, den ich von Moira Thaurissan erhalten habe lautet: Geht nach Tirisfal und tötet Sylvanas Windläufer.“
Die Kriegerin blickt in die Runde. Kiruni erwidert ihren Blick mit gelassenem Gesicht. Arlyn starrt entschlossen und mit malenden Kieferknochen ins Feuer. Die Waldläuferin wirkt überrascht und nachdenklich. Noxa guckt die Zwergin mit offenem Mund erschrocken an.
Rosmelda spricht mit ruhiger Stimme weiter. „Die Allianzarmee, die von dem jungen König aus Sturmwind zusammen gerufen wurde, belagert die Ruinen von Lordaeron. Viele Krieger und Kriegerinnen unserer Stämme sind ebenfalls unterwegs nach Tirisfal um dort gegen die Horde zu kämpfen. Dies werden wir als Ablenkung nutzen. Die Horde erwartet den Angriff großer Schlachtzüge. Sie rechnen nicht mit einer kleinen Gruppe, die unbemerkt durch die Linien schlüpft.“
Die Kriegerin blickt ihre Zuhörerinnen der Reihe nach ernst an. „Ich will euch nichts vormachen. Es kann gut sein, dass wir nicht zurückkehren werden. Aber ein weiteres Teldrassil muss verhindert werden.“ Rosmelda lehnt sich zurück. „Also, was meint ihr dazu?“
Arlyn sieht die Kriegerin kalt an. Das Zucken in ihrem Lid ist verschwunden. „Du kennst meine Antwort bereits. Ich werde nicht ruhen, bis die Banshee für den Tod meiner Eltern bezahlt hat.“
„Ich bin ebenfalls dabei.“ Kiruni zuckt mit den Schultern. „Ich wollte mir diese Ruinen immer schon mal aus der Nähe ansehen.“
Rhanoriel holt tief Luft. „Sylvanas Windläufer also? Das wird nicht leicht. Aber ...“ ihre Stimme wird feierlich „... du hast meinen Bogen.“ Die Elfe lacht hell auf. „Das wollte ich schon immer mal sagen.“
Alle Blicke richten sich auf Noxa. Die Gnomin schluckt. „Tja, äh, das klingt ja aufregend! Aber ich weiß nicht, ob meine Ausrüstung dafür reicht...“ „Ach was“ grinst Rhanoriel „wir finden schon etwas für dich.“ „Ah. Ja, also dann wäre ich auch gerne dabei.“ Noxa strahlt.
Rosmelda trinkt einen großen Schluck aus ihrem Humpen. Eine Archäologin, eine traumatisierte Killerin, eine Rollenspielerin und eine Anfängerin. Großartig. Was soll denn da schon schief gehen.
Die Kriegerin starrt ins prasselnde Kaminfeuer der lärmenden Gaststube. Nun, sie wird alles dafür tun, damit dies keine Selbstmordmission wird. Sie hat Bryn versprochen, gesund zu ihr zurückzukommen. Sie wird ihr Versprechen halten und sie wird auch die anderen heil zurückbringen. Das Kaminfeuer spiegelt sich in den orange leuchtenden Augen der Dunkeleisenzwergin und ihr langer, dunkler Zopf scheint feurig zu glühen.
Rosmelda Steinschild richtet sich entschlossen auf. Dieses Abenteuer wird nicht ihr letztes sein.
Sie hebt ihren Humpen und stößt mit den anderen an.
„Auf die Freiheit!“
„Auf das Leben!“
„Auf die, die wir lieben!“
„Auf das Abenteuer!“ flüstert Noxa und grinst aufgeregt.
Und dann sitzen die fünf noch bis spät in der Nacht zusammen und besprechen ihren Plan.
Framboise starrt mit offenem Mund auf das Chaos um sie herum. Überall riesige Nachtelfen und Worgen mit wütenden, sorgenvollen oder schmerzverzerrten Gesichtern, dazwischen hektische Gebirgsjäger, Rufe und Schreie ertönen, laut kreischende Hippogryphen schlagen mit den Flügeln, Heiler eilen zwischen den Verletzten hin und her, lärmende Flugmaschinen knattern über das Geschehen hinweg und über allem hängt beißender Brandgeruch.
Da sieht sie plötzlich ein bekanntes Gesicht. "Pella, guck mal, da ist Kiruni." Wichtig fügt sie hinzu: "Das ist eine meiner Kundinnen." Sie zeigt auf eine untersetzte, rothaarige Zwergin mit der rot-weißen Armbinde der Heiler ohne Grenzen. Einer von Kirunis langen Zöpfen ist zur Hälfe verbrannt und ihr Gesicht ist rußverschmiert. In ihrem Gürtel steckt ein großer, runenbedeckter Schmiedehammer, an dem sich immer wieder statische Aufladungen bilden und in kleinen, bläulichen Blitzen entladen. Die Zwergin beugt sich über eine der verletzten Greifenreiterinnen aus Darnassus. Aus den Händen der Heilerin fließt ein sprudelnder Wasserstrahl, den sie über die schlimmen Wunden der Kriegerin führt. Sie winkt eine Gruppe Gnomenpriester herbei, die nach einem Blick auf die schwer verletzte Schildwache mit ernsten Gesichtern eine Hymne anstimmen. Goldenes Licht breitet sich unter der Gruppe aus und strahlt nach oben, taucht die Heiler und die Verletzte in ein funkelndes Leuchten.
Doch ihre Mühen sind umsonst, die Verletzungen der Schildwache sind zu schwer. Als sie stirbt, rollt eine Träne über die Wange der Zwergin. "Verdammt!" Zornig wischt sie sich mit dem Handrücken über die Augen.
Da ertönt ein lauter, schmerzvoller Schrei hinter Kiruni. Als sie sich umdreht, sieht sie noch kurz die messerscharfen Krallen eines großen Hippogryphen vor ihrem Gesicht auftauchen, ehe eine unsichtbare Hand sie wegzieht in Richtung einer geistesgegenwärtigen Pandarenpriesterin.
"Das ist ihr Greif. Er ist übel zugerichtet, ich fürchte, wir werden ihn auch verlieren."
Einige Zwergenjäger eilen herbei und verteilen sich um den verzweifelten Hippogryphen. Eisfallen werden entsichert und Flinten mit Betäubungsmunition geladen.
"Ruuhig, mein Junge, gaanz ruhig!"
Ein alter, weißhaariger Jäger lässt den wild mit dem Kopf rollenden Hippogryphen nicht aus den Augen. Der große Vogel stößt drohende Schreie aus und versucht immer wieder, sich in die Luft abzustoßen. Sein linker Flügel hängt jedoch schlaff herunter und seine Schreie klingen immer schmerzerfüllter.
Der erfahrene Zwerg steht ruhig vor dem riesigen Tier und gibt leise, beruhigende Laute von sich. Eine weitere Jägerin beobachtet jede Bewegung des Greifen aufmerksam, eine entsicherte Eisfalle wurfbereit in den Händen.
Kiruni seufzt und stemmt die Hände in die Hüften. "Oh nein, mein Lieber, du wirst mir nicht auch noch wegsterben! Bring mich hoch zu ihm, Kimu." Entschlossen geht sie auf den Vogel zu und wirft mit einer schnellen Handbewegung ein mit blauen Symbolen bemaltes Holztotem in Richtung des verletzten Greifen. Aus dem Totem sprudelt ein schmaler Strom frischen Quellwassers.
Die Pandarenpriesterin spricht einige Worte zu Kiruni woraufhin diese langsam in die Luft schwebt wie ein Ballon. Die Zwergin rudert einen Moment nervös mit den Armen und findet dann ihr Gleichgewicht wieder. Etwas oberhalb des verletzten Flügels kommt sie zum Stillstand, während der Vogel sie argwöhnisch beobachtet.
"Und, wie sieht es aus?" Die Jägerin mit der Eisfalle wirft einen nervösen Blick in Richtung der scharfen Krallen des Tiers. "Könnt ihr etwas erkennen?"
"Tja, also der Flügel ist gebrochen. Aber das bekommen wir schon hin!"
Kiruni breitet die Arme aus und ein leichter Regen setzt ein, kühlende Tropfen fallen auf die Federn des Tieres. Der Hippogryph wird ruhiger und der Schmerz in seinen Augen weicht Neugier, während er die seltsame kleine Gestalt, die vor ihm in der Luft schwebt, betrachtet.
Die Zwergin beginnt mit kräftiger Stimme eine alte Melodie zu singen, ein Lied in der rauen Sprache der Wildhammer. Ihre Worte erzählen von der Weite des Himmels und dem Rauschen des Windes unter kräftigen Schwingen, von einsamen Berggipfeln und von Freiheit und Leichtigkeit, von Freundschaft und Treue.
Der große Vogel legt den Kopf schief und berührt ihre ausgestreckte Hand mit den Schnabel. Seine Körper wird ruhig und er faltet seinen gesunden Flügel an die Seite während der linke langsam aufhört zu zittern.
Auf ein Zeichen der Pandarenpriesterin hin beginnt die Zwergin langsam wieder in Richtung der Steinfliesen zu sinken während der Vogel seinen Blick nicht von ihr abwendet. Sein Kopf folgt ihr, bis sie auf den kühlen Fliesen sitzt. Kiruni macht ein leises, schnalzendes Geräusch und der Greif legt den Kopf in ihren Schoß. Aus den Händen der Zwergin fließt kühles, schmerzstillendes Wasser und strömt über den verletzen Flügel des Tieres. Der Greif schließt erschöpft die Augen.
Kiruni nickt der Pandarin zu und diese beginnt mit Hilfe der beiden Jäger, den gebrochenen Flügel des Greifen zu schienen während die Zwergin weiter mit sanften Bewegungen den Kopf des Vogels streichelt. Zum Schluss zieht die Priesterin einen kleinen Stab aus ihrem Gürtel und streicht damit über die Verletzung. Dort, wo sie die Federn berührt, beginnen diese in goldenem Licht zu funkeln.
"So, das müsste reichen. Jetzt ist er transportfähig."
Framboise und Pella klatschen erleichtert Beifall. "Hurra!"
Kiruni steht unter leichtem Ächzen wieder auf und wischt sich die nassen Hände am Kleid ab. "Framboise, gut, dass du hier bist!". Kiruni lächelt die Gnomin an. "Bitte kümmere dich darum, dass der Greif zu meinem Haus gebracht wird. Seine Herrin ist gestorben und ich glaube, ich kann sein Vertrauen gewinnen."
Framboise nickt und beginnt geschäftig, den Transport zu organisieren.
"Gut gemacht!" Pella nickt der Zwergin anerkennend zu. Und mit einem Blick auf den verbrannten Zopf "Wenn ihr eine neue Frisur wollt, kommt einfach vorbei. Ihr bekommt einen Sonderpreis!"
Die Jägerin sichert inzwischen die Eisfalle und steckt sie zurück an ihren Gürtel. An ihrer in die Stirn geschobenen Ingenieursbrille surrt leise ein Rädchen.
"Bryn, danke für deine Hilfe!"
"Keine Ursache, Kiruni. Ich bin froh, dass wenigstens der Greif es geschafft hat!" Eine schwarzhaarige Kriegerin tritt hinzu, an der Hand ein kleines Worgenmädchen, das mit einer mechanischen Katze spielt. Die Jägerin lächelt. "Rosi und ich werden die Kleine bei uns aufnehmen. Wir wollten immer eine große Familie."
Lächelnd sieht Kiruni den dreien nach, die sich Hand in Hand entfernen. Langsam wird es ruhiger in der großen Halle. Die restlichen Verletzten werden in die Halle der Paladine gebracht. Dank der Organisation von Gwenna und Königin Graumähne wurden für die meisten der Flüchtlinge bereits Gastgeber gefunden und sie ziehen in kleinen Gruppen in Richtung ihrer Unterkünfte.
Eine Gruppe Mondpriesterinnen unterhält sich angeregt mit einer kräuterkundigen Zwergin über das beste Rezept für einen bekömmlichen Heiltrank. Die Assistenten des Greifenmeisters lassen sich von einer Schildwache die Vorteile eines darnassischen Sattelgurts erläutern. Ein Zwergenkind reitet lachend auf einem in seine Bärenform verwandelten, gutmütig brummenden Druiden. Die Bewohner von Eisenschmiede gehen langsam wieder zum Alltagsgeschäft über.
Nachdenklich packt Kiruni ihre Totems zusammen. Dies war nur der Anfang eines schrecklichen Krieges. Schlimmeres wird kommen. Aber heute Nacht wird sie mit ihren Freunden am Feuer sitzen, sie werden essen, trinken und erzählen und gemeinsam die Dunkelheit fernhalten.