An vielen Stellen ist das Baybachtal nur auf einem Steig passierbar. Wer hier durch will sollte schon sieben bis acht Stunden inklusive Pausen einplanen. Natürlich gehts auch schneller. Aber dann rennt man an vielen interessanten Punkten achtlos vorbei...
Baybachtal – Da musst du durch!
Wanderer kommst du durchs Baybachtal vertraue nur deiner Karte und deinem Instinkt. Eine denkwürdige Zweitagestour vom Rhein zur Mosel im „Ferienland Deutschland“ – Romantik for ever – Der Weg ist das Ziel. Auch wenn andere dich in die Irre führen und Tourismus Strategen andere Pläne schmieden.
Kleine Vorgeschichte - Epilog
Die Sonne war schon lange prächtig aufgegangen, aber das Baybachtal, durch das ich ganz im Eichendorffschen Sinne seit einer Stunde kräftig schritt, lag immer noch im Schatten. Doch eigentlich müsste mein Anfang ganz anders lautet: Etwa so:
Ein herrenloser Koffer am Mainzer Hauptbahnhof hatte meine Pläne tüchtig durch einander gewirbelt. Durch den ausgelösten Bombenalarm fuhr die S-Bahn fünf Minuten später in Mainz ein, aber die Mittelrheinbahn, betrieben von einer Privatgesellschaft, superpünktlich ab. Eine alte Dame suggerierte mir, der nachfolge Zug wäre der Eilzug nach Koblenz – so stand es auch angeschrieben – ich stieg ein und strandete in Wiesbaden. Da ich einen Ort auf der linken Rheinseite – Hirzenach – als Ausgangspunkt für meine Wanderung gewählt hatte, war meine Fahrkarte für stolze 33 Euro schlagartig ungültig geworden und musste umgetauscht werden. Ich wählte also einen Ort auf der rechten Rheinseite - St. Goarshausen - und stieg eine halbe Stunde später in den „Rheingauexpress“, ein Zug, der absolut an jeder Haltestelle zwischen Wiesbaden und Neuwied hält. Inzwischen kam ich mir ein wenig vor wie eine Romanfigur von Kafka, jemand der ständig absurde Situationen erlebt und sich nicht dagegen wehren kann.
Im DB-Servicecenter redete eine norddeutsche Frührentnerin pausenlos auf mich ein, steckte ein herrenloses Zweieurostück ein, das eigentlich jemand anderer entdeckt hatte und fing an, nachdem sie von meinem Missgeschick erfahren hatte, mich ständig zu betatschen. Gute Frau! Ich bin schon vergeben! Noch nie was von „Kölner Armlänge“ gehört.
Alter Wein in neuen Schläuchen: Mittelrhein als PR-Produkt
Im Zug hatte ich ganz im Sinne von Eichendorff eine „illustre Reisegesellschaft“. Zuforderst ein junger Mann mit einem 20 Kilo schweren Rucksack inklusive Zelt, Schlafsack und Isomatte, der schon etliche Jakobswege abgelaufen war und sich für dieses mal den „Rheinsteig“ vorgenommen hatte. Da der Mittelrhein zu meinem Wohnzimmer gehört, hing er bald an meinen Lippen. Ich plauderte über meine Zeit als Lokalredakteur und warf mit Insidertipps um mich, die auch von einer Touristenfamilie aus dem Ruhrgebiet dankbar aufgefangen wurden. Seit dem UNESCO-Welterbe-Rummel ist das Rheinland wieder ein Feriengebiet. Das war vor 30 Jahren noch nicht der Fall. Dabei fließt der wunderbare Fluss schon seit spätestens 40 Millionen Jahren durch diese Gegend. Rheintourismus gibt es dank reicher, berühmter Engländer wie William Turner seit dem frühen 19. Jahrhundert und auch der „Rheinhöhenweg“, dessen Markierung zu Gunsten des „Rheinsteiges“ ziemlich vernachlässigt wird, ist spätestens seit der Kaiser und Wandervogelzeit nachweisbar. Aber am Ende des letzten Jahrhunderts war der Fremdenverkehr ziemlich zum Erliegen gekommen. Deshalb musste ein neues Image her. Neue Zielgruppen mussten angesprochen werden. Junge Leute, die nicht mehr „wandern“ sondern eine „Trecking-Tour“ machen, nicht mehr auf einem normalen „Weg“ sondern wie in den Alpen auf einem „Steig“. Dass jetzt viele junge Leute in die Fußstapfen der romantischen Wandervögel treten, und sich sogar mit kleinen Zelten in die Büsche schlagen, ist zu begrüßen. Als ich vor genau 40 Jahren als Student das Gleiche tat, begegnete ich auf dem Höhenweg zwischen Wiesbaden und Kaub keine Menschenseele, und eine Gruppe gleichaltriger Sozialpädagogikstudenten, die ich in die Jugendherberge Rüdesheim traf, nannten mich einen psychisch gestörten Sonderling. Wer seiner Zeit um vierzig Jahre voraus ist, hat`s nicht leicht im Leben. Das gilt auch heute noch…









