🕴#mood || 'Object #37' By @ewerdt || See More Of Ewerdt Hilgemann's Work @RoyaleProjects 👑 || Exhibiting April 9th to June 4th || 📍432 Seaton Street || #happeningindtla #royaleprojects #artsdistrict #ewerdthilgemann (at Royale Projects)
Konzeptkünstler Ewerdt Hilgemann in Aktion: Wie der implodierte Edelstahlkubus zustande kam
Seit einiger Zeit steht ein verbeulter Metallkubus vor der Kunsthalle. Betrachter bleiben wiederholt verblüfft vor ihm stehen. Es wirkt, als hätte ein Riese wutentbrannt diesen Metallkubus zerquetscht. Oder als wäre jemandem ein überdimensional großes zerknülltes Taschentuch aus der Tasche und direkt vor die Kunsthalle gefallen. Im Folgenden klären wir das Rätsel.
Als der 2 x 2 x 2 m große Edelstahlkubus im Mai vor der Kunsthalle seine Stellung bezog, war er noch symmetrisch und makellos viereckig. Was ist seither passiert? Die scheinbar naheliegendste Erklärung für die Metamorphose des Würfels ist eine enorme äußere Krafteinwirkung. Der grüne Hulk kommt einem da in den Sinn… Allerdings ist dieser naheliegende Gedanke nicht der richtige. Schließlich wirkt die glänzende Oberfläche bei genauer Betrachtung gänzlich unbeschädigt – was man von der Form nicht behaupten kann. Wer zudem den Kubus einmal berührt hat weiß, dass sich das Material nicht ohne Weiteres verformen lässt. Irritation und Ratlosigkeit machen sich beim aufmerksamen Betrachter breit.
Die Lösung des Rätsels ist gleichermaßen einfach wie verblüffend: Dem Kubus wurde die Luft entzogen. Ja, entzogen und zwar mit Hilfe einer Vakuumpumpe durch ein kleines Ventil, das nur erkennbar ist, wenn man den Kubus ganz genau in Augenschein nimmt. Seit den 1980er-Jahren widmet sich der Konzeptkünstler und selbsternannte „Luftschmied“ Ewerdt Hilgemann (*1938 in Witten, Ruhr) geometrischen Skulpturen, zumeist Kuben, die durch Zufall und natürliche Kräfte verformt werden: „Ich habe Objekte explodieren lassen, habe sie fallen lassen – und nun implodieren sie mir“.
Am Abend des 24. Mai 2014 während der Langen Nacht der Bremer Museen 2014 war es dann auch für den Kubus vor der Kunsthalle soweit. Der Künstler ließ den Kubus vor den Augen der Öffentlichkeit in einer seiner spektakulären Implosions-Aktionen verformen. Keine plötzliche Verwandlung oder schnelle Transformation, der Prozess dauerte circa 1 ½ Stunden. 1 ½ Stunden in denen sich Ewerdt Hilgemann Zeit nahm. Die Vakuumpumpe wurde an den luftdichten Edelstahlhohlkörper angeschlossen und die Implosion begann. Zunächst waren die Veränderungen, die durch den Entzug der Binnenluft entstanden, kaum sichtbar. Sanft aber stetig verformte sich der Würfel. Keine Zerstörungswut, sondern Kreativität war also hier die treibende Kraft auf dem Vorplatz der Kunsthalle!
Wann ein Werk vollendet ist, bleibt das Geheimnis des Künstlers. Ein wenig Irritation ist gewünscht, schließlich repräsentiert jedes implodierte Kunstwerk des Künstlers den physikalischen Vorgang als solchen und die Schönheit besteht in der Einzigartigkeit jedes einzelnen Werkes.
Das Werk wurde dem Kunstverein in Bremen von der Sammlerin Vera König geschenkt und wird voraussichtlich noch bis August 2014 vor der Kunsthalle präsentiert.
Sein nächstes Projekt wartet bereits auf Ewerdt Hilgemann. Er folgt der Einladung des Park Avenue Sculpture Committee und stellt ab August 2014 seine Arbeiten für drei Monate in New York an der Park Avenue aus. Mehr Arbeiten von Ewerdt Hilgemann könnt Ihr Euch hier anschauen.
Über die Arbeit des Künstlers:
Ewerdt Hilgemann gehörte von 1974 bis 1989 der Künstlergruppe internationaler arbeitskreis für konstruktive gestaltung an. Nachdem seine Arbeiten der 1960er- und 1970er-Jahre aus seriell-minimalistischen Installationen und abstrakt-geometrischen Skulpturen bestanden, kam es mit Beginn der 1980er-Jahre zur entscheidenden Wende in seinem Werk: Seitdem lässt Hilgemann seine geometrischen Skulpturen, zumeist Kuben, durch den Zufall und natürliche Kräfte verformen. So rollte er 1982 in den Marmorbrüchen von Carrara einen mannshohen Marmorkubus, den er zuvor sorgfältig poliert hatte, eine Bruchhalde hinab, ließ 1983 eine Kugel aus Carrara-Marmor gezielt explodieren und stieß auf dem Ost-West Forum in Dordrecht einen Stahlkubus vom Dach eines Hochhauses hinab.
Christine Peters | 27.06.2014
Abbildungen:
(1-2) Der 2 x 2 x 2 Meter große Edelstahlkubus vor bzw. nach seiner Implosion, Foto rechts: Kai Hilgemann
(3) Zwischenzustand: Während der Langen Nacht der Museen 2014 führte der Künstler den Implosionsprozess durch.
Das folgende Video ist während der Langen Nacht der Bremer Museen 2014 entstanden und zeigt Momentaufnahmen der eindrucksvollen Kubus-Transformation.