1983, ungefähr
1 000 000 000 mal bis 1 000 zählen; wer hätte gedacht, dass das je möglich sein wird
Mir wird 2020 dieser Tweet in die Twitter-Timeline gespült:
Ja, ich bin “blown away” von einer 1 TB Micro-SD-Karte! An den Antworten auf den Tweet merke ich aber auch, wie alt ich schon bin. In den Antworten geht es um 20 MB Festplatten und 400 KB Floppy drives. Na sowas!
Ein Terabyte! Das sind 1 000 000 000 000 Bytes! Also 1 000 000 000 mal so viel, wie mein erster Computer hatte.
Das ist nämlich ein ZX81 von Sinclair mit einem KB, also immerhin 1 000 Byte, Speicherplatz. Den ZX81 kaufe ich ungefähr 1983 von hart erspartem Taschengeld. Zu dem Computer dazu kaufe ich einen gebrauchten Schwarz-Weiß-Fernseher, der als Bildschirm für den Computer dient. Mit 1 KB Speicher kann man nicht so sehr viel machen, ein großer Teil des Speichers wird schon für die Darstellung des Bildschirminhalts benötigt.
Ich kaufe darum für teures Geld eine 16 KB Speichererweiterung dazu. Das ist ein Kästchen ungefähr in der Größe von zwei Zigarettenschachteln, das hinten über einen Stecker an den ZX81 drangesteckt wird. Mit 16 KB reicht der Speicher für kleinere Programme in BASIC oder in Assembler aus. In meiner Erinnerung - 2020 aufgeschrieben, vielleicht glorifiziere ich das auch - habe ich daran recht viel gelernt: Zum Beispiel, wie ich die Sinus- und Kosinusfunktionen nutzen kann, um die Koordinaten eines Punktes auf einem Kreis zu berechnen. Ich bekomme es also hin, eine Uhr mit Ziffernblatt zu programmieren. Eine Uhr mit Ziffernblatt, die in Klötzchengrafik auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher dargestellt wird, so nützlich ist der ZX81.
Die 16 KB Speichererweiterung hat aber ein Problem. Heute, zum Aufschreibezeitpunkt 2020, kann man sowas ja alles im Internet nachlesen, aber 1983 kenne ich niemanden, der außer mir auch einen ZX81 besitzt - ich weiß deshalb nicht, dass es vielen genauso geht wie mir: Die Kontakte der Speichererweiterung sind extrem empfindlich, und Oxidation der Kontakte führt nach einiger Benutzungszeit zu ständigen Wackelkontakten. Bei einer winzigen Störung der Kontakte zwischen ZX81 und Speichererweiterung stürzt der kleine Computer aber komplett ab. Vergisst alles, was man gerade getan hat. Nicht selten ist die konzentrierte Programmierarbeit von zwei, drei Stunden durch einen unbedachten Stoß gegen den Tisch innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder vernichtet. Will ich etwas dauerhafter als in dem vergesslichen Speicher des ZX81 abspeichern, kann ich das mit einem Kassettenrekorder tun. Ausgang des ZX an den Mikrofoneingang des Kassettenrekorders, Aufnahme-Knopf drücken und den “SAVE”-Befehl eingeben. Und hoffen, dass sich das Programm von der Kassette später wieder laden lässt und keine Lesefehler auftreten.
(Molinarius)



















