Wo ist Gott? Im Meeresrauschen!
Wo ist Gott? Im Eichenwald!
Kehr in dich und lerne lauschen,
Seinen Atem hörst du bald!
Wo ist Gott? Im Duft der Linde
Und im Lied der Nachtigall!
Und im Hauch der Frühlingswinde,
Überall im Weltenall!
- Felix Dahn

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Wo ist Gott? Im Meeresrauschen!
Wo ist Gott? Im Eichenwald!
Kehr in dich und lerne lauschen,
Seinen Atem hörst du bald!
Wo ist Gott? Im Duft der Linde
Und im Lied der Nachtigall!
Und im Hauch der Frühlingswinde,
Überall im Weltenall!
- Felix Dahn
Johannes Gehrts (1855-1921), 'Ragnarok', from ''Walhall- Germanische Götter- und Heldensagen'' by Felix Dahn, 1888 Source
Hagens Sterbelied
Nun werd' ich sehr alleine! – Die Fürsten liegen tot: – Wie glänzt im Mondenscheine der Estrich blutig rot!
Die fröhlichen Burgunden, wie sie nun stille sind! Ich höre, wie aus Wunden das Blut in Tropfen rinnt.
Es steiget aus dem Hause ein Dunst von Blute schwer, Schon kreischen nach dem Schmause die Geier ringsumher.
Es schläft der König Gunter in fieberwirrem Schlaf, Seit ihn vom Turm herunter ein spitzer Bolzen traf.
Und Volker liegt erschlagen; der lachte, wie er fiel: »Nimm all mein Erbe, Hagen, nimm du mein Saitenspiel.«
Er trug, vor Heunentücken geschirmt, die Fiedel traut Auf seinem sichern Rücken, den nie ein Feind geschaut.
Sie scholl wie Nachtigallen, wenn Volker sie gespannt; Wohl anders wird sie schallen in meiner harten Hand.
Vier Saiten sind zersprungen, – drei haften noch daran! – Ich habe nie gesungen, ich bin kein Fiedelmann. –
Doch treibt mich's, zu versuchen, wie Hagens Weise geht: Ich denk', ein gutes Fluchen ist auch kein schlecht Gebet!
So sei'n verflucht die Weiber, Weib ist, was falsch und schlecht: Hier um zwei weiße Leiber verdirbt Burgunds Geschlecht!
Und Fluch dem Wahngetriebe von Sitte, Liebe, Recht: Erlogen ist die Liebe, und nur der Haß ist echt.
Die Reue ist der Narren! Nur das ist Atmens wert, Im Tod noch auszuharren beim Groll, beim Stolz, beim Schwert.
Und hätt' ich zu beraten neu meine ganze Bahn, – Ich ließe meiner Taten nicht eine ungetan.
Und käm', der Welt Entzücken, ein zweiter Siegfried her, – Ich stieß' ihm in den Rücken zum zweitenmal den Speer!
Was reißt ihr, feige Saiten ? Versagt ihr solchem Sang ? – Ha, wer mit mächt'gem Schreiten kommt dort den Hof entlang?
Das ist kein Heunenspäher, das dröhnt wie Schicksalsgang, Und näher, immer näher: – ein Schatte riesenlang. –
Auf, Gunter, jetzt erwache, den Schritt kenn' ich von fern: Auf, auf! – Der Tod, die Rache und Dietrich kömmt von Bern!
Felix Dahn, Gesammelte Werke
Krimhilde
Auf dem Söller stand Krimhilde, sah ins braune Heideland, Helme blitzten, Speer’ und Schilde von dem fernen Hügelrand
Aus der Stirn die feuerblonden Locken strich die weiße Hand: „Seid willkommen, ihr Burgonden- – Gäste in Krimhildens Land!
Sieben Jahre mächtig, mächtig hab’ ich diesen Tag ersehnt: Schwer alltäglich und allnächtig hat mein Harren sich gedehnt
Wann ich von des Heunen Munde Kuß auf Kuß mit Schaudern trug, Dacht’ ich schweigend an die Stunde, die nun endlich zögernd schlug
König Etzel, zu den Waffen, den man Gottesgeißel nennt! Nun den Brautschatz sollst du schaffen, der in Blut und Feuer brennt.
Nicht umsonst gab ich dem größten Waffenkönig diesen Leib: Rache, Rache soll mich trösten, wie sie nie genoß ein Weib.
Sieh, es scheuet, König Gunther, hoch dein Hengst vor meiner Brück’: Klopfe nur den Hals ihm munter, – niemals trägt er dich zurück
Als mein Siegfried ritt zu jagen, hat auch ihm nicht bang gegraut, Und du hast ihn doch erschlagen, der so arglos dir vertraut.
Seh’ ich recht? Ja, das ist Hagen! Traun, ein Gott nahm ihm den Sinn: Konnt’ er sonst ins Land sich wagen, wo Krimhilde Königin?
Magst dein Haupt so hoch du tragen wie die höchste Tann’ im Hag: Diese Hand soll’s niederschlagen, die auf Siegfrieds Herzen lag.
Aber dort, auf weißem Pferde, – frei sein Goldhaar spielt im Wind – Mit der freundlichen Gebärde, – das ist Giselher, das Kind.
O mein Bruder mild von Sitten, mit den Wangen weiß und rot, O was bist du mit geritten zu Krimhildens Gastgebot!
Sieh, sie steigen von den Rossen: – Hagen auch: – sie sind herein: – Dumpf hat sich das Thor geschlossen: alle, alle sind sie mein!“
Felix Dahn, Gesammelte Werke