Zwischen dem was ich denke und dem was ich tue liegt ein Abgrund, so weit auseinander das man kaum noch die andere Seite sieht. Man kann es nur erahnen. Ich weiß nicht ob es jemals eine Brücke gab und je länger ich darüber nachdenke umso ferner scheint die Antwort.
Doch was einmal auseinander brach, kann nicht wieder vereint werden. Vielleicht bei zerrissenen Buchseiten, aber nicht bei Stein. Der Grand Canyon wird schließlich auch niemals zusammenfinden bis nur noch eine unebenes aber nicht geteiltes Stück Stein übrig bleibt..
Und dort liegt das Problem. Wo bin ich bei dem ganzen?
Auf der Seite meines Verstandes oder dem meines Handels?
Oder bin ich dazwischen, gefallen in einem scheinbar nie endenden Abgrund?
Der Verstand sollte doch eigentlich das Verhalten steuern?
Aber sie sind zu weit voneinander entfernt um eine Verbindung aufbauen zu können.
Was auch immer mein Verhalten lenkt, mein Verstand ist es nicht.
Heißt das ich werde verrückt?
Ich habe nämlich schon lange nicht mehr das Gefühl das ich die Kontrolle habe.
Irgendwann ging sie verloren im Laufe der letzten Jahre.
Und Zeitreisen sind nun mal nicht möglich.
Vielleicht irgendwann. Aber bis dahin liege ich schon unter der Erde, mein Fleisch schon seit Ewigkeiten zersetzt, nur noch Knochen als Überbleibsel.
Mein Verstand ist aus Treibsand und ich stehe bereits Meter tief drinnen.
Müsste man dann nicht eigentlich meinen das es sehr wohl mein Verhalten planen und kontrollieren kann?
Ich denke die Antwort darauf ist ja.
Aber nur weil etwas logisch erscheint muss es nicht der Realität entsprechen.
Meist ist es doch das Gegenteil.
Weil alles was ist und war, ist irgendwie paradox. Das Leben, die Menschheit, das Empfinden.
Ich sollte mich damit zurecht finden, an das gespaltene, an das fragmentiere existieren.
Aber ich kann es nicht, weil ich ständig darüber nachdenken muss das dieses Empfinden aus der Norm fällt, das andere Menschen sehr wohl die Kontrolle haben.
Das bei ihnen kein Abgrund zwischen Verstand und Handeln ist. Sie sind nicht verloren in einen Abgrund. Sie wissen wer sie sind. Mehr oder weniger.
Aber ich wurde in Teile zerrissen, die irreparabel sind.
Ich bin nichts weiter als Existent.
Und doch sehne ich mich nach mehr.
Ich fühle das schon seit einer geraumen Zeit.
Und je mehr Zeit vergeht umso breiter wird der Abgrund.
Ich weiß nicht warum ich handle wie ich handle.
So als hätte ich einfach keinen Einfluss mehr darauf.
Ich Kann es nicht mehr lenken.
Es fühlt sich an als hätte eine Fremde Instanz sich in mir eingenistet die alles lenkt was ich tue oder sage.
Ich weiß noch nicht mal ob ich überhaupt bin oder einfach nur existiere.
Und ich kann mich nicht erinnern wer ich war als ich jemand war.
War ich überhaupt jemals jemand?
Sogar die Zeit ist fragmentiert.
Oft fühlt es sich so an als würde ich aus einem Koma erwachen. An einem anderen Tag als wo ich gerade noch war.
Als hätte sich die Zeit dafür entschieden ohne meines Wissens weiterzulaufen, auf Zeitraffer. Plötzlich ist es eine andere Zeitspanne obwohl es die gleiche war wie noch vor paar Sekunden.