Fototreff #24 - Am 01. Juni war beim Fototreff #24 der Künstler Gábor Arion Kudász aus Budapest zu Gast. Kudász veröffentlichte im März 2018 sein Buch HUMAN im Eigenverlag, und sprach an diesem Abend mit Felix Hoffmann, Kurator des C/O Berlin, über seine Publikation.
Kudasz´s Arbeit HUMAN fasziniert durch ihre fotografische Vieldeutigkeit. Die Großformatbilder einer ehemaligen osteuropäischen Ziegelsteinfabrik sind miteinander auf unterschiedliche Weise verbunden. Steine fügen sich zu Strukturen, Arbeiter setzen sich skulptural in Szene und lenken unseren Blick auf das menschliche Maß im Vergleich zum steinernen Gleichklang des inszenierten Produkts. Es finden sich vermeintliche Ausreißer der Fertigung genauso wie Bilder ihrer gelangweilten und erschöpften Produzenten. Politische Gesten der Arbeiter, Kreidepläne eines noch nicht realisierten Wohnraums, und archaisch in Szene gesetzte letzte Relikte der Herstellung, zeigen eine längst vergangene Gesellschaftsform körperlicher Produktion, die uns befremdet und fast surreal anmutet. HUMAN spiegelt den fotografischen Prozess und geht mit ihm eine Verbindung ein, die uns buchstäblich das Maß der Dinge, sowie das Maß der Fotografie als abbildendes, inszenierendes und methaphorisches Medium gleichzeitig erleben und hinterfragen läßt.
Gábor Arion Kudász wurde 1978 in Budapest geboren. Im Jahr 2003 schloss er sein Studium der Fotografie an der Ungarischen Universität für Kunst und Design (MOME) ab, wo er 2016 mit HUMAN promovierte. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den bekannten Robert Capa Grand-Preis und die renommierte Rudolf Balogh-Auszeichnung. Seine Langzeitserie HUMAN untersucht das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt anhand eines breiten Themenspektrums von Stadtentwicklung, Technik, privater Geschichte und Erinnerungsarbeit. Er selbst versteht seinen fotografischen Ansatz als dokumentarisch, und bezieht in seine Serien auch inszenierte oder konzeptuelle Elemente ein. Seit 2013 ist er Lehrbeauftragter an der Moholy-Nagy University of Art and Design. Er ist Vater von drei Kindern, lebt und arbeitet in Budapest.
Felix Hoffmann, C/O Berlin
Felix Hoffmann ist Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler und seit 2005 Hauptkurator der C/O Berlin Foundation. Er hat am Museum Folkwang/ Essen, dem Kupferstichkabinett/ Dresden und dem Fotomuseum/ München als Stipendiat der Krupp Stiftung gearbeitet. Den Nachwuchsbereich Talents bei C/O Berlin hat er mitinitiiert und ist Kurator zahlreicher internationale Ausstellungen u.a. Nan Goldin (2009), Larry Clark (2012), Gordon Parks (2015), oder Themenausstellungen wie „unheimlich vertraut . Bilder vom Terror“ (2011) oder „Kreuzberg-Amerika“ (2016). Darüber hinaus hat er zahlreiche Texte und Bücher publiziert.