Isolation und gleich beginnend mit der Nacht.Ich wache auf und bemerke sogleich, dass etwas anders ist. Richtig, ich bin im Krankenhaus. Ich sehe einen Spalt Licht auf dem Gang der Station. Ich traue mich nicht mein Handy anzuschalten, denn es wird mich sehr erwecken und ich verspiele mir die Chance weiterschlafen zu können. Ich achte auf mein Bauch, der sich bemerkbar macht. Mir ist übel. Ich stehe auf und öffne das Fenster. Ich trinke etwas und schaue letztendlich doch auf das Handy. Mehrere Nachrichten meiner Freunde. Die Uhrzeit. Es ist 2:30. Na super. Da kann ich nicht schon aufstehen. Ich höre nur die Sprachnachricht ab, beginne Musik zu starten um mich abzulenken. Ich schlafe ein.7:00 Uhr. Draußen ist Lärm. Ich wache auf. Wahrscheinlich nicht für mich, doch eventuell hätte es der leitende Arzt sein können. 7:30: Ich setze mich an den einzigen Tisch im Raum und beginne zu lernen. Auf der Toilette färbt sich mein Urin nun hellorange. Dann kommt das Frühstück. Das putzte ich runter und gönne mir eine Dusche. Ich schreibe meinen Freunden adäquate Antworten zurück. Um halb 11 rund kommt der Doktor in mein Zimmer, der leitende Oberarzt. Er redet von multiresistenten Keimen, davon dass es alles mögliche sein könnte und was bei mir ansteht. Ich unterrichte ihn darüber, dass eine offene Tuberkulose, die infektiös ist, bereits gesichert ist. Er meint, davon wisse er nichts. Ich frage wie groß die Kavernen sind, davon weiß er nichts. Aber Angst verbreiten, dass kann er. Er fragt wo ich das eingefangen haben könnte. Ich erzähle bereitwillig von meinem Arbeitsplatz und meiner Reise nach Russland. Letztenendes geht er. Ich lerne weiter, bis mein Mittagessen kommt. Mein bester Freund meldet sich bei mir. Wir telefonieren unterhaltend. Er kennt mich und ist ein Meister der Gesprächsführung in schwierigen Situationen. Wir haben eine gute Zeit. Meine Freundein, ein Engel und eine helfende Hand in meiner Situation, meldet sich bei mir und kündigt sich für einen Besuch auf 13 Uhr an. Ich bin nicht sehr begeistert von meiner Lernperformance heute. Ich beschließe mehr zu tun und wiederhole eine Lernkarte. Hörthört, Leberraumforderung. Ich mache sie durch. Das Essen und der Salat, leider nur mit Löffel da die Gabel fehlt, ist schnell weg. Meine Freundin schneit herein und es ist so schön sie zu sehen. Wir umarmen uns lange - als wäre wir beide auf einer langen Seefahrt gewesen. Wir witzeln und reden über gestern. Tatsächlich sagt sie, dass sie nicht wusste warum sie geweint hat. Ich lese ihr vor aus den Känguru-Chroniken, sie lacht. Ich liebe ihr lachen. Die Geschichten sind klasse. Obwohl Sie einen blauen Fließkittel, eine weiße dichte Mundmaske, einen grünen Haarschutz und cremefarbene Handschuhe trägt zögert sie nicht mich zu drücken. Wir reden für 2 Stunden, sie fragt mich in der letzten halben Stunde noch eine Lernkarte ab. Wir verabreden uns wieder auf 16:30, den sie will noch etwas erledigen. Ich schlafe stattdessen, denn die Krankheit und auch die Umstande machen sehr müde. Für ne ganze Stunde. Sie kommt herein und ich freue mich. Das wird langsam zum Pavlowschen Hund-Signal für Freude. Ich steh’ auf Kommunikation und umso mehr mag ich Besuch. Ich schreibe über den Tag hinweg mit mit meiner Familie und Freunden. Wirklich nette nette Leute. Abends sehe ich mir eine Folge Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ an, nach dem Abendessen. Um 20 Uhr beginne ich mit einem Kapitel Fachliteratur. Einige Dinge, die ich vergessen habe. Vor allem die autochthone Nackenmuskulatur. Es war eine gute Idee das anzuschauen. Um 21 Uhr bin ich damit fertig. Schwester J., eine engagierte Krankenschwester, betritt den Raum und wir unterhalten unds über die Dinge, die in dem Zimmer fehlen. Ich erzähle nebenbei, dass die Tbc offen ist, sie ist schockiert. Beauftragt mit Tee bringen, Telefonkarte, Magenschutz, Hustenschutz und neuer Isolationstonne dampft sie mit den Worten „du bleibst uns ja noch eine Weile erhalten“. Ich bedanke mich. Sie betritt wenig später mit allem drum und dran den Raum erneut. Wir unterhalten uns danach über ihre Wohnsituation und ihre Kinder. Meine Freundin ruft an und wir telefonieren. Sie war mit ihrer Familie in der Stadtt Sushi essen. Die Eltern sind ganz besorgt um mich und haben mir sogar etwas mitgebracht, womit ich nie gerechnet hätte. Außerdem ist in ihrer Heimat Tuberkulose-Erfahrung vorhanden und wir sind herzlich eingeladen nach Ausheilung bei Ihnen vorbeizukommen. Zum Abschluss des Gespräches lese ich ihr noch ein paar Kapitel vor. Es geht um ein Känguru, das in eine WG eingezogen ist und gesellschaftskritische Klingeltöne für 5 Euro verkauft. Amüsant ist es, es bringt uns zum lachen. Wir verabreden und für morgen und legen auf. Nachts um 23 Uhr schaue ich noch etwas von meinem neu gewonnenen Fernsehen, sende meinem Vater eine Bescheinigung für irgendetwas Wichtiges und schreibe einen zweiten Tagebucheintrag. Langsam wird das zur Routine.















