Mein neuer Dienstwagen und andere Unannehmlichkeiten
Heute Morgen habe ich nun meinen neuen Dienstwagen bekommen, mit dem ich die alltägliche Fahrt zur Arbeit bewerkstelligen darf. Gut, Dienstwagen ist vielleicht etwas hochgegriffen. Es ist wie ja bereits angedeutet das alte Fahrrad von Louis. Ist soweit auch vollständig, bis auf wenige Ausnahmen. Es hat keine Klingel, ist ein bisschen blöd, weil nur wer hupt wird hier überhaupt beachtet. Es hat zudem kein Licht, ist auch ein bisschen blöd, weil es ab 18 Uhr stockduster wird und mein Weg zurück von der Arbeit einen buckligen, unbeleuchteten Schotterweg entlang führt. Vor einem stehende Kühe oder andere Heiligtümer sieht man also erst, wenn es schon zu spät ist. Und das Fahrrad hat keine Bremsen. Gut, es gibt schon welche, aber die sind mehr angedeutet, weil beim Durchdrücken der Bremsen so ziemlich alles passiert, nur keine Verringerung der Geschwindigkeit. Aber ich will mal nicht klagen, immerhin bin ich damit unabhängig und innerhalb von 15 Minuten auf der Arbeit (wenn nichts dazwischen kommt). Das direkt beim ersten Weg zur Arbeit die Kette abgesprungen ist, nehm ich mal als gutes Omen, gemäß der geplatzten Generalprobe. Wenn ich den Schotterweg hinter mich gelassen habe, muss ich auf dem Weg zum Campus noch die Hauptstraße überqueren. Kann man sich so ein bisschen wie das gute alte Frogger (machen vielleicht auch als Froschhüpfen bekannt) vorstellen. Nur, dass man nicht einfach auf Wiederholen klicken kann, wenn etwas schief gelaufen ist.
Als ich mich heute Morgen fertig machen wollte und eingeseift unter der Dusche stand, fing plötzlich das Wasser nur noch an zu tröpfeln. Die letzten Tropfen nutzte ich schnell, um mich von der Seife zu befreien. Ein Blick auf den Wasserhahn am Waschbecken verriet mir dann, dass auch hier kein Wasser mehr zu holen war. Ich ging hinunter in die Küche, auch nichts. Als ich dann meinen Mitbewohner fragte, ob er Wasser hätte, meinte er „klar“ und ging voller Selbstbewusstsein in sein Badezimmer. Das Ergebnis dürfte bekannt sein. Aber er hatte auch direkt eine Lösung, es gibt wohn einen Schalter, mit dem neues Wasser aus dem Vorrat vom Dach in das Appartement geleitet wird. Ich hab auch so einen Schalter in meinem Badezimmer. Dachte bis jetzt immer, der wäre zum Aufwärmen des Wassers, aber warm wurde es trotzdem nie. Vielleicht habe ich ja aus Versehen mit meinem Schalter das ganze Wasser abpumpen lassen? Naja, heute Abend geht das Wasser nun wieder, also kein Anlass zur Beunruhigung. Außer vielleicht, dass das Licht jetzt nicht mehr geht :-) Aber scheint in Indien normal zu sein, auf der Arbeit geht das Licht auf dem gesamten Campus alle paar Stunden für ein paar Sekunden aus. Dann wird scheinbar ein Generator umgeschaltet. Der Strom für die PCs funktioniert jedoch auch weiterhin. Und so wird bestimmt auch hier das Licht gleich wieder gehen. Zum Glück hat das Notebook beleuchtbare Tasten …
Mittlerweile hat sich auch die Wohnsituation für mich ein bisschen aufgeklärt. Tobi, den ich als ersten Mitbewohner kennengelernt habe, ist gar kein Mitbewohner. Er arbeitet für Bridgit, bringt ab und zu das Essen und schmeißt den Haushalt. Dann pflanzt er sich meist noch ein paar Stunden vor die Glotze und fährt dann wieder. Scheint ein netter Kerl zu sein, nur spricht er ja leider kein Englisch. Dann hätten wir da noch Vijaykumar, eine IT-Fachkraft auf Chennai. Ist auch ein netter, aber hat einen dermaßen starken Akzent, dass man sein Englisch nur erahnen kann. Der dritte Mitbewohner, ebenfalls ein indischer IT-Spezialist mit langem schwarzen Bart, ist mittlerweile umgezogen. Warum weiß ich aber nicht. Ist ein bisschen blöd gelaufen, weil er freitags zu mir meinte, wir könnten ja sonntags die Stadt unsicher machen, und dann war er sonntags schon ausgezogen, ohne dass ich das wusste. Naja sei’s drum. In der ersten Nacht hat dann noch Bridgit’s Sohn mit zwei Freunden hier übernachtet, direkt vor meinem Zimmer. Da das ganze Haus extrem hellhörig ist und sich die drei anscheinend 350 Jahre nicht gesehen hatten, hatten sie sich die ganze Nacht was zu erzählen. Aber ich wollte ja in meiner ersten Nacht auch nicht unhöflich sein, und bisher waren sie auch nicht wieder hier.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Gestern hatte eine Arbeitskollegin Geburtstag und zur Feier des Tages gab es dann einen kleinen Kuchen. Und als alle ein Stück abbekommen hatten, wurde dem Geburtstagskind mit dem restlichen Kuchen das Gesicht verziert, warum auch nicht ;-) Danach gab es sogar noch eine kleine Pizza (ungefähr so groß wie eine Untertasse). Fand ich super, sollten wir jetzt jede Woche machen. Zum Glück habe ich im Februar Geburtstag, so dass ich die ganzen Torten der anderen genießen kann. Und als da die gute Laune schon fast auf dem Höhepunkt war, fand mein Chef endlich eine Möglichkeit, mich in ein ausländisches Capgemini-Netzwerk einzuloggen. Damit kann ich dann die harten Restriktionen für das indische Netzwerk umgehen und kann nun endlich meinen Blog regelmäßig veröffentlichen. Und wenn dann noch die Tage das Internet für mein Appartement kommen sollte, dann wäre ich rundum zufrieden.