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Der Gegenstand
Ist eurer Dichterei
Nicht würdig.
– Karl Held
What you call “everyday class struggle” turns polemically not against the political-economic system of rule, but against the normal attempts to cope with it: you reproach the rest of humanity with adaptation and playing along, and think it appropriate to be a living example to them, that one in the middle of capitalism undisturbed by its constraints could live a free life that one can simply “self-organize in a self-critical and reflective way.” But ask yourself seriously: who really thinks that he does not already do that? The people in capitalism are proud of nothing more than that they – like you and your friends – make the best of often adverse circumstances, and that in these conditions they know how to wrest a self-determined, in some way successful, life. They are not interested in the system of exploitation to which they are subjected, because they never deal with capitalism any differently than by dividing it into opportunities and obstacles to their self-realization and by trying to grab the opportunities and overcome the obstacles. A reflective shaping of one's own life always comes out; it needs indeed nothing in addition but the cheap conceit that, wherever one ends up in the capitalist jungle, one has picked it for oneself. In the belief that one's life follows not the imperatives of capital, but that one cultivates a completely self-chosen lifestyle according to one's taste and “self-organizes in a self-critical and reflective way,” your nonconformist friends, who in self-arrangement in the market economy's misery have found the “right living in the wrong society,” don't differ whatsoever from the normal people whose conformist morality you find improper.
GegenStandpunkt
Unquestionably, an array of goods that did not even exist at the beginnings of “industrial society,” much less be accessible to workers, is on offer today to the modern employee. It is certainly deniable that this circumstance justifies the honorary title “affluent society,” which capitalism has adorned itself with for more than half a century. The cars, freezers, or plasma screen televisions that are sighted in working class households have to serve as evidence. As if a mobile working population would be able to work flexibly in regard to where and when they work in “flexible companies” without having a set of wheels. The narrow window of time that still remains after an exhausting workday for handling the food question requires, for the purpose of saving time, stockpiling, which can't be done without refrigerators and other technical devices. The fact that the performance required in a modern job exhausts its holder without him getting a handsome reward goes well with the offers of the home electronics entertainment industry. A TV is just right for filling the little piece of recreational time that still remains after completing the necessities of reproduction for the next workday. In comparison to mighty cultural deeds outside the home, the home theater is first of all time saving. Second, the passive consumption of moving images does not demand too much of the remnants of fitness and attention, which are at best leftovers from facing the demands of work. And third, the thing is still significantly cheaper than Lincoln Center or Carnegie Hall, and is thus commensurate with the modest salary of a wage earner. The quantities time, energy, and money out of which the constraints of the wage worker’s existence are composed have become the target of a business-minded industry.
GegenStandpunkt, Ideologies about consumption and the consumer in the market economy (2010)
Die Gewaltfrage...
...lautet nicht: Wer hat sie, warum, gegen wen? Was leistet sie, und will ich mir das gefallen lassen?
Sie heißt: Darf man - schlägern, schießen, Bomben werfen?
Und ist vor allem überhaupt keine Frage.
Wäre sie eine, dann wäre die Antwort nicht schwer: Natürlich darf man; man muß sogar: Polizei und Wehrmacht sind mit gar nichts anderem beschäftigt; nichts ist normaler, alltäglicher, erlaubter als Zuschlagen, Erschießen, Bombardieren. Aber bei einer solchen Antwort hätte ja wahrhaftig ein Bürger die Gewaltfrage total mißverstanden und seine Staatsgewalt daraufhin befragt, was die sich so alles herausnimmt.
Gerade das ist mit "Gewaltfrage" nicht gemeint. Die richten die wenigen Macher und die zahllosen Amateur-Anwälte des Staates an Bürger, die im Verdacht stehen, Unerlaubtes nicht nur denken und tun, sondern regelrecht durchsetzen zu wollen. Und da ist die Frageform die zynische Einkleidung der Verurteilung. Nicht genug damit, daß die Staatsgewalt zuschlägt gegen jeden, dem sie Unerlaubtes ankreidet. Schämen soll man sich auch noch, daß man überhaupt so getan hat, als könnte ein freier Bürger in Sachen Wollen und Durchsetzen je sein eigener Herr sein dürfen. Das ist die einzig zulässige "Antwort" auf die "Gewaltfrage", denn das ist ihr ganzer Inhalt.
Die "Gewaltfrage" ist also die moderne Gretchenfrage, gestellt an jeden, der seine Staatstreue nicht als dicken Meinungsknopf vor sich herträgt. Solchen Typen macht sie die Alternative auf zwischen Dafür-Sein und Kriminalität. Der Staat, der sie stellt, verläßt sich felsenfest darauf, daß seine Bürger sich schon längst entschieden haben zwischen abweichenden Anliegen und gutem Gewissen.
Kann er sich darauf einmal nicht mehr verlassen; muß er damit rechnen, daß seine Untertanen ihre Interessen einmal mit den Mitteln verfolgen, wie er sie ihrem Interesse entgegensetzt; ist also die Machtfrage im Klassenstaat wirklich gestellt - dann hat die "Gewaltfrage" im Handumdrehen ausgedient. Ganzer Text: http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/85/85_3/gewalt.htm
Deutsche Drangsale auf dem Weg zur globalisierten Nation
Politik mit Flüchtlingen Der anhaltende Zustrom und die Menge der schon angekommenen Flüchtlinge aus zahlreichen Kriegs- und Armutsregionen der Welt regt Deutschland ziemlich auf. Den Forderungen nach Schließung der Grenzen und Änderung der Asylpraxis, Ausweisung illegal Eingereister oder zumindest Einführung einer Höchstzahl für Einwanderer hält die Bundeskanzlerin seit Monaten ihren Standpunkt entgegen: Eine Abschottung der deutschen Grenzen sei praktisch nicht machbar und politisch nicht erwünscht, der auch von ihr als problematisch erachtete Massenzustrom müsse langfristig, mit den Partnerstaaten in und außerhalb der EU geregelt werden, eine Obergrenze für Zuwanderer könne und wolle sie deshalb derzeit nicht benennen; zumal sie weiterhin der Überzeugung sei, „dass wir das schaffen“.
weiter lesen >>> http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2015/4/gs20154015h1.html
Zur beliebten Frage nach der Alternative...
Wer nach der Attraktivität des kommunistischen "Angebots" fragt, der verwechselt Kapitalismuskritik mit der Wahlwerbung einer alternativen Elite, die verspricht, es dem werten Bürger besser zu richten als diejenigen, die die Macht innehaben. Der missversteht sich selbst als den umworbenen Wähler, der im Warenhaus der polit-ökonomischen Systeme entscheiden darf, welches er lieber in Auftrag geben will - bei anderen, die dann für die Lieferung zuständig sind. Der denkt als Untertan, über den herrschende Instanzen entscheiden, und hat beschlossen, genau das zu bleiben: demokratischer Untertan, dem nur die Wahl zwischen zwei Sorten Herrschaft bleibt - die aber schon. Solchen Leuten können wir nur sagen: Die freie Auswahl bietet ihnen niemand. Entweder sie erkämpfen sich die Freiheit, sich ihre politökonomischen Lebensbedingungen vernünftig einzurichten, oder sie haben in der Frage weiterhin nichts zu melden.
- GegenStandpunkt