Du wächst in einer Gesellschaft auf, die Männer als potentielle Vergewaltiger zeichnet, als Primitivlinge und Bestien die nicht gesellschaftsfähig sind. Deine männlichen Urahnen durften nicht studieren oder zur Schule gehen, zu gefährlich für die Mitstudentinnen und Professorinnen. In den Büchern stand geschrieben, Männer seien, wegen ihrer biologischen “Veranlagung”, nicht in der Lage rational zu denken. Sie blieben daheim, mussten sich auf häusliche Aktivitäten und einfache, körperliche Arbeiten beschränken, um die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden. An den Universitäten unterrichteten lange nur Frauen. Die Politik, das lag in der Natur der Dinge, war ebenso frauendominiert. Grund und Boden, Besitztümer wurden von Frauen verwaltet. Dein Vater war Maskulinist und kämpfte für die Anerkennung deines Geschlechts in Politik und Gesellschaft. Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts dürfen in Österreich nun Männer auch ohne die Zustimmung ihrer Ehefrau “außerhalb” arbeiten.
Als kleiner Bub wird dir bewusst, dass “Bub” bei deinen Freundinnen als Schimpfwort gilt, als Sabine Katharina “dumm wie ein(en) Bub” nennt. Deine Tante verlangt von deiner Kusine sich nicht so “bubenhaft” anzustellen, wenn sie sich aufregt und herumbrüllt, und deine Großmutter schlägt vor, dich nicht ins Gymnasium zu schicken, sondern lieber die Landwirtschaft zu übernehmen. Die akademische Karriere könne ja deine Schwester antreten.
Seit einigen Jahrzehnten ist es Männern nun erlaubt zu studieren, du bist einer davon. Du hast ein Männerstipendium bekommen, da Männer im Feld der Medizin weiter unterrepräsentiert sind. Gabi, deine Mitbewohnerin, findet das ungerecht. Heutzutage seien schon die Frauen benachteiligt. Als Mann bekäme man sowieso alles in den Arsch geschoben. Dass das Stipendium nur eine Maßnahme ist Ungleichheiten auszugleichen, sieht sie nicht ein. Männer seien sowieso bereits gleichgestellt, die Einkommensschere gäbe es nicht wirklich und wenn Männer gleich viel verdienen wollten, sollten sie eben mehr Gehalt verlangen. Da Männer aber keine Kinder bekommen können, hätten sie zudem eigentlich kein Recht darauf mehr zu verdienen. Dass sie oben ohne durch die Wohnung rennt, während du am besten im Sack durch die Straßen laufen solltest, damit du niemanden provozierst, fällt ihr nicht auf.
Bei der Bundespräsidentenwahl fragt dich deine Tante, wenn du schon ein solcher Maskulinist bist, weshalb du nicht den einzigen männlichen Kandidaten wählst - der für eine Partei antritt, die nicht im Geringsten deine politische Position widerspiegelt und sich offiziell gegen den Maskulinismus stellt.
Eine bekannte Schlagermusikerin im Dirndl klagt live im Fernsehen darüber, dass sie nun auch plötzlich beim Singen der Bundeshymne auf die Existenz “großer Söhne” hinweisen soll, während die internationale Popmusik immer noch die niedrigen Instinkte der Männer besingt, die man sich vor allem zu Reproduktionszwecken zunutze machen solle, während man die Männerschaft sonst am Besten meide, da man sich keinen potentiellen Vergewaltiger zu lange halten sollte, noch dazu wo man als Besserverdienerin diesen dann auch noch erhalten soll. Männliche Musiker werden oft nach ihrem Aussehen beurteilt, das auch in Platten- und Konzertrezensionen ausgiebig besprochen wird, selbst wenn der Musiker sich als ernstzunehmender Künstler präsentiert. Die meisten Hauptrollen in Fernsehserien und Filmen sind mit Frauen besetzt. Wenn sich Männer in Filmen mit anderen Männern unterhalten, drehen sich die Gespräche zumeist um Frauen. Männerdominierte Formate werden als “Männerserien” und “Männerfilme” - oder verniedlichend “Bubenserien” bzw. “Bubenfilme” - bezeichnet (Dasselbe gilt für Literatur und Musik) und von vielen Frauen gemieden, da sie sich mit den dargebotenen “trivialen” Themen nicht identifizieren können oder wollen, oder weil sie nicht als “vermännlicht” gelten wollen. Dass Themen, die dich beschäftigen und dein Leben betreffen, von vornherein als trivial eingestuft werden, findest du schade. Du hast aber inzwischen aufgehört darüber zu diskutieren. In der internationalen Kunstszene stehen Gemälde von erigierten und schlaffen Penissen weiterhin hoch im Kurs. Die renommierten Künstler sind in der Minderheit, da Männer aufgrund ihrer Primitivität zum Erschaffen eines Kunstwerkes als wenig prädestiniert gelten. Die Literaturszene ist besessen von penisverschlingenden Vaginas, die sich die primitiven Penisse einverleiben und dadurch unschädlich machen.
Das männliche Geschlechtsteil gilt zwar als interessantes Untersuchungsobjekt und inspiriert die Kunst in hohem Maße, die genaue Funktionalität, abgesehen von der Nutzung zu Reproduktionszwecken, ist aber wenig erforscht. In medizinischen Kreisen streiten Wissenschaftlerinnen über die männliche Prostata, der aber im Mainstream wenig Bedeutung beigemessen wird. Seit es auf der Medizinuni eine Männerquote gibt, ist das Geschlechterverhältnis hier zumindest ausgewogen. Für Gabi ist das eine Bestätigung für die Besserbehandlung von Männern. Ein Mann müsse nicht einmal qualifiziert sein und bekäme einfach so einen Platz, lamentiert sie. Das sei unfair, Frauen seien bald in der Unterzahl und Männer würden immer mehr die Herrschaft an sich reißen.
Deiner Professorin scheinen deine engen Hosen zu gefallen, sie bittet dich aber darum etwas Abstand von den anderen Studentinnen zu halten, schmunzelt und zwinkert dir zu, während sie dir in den Schritt starrt. Deine Mitstudentinnen finden das lustig. Als du dich darüber bei der Fachschaft beschwerst, wird die Professorin suspendiert. Ein solches Verhalten sei heutzutage nicht mehr tragbar, heißt es von der Hochschülerinnenschaft.
Der Fall sorgt für Aufregung in den Medien. Die Chefredakteurin einer konservativen Zeitung spricht von “PC-Terrorismus”, man müsse doch noch Witze machen dürfen. Gabi tätschelt dir den Hintern, während sie erklärt ein kleiner Vergewaltiger stecke halt doch in jedem Mann. Und dass man plötzlich nicht mehr einen “Schwanz” beim Namen nennen können soll, sieht sie noch weniger ein. Dass du nicht gern als “Schwanz” bezeichnet wirst, lässt sie nicht gelten. Dein Vater sei schließlich auch ein “Schwanz” gewesen und nur weil heute die Sprachpolizei unterwegs sei und eine dazu zwinge von einem Mann zu sprechen, anstatt von einem “Schwanz”, “Vergewaltiger”, “Vieh”, “Schwanzlurch”, einer “Bestie”... lasse frau sich noch lange nicht zensieren.
Mit der PC solle man es nicht übertreiben. Überhaupt scheine ja die Political Correctness Seuche gerade um sich zu schlagen, jetzt solle man selbst Weiße nicht mehr als “Weißbrote” bezeichnen dürfen und Heterosexuelle nicht mehr als “Heten”. Selbst Vegetarier scheinen plötzlich an ihrer Weißwurst zu hängen, wenn sie vom Aussterben bedroht ist und der Kalbsbrühwurst weichen soll.
Sprechen Männer sich öffentlich gegen Maskulinismus und den PC-Wahn aus, werden sie von den Medien als einzig vernünftige männliche Stimme gezeichnet und ihre Meinung gilt als Beleg für die Unsinnigkeit der gesamten maskulinistischen Bewegung.
Maskulinisten gelten als Frauenhasser und weltfremd. Der Kampf sei nämlich längst unnötig, Männer seien bereits gleichberechtigt, es gäbe keine gesellschaftlichen Missstände mehr.
Zum Ausgleich rotten sich Frauen nun als Feministinnen zusammen um auf die verzweifelte Lage der Mütter hinzuweisen, die Angst um ihre Kinder haben müssen, wenn Männern ein Mitspracherecht bei der Erziehung eingeräumt wird.
Als weißer Mann wirst du regelmäßig auf der Straße von schwarzen Frauen angesprochen, die dich für einen Prostituierten halten, unabhängig davon wie du gekleidet bist. In der Diskothek greifen dir Frauen in den Schritt um dich dann zu beschimpfen, wenn du keine Luftsprünge machst. Wenn du einer Frau eine Abfuhr erteilst, kann es passieren dass du entweder als “hässlich” bezeichnet oder deine Absage einfach ignoriert wird und du so lange verfolgt wirst, bis du entweder flüchtest oder grob werden musst. Wenn du Nachts nach Hause gehst, versuchst du größeren Frauengruppen auszuweichen. An schlechten Tagen hältst du den gesamten Nachhauseweg den Schlüssel wie eine Waffe zwischen Zeige- und Mittelfinger.
In Onlineforen erhältst du Kastrationsdrohungen, wenn du dich als Opfer von Sexismus äußerst. Maskulinisten, heißt es, liebten es sich in der Opferrolle zu sehen. Wenn du spazieren gehst, wechseln viele Frauen immer noch die Gehsteigseite oder weisen dich darauf hin weitere Kleidung zu tragen, der Anblick deines Geschlechtsteils in engen Hosen sei nicht zumutbar. Deinen Blick hältst du gesenkt um keine dummen Witze von fremden Frauen zu provozieren. Deine Körperbehaarung gilt als abstoßend. Deine Sexualität wird auf die Reproduktionsfunktion reduziert. Du nimmst vorsorglich nur mehr ein Taxi, wenn du es vorher telefonisch bestellt hast, weil du mehrmals von Taxifahrerinnen betatscht und darum gebeten wurdest ihnen doch ein Kind zu machen. Wenn du im Bekanntenkreis von solchen Erlebnissen erzählst, schütteln deine weiblichen Bekannten ungläubig den Kopf. Soetwas hätten sie noch nie miterlebt, bekunden sie. Man müsse aber auch nicht alles auf die Waagschale legen, es gäbe eben überall Idioten, das habe aber nichts mit dem Geschlecht zu tun. Du hast festgestellt, dass du auf mehr Verständnis und Veränderungsbereitschaft stößt, wenn du dein Gegenüber daran erinnerst, dass sie auch nicht wollen würde, wenn ihrem Sohn oder Ehemann ähnliches passierte.
Wenn deine Verlobte über Sexismus schwadroniert, nicken sie zustimmend. Ja, das sei schon ein Problem, aber in Mitteleuropa gäbe es kaum noch etwas zu beanstanden, man solle sich eher um die wichtigen Probleme kümmern, wie die Beschneidung von Buben in Südafrika.