C A S T R U M · P E R E G R I N I
Historische Dokumentation einer geistigen Zuflucht
Das Castrum Peregrini (lateinisch für „Burg der Pilger“) bezeichnete ursprünglich ein Versteck in Amsterdam während der deutschen Besatzung der Niederlande (1940–1945) und entwickelte sich nach dem Krieg zu einer einflussreichen Kulturstiftung und einem literarischen Freundeskreis.
Gründung und Kriegsjahre (1940–1945) Die Keimzelle der Gruppe bildete sich um den deutschen Gelehrten Wolfgang Frommel, der 1937 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Holland emigriert war. Gemeinsam mit der Künstlerin Gisèle van Waterschoot van der Gracht nutzte er deren Wohnung an der Herengracht 401, um jüdischen Jugendlichen und Kriegsdienstverweigerern Schutz zu bieten.
Überleben durch Kultur: Im Gegensatz zu anderen Widerstandsgruppen war das Castrum durch eine intensive Beschäftigung mit Literatur und Kunst geprägt. Die im Verborgenen lebenden jungen Männer wurden durch ein strenges Studium klassischer Texte (insbesondere Stefan George und die Antike) geistig geschult.
Geheimhaltung: Trotz der ständigen Gefahr durch die Gestapo blieb das Versteck bis zum Kriegsende unentdeckt.
Die Nachkriegszeit und die Stiftung Nach 1945 blieb die Gemeinschaft bestehen und institutionalisierte sich.
Verlag und Zeitschrift: 1951 wurde die Zeitschrift „Castrum Peregrini“ gegründet, die bis 2008 erschien. Sie widmete sich der Erforschung des George-Kreises, der europäischen Tradition und dem Austausch zwischen Poesie und Wissenschaft.
Struktur: Die Gemeinschaft war hierarchisch und männerbundähnlich organisiert, wobei Wolfgang Frommel als geistige Leitfigur fungierte. Der Kreis blieb über Jahrzehnte ein abgeschlossener Raum für die Pflege eines spezifischen ästhetischen und pädagogischen Ideals.
Das Erbe der Herengracht 401 Nach dem Tod der Gründungsmitglieder wandelte sich die Institution. Das Haus an der Herengracht wurde zu einem Denkmal und einem Ort für zeitgenössische künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Identität, Freiheit und Erinnerungskultur. Heute firmiert die Nachfolgeorganisation unter dem Namen „H401“.
B A S T I A N · V A N · D I E T Z ⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯ H I S T O R I A · E T · M E M O R I A (Geschichte und Erinnerung)










