Gerade die Kompensation durch den Warenkonsum - das kleine Glück, das doch, wie verstellt auch immer, ein leibliches Bedürfnis im Sinn hat - nimmt der Versagung, die nun einmal kulturindustriell eingeübt werden muss, das gefährlichste Potenzial: in ihr selber nämlich das große Glück zu sehen, das alle anderen auslöscht; im Opfer, das einer bringt, Erlösung fürs Ganze zu halluzinieren. Der Konsum amerikanischer Amüsierwaren in Deutschland und Österreich - von Jazz bis Sitcom, Elvis Presley bis South Park - hatte darum meist etwas Zivilisierendes.
Diese Dialektik der Aufklärung kommt bei Adorno und Horkheimer zu kurz. Sie ließ sich subjektiv vielleicht erst wahrnehmen, nachdem der Nationalsozialismus besiegt war, mit seiner unmittelbaren Wiederauferstehung nicht mehr gerechnet werden musste.
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'Jeder muß zeigen, daß er ohne Rest sich mit der Macht identifiziert, von der er geschlagen wird.' (Horkheimer/Adorno) Die Identifikation wäre aber konkreter zu fassen, um des Abstrakten, zu dem die Macht verurteilt, habhaft zu werden. Mit welcher Macht identifiziert sich der Einzelne, der von ihr geschlagen wird? Mit dem Kapitalverhältnis in jedem Fall, auch mit dem Staat, dem Souverän, der nur die andere, die politische Seite dieses Verhältnisses ist. Aber gerade diese Seite ist - im Gegensatz zu der des Werts - mit sich selbst nicht identisch, existiert nur in Form voneinander sich unterscheidender Staaten, während alle Kapitalien und Kapitalgruppen im Kapitalverhältnis unterschiedslos aufgehen. Mit anderen Worten: Die Dialektiker der Aufklärung haben es im Kapitel über die Kulturindustrie versäumt, Veit Harlans 'Jud Süß' mit 'Casablanca' von Michael Curtiz oder Paula Wessely in 'Heimkehr' mit Greta Garbo in 'Ninotchka' zu konfrontieren. [...] Es stimmt, Kulturindustrie bietet allen die 'Freiheit zum Immergleichen' (Horkheimer/Adorno), aber das schließt nicht aus, dass in ihr die Bedingung der Möglichkeit liegen kann, der Vernichtung - die auch das Immergleiche bedroht, also das, was zur Gleichheit gezwungen wird - erfolgreich zu widerstehen. Insofern kann die 'Pseudoindividualität', von der Adorno und Horkheimer wegwerfend sprechen, etwas enthalten, worin der Gedanke an die Verwirklichung wahrer Individualität zumindest nicht ausgeschlossen; worin dem Zwang, ihn auszulöschen, nicht unter allen Umständen Folge geleistet wird. [...] Und was als kritische Sentenz gedacht war, der alles Eins wurde, könnte nun zugleich als Hinweis gelesen werden, im Industriellen das Leben, das nicht lebt, gegenüber einem Tod, der industrialisiert wird, zu verteidigen.