Ich flog von London nach Italien und fuhr von dort mit der Bahn über Österreich nach Deutschland. Als ich in meinem Schlafwagen morgens aufwachte, sah ich in Innsbrück zum ersten Mal österreichische Bombenruinen. Ich gebe heute hoffen zu, daß ich damals ans Fenster des Schlafwagens getreten bin, mir die Hände rieb und laut zu den Umstehenden sagte ‚Nicht genug, nicht genug‘. Über mich brach plötzlich die ganze Erregung, die ganze Wut, die ganze Trauer herein über das Entsetzliche, das von Hitler angerichtet worden ist. In München holte mich ein alter Bekannter vom Bahnhof ab. Der Schlug mir vor, doch sofort vom Zug mit auf das Oktoberfest zu kommen, worin ich halb aus Höflichkeit und halb aus Melancholie einwilligte. Dort angelangt hätte ich beinahe wieder kehrt gemacht und wäre nach Amerika zurückgeflogen. Die ganze Scheiße fing wieder an. Da waren diese lauten, feisten Saufbrüder in den Riesenzelten, dröhnend, trinkend, Würste essend und Seidel schwingend, die Bum-Bum-Musik ertönte, es war grauenvoll.
Leo Löwenthal












