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24 German Short Stories- Learn German
German text with words from English
specifically designed for pupils in the beginner and intermediate levels who want to read a real novel.
You can read, listen, or combine the two.
Short Stories for beginner and intermediate students
24 German Short Stories Ebook + Audios. | Learnzyp
24 German Short Stories Vol. 1 specifically designed for pupils in the beginner and intermediate levels who want to read a real novel.
Written and recorded for German beginners and intermediates. Each level (A1, A2, B1, B2) features six exciting short stories from a variety of genres, including history, science fiction, fantasy, and modern literature.
One of our experienced native German teachers wrote all of our books. The use of vocabulary and grammatical structures is matched to the level of the student.
Not too difficult, but yet not too simple. Words that the learner might not be familiar with well are bolded, and they can find the English translation next to them in a column on the right. As a result, the reading process won’t be delayed.
The mp3 files, which were professionally recorded by native German speakers, will assist the students in improving their listening comprehension skills and pronunciation. In other words, our exclusive choice of books allows beginning and intermediate students to read, listen, and learn German.
You can’t go wrong with our books if you’re a German instructor seeking resources to go along with your textbooks.
EVENT: Fanfic - einfach deutsch
Event-Einladung „Fanfic – einfach deutsch!“ Hallo liebe Freunde der deutschen Sprache. Einige haben es schon mitbekommen, dass wir eine Event-Woche für deutsche Fanfiction starten möchten. Wie wäre es, wenn wir unserer schönen Sprache wieder etwas mehr Raum verleihen?
Es ist ein Versuch und ganz einfach – na los, mach mit!
Post Zeitraum: 26. Juni – 02. Juli 2023 Themen: Sommer, Urlaub, Job-Wechsel, Liebe, Flirt, Abenteuer, Überraschung & was dir sonst noch zum Thema Sommer einfällt. Wir sind gespannt.
Länge: keine Vorgabe (von Drabble bis Roman ist alles erlaubt - auch Übersetzungen oder Podfics)
Rating: alles erlaubt (Wichtig: taggt eure Storys vernünftig)
Posting: bitte in Collection "Fanfic einfach deutsch" auf AO3 - selbstverständlich kann auch auf anderen Plattformen veröffentlicht werden! Achtung: Die Posts werden nicht moderiert d.h. nicht freigeschaltet. Was gepostet wird, geht direkt raus. Die Collection bleibt auch nach der Event-Woche noch offen. Also, kein Stress, falls dir diese Zeit zu knapp wird. Wir freuen uns auch über spätere Beiträge! https://archiveofourown.org/collections/Fanfic_einfach_deutsch/profile
Jedes Level, Fandom, Thema, und sprachliches Können sind willkommen.
Wenn du Fragen hast, sende uns eine Nachricht – wir helfen gerne weiter! rahchan & annaofthenorthernlights
Die Nikomaus
Ihr ganzer Körper bebte, als die kleine Laus hustete. Sie versuchte ihre kleinen sechs Beinchen zu bewegen, doch sie waren ganz starr. "Ach Schatz, du bist erkältet", sagte ihre Mutter sanft und wickelte die Beinchen ihrer Tochter in winzige Socken, "Heute kannst du nicht arbeiten." "Aber Mama", krächzte die Laus unter höllischen Halsschmerzen hervor, "grade heute kann ich mir nicht freinehmen. Die Kinder erwarten mich doch." "Läuschen, du hast Fieber. Du wirst heute nicht arbeiten gehen", sagte die Mutter jetzt etwas forscher. "Aber Mama-", die kleine Laus versuchte zu diskutieren, doch ihre Stimme versagte ganz plötzlich und sie musste wieder husten. Tränen stiegen in ihre Augen, als sie an die ganzen Kinder dachte, die am Morgen aufstehen und weinen würden, wenn sie sähen, dass die kleine Laus nicht da gewesen war. Ihr Hals zog sich noch mehr zusammen, sie versuchte sich die Tränen wegzuwischen, doch ihre Beinchen waren immernoch starr, so flossen ihre Tränchen über ihr ganzes Köpfchen und ertränkten sie fast, hätte ihre Mutter sie nicht schnell mit einem Taschentuch weggewischt. "Läuschen, deine Gesundheit muss ihnen doch auch wichtig sein. Wenn du heute gehst, kannst du ihnen nie wieder was bringen. Du bist zu schwach, du schaffst es nie in die Stiefel rein." Die kleine Laus weinte noch mehr und schüttelte ihren Kopf, doch diese Bewegung brach sie schnell ab, als der Schmerz sich anfühlte, als würde man ihr den Kopf abreißen. "Läuschen, wir finden eine andere Lösung, okay?", sagte ihre Mutter sanft und strich ihr sacht mit 2 ihrer 4 Händchen durch das Gesicht. Die kleine Laus nickte nur mit ihren Augen, wobei auch das schmerzte, als plötzlich eine gute Freundin von ihr ins Zimmer platzte. "Oh Himmel, Niko, was ist denn mit dir los?", quiekte ihre Freundin erschrocken, als sie sah, wie die kleine Laus eingewickelt war. "Niko ist krank und noch dazu so traurig, dass sie heute nicht arbeiten kann", mischte sich Läuschens Mutter ein, noch bevor sie antworten konnte, damit sie nicht antworten musste. Die Maus sah nachdenklich an die Wand. Tausend Gedanken rannten durch ihren Kopf. Wie könnte sie Niko helfen das Problem zu lösen? Plötzlich kam ihr die Idee und sie sagte: "Ich kann doch für dich einspringen, Niko!" Niko drehte ihren Kopf etwas und sah die Maus ungläubig an, als wolle sie sagen: "DU?" Die Maus nickte sofort und sagte voller Euphorie: "Natürlich! Dann bin ich halt Nikomaus statt Nikolaus, das ist ein Buchstabe, der wird schon keinem auffallen und die Kinder müssen nicht auf ihre Süßigkeiten verzichten!" Läuschens Mutter klatschte begeistert und kramte schnell Läuschens Süßigkeiten hervor, die heute Nacht verteilt werden sollten. Sofort drückte sie sie der Maus in die Pfote, noch bevor ihre Tochter wiedersprechen konnte. Dann nahm sie roten Stoff und knotete ihn einmal um den Körper der Maus. Fertig war die Nikomaus. Nur ein paar Minuten später krabbelte sie auch schon in ihren ersten Stiefel. Der Gestank nach Füßen ließ sie fast in Ohnmacht fallen, doch sie hatte es versprochen, also legte sie etwas verpackte Schokolade hinein und krabbelte schnell wieder heraus. Und das machte sie die ganze Nacht lang, bis sie schließlich neben ihrem letzten Stiefel einschlief. Am nächsten Morgen öffnete ein kleines Mädchen die Tür. Als sie ihren Stiefel mit den Süßigkeiten sah, machte sie Freudensprünge und trug ihn schnell hinein. Als sie jedoch zurückkam, um nach mehr Süßigkeiten zu suchen, sah sie die kleine Spitzmaus, gekleidet in roten Stoff auf der Treppe liegen und schlafen. Sofort rannte sie zu ihrer Mutter und berichtete ihr: "Mama, mama, es ist gar kein Nikolaus. Es ist eine NikoMAUS!"
the only thing i remember from reading krabat at an early age is that krabat and tonda are gay for each other
German fairy-tales are basically cute concept then questionable thing but you think that’s just your dark mind, they can’t possibly be doing this in a children’s story! and then much worse than what you thought originally and then the end
Das Haus das Seelen fraß (Kapitel 1, begonnen 8.1.2019)
Es ist sagenumwoben. Sie stecken in einem Nebel des Nichtwissens. Trinken das Wasser der gnädigen Dummheit und verinnerlichen sie. Sie haben das Glück ohne das Wissen leben zu können. Ja, Sie dürfen leben, denn denen, die einmal an diesem Ort waren, ist es nicht mehr vergönnt. Die meisten erfahren Gnade und kehren nie zurück. Atmen nie wieder, wenn sie die Kammer verlassen. Doch manche ereilt der Fluch des Wissens. Frage einen Biologen, er wird dir sagen, sie sind lebendiger denn je zuvor. Frage einen Menschen des Geistes, einen, der lebt und er wird nicht einmal fragen müssen, wie der Mensch starb. Es ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Mein Name ist Tom Frank. Ich selbst war dort. Ich selbst kann nicht mehr von mir sagen, das Glück greifen zu können. Ich hatte eine Frau. Sie war schwanger mit meinem Sohn. Beide hatten Glück. Ja, ich schäme mich, es so zu sagen. Ich liebe sie aus voller Seele und, ach, wie mir diese schmerzt, bei dem Gedanken, ihr Tod sei etwas Positives gewesen. Ach, wie ich nur wünschte, ich hätte sie nie auf diese Reise mitgenommen. Sie würde leben und sie wäre glücklich. Sie wären auch dann nicht mehr an meiner Seite, denn diese will keiner mehr einnehmen – ich kann es auch niemandem verübeln, ich rotte vor mich hin, kann nicht einmal mehr lächeln, zu schlafen ist mir nicht mehr vergönnt, beim Schließen meiner Augen jagt mich der Teufel. Ich war ein glücklicher Mann gewesen. Ich hatte nie Schlafstörungen gehabt. Ich war ein Träumer, ein Romantiker. Ich war der Prinz, der seine Prinzessin küsste und fast hätte ich für immer glücklich leben können, da machte man mir das Angebot einer Forschungsreise. Seit ich jung war, hatte ich mich immer für fremde Völker interessiert. Hatte Biologie studiert. Die Psychologie gelernt. Ich war auf dem Wege einmal Professor zu werden. Ich forschte gerne, doch ich hatte nie meine Heimat verlassen gehabt. Zu sehr hielt mich meine Liebe an diesem Ort. Doch dann bot man mir zu meiner Hochzeit an, meine Liebste und mich eine neue Insel erforschen zu lassen. Es war eine Insel klein und tief versteckt im großen Meer. Dort lebte ein Volk – es lebt dort auch immer noch. Diese Menschen sprechen keine unserer Sprachen. Diese Menschen essen keine unserer Speisen. Das können sie auch nicht, denn dort wachsen keine Früchte. Der Boden ist unfruchtbar. Oder zumindest sah ich nie den fruchtbaren Boden. Mein innerer Biologe sagt mir, dass dies nicht stimmen kann. Ihre Insel ist ein Vulkan, seine Lava müsste den Boden fruchtbar machen. Doch diese Menschen haben Angewohnheiten. Es mögen wohl diese sein, die den Boden vergiften. Und nicht nur der Boden leidet an diesem Ort. Es war ein äußerst sonniger Morgen, als wir losfuhren. Man hatte uns auf ein kleines Schiff gesetzt. Ich konnte in den Augen des Kapitäns sehen, wie ungern er uns zu dieser Insel fuhr. Seine Gestik schien uns warnen zu wollen, doch wir waren blind dafür. Grade ich als Psychologe hätte sehen können müssen, was er versuchte uns zu sagen, doch mein innerer Biologe war zu fasziniert von den Gedanken, diese Menschen erforschen zu dürfen. Er fuhr recht langsam zu der Insel, sagte das Schiff könne nicht schneller fahren, doch sobald wir sein Boot verlassen hatten, war er schneller wieder weg, als wir uns hätten verabschieden können. Wir fuhren bei Sonnenschein los und ich bin mir sicher, dass auch noch immer die Sonne schien, als wir ankamen, doch die Insel war in Nebel gehüllt. Alles an ihr, alles an dieser Reise schien uns sagen zu wollen, was ich jetzt nur wünschte hätten wir auch gedacht: Geh. Du bist hier unsicher. Man lud uns aus dem Schiff und die Insel selbst war schön. Ihr Boden war bewachsen. Das Gras war grün und die Blumen bunt. Doch es pfiff kein einziger Vogel. Es flog nicht eine Biene. Kein Mensch war dort, um uns zu empfangen. Gut, warum auch? Sie wussten wohl nicht, dass wir kommen sollten. Wir waren da, um sie zu beobachten und zu studieren. Wir waren da, um über sie zu lernen und mit ihnen zu kommunizieren. Hatte man uns gesagt. Wir stiegen von Bord und streiften durch das hohe Gras. Ich fürchtete mich vor Schlangen. Sie könnten giftig sein und meine Frau verletzen. Doch uns begegnete kein Tier. Das Gras strich ganz sanft und weich gegen unsere Haut. Doch je tiefer wir uns in die Insel vorwagten, desto schärfer und bissiger wurde selbst das Gras. Seine Sanftheit war verloren. Seine weichen Kanten waren plötzlich scharf. Es schien Zähne zu haben, mit denen es nach uns biss. Ich erinnere mich noch heute an die Schnitte die wir an unseren Beinen erlebten. Ja die Narben trage ich noch heute. Wir waren verwundert, doch wir fürchteten uns nicht. Wir gingen weiter durch das Gras bis wir bei einzelnen Bäumen ankamen. In den Bäumen waren Striche. Jeder einzelne Baum war von Strichen ganz umhüllt. Wissen Sie, wohin Sie uns schickten? Kennen Sie die Geschichte dieser Insel? Ich nehme an, dass Sie das tun, hoffe aber, um meines Menschenbildes wegen, dass es nicht der Fall ist und so werde ich Ihnen nun einmal erzählen, was für Wesen auf dieser Insel hausen und wieso es sie gibt. Und ich hoffe, sollten Sie wissen, wohin Sie mich schickten, dass es Ihnen nicht anders ergeht, als mir. Sie beraubten mich meiner Seele. Sie nahmen drei Menschen das Leben, um das duzender Monster zu sichern. Die Bewohner gaben mir zu verstehen, wer sie sind. Denn sie sprechen keine unserer Sprachen, sie kommunizieren in Zeichen. Sie glauben an die Gottheit Gaia – das war das Geräusch, das sie machten, als sie sie zeichneten. Gaia erschuf die Insel und die Welt. Doch die Menschen verhielten sich falsch. Sie waren nicht die Schöpfung, die Gaia erschaffen wollte und so stellte sie den Vulkan auf diese Insel. Sie erschuf eine neue Spezies. Eine höhere Spezies. Die Bewohner dieser Insel. Sie ähneln uns optisch sehr und wir mögen denken, sie seien eine alte Evolutionsstufe, eine vor unserer, denn sie haben keine unserer Sprachen – denn die brauchen sie nicht, sie können ihre Gedanken teilen, sie brauchen nicht reden, sie verstehen Emotionen, ohne mit ihren Augen sehen zu müssen, sie reden ohne Zunge – doch sie sind weiter entwickelt als wir. Überhaupt auch sind sie keine Menschen. Sie sind Gaias Lakaien. Sie sind ihre Helfer. Und wobei helfen sie ihr? Sie helfen ihr, ihren Fehler zu beheben. Sie helfen ihr, ihre alte Schöpfung zu beseitigen, um für sich selbst Platz zu machen. Sie nehmen unseren Platz als Gaias Lieblinge ein. Sie sagten mir, woher sie kommen. Sie sind uns voraus, Carter. Sie reproduzieren sich ganz ohne Partner. Sie gehen in den Vulkan, lassen sich von der Lava schmelzen und zwei neue Lakaien kommen heraus. Sie sind selbstlos, Carter. Sie sterben und stehen wie der Phönix aus der Asche wieder auf. Doch das ist nicht, was mich so verstörte und es ist auch nicht das, von dem ich hoffe, dass es auch Sie verstört: Sie beseitigen die Menschen für Gaia durch Mord.
Snow - die weiße Wölfin (begonnen Herbst 2019)
Es war ein ausgesprochen sonniger Wintermorgen. Der Schnee funkelte hell und der kalte Geruch der freien Natur zauberte Elia ein Lächeln auf die Lippen. Sie liebte es hier draußen zu sein, ganz besonders zu dieser Jahreszeit. Die Luft war fast schon beißend kalt, doch das störte sie nicht. Sie trug ein dickes Fell und das Blut tausender Generationen in ihren Adern war heiß und unbezwingbar für eine Kälte wie diese. Die junge Frau hob ihre Nase empor und nahm einen tiefen Atemzug. Noch mehr Kälte strömte in ihre Atemwege und als sie kurz darauf durch ihren Mund wieder ausatmete konnte sie sehen, wie sich die Luft veränderte, wie sie schimmerte und sich bewegte wie feine Rauchschwaden. "Ich sehe es gefällt dir hier." Die Stimme eines alten Mannes ertönte sanft hinter ihr. "Ich liebe es", antwortete sie lächelnd und lies erneut ihren Blick über die schier endlose weiße Weite schweifen, "Es ist so ruhig. Du lebst so frei hier, Großvater." Nun lenkte sie ihre Augen auch endlich auf ihn. "Immer in Rufweite der Natur", antwortete dieser lächelnd und tätschelte sanft die Schulter seiner Enkelin. Er war froh sie endlich wieder bei sich zu haben. Seit Gustavo damals aus der Stadt weggezogen war und seine Tochter und Enkelin dort geblieben waren, hatte er sie lange nicht mehr gesehen gehabt. Der Weg von der Stadt bis zu seinem Revier war weit und sowohl Elia als auch ihre Mutter Sophia hatten Verpflichtungen gehabt. Sie hatten ihr Zuhause nicht einfach verlassen können, wie er es gekonnt hatte. Sie waren nicht so frei gewesen wie er. Elia bemerkte die Trauer in Gustavos Gesicht. Sanft ging sie einen weiteren Schritt auf ihn zu und legte ihre Arme zärtlich um seine großen, alten Schultern. "Sie fehlt mir auch, Papops", murmelte sie sanft gegen seine Wange. Gustavo schmiegte sich in ihre Umarmung. Das hatte er vermisst. Diese Nähe, die Zärtlichkeit und die Liebe eines anderen Menschen. Er hatte die Stadt damals verlassen, weil ihn die Natur rief. Er hielt es in mitten der ganzen Menschen nicht länger aus, fühlte sich zu häufig bedrängt und er wollte nicht riskieren jemanden zu verletzen, oder gesehen zu werden. Doch so schön es hier draußen war und so sehr er die Abwesenheit von Hektik und den Menschen genoss... er vermisste seine Familie, sein Rudel. "Jeder Tag... seitdem... seit..." Es fiel dem Mann schwer zu sprechen. "Ich weiß, Papops, ich weiß." Elias Worte waren sanft, so sanft wie ihre Hände, als sie seinen Rücken rieb. "Deshalb bin ich hier. Endlich bin ich hier. Bei dir." Auch der jungen Frau stiegen nun Tränen in die Augen. Beiden fiel es schwer ihr Schicksal zu begreifen, es zu verarbeiten. Sophia hatte Elia alleine groß gezogen, den Vater hatte man nie gekannt. Gustavo hatte ihnen immer beigestanden und seiner Tochter geholfen, wo er nur konnte, doch als es ihn eines Tages weg zog von den Menschen und er es in der Stadt nicht mehr aushielt, hatte keine der beiden Frauen seinem Glück im Weg stehen wollen. Beide hatten verstanden, was für Qualen er in der Stadt erlebte, welches Opfer er brachte, um bei ihnen zu sein und dass seine Kraft irgendwann nicht mehr reichen würde. Damals war Elia 12 gewesen. Das lag nun 10 Jahre zurück. 10 Jahre, in denen Gustavo seine Familie nicht mehr gesehen hatte. Erst der Tod seiner Tochter brachte sie nun wieder zusammen. "Es tut mir so Leid", murmelte er. "Was tut dir Leid, Großvater?" "Ich hätte nicht gehen dürfen." Je überzeugter Gustavo von seiner erheblichen Rolle in der Tragödie war, desto klarer wurde auch seine Stimme: "Ich hätte nicht darauf warten und verlangen dürfen, dass IHR MICH besuchen kommt. Wäre ich nur bei euch geblieben... das wäre alles nicht so passiert." Elia löste sich sanft von ihrem Großvater. Sie musterte ihn liebevoll. Seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte war er sehr viel älter geworden. Seine Haut lag nun in Falten, seine Haare waren noch spärlicher als früher und doch ebenso weiß. So weiß, wie ihres, wenn auch sein Weiß vom Alter herrührte und ihres wohl vom Schnee in ihren Adern. Es war das Weiß ihres Pelzes, der Wölfin die über ihre Seele herrschte und mit der sie sich ihr Leben zufrieden teilte. Seine Körperhaltung war schwächer, aber den Stolz hatte er nie verloren, auch wenn er in diesem Moment Trauer und Schuld etwas zu viel Platz einräumte. Seine Arme sahen schwächer aus, doch dass sie es nicht waren, wusste die junge Frau nur zu gut. Schwache Pfoten tragen keinen starken Wolf. "Großvater, du kannst nichts für das, was passiert ist." Sie hob bestimmt ihre Hand, als er ihr ins Wort fallen wollte. "Du bist deinem Instinkt gefolgt und hast auf Kairo gehört. Wir hätten euch vertrauen und folgen müssen. Doch was geschehen ist, ist geschehen." "Kairo hätte euch beschützen können." "Bei aller Liebe, das hätte er nicht." Elia lächelte den Mann schwach an. "Dein Wolf ist stark, aber gegen mehrere Jäger kann auch ein Rudel nichts ausrichten. Erst Recht nicht, wenn es nur aus drei Wölfen besteht." Ihr Blick wand sich wieder der großen Ebene zu. "Mutter starb den Heldentod. Ohne ihr Opfer wäre ich nicht mehr hier." Wieder spürte sie seine warme Hand auf ihrer Schulter. "Dann bin ich froh, dass sie mir dich gleich zweimal geschenkt hat, mein Kind." Seine Worte waren sehr sanft und zauberten ihr ein warmes Lächeln auf die Lippen. "Das hat sie", murmelte sie ganz leise. Gustavo rieb die schmale Schulter seiner Enkelin sanft. Auch sie war älter geworden. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte war sie noch ein Kind gewesen. Heute stand vor ihm eine Frau und was für eine schöne. Er lächelte. Ihre Schultern waren wohl etwas zu schmal und sie wirkte, als habe sie lange nicht mehr gegessen, was angesichts der Umstände auch der Wahrheit entsprechen möchte, doch selbst das trübte ihre Schönheit nicht. Ihr Gesicht war zart wie das einer Rose, ihre Augen blau, wie die des Eises und ihr Haar weiß wie der Schnee. Man sah ihr an welch starke Wölfin in ihr schlummern musste. Welch edles Blut sich durchgesetzt hatte. Es gab nur wenige weiße Wölfe. Sie waren bekannt als die edelsten, die stärksten. Abkömmlinge der Herrscher der alten Reiche. Weiße Wölfe waren fast nie Einzelgänger. In der Regel fanden sie schnell ein Rudel, denn sie waren prädistiniert die Rolle eines starken Alphas einzunehmen. Dieser Gedanke, dieses Wissen, gab Gustavo Hoffnung. Seine geliebte Elia würde nicht alleine sein, selbst wenn er einmal nicht mehr sein würde. "Weiß du, ich hatte nie gewusst, dass unsere Blutlinie die eines Adligen ist, bis du geboren wurdest. Deine Mutter, ich, mein Vater und sein Vater... alle, die ich kannte waren gewöhnlich. Stark, ja, und stolz natürlich, aber keiner hatte auch nur den Hauch dieses... dieses Adels, den du hast. Keiner unserer Wölfe war je ein Alpha. Aber ich weiß du wirst es sein." Elia lächelte sanft. Ihre Augen funkelten vor Stolz und sie spürte Snows Herz anschwellen vor dieser Aussicht. "Ich weiß noch als sie ein Welpe war... sag, mein Kind, darf ich Snow kennenlernen?" Freudestrahlend nickte die Frau und began sich zu verwandeln. Auch, wenn Gustavo den Ablauf kannte, er verwandelte sich selbst häufig genug, er hatte noch nie einen ausgewachsenen weißen Wolf gesehen und so sah er fasziniert zu, als sich ihre Finger krümmten. Ihre Nägel wurden zu Kralle, Hände und Füße zu Pfoten. Ihr Gebiss wurde lang und scharf, ihre Arme wichen Beinen. Und schließlich wurde ihr Körper von ihrem Fell überzogen. Weiß wie der Schnee an diesem außergewöhnlich sonnigem Wintermorgen, an dem endlich, wenn auch nur für wenige Stunden, alle Sorgen vergessen waren und Elia und Snow endlich frei sein konnten.