Zu behaupten, dass unsere Gesellschaft zur Kühle neigt, ist eine höfliche Untertreibung. In der Bemühung um Sicherheit haben wir Regeln aufgestellt, die ein Zusammenleben organisieren sollen, auch wenn die Menschen sich eigentlich eher verachten oder gleichgültig sind. Höflichkeit ersetzt Herzlichkeit und Anpassung ans Kollektiv den Wunsch nach gemeinsamer Gestaltung von Leben. Wir wollen nicht von überströmender Liebe erfüllt durch die Fußgängerzone tänzeln und wildfremden Menschen überglücklich um den Hals fallen, dem Bettler 50€ geben und dem blinden Mann unseren Arm anbieten . wir glauben nicht an diese Form der Lieb, die unabhängig von Partnerschaft in uns alleine entstehen kann und von der scheinbar nur die anderen profitieren, nicht aber wir selbst. Wir wollen Liebe meist nur geben wenn wir sie auch zurückbekommen. Nicht von irgendjemanden anderem, nein, exakt von der Person, auf die wir sie gerichtet haben. Nur dies zahlt auf das gleiche Konto ein und gibt unserer kapitalistischen Seele das Gefühl einer sinnvollen Investition.
‘‘Treue ist auch keine Lösung’‘ - Holder Lendt & Lisa Fischbach










