Kontrolle
Seit ich 9 bin, bin ich daran gewöhnt die Kontrolle zu haben.
Nicht dass man das Leben an sich kontrollieren kann. Nein. Das Leben der Menschen bedeutet Chaos.. Und doch musste ich Kontrolle in ein Chaos bringen dem ich nicht gewachsen war.
Ich war ein Kind, verloren in den Ängsten seiner Mutter. Ausgesetzt dem Leben ohne Schutz... denn der Mensch der mich beschützen sollte musste selbst beschützt und behütet werden.
Ich begann den Haushalt zu machen.. mich für meine Alkoholabhängige Mutter zu rechtfertigen und einzusetzten.
Als in der Schule deswegen Ausgestoßener musste ich ertragen wie die Lehrer mir Strafen aufbrummten weil meine Mutter nicht meine Arbeiten unterschrieben hatte.. Ich musste ertragen wie andere auf mir rum hackten weil ich und meine Kleidung nach Qualm rochen..
Und ich musste ertragen wie die Familie meinem mir noch verbliebenen Elternteil, Steine in den Weg legte.
Kaum einer half uns in unserer Lage.. und wenn sie es versuchten, traute meine Mutter ihnen nicht mehr.. Also versuchte ich mein bestes um irgendwie Normalität in das Chaos zu bringen.
Das Chaos in dem Leben eines anderen Menschen und in das meine.. Obwohl das Leben an sich kaum kannte..
Nun bin ich 21...
Ich habe kaum Kontakt zu meiner restlichen Familie, weil sie begonnen haben mich ebenso wie meine Mutter runter zu machen.. Für eine Krankheit für die ich nichts kann.. Ich gebe mein bestes und stehe für mich ein..
Und doch bekomme ich mehr und mehr das Gefühl alleine zu sein..
Die Menschen um mich herum beginnen so wie ich mit 16 ihr eigenes Leben zu führen.. Ziehen mit ihrem Partnern aus dem Elternhaus aus, gehen arbeiten, haben einen anderen Freundeskreis..
Und desto stärker die Veränderung eintritt, desto mehr habe ich das Gefühl die Kontrolle zu verlieren.. Das Gefühl dass mir niemand mehr zuhört, für mich da ist oder gar sich kümmert was mit mir geschieht.
Ich habe nicht das Bedürfnis die Menschen zu kontrollieren.. eigentlich.. Doch ich bemerke immer stärker dass ich beginne wie meine Mutter zu handeln: Ich entferne mich.. aus angst vor dem alleine sein und mit dem Gedanken: Das hier ist nichts halbes und nichts ganzes.. und eh ich nur etwas halbes habe, nehme ich lieber gar nichts.. ist das nicht paradox?












