Pulau Tailana
Wie heißt es so schön “Das Beste kommt zum Schluss”. Es war vielleicht nicht das Beste, aber eine der coolen Sachen, die ich auf Sumatra gemacht hab und auf jeden Fall das Schrägste!
Die Insel Tailana, im Indischen Ozean gelegen, ist ein Paradies. Klein, abgeschottet, natürlich. Kein ATM, keine Einkaufsmöglichkeiten. Ganz nach meinem Geschmack! Einmal um die Insel dauert etwa ´ne halbe Stunde und da ist ´ne Pause reingerechnet ;) Es gibt nur sieben kleine Holzhütten und eine kleine Basis, wo es Essen und Trinken gibt, dafür umso mehr Palmen, Strand und Wasser wohin das Auge reicht. In allen möglichen Blautönen und kristallklar! Kostenpunkt pro Nacht inkl. Vollpension zwölf Euro. Nehmen John und ich, mit dem Ziel, möglichst wenig zu machen, gerne für ein paar Tage mit. Doch die Aktivität sollte größer, wesentlich größer sein als gedacht…
Schon am zweiten Tag reißen wir aus – wir schwimmen zur nächsten, wie sich herausstellen sollte, völlig einsamen & verlassenen Insel. Die Farbe des Wassers vor der Insel wechselt in unterschiedlichen Abständen von dunkelblau zu türkis. Wir sind der Meinung, hell bedeutet flach, und schwimmen zum nächsten helleren Streifen. Nach ´ner knappen halben Stunde kommen wir an und in der Tat, das Wasser geht uns teilweise nur noch bis zu den Knien. Umgeben von toten Korallen – die meisten sind durch den Tsunami komplett zerstört worden – stehen wir mitten im Indischen Ozean und genießen die absolute Freiheit. Die nächste Insel ist laut meiner Schätzung ´ne halbe Stunde entfernt – es sollte anderthalb Stunden dauern ;) Das Gute ist, die Hälfte des Weges gehen wir ganz gemütlich durch den Ozean.
Auf der Insel lernen wir dann ´nen schrägen Fischer kennen, der auf jeden Fall irgendwas genommen haben muss und uns ein wenig Angst macht. Gut, vielleicht war´s auch das lebende Wildschwein in seinem Boot, dessen Beine an einem Ast befestigt waren und das versuchte, den Fischer zu beißen, als der wieder ins Boot steigen möchte. Aber wir haben Glück, lernen noch einen anderen, wesentlich sympathischeren Fischer kennen – ohne Schwein! – und fahren per Anhalter zurück nach Tailana. Das Ganze hat uns so gut gefallen, dass wir das am nächsten Tag gleich noch mal machen möchten. Dieses Mal aber weiter, bis zur Insel/Stadt Haloban.
Wir starten also am nächsten Tag – ausgestattet mit Keksen, Wasser, Zigaretten und Geld im Dry Bag – die gleiche Tour, wandern jedoch noch etwa eine Stunde am einsamen Strand entlang, bevor es wieder ins Wasser geht – dieses Mal ohne helle Streifen. Alles einfach nur dunkelblau. Und da war der Fehler im System. Strömung und Wellengang sind wesentlich stärker als im vorherigen Abschnitt, aber wir sind immer noch guter Dinge und schätzen etwa zwei Stunden. Mit jedem Meter den es nach vorne geht, geht´s auch wieder achtzig Zentimeter nach hinten und so stellt sich das Ganze als ziemlich harte Nummer heraus. Aber noch lachen wir – gutes Anzeichen! Wir ändern nach knapp anderthalb Stunden des Schwimmens unser Ziel und steuern nicht mehr Haloban, sondern einfach die Insel an und wollen dann zu Fuß weitermachen. Die Idee war jedoch auch nicht gerade von Erflog gekrönt.
John meint irgendwann, wir brauchen nur noch zwanzig Minuten bis zum Ufer – nach zwanzig Minuten haben wir beide den Eindruck, dass wir kein Stück vorangekommen sind. Langsam wird´s anstrengend und die Späße lassen auch nach. Irgendwann sind wir dann aber doch im seichten Wasser und können uns ein wenig ausruhen. Bis zur Stadt ist´s aber noch ein ganzes Stück. Auf die Insel rauf? Keine Chance! Das komplette Ufer ist mit Mangroven übersät und mit den Krokodilen im Hinterkopf beschließen wir, dass lieber sein zu lassen. Man weiß ja nie. Stattdessen fahren wir wieder per Anhalter in ´ner kleinen Nussschale mit. Zwar ohne Motor, aber wir sind uns einig, paddeln ist jetzt besser als schwimmen. Und tatsächlich, nach einer weiteren, knappen Stunde kommen wir fix und fertig im kleinen Hafen von Haloban an.
Und nun? Auf jeden Fall die Sonne meiden und irgendwo was essen. Wie so oft gibt es Mie Goreng, doch das haben wir nun wirklich bitter nötig. An sich wollten wir durch die Stadt schlendern, aber es geht einfach mal gar nichts mehr. Der Ritt war einfach brutal – Strömung und Wellengang, stechende Sonne, messerscharfe Korallen, die so einige Schrammen an den Beinen verursacht haben. Wir sind durch! Nach kurzen Verhandlungen haben wir ein kleines Holzboot gechartert – dieses Mal aber mit Motor, denn auch paddeln geht nicht mehr – und es geht zurück nach Tailana. Angeblich, so sagten uns die Locals später, sind wir bisher die ersten und einzigen, die nach Haloban geschwommen sind – na also, hat sich doch gelohnt ;)
Nach einem sehr gemütlichem Abend mit Barbecue und Bierchen geht’s am nächsten Morgen wieder zurück Richtung Singkil und dann nachts weiter nach Medan, von wo aus ich wieder nach Kuala Lumpur fliegen möchte.
Tailana war wirklich ein Traum – nicht nur optisch, sondern auch sportlich. Wer´s lieber ruhig & gemütlich zugehen lassen möchte, ist hier jedoch auch bestens aufgehoben. Von der Außenwelt abgeschottet, bietet sich viel Zeit fürs Nichtstun. Der Weg zur Insel ist zwar etwas umständlich und langwierig – ich denke, bestenfalls zwölf Stunden von der nächsten Flughafenstadt – aber er lohnt sich.
Ich verabschiede mich nun an dieser Stelle von Sumatra – in Kombination aller wichtigen Reisefaktoren war´s für mich die beste Station in den vergangenen Monaten – und leider auch von Savanna & John – zwei fantastischen Reisepartnern. Bis zum nächsten Mal!











