Siebziger Jahre, schon lange vorher, und Ende 2018
Beim Elternwohnungausräumen, der traurigen Arbeit, die auf die meisten von uns früher oder später wartet, findet mein Freund U. die Ständelibohnenmaschine.
Ein “Ständeli” ist ein Fass. Die Bohnen werden zuerst von ihren Fädchen befreit (hierbei hilft eine sinnreich, jedoch nicht ungefährlich an der Tischkante eingespannte Rasierklinge, nicht im Bild) und dann unter Kurbeln oben in den Trichter gesteckt. Die Walzen schneiden sie längs ein, damit, wenn man sie einlegt, die Flüssigkeit eindringen kann.
Wie das funktioniert hat, ist mir nicht restlos klar; jahreszeitbedingt kann ich es nicht mit einer Bohne ausprobieren, aber ein ersatzweise durchgedrehter Paprikaschnitz wird jedenfalls nicht ein-, sondern in feine Streifen geschnitten. Die Bohnen damals, berichtet U., seien jedoch ganz geblieben. (Ob da mal der Ständelibohnenmaschinenstimmer kommen müsste? - Nachtrag: U.’s Bruder glaubt sich auf Nachfrage zu erinnern, dass die Bohnen doch in, typischerweise drei, Streifen geschnitten wurden, die manchmal noch zusammenhingen, oft aber auch nicht) Sie wurden dann in einem Fass mit einer Lake bedeckt, deren Rezept die Hausfrau mit ins Grab genommen hat, und für den Winter durch Gärung haltbar gemacht. U. erzählt, die Ständelibohnen hätten gestunken wie in der Sporttasche vergessene alte Wäsche, man habe sie dann gewässert, dadurch sei der Gestank weggegangen, und es seien fast ganz normale Bohnen geworden wie im Sommer auch, nur ein bisschen bitterer, ein bisschen... anders, wie Konserven halt so sind.
Mein erster Kontakt mit Ständelibohnen hat übrigens weder hier in Südbaden stattgefunden, noch im heimischen Schwaben; sondern im Mumintal. In dem Buch “Sturm im Mumintal” besucht der Schnupferich gemeinsam mit einer Kinderschar (die er durch widrige Umstände den Sommer über beaufsichtigen muss) eine Theateraufführung. Wegen einer katastrophalen Überschwemmung ist man zum Naturalienhandel übergegangen, und als Eintrittsgeld gibt er ein Bohnenfässchen ab. Er ist besorgt, ob das zu wenig sei, wird jedoch beruhigt: er bekomme sogar noch ein wenig heraus. Und er erhält eine Schöpfkelle voll Bohnen als Wechselgeld. Schon als Kind dachte ich, o je, der Arme, jetzt hockt er die ganze Aufführung lang mit losen Bohnen in den Händen da! Nun, da ich mehr zum Thema gelernt habe, muss ich hinzufügen: hoffentlich riechen finnische Fassbohnen wenigstens besser als südbadische.