Grammatik und Aussprache
Die Grammatik des klassischen Missingsch ist vorwiegend niederdeutsch, das Vokabular eine Mixtur aus Standarddeutsch und niederdeutschen Ausdrücken.
Einige Beispiele (in Klammern plattdeutsch und standarddeutsch):
Lang mich mal die Kanne Milch (Lang mi mal de Melkkann) (Gib/reich mir mal die Milchkanne)
Sitzen gehen schallst du erst, wenn de Vadder da is (Sitten gahn schallst du ierst, wenn de Vadder dor is) (Hinsetzen sollst du dich erst, wenn der Vater da ist)
Das Bild is für ihr. (Dat Bild is för ehr.) (Das Bild ist für sie.)
Der ist tot geblieben. (He is dootbleven) (Er ist gestorben, wörtlich: Er ist tot geblieben).
Ich tu dich blots ankucken, denn wirst du klar kriegen, was die Klock geslagen hat. (Ik do di blots ankieken, denn schallst du klorkregen, wat de Klock slahn hett) (Ich sehe dich nur an, dann weißt du, was die Stunde geschlagen hat, wörtlich: Ich tu dich bloß angucken, dann wirst/sollst du klarkriegen (gemeint ist: soll dir klar werden), was die Uhr geschlagen hat).
Am letzten Beispiel lässt sich gut erkennen, dass Missingsch kein Niederdeutsch ist: Es wird was anstatt niederdeutsch wat gesagt. Noch bezeichnender ist die Verwendung von ich statt ik, sowie die deutsche Partizipvorsilbe ge-, die im Nordniederdeutschen nicht vorkommt. Am Ausdruck für ihr wird auch die Schwierigkeit des Umstiegs vom bloßen Objektkasus im Niederdeutschen zur Opposition von Dativ und Akkusativ erkenntlich.














