Max Liebermann und Polo
Ein Polospieler im Interview
Was hat Polo mit Afghanistan zu tun, welche Bedeutung hat „Tschakka“ im Polosport und wie gefährlich ist der Mannschaftssport für Mensch und Tier? Der Polospieler Harm Hesterberg (Poloclub Hagen-Grinden) gibt uns Antworten darauf und erklärt uns im folgenden Interview noch einiges mehr. Am Freitag, den 18. November ist er um 14 Uhr zu Besuch in der Kunsthalle Bremen um mit Dorothee Hansen über das Gemälde „Polospieler in Jenischs Park“ zu sprechen.
1. Woher kommt eigentlich das Polospiel und seit wann betreibt man es in Deutschland? Die Anfänge des Polospiels liegen im Iran, Afghanistan, Kaschmir und Pakistan ca. 600 Jahre vor Christus. Im 16./17. Jahrhundert war Polo so populär, dass der zentrale Platz der damaligen Hauptstadt Persiens als Spielfläche diente. Bereits damals spielten Frau und Mann dieses Spiel. Im Rahmen der islamischen Expansion breitet sich das Spiel auch nach Arabien und Indien aus. Britische Kavallerie Offiziere brachten das Spiel im 19. Jahrhundert aus Indien nach Großbritannien mit. 1859 wurde der erste britische Polo Club gegründet. 1898 wurde der Hamburger Polo Club als erster in Deutschland gegründet. Mit der Gründung des Club zur Vahr in Bremen 1905 und der ab 1908 dazugehörigen Poloabteilung kam dieser Mannschaftssport dann auch in Bremen an.
2. „Tschakka“ ist ein Ausdruck aus dem Polo. Was bedeutet er und wie hat er den Weg in die Alltagssprache gefunden? Das Spiel ist in Zeitabschnitte, sogenannte „Chucka“ auch „Chukker“ bzw. „Chukka“, eingeteilt. Jeder Zeitabschnitt dauert sieben Minuten, kann nach Erklingen der Glocke aber noch um 30 Sekunden verlängert werden, wenn der Ball im Spiel ist, der Ball nicht die Bande berührt oder ins Aus gerät und kein Foul begangen wird. In der Alltagssprache wird das Wort Chukka auch mit stimulierender Wirkung, „Du schaffst das“, eingesetzt bzw. genutzt.
3. Als Laie kann man sich kaum vorstellen, wie man beim Ballabschlag nicht ein Pferd oder einen Reiter treffen soll. Ist der Polo-Sport für die Pferde oder für die Reiter gefährlicher? Polo ist der gefährlichste Mannschaftssport der Welt. Auch, oder besonders deswegen, ist das Regelwerk besonders rigide. Dabei geht es in erster Instanz um die Sicherheit der Pferde, weniger der Reiter. Da Polo eine Kontaktsportart ist, Pferdestürze oft vorkommen, sind Verletzungen im Arm, Bein und Kopfbereich bei den Reitern häufig, bei den Pferden der Bein und Kopfbereich. Beim kleinsten Anzeichen einer Gefährdung der Pferde durch zu hartes abreiten, durch Missbrauch des Schlägers, oder womöglich kreuzen der Hauptspielrichtung wird augenblicklich das Spiel abgepfiffen. Sowohl für Reiter und Pferd gilt absolute Fitness, körperlich wie mental, um beim Polo niemanden zu gefährden.
4. Ist Polo noch ein Nischensport? In Deutschland ist Polo nach wie vor absolute Randsportart, erfreut sich in den letzten Jahren aber einer immer größeren Beliebtheit. Inzwischen 36 Clubs von Nord bis Süd können sich auch im Vergleich mit dem größten Polo Land, Großbritannien, mit 50 offiziell gelisteten Clubs, durchaus sehen lassen.
5. Warum heißen Poloshirts eigentlich Poloshirts? Denn der Franzose René Lacoste, der eigentliche Erfinder dieses speziellen Shirts, war doch Tennisspieler… Polo ist tatsächlich der Namensgeber für das Polohemd. Im subtropischen Klima Indiens Anfang des 20 Jahrhunderts brauchten die englischen Kavallerie Offiziere eine funktionale, leichte, Alternative zu den eher schweren Uniformhemden, um bei den hohen Temperaturen leicht bekleidet größtmögliche Bewegungsfreiheit zu haben. Im Gegensatz zu den gewebten Hemden waren die Jersey gestrickten Qualtäten dehnbarer und saugten den Körperschweiß leichter auf. Zur eigentlichen Berühmtheit gelangte das Polohemd aber erst durch den französischen Tennisspieler Lacoste, der dieses leichte Sportshirt mit seinem Signet dem Krokodil, salonfähig machte.
Harm Hesterberg | 15.11.2016
„Gemischtes Doppel“: 20-minütige Kurzführungen mit Sport-Experten in der Max Liebermann-Ausstellung: Freitag, 04.11.2016, 14 Uhr: Badesport mit Prof. Dr. Manfred Polzin (ehemals Universität Bremen) Freitag, 18.11.2016, 14 Uhr: Polo mit Harm Hesterberg (Poloclub Hagen-Grinden) und Wolfgang Kailing (Präsident des Niedersächsischen Polo-Clubs e.V.) Freitag, 02.12.2016, 14 Uhr: Pferderennen mit Dr. Liliane Skalecki (Kunsthistorikerin, Bremen) Freitag, 16.12.2016, 14 Uhr: Tennis mit Hanns-Gerd Fischer (ehemals Präsident Tennis Rot-Weiß e.V. Bremen) Freitag, 27.01.2017, 14 Uhr: Boxen mit Klaus Becker (Boxtrainer, TURA Bremen e.V.) Freitag, 03.02.2017, 14 Uhr: Sport als Event mit Prof. Dr. Manfred Polzin (ehemals Universität Bremen) Kosten je Termin: Eintritt (inkl. Ausstellungsbesuch) Ohne Voranmeldung - begrenzte Platzzahl
Abbildungen: 1) Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903, Privatbesitz 2) Ludwig Koch, Trabrennen, Anfang des 20. Jahrhunderts, Postkarte Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen 3) Wilhelm von Preußen, Kronprinz des Deutschen Reiches vor einem Polospiel, 1908 Postkarte Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen












