Und jetzt muss ich mit meinem lädierten Magen drei dieser Brötchen essen. An jemand anderen kann ich das dritte Knieperbrötchen nicht abtreten. Wie ein Schlosshund wird meine beste Freundin aufpassen, dass ich auch wirklich alles aufesse. Erst dann wird sie zufrieden sein. Ob es mir danach schlechter gehen wird als vorher, ist ihr völlig egal. Man soll sich nicht so anstellen. Ja, ich kenne ihre Sprüche.
“Und jetzt los, bevor man uns die Sitzplätze wegschnappt.”
“Wo willst du denn hin?”, will mein Mitbewohner wissen.
“Auf dem Friedhof. Dort gibt es Sitzplätze.”
Nach Kathrins Verkündung herrscht eisiges Schweigen.
“Bei den Toten? Ohne mich!”, sagt Tim und verschränkt demonstrativ die Arme vor der Brust. Besser kann man seine Ablehnung gegen den Vorschlag nicht zeigen.
“Ich möchte dort auch nicht essen”, wende ich ein. “Das wäre mir unangenehm.”
“Was seid ihr denn für Kleingeister?”, fragt meine beste Freundin verschnupft. “Es hat Völker gegeben, wo man am Grab der Toten gespeist hat, um sie zu ehren. Das waren mitunter richtige Gelage. Nur im Gegensatz zu damals wollen wir keine Party feiern, sondern bloß was essen. Da kann niemand was dagegen haben - außer euch!”
“Man muss die Toten respektieren”, sagt mein Mitbewohner. “Außerdem könnten sich Friedhofsbesucher daran stören, wenn wir dort ein Picknick veranstalten.”
“Das ist doch kein Gelage, bloß ein kleiner Imbiss!”, verteidigt sich Kathrin. Es klingt schwach. Sie hat gemerkt, dass wir uns nicht erweichen lassen.
“Sehr klein”, bemerkt Tim süffisant und starrt wortlos auf den nicht gerade kaum gefüllten Beutel, der schwer an Kathrins Hand hängt.
“Setzen wir uns doch einfach auf die nächstbeste Bank, die wir sehen”, seufzt mein Mitbewohner, um endlich das Thema zu beenden und möglichen Streitereien zu entkommen.
“Ja, genau”, sagt Tim begeistert. “Setzen wir uns an den Strand. Dann haben wir den Ort schon einmal von unserer Liste abgehakt.”
“Nein!”, entschieden dringt Kathrins Weigerung an mein Ohr. “Ich lass mich von keinen Möwen attackieren, die mir mein Essen klauen wollen. Ich werde deren Speiseplan jedenfalls nicht spendieren und bereichern. Dafür habe ich mein Geld nicht ausgegeben.”
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