Piz Buin from the Wiesbadener Hütte (10.08.2022)
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Piz Buin from the Wiesbadener Hütte (10.08.2022)
The Mountaineers – Hochtouren in den Ötztaler Alpen
Wie ihr euch vielleicht noch erinnern könnt, haben wir letztes Jahr unsere Gletscherausbildung absolviert und im Rahmen des Hochtourenkurses den Großvenediger bestiegen. Anschließend haben wir wenige Wochen später die Wildspitze in den Ötztaler Alpen in Eigenregie bezwungen. Auch für dieses Jahr stehen wieder zwei Hochtouren in den Ötztaler Alpen auf dem Programm.
Es ist Montagmorgen Anfang August und wir machen uns wieder einmal auf den Weg nach Vent (1.900 m). Gegen Mittag parken wir unser Auto auf dem Parkplatz vor der Seilbahn und hasten eilig hoch zur Similaunhütte (3.019 m). Es soll am Nachmittag/Abend noch gewittern, daher wollen wir es möglichst vermeiden in eine Schlechtwetterfront reinzugeraten. Unsere Hochtourengruppe, anfangs zu fünft, zieht bereits mit knackigem Tempo Richtung Martin-Busch Hütte los. Die Wege sind gut ersichtlich. Allerdings macht uns das schnelle Tempo mit dem schweren Gepäck (ca. 12 kg) doch sehr zu schaffen. Immer wieder fängt es an zu regnen, Gott seid Dank nur leicht und es behindert uns nicht sonderlich. Nach ca. 2 Stunden erreichen wir die Martin-Busch Hütte (2.501 m) und somit 30 Minuten schneller als es uns die Schilder versprechen. Wir sind gute Dinge und marschieren weiter Richtung Similaunhütte. Vorbei an kleinen Flüssen und Bächen wandern wir weiter durch den beeindruckenden Marzellkamm. Die Umgebung wird kahler und gegen Ende passieren wir auch kleinere Schneefelder. Nach insgesamt 3,5 Stunden (Martin-Busch-Hütte – Similaunhütte 1,5 Stunden) haben wir die Similaunhütte völlig erschöpft erreicht, besetzen unsere Zimmer und freuen uns auf das wohlverdiente Abendessen.
Am Abend und in der Nacht regnet es immer wieder und wir hoffen, dass die Tour morgen auf den Similaun starten kann. Um 6:00 Uhr gibt es Frühstück. Recht spät für unsere bisherigen Hochtourenerlebnisse, aber das liegt primär daran, dass die Touren auf den Similaun und die Fineilspitze mit rund 2 h nicht sonderlich lang sind. Nach dem Frühstück brechen wir direkt auf, Richtung Similaun. Der Regen hat sich eingestellt und wir hoffen noch, dass das Wetter aufbricht. Es geht zunächst über Blockwerk etwas bergab zu einem größeren Schneefeld. Hier entschließen wir uns, die Gletscherausrüstung anzulegen und uns in die Seilschaften einzubinden. Zwei weitere Weggefährten waren am Abend zu vor bereits früher an der Hütte. Somit sind wir für den ersten Tag zu siebt und bilden eine 3er- und eine 4er-Seilschaft. Die 4er-Seilschaft, in der wir laufen, gibt zunächst den Weg vor.
Die Hoffnung auf besseres Wetter wird schnell zunichte gemacht. Zwar regnet es auf dem Hinweg nicht sonderlich, aber es ziehen immer wieder dichte Wolken auf, so dass wir teilweise nur noch den Vordermann erkennen können. Trotz Trubel in der Hütte sind wir ein wenig verwundert, dass wir die einzige Seilschaft sind die unterwegs zu sein scheint. Bedenkt man doch, was damals am Großvenediger los war. Kurz erschleicht uns das Gefühl wir sind auf dem falschen Weg. Ein Blick auf die Karte und das GPS gibt uns aber Entwarnung. Nach circa 1,5 Stunden geht es vom Gletscher ins felsigere Gelände und wir beschließen den Abstand zwischen unseren Seilschaften zu verkürzen.
Kurze Zeit später bricht das Gipfelkreuz auf 3.599 m durch den dichten Nebel. Bei gutem Wetter hätten wir wohl bis hinab zur Similaunhütte blicken können, so bleibt uns leider eine schöne Rundumsicht verwehrt. Aber manchmal ist auch der Weg das Ziel. Schnell werden noch ein paar Fotos geschossen, bevor es an den Abstieg geht. Auch hier zieht es immer wieder zu und wir setzen vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Im Abstieg treffen wir dann auf eine weitere Seilschaft, die einzige Seilschaft die an diesem Tag uns auf der Strecke entgegenkommt.
Nach ca. 1,5 Stunden sind wir wieder zurück am Anseilplatz. Jetzt heißt es schnell hinauf über das Blockwerk und ab in die warme Stube, da das Wetter schon wieder dran denkt umzuschlagen. Den restlichen Tag relaxen wir in der Hütte und planen die Tour für den kommenden Tag auf die Fineilspitze (3.514 m). Stets haben wir den aktuellen Wetterbericht im Blick. Auch dieser verspricht für den morgigen Tag keine besseren Bedingungen. Dennoch entschließen sich fünf von uns den Aufstieg auf die Fineilspitze anzugehen. Es tröpfelt von Beginn an, aber das Wetter hält.
Die erste Etappe geht über gut markiertes Blockwerk, bevor wir nach rechts in ein Schneefeld queren und kurze Zeit später an der Ötzifundstelle (3.210 m) stehen. Wir entscheiden uns hier auf dem Rückweg eine längere Rast einzulegen, um nicht zu viel Zeit für den Gipfelanstieg zu vertrödeln. Der weitere Weg führt erneut über verschneites und teils eisiges Blockwerk. Immer wieder bleiben wir stehen und müssen uns neu orientieren. Das finale Gipfelstück wird zunehmend steiler und vereister und ohne Steigeisen wäre das ein gefährliches Unterfangen geworden. Nach ca. 2,5 Stunden haben wir das Gipfelkreuz erreicht, verbleiben aber auch hier nicht lange, sondern machen uns vorsichtig auf den Rückweg. Im Abstieg treffen wir dann eine weitere Gruppe, allerdings ohne Steigeisen. Auch die Bekleidung mit kurzen Hosen sehen wir etwas kritisch, da die sehr kalten und eisigen Temperaturen eher für einen wärmeren Schutz sprechen sollten. Wir berichten von den recht schlechten Verhältnissen hinsichtlich Sicht und Eis aber die Gruppe will es dennoch probieren.
Etwas erschöpft aber zufrieden kommen wir am späten Vormittag in der Hütte an und stärken uns mit einer Saftschorle und einer heißen Nudelsuppe mit Würstle. Danach beginnen wir den Abstieg nach Vent. Ein tolles Hochtourenabenteuer geht, trotz mäßigem Wetter und vernebelter Aussicht, zu Ende und wir freuen uns schon auf das nächste Abenteuer.
The Mountaineers – Auf den höchsten Berg Afrikas
Freitagmorgen 07:00 Uhr. Wir stehen in Frankfurt am Main am Flughafen und als wir die Gangway betreten, beginnt unser bisher größtes Abenteuer als Bergsteiger. Die Besteigung des 5.895m hohen Kilimanjaro. Viele halten den Kilimanjaro für einen der einfachen, wenn nicht einfachsten, der sogenannten Seven Summits. Zugegeben, technisch herausfordernd ist der Kibo, wie der Kilimanjaro umgangssprachlich genannt wird, nicht gerade. Die wohl größte Herausforderung ist neben dem mehrtägigen Trip sicherlich die Höhe. Mit seinen 5.895 m kratzt er schon ganz gehörig an der 6.000er Marke. Da wir bisher nur in den Alpen unterwegs waren und unsere Hochtourenkenntnisse eher auf der österreichischen Seite zu veranschlagen sind, haben wir uns für die Lemosho Route entschieden, um den höchsten Punkt Afrikas zu bezwingen. Die Lemosho Route kann entweder in sieben oder wie in unserem Fall in acht Tagen gemacht werden. Da wir die Chancen auf den Gipfel möglichst hochhalten wollen, ist uns im Vorfeld eine gute Akklimatisierung wichtig. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass wir Höhen krank werden. Daher haben wir uns für die ausgedehntere Variante entschieden.
Landschaftlich ist die Lemosho Route mit Abstand die schönste Route auf das Dach Afrikas. Sie führt durch insgesamt fünf verschiedene Vegetationszonen. Wir starten zunächst auf 2.385 m vom Londorosi Gate zum Big Tree Camp. Hier laufen wir ca. 400 Hm und die Strecke von knapp 7 km wird mit 3-4h angegeben. Effektiv waren es dann doch nur 2.5 h. Dennoch haben die großzügig angesetzten Zeiten durchaus eine Daseinsberechtigung. Denn das Motto am Kibo ist „Pole Pole“ was so viel bedeutet wie „Langsam, Langsam“. Für uns schon mal gleich zu Beginn eine deftige Umstellung von unserer normalen „Pace“ hinzu einer sehr gemütlichen Gangart. Aber wir bemerken, es hat auch Vorteile; so lässt sich doch die tolle Landschaft gleich viel besser entdecken. Der erste Abschnitt der Tour führt nämlich durch den Regenwald. Sehr schön angelegte Wege schlängeln sich durch dichten Urwald und wir sichten auch das Mal Affen in freier Natur. Im Big Tree Camp angekommen werden unsere Zelte aufgebaut und wir erhalten auch bald die erste von vielen leckeren Mahlzeiten. An dieser Stelle nochmal ein Riesenlob und Dankeschön an unseren Koch Andrew, der einfach wahnsinnsgeile Sachen gekocht hat. Bedenkt man doch die Umstände und Ausrüstung unter denen er die Mahlzeiten gekocht hat. Wir haben dreimal am Tag eine Mahlzeit erhalten und nie sind wir hungrig vom Tisch aufgestanden.
Tag zwei war die erste etwas längere Tour. Vom Big Tree Camp (2.780 m) ging es auf das 3.500 m gelegene Shira Camp 1. Langsam aber sicher verlassen wir den Regenwald und betreten die zweite Vegetationszone, das Moorgebiet. Charakteristisch kennzeichnend ist dieser Abschnitt durch kleine latschenähnliche Sträucher. Circa 8 km werden es am Ende des Tages sein, die wir hinter uns lassen. Anstrengend ist es bisher nicht. Die Temperaturen sind mild und das Wetter noch stabil. Unser Gepäck ist Dank der Träger nur mit dem nötigsten Tagesbedarf gefüllt. Hätten wir das im Vorfeld von unserem Reiseanbieter im Detail gewusst, hätten wir sicherlich das ein oder andere Kleidungsstück noch mitgenommen. So hatten wir nur zwei Garnituren Klamotten dabei. Eine für die Tage 1-3, die hauptsächlich aus leichten Klamotten und Schuhen bestand und eine für die Tage 4-7, welche primär unsere Hochtouren Klamotten und die festen Bergstiefel beinhalten. Für den letzten Tag haben wir uns wieder in die leichten Klamotten gezwängt. Zugegeben nicht gerade lecker, aber Luxus braucht man am Berg auch nicht erwarten. Wenn ihr wüsstet, wo das Klo war….
Als wir am Shira Camp 1 ankamen, zog das Wetter etwas zu. Nichts ungewöhnliches versichert man uns, da sich das Wetter hier in der Gegend am Berg recht rasch verändere. In der Nacht kam es dann zum ersten Regenguss und dann wurde es auch ein wenig feucht im Zelt. Abgesehen davon, dass man nur schwer eine Auge zukriegt, wenn gefühlt der halbe Victoriasee auf einen runterprasselt. Da war es dann auch nicht von Vorteil, dass unsere Nacht ja immer sehr früh endet. Denn unser Bergfrüher geht frei dem Motto: der frühe Vogel fängt den Wurm. Oder in dem Fall, was man halt so fangen kann in einer kargen Gegend aus Sand und Stein. Wahrscheinlicher als Würmer wären wahrscheinlich eher Eidechsen. Wie dem auch sei, Tag 3 begann auf jeden Fall freundlicher. Um 7 Uhr ging es wie jeden Tag los zum dritten Etappenziel, dem Shira Camp 2 auf 3.900 m. Erneut waren es ca. 10 km die wir an dem Tag abspulten, aber mit lediglich 400 Hm ging es eher flach und gemächlich zu. Dieser Teil der Route führt nun durch die sogenannte Lavalandschaft. Überall liegen kleine und größere Brocken, die bei der letzten Eruption aus dem Krater gefeuert wurden. Eine bizarrer als die andere. Als wir im Camp ankommen konnten wir im Lauf des Tages einen so klaren und wunderschönen Blick auf den Kilimanjaro erhaschen, wie die Tage zuvor nicht. Die Szenerie war einfach wunderschön und beeindruckend. Strahlenblauer Himmel und fast keine Wolken am Himmel und davor der imposante Kibo.
Als wir am vierten Tag wieder um 7 Uhr losmarschieren, haben wir uns diesmal in unsere Hochtouren Klamotten gepackt. Denn am Tag 4 geht zum ersten Mal auf 4.600 m zum sogenannten Lava Tower. Eine riesige von Lava aufgetürmte Felsformation, die vor Jahren sogar noch zum Klettern einlud, mittlerweile jedoch aufgrund des brüchigen Felsens gesperrt ist. Die Etappe soll unserem Körper die Möglichkeit geben, sich an die ungewohnten Höhen zu gewöhnen. Das Prinzip heißt hier, „Walk high, sleep low“. Das bedeutet man steigt erst einige Höhenmeter nach oben auf und läuft dann wieder ab, um seinen Körper zu akklimatisieren. Dieses Vorgehen wird uns die kommenden Tage noch viel begleiten. Auf diesem Abschnitt betreten wir dann die vierte Vegetationszone, die alpine Wüste. Eine karge Landschaft, die aussieht als wäre sie von einem anderen Stern. Mit jedem Schritt knackt es als würde man auf Glas laufen. Gegen Mittag erreichen wir den Lava Tower, verputzen dort unsere Mahlzeit (Chicken mit Pommes, jawohl es gab Pommes auf 4.600 m Höhe, geil oder?) und beginnen dann langsam den Abstieg ins Barranco Camp. Der Weg führt uns vorbei an einer Auswahl an Bäumen und Sträuchern, wie die Senezien, die es nur am Kilimanjaro gibt. Im aufkommenden Nebel sehen diese aus wie unheimlich verformte Gestalten.
Tag 5 ist Kraxeltag! Wir steigen nämlich auf die Barranco Wall auf. Wir starten im Camp auf ca. 4.000 m und müssen für unseren weiteren Weg zum Karanga Camp die mächtige Barranco Wall auf 4.200 m bezwingen. Früh morgens ist es auf dieser Höhe nun sehr frisch und schattig, so dass wir für die Kletterstellen unsere Handschuhe verwenden müssen. Es sollte aber ein schöner und sonniger Tag werden, daher dauert es auch nicht lange bis die Zwiebeltaktik wieder greift. Oben auf der Barranco Wall angekommen, verstauen wir schon die ersten Kleidungsstücke. Der weitere Weg verläuft nun in immer kleiner werden Auf- und Abstiegen bis wir am frühen Vormittag das Karanga Camp auf 4.065 m erreichen. Hier treffen nun erstmals die anderen Routen zusammen und die Camps werden auf einmal deutlich voller. Wir genießen unsere Mahlzeiten und sorgen für einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt und entspannen den restlichen Tag. Denn Tag 6 und 7 stehen langsam bevor und es wird ernst.
Am sechsten Tag steigen wir erneut auf 4.600 m auf. Mit rund 4 km ist die Strecke zum Barafu Camp nicht besonders lang, mit 600 Hm aber etwas anstrengender. Auch hier verläuft der Weg mit kleineren An- und Abstiegen durch die alpine Wüste. Das letzte Stück zum Barafu Camp verläuft nochmal etwas steiler und felsiger. Dann aber stehen wir auf dem letzten Basislager und erblicken ehrfürchtig zur mächtigen Kilimanjaroflanke. Unser Guide erklärt uns, wo die Aufstiegsroute entlang verläuft und wir können schon die ersten Gipfelstürmer sehen, die bereits wieder auf dem Weg nach unten ins Camp sind. Er gibt uns noch den Tipp uns viel auszuruhen und weiterhin viel zu trinken. Nur nach 6 Tagen nonstop Schwarztee, hängt dieser uns schon ganz schön aus dem Hals. Wir trinken teilweise nur heißes Wasser und nuckeln an unserer Trinkblase. Wenige Stunden nach dem wir im Camp angekommen sind, erhaschen uns die ersten Probleme was die Höhe angeht. Während mir der Schädel brummt, leidet Thea an Übelkeit und Kreislaufproblemen. Wir liegen viel im Zelt und versuchen uns auszuruhen. Der ganze Tag heute wird etwas kürzer ausfallen als die Vorigen. Denn wir müssen um 23 Uhr wieder aufstehen, damit wir pünktlich am Samstagmorgen um 0 Uhr Richtung Gipfel aufbrechen können. Daher gibt es auch schon gegen 17 Uhr Abendessen und wir liegen bereits gegen 19 Uhr in den Schlafsäcken. Draußen tobt ein heftiger Sturm, der an unserem Zelt rüttelt. Kurz bevor wir die Befürchtung äußern, dass die Heringe evtl. ihrem Job nicht nachkommen werden, versinken wir in einen kurzen, unruhigen aber seltsamerweise recht erholsamen Schlaf.
Um 23 Uhr werden wir geweckt. Es geht los. Wir ziehen sämtlich uns verfügbaren Lagen an und torkeln aus unserem Zelt hinaus und hinein in das Versorgungszelt. Es erwartet uns diesmal ein leichtes Frühstück aus Keksen, Tee und etwas Porridge. Nur nicht zu viel den Magen vollladen. Pünktlich um 0 Uhr machen wir uns auf den Weg. Die Kopfschmerzen und die Übelkeit sind erstmal verflogen und die Aufregung und Vorfreude beginnt sich breit zu machen. Leider nur nicht für lange. Wir erreichen nach ca. 40 Minuten das Kosovo Camp auf 4.800 m. Als wir uns der 5.000 m Marke nähern, schlagen die Leiden wieder zurück. Wieder sind es bei mir mehr Kopfschmerzen und bei Thea mehr Übelkeit. Letzteres sogar so heftig, dass sie immer wieder zusammenbricht. Aber sie kämpft sich jedes Mal wieder hoch und läuft weiter. Respekt kann man hier nur sagen! Wir versuchen zwar einigermaßen unseren Flüssigkeitshaushalt auf Stand zu halten, aber es gelingt uns nicht. Es ist dunkel und kalt und der Körper will alles aber gerade keine Nahrung. Wir versuchen als weiterhin das Wasser in unseren Körper zu pumpen. Als es aufgrund der Höhe kälter wird und das Wasser in unserem Trinkschlauch friert, steigen wir auf unseren Tee in der Thermosflasche um. Die so hochgelobten Power Bars bleiben nahezu komplett verschmäht, stattdessen schaffen wir es gerade so uns mit Traubenzucker zu füttern. Als wir endlich am Stella Point ankommen ruft unser Guide „Noch 40 Minuten!“ aus und auf einmal sind wir wieder da. Motiviert die letzten Meter zum Gipfel zu schaffen, schleppen wir uns den Kraterrand entlang. Der Wind zieht nun heftig an uns und wir haben Mühe gegen den eisigen Wind anzukommen. Dann um kurz nach 6 Uhr in der Früh, nach 6 Stunden langem Aufstieg, erblicken wir das uns bekannte Schild das den Uhuru Peak markiert. 5.895 m wir haben es geschafft! Schnell schießen wir ein paar Bilder und saugen die Ausblicke ein. Auf der einen Seite geht es runter in den Krater, auf der anderen Seite sieht man noch Reste des Gletschers. Während die Sonne aufgeht, machen wir uns langsam auf den Rückweg, mit dem wohligen Gefühl etwas Großes geschafft zu haben.
Im Barafu Camp angekommen, fallen wir erstmal erschöpft ins Zelt. Eine kurze Stunde Schlaf wird uns gewährt, ehe zum Mittagsessen gerufen wird. Danach geht es auf der Mweka Route weiter abwärts Richtung Mweka Camp auf 3000 m. Dort erholen wir uns von dem langen und anstrengenden Tag. Tag 8 führt uns dann vorbei an der Lavalandschaft, dem Moorgebiet und dem Regenwald in Richtung Moshi, wo auch schon der Bus auf uns wartet. Ein tolles und unglaubliches Erlebnis ist zu Ende gegangen. Eines das wir sicherlich so schnell nicht vergessen werden.
The Mountaineers – Hochtouren Ausbildung am Großvenediger
Nach dem Mehrseillängenkurs stehen die Mountaineers vor ihrer nächsten Prüfung. 4 Tage quartieren wir uns auf der Kürsinger Hütte ein und lernen die grundlegenden Fertigkeiten, die u.a. für eine Gletscherbegehung notwendig sind. Damit steht uns nun auch endlich die Königsdisziplin des Bergsteigens offen: das Kapitel Hochtouren.
Nach dem Aufstieg zur Kürsinger Hütte beginnt unsere Ausbildung mit einer kleinen Einweisung in das Material. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit der Knotenkunde und ein paar Trockenübungen zum Thema Spaltenbergung. Aufgrund des Kletterkurses ein paar Wochen zuvor sind uns die meisten Knoten schon bekannt. Neu hinzu kamen lediglich verschiedene Arten, wie man die Knoten macht (gesteckt vs. gelegt) und noch ein zusätzlicher Knoten: der Schmetterlingsknoten. Diesen benötigen wir als Bremsknoten für das Gehen in einer Seilschaft.
Der zweite Tag unserer Ausbildung ist ganz dem Thema Spaltenbergung am Gletscher gewidmet. Hierfür machen wir uns nach dem Frühstück direkt auf den Weg in Richtung eben diesen. Zuerst gibt es eine Einführung im Umgang mit Steigeisen und Pickel, ehe wir uns für das eigentliche Thema Spaltenbergung eine geeignete Gletscherspalte suchen. Hier wird mit Hilfe zweier Eisschrauben zunächst ein Standplatz gebaut. Danach werden wir abwechselnd in die Gletscherspalte abgelassen und werden anschließend von unserem Seilschaftspartner mit der sogenannten "losen Rolle" geborgen. Der ganze Tag ist gefüllt mit neuen Eindrücken: die erste Gletscherbegehung, das erste Mal als Seilschaft unterwegs zu sein und das erste Mal eine Gletscherspalte von innen zu sehen. An Ende des Tages fühlen wir uns zwar müde und erschöpft, aber die Vorfreude auf den Aufstieg zum Großvenediger steigt minütlich.
Tag 3. Der große Aufstieg. Es ist 4:00 Uhr als der Wecker klingelt. Wie benommen sitzen wir wenig später am Frühstückstisch, jeder mit demselben Blick, der in etwa so viel heißt wie: "wie zur Hölle soll ich irgendwas um diese Uhrzeit runterkriegen". Eine Viertelstunde später begeben wir uns bereits runter in den Materialraum, schnappen uns Eispickel und Bergschuhe, holen unsere Stirnlampe raus und machen uns auf den Weg zum Gletscher. Es dauert ein paar Minuten, bis wir in den "Wandermodus" kommen, doch als sich dieser einstellt, nehmen wir automatisch die atemberaubende Umgebung wahr. Es hat schon was mit Stirnlampe im Morgengrauen in den Bergen umher zu laufen. Nach einer Stunde erreichen wir unseren Anseilplatz, legen die Steigeisen an, bilden die Seilschaften und machen uns bereit für den Aufstieg. Ein unglaublich schönes Panorama stellt sich uns in den ersten Minuten vor, nämlich dann als wir die Sonne hinterm Gletscher aufgehen sehen. Dieser Moment hat uns darin bestätigt, dass das was wir hier machen genau das Richtige ist. Der weitere Verlauf der Tour wechselt zwischen strahlendblauem und bedecktem Himmel mit eisigem Wind. Als wir den Anstieg zur Venedigerscharte angehen, stauen sich die vielen Seilschaften und wir kommen nur mühsam voran. Der Aufstieg gestaltet sich nun durch die erschwerten Bedingungen etwas anstrengender.
Die letzten Meter zum Gipfel verlaufen über einen kleinen, schmalen Grat, auf dem der Wind uns ordentlich um die Ohren pfeift. Kurz geht der Blick nach links den steilen Hang hinunter, doch das vor uns auftauchende Gipfelkreuz zieht uns sofort wieder in seinen Bann. Am Gipfel angekommen geht es zu wie im Hühnerstall. Rasch machen wir uns vom Seil los und reihen uns in die Schlange zum Gipfelkreuz ein. Ein kurzes Foto dann heißt es "der Nächste!".
Wir machen noch eine kurze Rast, die aufgrund des eisigen Windes wirklich sehr sehr kurz ausfällt. Danach beginnt der Abstieg. Etwa zweieinhalb Stunden später sind wir wieder am Anseilplatz angekommen, verstauen unser Gepäck und laufen zurück zur Kürsinger Hütte. Was für ein Abenteuer! Und dabei ist der Tag noch gar nicht vorbei. Da wir relativ flott unterwegs waren, konnte unser Bergführer Hannes den Nachmittag noch dazu nutzen, das Thema Selbstrettung aus einer Gletscherspalte anzugehen. Hierbei hat er uns gezeigt, wie man aus zwei Reepschnüren eine Arm- und Beinprusik baut und sich somit selbst nach und nach durch das sogenannte "Hochprusiken" aus einer Spalte befreit.
Tag 4 und damit der letzte Tag unserer Ausbildung können wir nun relativ entspannt angehen, da wir unserem Zeitplan schon ein Stück voraus sind. Ein wenig länger in den Federn liegen bleiben und etwas mehr Zeit beim Frühstück ist dann auf jeden Fall drin. Hannes nutzte die restliche verbleibende Zeit noch dafür, das Thema Selbstrettung zu vertiefen. Er zeigte uns wie man evtl. im Seil vorhandene Bremsknoten beim Hochprusiken entfernt, als auch wie man für den letzten Meter einen Flaschenzug setzt. Die Flaschenzugtechnik ist wichtig, weil man sich mit der Armprusik nicht komplett aus der Spalte befreien kann. Ist die Armprusik erstmal bis an den Rand der Gletscherspalte geschoben, ist Endstation. Dann muss für den letzten Meter der Flaschenzug herhalten. Beim Flaschenzug kommt die sogenannte Gardaklemme zum Einsatz. Die Gardaklemme wird als sogenannte Rücklaufsperre immer dort angewendet, wo ein Seil bei Zug in eine Richtung blockieren und in die andere Richtung gleiten soll. Hierbei werden zwei baugleiche (!) Schnappkarabiner mit einem Ankerstich, wie in unserem Fall, an einer 60 cm Bandschlinge befestigt und am Gurt mit einem Sackstich abgebunden. Dann wird das Seil zuerst durch beide Karabiner geführt und dann ein zweites Mal nur durch einen Karabiner, sodass das Seil zwischen beiden Karabinern herausgeführt wird. Nun blockiert es bei Zug nach unten und gleitet bei einem Zug nach oben. Mit diesem Wissen können die nächsten Hochtouren nun kommen.
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Das Bishorn, mein erster Viertausender der Alpen, einer der schwierigsten persönlichen Aufstiege bisher. Eine Tour mit fantastischen Ausblicken, ohne Bergbahnzugang und eine sehr gute Wahl für Hochtouren-Einsteiger. Aber lest selbst, man lernt nie aus.
Das Bishorn, mein erster Viertausender der Alpen, einer der schwierigsten persönlichen Aufstiege bisher. Eine Tour mit fantastischen Ausblicken, ohne Bergbahnzugang und eine sehr gute Wahl für Hochtouren-Einsteiger. Aber lest selbst, man lernt nie aus.
4000er Hochtour - auf das Rimpfischhorn
4000er Hochtour – auf das Rimpfischhorn
Nach unserer 11-stündigen Tour vom Vortag auf das Allalinhorn 4.027m und den Alphubel 4.206m, stand mit dem Rimpfischhorn 4.199m nun das Herzstück unserer Mehrtagestour in den Schweizer Westalpen auf dem Programm. Das Rimpfischhorn erhielt seinen Namen von “rimpfen” = “rümpfen”, “falten” da sein Grat mit Zacken bespickt ist und ist weitherum erkennbar.
Von der Täschhütte 2.701m über den…
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Pic by AlpineBiking