Unterkunft in der Kirche
Mehr Privatsphäre für Flüchtlinge
Trennwände sorgen für etwas Privatsphäre in der Gutleutkirche
Kirche nimmt Lampedusa-Flüchtlinge auf (4.11.2013)
Am Montagmorgen um acht schliefen die Flüchtlinge aus mehreren afrikanischen Ländern im Kirchenschiff der Gutleutkirche im Frankfurter Bahnhofsviertel noch. Geweckt wurden sie von Lieferanten der Holzgroßhandlung Göbel und ein paar Schreinern. Die hatten Trennwände dabei, um zehn kleinere Räume zu schaffen, in denen die 22 Männer mehr Privatsphäre genießen können als bislang in der nicht mehr als Gotteshaus genutzten Kirche. "Wir haben mit den Männern abgesprochen, wo die Wände stehen sollen", berichtet Sascha Muschalle von der Schreinerei Hoch 4, der den ehrenamtlichen Arbeitseinsatz mit seinen Kollegen angestoßen hat. Mittags um eins standen die Wände. Die Männer, die nach ihrer Flucht aus Afrika über die Mittelmeerinsel Lampedusa durch Italien schließlich in Frankfurt strandeten und dort wochenlang unter einer Mainbrücke schliefen, haben jetzt dank der Hilfe evangelischer Gemeinden nicht nur ein Dach überm Kopf für den Winter, sondern auch Rückzugsorte.
Schicksalsgemeinschaft unter der Brücke
Fünf Stunden lang werkelten die Schreiner.
"Die Männer sind ja keine Familie oder Freunde, sondern die Not hat sie zusammengebracht", sagt Pfarrerin Sabine Fröhlich von der evangelischen Gemeinde Cantate Domino in der Nordweststadt, die die Afrikaner zuerst aufnahm. Die 22 Männer aus Ghana, Nigeria, Elfenbeinküste, Burkina Faso und Niger lernten sich erst unter der Mainbrücke kennen, seitdem bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft. Einer aus der Gruppe habe nach all den Wochen des Aufeinandersitzens den Wunsch nach etwas Privatsphäre geäußert, berichtet Fröhlich, woraufhin die Unterstützer der Flüchtlinge auf der eigens eingerichteten Hilfe-Homepage wir-fuer-22.de ein Gesuch nach Trennwänden veröffentlichten. "Und wie manchmal der Himmel Menschen schickt, standen plötzlich Sascha Muschalle und die anderen vor der Tür", so Fröhlich. Der Schreiner war eher zufällig auf die Seite gelangt und entschloss sich nach eigener Aussage sogleich zum Handeln.
Küchenzeile gesucht
Das unterteilte Kirchenschiff
Zwei, vielleicht auch drei Männer haben jetzt jeweils einen eigenen Raum für sich. Einen Gemeinschaftsraum mit einem Fernseher und Stühlen gibt es auch schon. Nun suchen die Unterstützer, denen sich auch Blockupy-Aktivisten angeschlossen haben, eine Küchenzeile. "In der ehemaligen Sakristei gibt es die Möglichkeit, eine Küche einzurichten", sagt Pfarrerin Fröhlich. Die Männer, die den ganzen Winter über in der Gutleutkirche bleiben dürfen, sollen sich heiße Getränke und kleinere Gerichte zubereiten können. Und die Unterstützer suchen nach Ehrenamtlichen für etwas Deutschunterricht, denn die Flüchtlinge sprechen nur Französisch oder Englisch. Pfarrerin Fröhlich und die anderen wollen den Männern über den Winter hinaus eine Perspektive bieten, dafür sind Sprachkenntnisse hilfreich.















