Paulo Coelho schreibt in seinem wunderbaren und inspirierenden Buch Handbuch des Kriegers des Lichts unter anderem davon, dass wir zuweilen das Gefühl haben, “zwei Leben zugleich zu leben.” Das eine tun wir, weil wir es gelernt oder studiert haben, weil es womöglich Tradition in unserer Familie ist und weil wir damit unsere Brötchen verdienen. Das andere tun wir aus Liebe, aus Leidenschaft und…
Einmal im Jahr steht Köln Kopf: Menschen aus aller Welt kommen zusammen, um zu feiern, zu experimentieren und zu lachen. Nein, es ist nicht Karneval, es ist Yoga Conference! Doch manchmal ist da gar kein allzu großer Unterschied. ;-) (more…)
Die Erde ist im Chaos und uns erreichen täglich furchtbare Bilder aus der ganzen Welt. Ich bin 34 Jahre alt und verabschiede mich gerade endgültig von der Idee der Sorglosgeneration. In den letzten Tagen und Wochen ziehe ich mich immer mehr zurück, um irgendwie herauszufinden, wie ich mit all dem, was da gerade vor sich geht, umgehen soll. Eine echte Antwort habe ich noch nicht gefunden. Aber…
Jeder von uns wünscht, Glück zu erleben und Leid zu vermeiden. Mehr noch, jeder von uns hat dasselbe Recht, Glück zu erfahren und Leid abzuwenden. Wenn Sie akzeptieren, dass alle Wesen in dieser Hinsicht gleich sind, spüren Sie spontan Mitgefühl und Nähe zu ihnen. Aus dieser Einstellung wiederum entsteht eine aufrichtige Haltung der universellen Verantwortung.
„Wenn du hinfällst, dann dreh dich auf den Rücken und betrachte die Sterne.“
Leider weiß ich grade nicht mehr, wer diesen schönen Satz gesagt hat, vermutlich habe ich ihn irgendwo auf F***b**k gelesen…? Wie auch immer, für mich steckt da jedenfalls ganz schön viel Wahrheit drin.
Wir alle sind in unserem Leben schon einmal hingefallen, womöglich sogar mit der Nase voran und ohne die Möglichkeit, den Sturz irgendwie abfangen zu können. Das tut weh, richtig weh und es hinterlässt Spuren. Manche bleiben als Narben ein Leben lang, andere wiederum verblassen mit der Zeit und irgendwann erinnern wir uns gar nicht mehr, ob es unser linkes oder rechtes Knie war…
Es gibt Phasen im Leben, da stolpern wir alle paar Meter über einen dicken Stein und wir liegen mit dem Gesicht auf der Erde. Dann gilt es, sich wieder und wieder aufzurappeln, sich den Staub von den Kleidern zu schütteln und weiterzugehen. Manchmal jedoch ist der Sturz so heftig und wir fallen so tief, dass es uns nicht möglich ist, in diesem Moment wieder auf die Beine zu kommen. Und dann? Dann können wir nichts tun, als uns auf den Rücken zu drehen und nach oben zu schauen. Zeitweilig ist es einfach so, dann geht schlichtweg nichts mehr. Wir haben keine Ahnung wer wir sind und was das alles hier soll. Vielleicht geht es in so einem Moment darum, genau das zu akzeptieren, anzunehmen, loszulassen: „Ja, so und nicht anders ist es gerade.“ Punkt.
Wenn wir nun also so daliegen und in den Himmel schauen, dann kann es sein, dass wir einen Stern entdecken, der wunderschön und hell strahlt. Wir können den Blick nicht mehr abwenden. „Genau das will ich auch, jetzt sofort“, ist alles, was wir denken können. Wir versuchen, nach diesem Stern zu greifen, doch er ist unendlich weit weg, wir haben keine Chance, gleichgültig, wie groß unsere Bemühungen sind. Und der Stern kommt uns auch keinen Millimeter entgegen – all das erscheint so ungerecht! Wie kann es sein, dass er strahlt und wir nicht? Wir werden traurig, wütend und eifersüchtig, weil wir doch so gerne etwas von diesem Funkeln abhaben wollen. Am liebsten würden wir diesen Stern… Und plötzlich taucht da ein neuer Stern auf, der noch heller strahlt und noch schöner zu sein scheint. Dort scheint die Welt in Ordnung zu sein. Wieder versuchen wir alles, den neuen Stern zu fassen, doch vergeblich. Egal was wir tun, es ist uns nicht möglich, dorthin zu gelangen. Auch den dritten Stern erreichen wir nicht, genauso wenig den vierten, den fünften…
Es ist wie es ist, so und nicht anders. Allmählich beginnen wir zu verstehen, dass wir uns das Strahlen nicht von außen holen können, wir müssen es in uns selbst wiederfinden.
Doch wie? Nun, manchmal heilt die Zeit tatsächlich alle Wunden – oder zumindest so viele, dass es wieder leichter für uns wird. Alles in unserem Tempo. Der funkelnde Stern am Himmel schaut geduldig zu uns herab und lässt uns einfach so sein, wie wir gerade sind. Er erwartet nicht, dass wir auf einmal aufspringen und alles wieder gut ist. Wir sabotieren ihn nicht länger, denn es gelingt uns immer besser, liebevoll zu ihm zu blicken und uns inspirieren zu lassen. Wir lassen den Stern scheinen und ganz allmählich wird es friedlicher, positiver in uns und wir füllen uns mit Licht. Irgendwann können wir den Kopf anheben, dann die Beine, die Arme, schließlich setzen wir uns…
Der Stern oben ist noch immer da und er strahlt sogar noch heller, weil er sich mit uns freut. Und wenn wir es dann schaffen aufzustehen, dann ist die Distanz zum Himmel plötzlich gar nicht mehr so groß. Wir beginnen zu laufen, erst langsam und vorsichtig, dann immer schneller und mutiger und mit jedem Schritt erstrahlen wir heller und schöner, bis wir schließlich bemerken, dass wir oben neben dem Stern angekommen sind.
Einer Überlieferung zufolge geht die Tradition des Valentinstags auf Bischof Valentin von Terni zurück, der im 3. Jahrhundert n. Chr. heimlich Brautpaare traute, die nach der kaiserlichen Anordnung nicht heiraten durften. Es heißt, dass er am 14. Februar auf Befehl Claudis II. enthauptet wurde. ... Ob sich dessen heute allerdings noch jemand bewusst ist, mag ich bezweifeln.
Was genau feiern wir da also am kommenden Samstag? Wir kaufen überteuerte Blumen, Herzluftballons und Schokolade, gehen schick essen oder „nehmen uns mal richtig Zeit“ für die Liebste/den Liebsten. Offen gestanden überfordert mich dieser Tag und insbesondere die Werbung, die einen beinahe zu erschlagen droht. Ich glaube, je intensiver eine Sache umworben wird, desto mehr Werbung hat sie nötig, sprich desto fragwürdiger ist sie. Das soll nicht heißen, dass man dem Anderen keine Freude machen soll, aber braucht man dafür einen bestimmten Tag, den zudem noch die Wirtschaft vorschreibt?
Ist ein 14. Februar so viel bedeutender als zum Beispiel ein 1. Juni? Ist nicht „heute“ der wichtigste Tag, ganz gleich welches Datum im Kalender steht? Und ist nicht jeder Tag mit dem Anderen kostbar? Warum also warten bis zum Tag X, um zu zeigen, was wir fühlen?
Im Zeichen von Visshuda Chakra, das mich diese Woche begleitet: Seid kreativ und drückt jeden Tag aus, was in euch ist! Singt, tanzt, musiziert, schreibt, sprecht und zeichnet was das Zeug hält, immer und überall! Denn alles in euch ist wunderbar!
Und wer weiß, womöglich verirrt sich mal ganz unverhofft ein Liebesbriefchen in unseren Briefkasten – einfach so.
Passen Yoga und Karneval eigentlich zusammen? Nun, wenn man in diesen Tagen als Yogi in der wohl „jecksten“ Stadt Deutschlands lebt, dann muss man sich diese Frage unweigerlich stellen. Viele Yoga Praktizierende flüchten zurzeit so weit weg aus dem Rheinland, wie es nur irgendwie geht – mindestens Indien muss es sein. Händeringend werden Vertretungslehrer gesucht oder Kurspläne gleich ganz zusammengestrichen. Hier scheinen Welten aufeinander zu prallen: achtsame, meditative Stille trifft auf unkontrollierte Halligali-Kölsch-Laune.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es durchaus, sagen wir herausfordernd sein kann, durch die City zu laufen, wenn man zuvor den halben Tag auf der Matte und in eine tiefe Meditation versunken war. Einmal hat man das Gefühl, nahezu ungesehen durch die Menge hindurch zu gleiten, ein andermal glaubt man, „gegen eine Wand“ zu laufen. Aber das haben wir Stadt-Yogis uns nun mal so ausgesucht und an Karneval ist es draußen eben noch bunter, lauter und schriller als sonst.
Ganz ehrlich, auch ich habe die Zeit in diesem Trubel einmal sehr genossen – mittendrin im Geschehen, auf einen Plausch mit Brings, den Klüngelköpp oder dem sehr sympathischen Prinz Karneval a. D. Wicky Junggeburth. Es ist kaum möglich, sich dem Zauber des Gürzenich zu entziehen und, getragen vom Applaus von zweitausend begeisterten Menschen, mit 40 Tänzern auf die prunkvolle Bühne zu ziehen. Wow! …
Irgendwann war es dann aber genug. Mein Weg ging von außen nach innen und plötzlich war Karneval eine echte Herausforderung für mich. Alles wirkte auf einmal so oberflächlich, beinahe falsch und vor allem unerträglich laut. Die unzähligen Eindrücke im Außen haben mich vollkommen überfordert und Rückzug schien meine einzige Option. Karneval und ich, das ging einfach nicht mehr.
Wir Menschen neigen oft zu Extremen und es hilft uns, bestimmte Dinge in Schubladen einzusortieren. Gerade wir Yogis können das ab und an schon mal ganz gut: Yoga = gut. Alles andere = schlecht. Dabei setzen wir uns nur zu gerne über andere hinweg und stellen uns auf eine höhere Stufe. Wir sind Weltverbesserer, Gesundheitsexperten und Besserwisser. Wieviel Yoga steckt da tatsächlich noch drin? Was wird aus „leben und leben lassen“? Wenn wir Yoga üben, um unseren Alltag kraftvoll und mit Freude zu erfahren und wir in einer Zeit Leben, in der so etwas wie Karneval dazugehört, dann muss es doch möglich sein, alles zu vereinen – oder zumindest alles sein zu lassen.
Also, passen Yoga und Karneval nun zusammen? Ich finde schon! Karneval verbindet. Yoga auch. Karneval macht Spaß. Yoga auch. Karneval macht kreativ. Yoga auch. … Und vor allem ist der Kölner Karneval aus meiner Erfahrung eins: tolerant. Ups, auf einmal können wir Yogis noch was von den Jecken lernen?!
Ich muss jetzt los, brauche noch Stoff für mein Kostüm…