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spirals in my head.
Wir Königstöchter sollten für Friedensversprechen stehen und Bündnisse sorgen. Doch ist weder Frieden noch Bund eine stille Tatsache, die man einander überreicht wie eine hübsch anzusehende Büste. Auch wir Königstöchter, vor allem wir, wollen mit der Faust auf den Tisch schlagen, daß das feine Porzellan klirrt und klingelt und uns Gehör verschafft: Frieden und Bund, sagen wir, sind zeitweise anstrengende Tischgesellschaft. Die sich jedoch die wunderbarsten Menus einfallen lassen und die wildesten Geschichten zwischen den Gängen erzählen, bis sich jeder zufrieden auf sein Zimmer zurückzieht, erschöpft vom Diskurs während des Desserts und dennoch kaum weiß wohin mit all der Dankbarkeit.
Auf den Ruinen eines alten Traums
Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden.
Ich glaube, das stimmt nicht. Ich glaube, die Zeit macht aus Wunden Landschaften. Aus Schmerz werden Orte. Orte, die wir irgendwann wieder besuchen können, ohne darin unterzugehen.
Heute Nacht bin ich an einen dieser Orte zurückgekehrt. Nicht, weil ich mich verlaufen habe.
Sondern weil über zehn Jahre vergangen sind. Zehn Jahre. Es fühlt sich seltsam an, diese Zahl auszusprechen. Denn Erinnerungen altern nicht.
Menschen tun es. Städte tun es. Häuser tun es.
Aber Erinnerungen? Manche bleiben für immer 20.
Manche tragen für immer den Duft eines Frühlings in sich. Für immer das Licht eines bestimmten Nachmittags. Für immer den Klang eines Namens, bei dem das Herz einst schneller schlug. Und manchmal genügt ein Lied.
Ein Gedanke.
Ein Datum im Kalender.
Und plötzlich sitzt die Vergangenheit wieder neben uns. Still. Geduldig. Als wäre sie nie fort gewesen.
Damals wusste ich noch nicht, dass Menschen den Tod überleben können, solange er nur die Zukunft betrifft. Denn das war es, was ich verlor. Nicht nur einen Menschen. Ich verlor die unzähligen Morgen, die ich bereits mit seinem Namen gefüllt hatte…
Den Platz neben mir auf dem Abiball.
Die Wohnung, die wir niemals gemeinsam betreten würden.
Die Sonntage, die niemals kamen.
Die Reisen, die niemals gebucht wurden.
Die Gespräche, die niemals geführt wurden.
Ich verlor die Zukunft, die nie existierte. Und dennoch trauerte ich um sie, als hätte ich sie bereits gelebt.
Und vielleicht ist das das Grausamste an gebrochenen Herzen. Nicht die Liebe, die endet. Sondern die Zukunft, die mit ihr begraben wird. Es gab eine Zeit, da bestand mein Leben aus Hoffen. Aus kleinen Hoffnungen. Großen Hoffnungen. Verzweifelten Hoffnungen. Ich wartete auf Nachrichten Auf Zufälle. Auf Zeichen. Auf Wiedersehen. Ich hielt Türen offen, die längst niemand mehr suchte. Und lauschte so lange in die Stille, bis ich glaubte, dort Antworten finden zu können.
Heute weiß ich:
Manche Geschichten zerbrechen nicht an fehlender Liebe. Sondern an fehlender Sicherheit. An all den Dingen, die zwischen zwei Menschen fehlen, obwohl Gefühle vorhanden sind.
Und doch verurteile ich dieses Mädchen dieser Geschichte nicht.
Wie könnte ich?
Sie liebte. Mit allem, was sie hatte. Mit einer Offenheit, die keine Schutzmauern kannte. Mit einer Ehrlichkeit, die selten geworden ist.
Sie liebte so sehr, dass sie daran zerbrach.
Und vielleicht weine ich heute vor allem um sie. Um das Mädchen, das nachts wach lag und dachte, die Welt würde nie wieder dieselbe sein.
Um das Mädchen, das während seiner Abiturprüfungen versuchte weiterzugehen, während ihr Herz in Scherben lag.
Um das Mädchen, das von ihrem Vater gehalten wurde, weil der Schmerz zu groß geworden war, um ihn allein zu tragen.
Um das Mädchen, das glaubte, sie hätte die Liebe ihres Lebens verloren. Und keine Ahnung hatte, dass die schönsten Kapitel ihres Lebens noch ungelesen waren.
Ach, wie gerne würde ich zu ihr zurückkehren. Nicht um die Geschichte zu ändern. Nicht um jemanden aus ihr zu löschen. Sondern nur, um ihre Hand zu nehmen. Und ihr zu sagen:
„Halte durch. Ich weiß, dass du glaubst, dies sei das Ende. Aber es ist nur das Ende eines Traumes. Und das fühlt sich manchmal genauso schmerzhaft an. Du musst ihn nicht retten. Du musst ihn nicht verstehen. Du musst nicht noch eine Nachricht schreiben. Nicht noch eine Chance geben. Nicht noch einmal hoffen. Lass ihn gehen. Nicht weil die Gefühle nicht echt waren. Nicht weil die Erinnerungen bedeutungslos geworden sind. Sondern weil manche Menschen nur bis zu einer bestimmten Weggabelung mit uns laufen.
Und weil hinter der nächsten Kurve etwas auf dich wartet, das du dir heute noch nicht vorstellen kannst. Du wirst lernen, dass Liebe sich nicht wie Angst anfühlen sollte. Nicht wie Warten. Nicht wie Rätsel. Nicht wie Verlust.
Du wirst lernen, dass Liebe auch Frieden sein kann. Dass sie bleiben kann. Dass sie nach Zuhause aussehen kann.“
Und vielleicht werde ich mich immer erinnern.
An Rosen im Februar.
An die ersten warmen Tage nach einem langen Winter.
An Bus- und Bahnhaltestellen, die heute nichts Besonderes mehr sind und damals ganze Universen bedeuteten.
An Nachrichten mitten in der Nacht.
An die Aufregung, die ein einziger Name auf einem Display auslösen konnte.
An Nächte, in denen ich meinen Kopf an eine Schulter legte und glaubte, das Leben hätte endlich aufgehört, mich zu suchen.
An Bettkanten, auf denen wir Zukunft erfanden, als wäre sie uns versprochen worden.
An unendliche Küsse, die sich damals wie die Antwort auf alle Fragen der Welt anfühlten.
An Musik, die noch immer nach damals klingt.
Die Zeit, in der die Zukunft noch ungeschrieben war. Die Zeit, in der ich nicht wusste, wie die Geschichte ausgehen würde.
Denn es gibt eine besondere Art von Wehmut. Eine, die nicht nach einem Menschen ruft. Sondern nach einer vergangenen Version des eigenen Herzens.
Die Zeit nimmt uns die Menschen. Aber oft nicht die Momente. Die bleiben. Wie Licht in einem verlassenen Zimmer. Wie Sterne, deren Leuchten uns noch erreicht, obwohl sie längst erloschen sind.
Und heute Nacht sehe ich sie alle. Die schönen. Die verlorenen. Die schmerzhaften. Die kostbaren. Ich halte sie in meinen Händen wie alte Briefe. Ich verspüre nicht das Bedürfnis, sie noch einmal zu lesen. Es genügt zu wissen, dass sie existiert haben. Dass sie mich geprägt haben. Dass sie mich hierher geführt haben.
Dem Mädchen, das ich einmal war möchte ich heute sagen: „Du warst nicht zu viel. Du hast nicht falsch geliebt. Du warst nicht schwer zu lieben. Du warst nur jung. Und voller Hoffnung. Du hast versucht, Menschen festzuhalten, die längst dabei waren zu gehen. Du hast Antworten gesucht, wo keine mehr auf dich warteten. Du hast dich aus Sehnsucht in Arme verirrt, die nie dein Zuhause werden konnten. Hast versucht, Versionen von dir selbst zu erschaffen, von denen du glaubtest, dass sie leichter zu lieben wären. Hast dich kleiner gemacht. Leiser gemacht. Fremder gemacht. Und dich dabei manchmal selbst aus den Augen verloren. Aber selbst in deinen verlorensten Jahren warst du immer auf dem Weg zurück zu dir. Du wusstest es nur noch nicht.
Und obwohl dein Herz tausendmal in die falsche Richtung lief, hat es dich am Ende genau dorthin geführt, wo du hingehörst!“
Und dem Jungen, den ich einmal liebte:
Ich wünsche dir, dass die Jahre sanft mit dir gewesen sind. Ich wünsche dir, dass du Frieden gefunden hast. Dass du geliebt wirst und liebst. Dass das Leben dir Orte geschenkt hat, an denen du bleiben wolltest. Und Menschen, bei denen du angekommen bist.
Heute brauche ich nichts mehr von dir. Keine Erklärung. Keine Antwort. Kein anderes Ende.
Ich wünsche dir einfach nur ein gutes Leben.
Denn am Ende bist du nicht die Geschichte, die ich verloren habe. Du bist eine der Geschichten, die mich hierher geführt haben.
Und vielleicht ist genau das Frieden. Nicht das Vergessen. Nicht das Auslöschen. Sondern die Fähigkeit, auf die Ruinen eines alten Traumes zu blicken und zu erkennen:
Hier liegt nichts mehr, das ich zurückhaben möchte. Nur etwas, das ich einmal sehr geliebt habe. Etwas, das mich verändert hat. Etwas, das mich unteranderem zu der Frau gemacht hat, die ich heute bin. Und plötzlich fühlt sich selbst die Wehmut wie Dankbarkeit an. Wie Mondlicht auf alten Steinen. Wie ein letzter Blick zurück. Bevor man sich umdreht und dem Licht entgegengeht.
Und irgendwo zwischen all den verlorenen Träumen, den Irrwegen und den offenen Fragen fand ich schließlich das Leben, das auf mich gewartet hat.
Kriegsdienstverweigerung als Normalfall
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Der Ruf nach Frieden: Warum immer mehr Menschen aufhören, Kriegen zuzustimmen
Es gibt einen Gedanken, der sich weltweit durch viele Köpfe zieht, still oder laut, privat oder öffentlich: Genug. Genug von Krieg, genug von Spaltung, genug von einer Politik, die Menschen gegeneinander aufstellt, statt sie zusammenzuführen. Dieser Gedanke ist keine Schwäche. Er ist vielleicht die konsequenteste Form politischer Reife, die eine Gesellschaft entwickeln kann. Wenn Menschen aufhören, sich führen zu lassen Politische Führer, ob demokratisch gewählt oder autoritär an die Macht gelangt, haben über Jahrhunderte eines gemeinsam gehabt: Sie entschieden über Krieg und Frieden, während andere kämpften und starben. https://www.unserneueswir.de/?p=7144 Read the full article