Manche Menschen wollen deine Maske. Ich will dich.
Mich interessiert nicht die Version eines Menschen, die entstanden ist, damit andere bleiben. Mich interessiert der Mensch darunter. Die Seite, die denkt, sie sei zu viel. Oder nicht genug. Die Seite, die glaubt, schwer zu lieben zu sein. Denn genau diese Seite verdient es, gesehen zu werden. Und ich möchte dich sehen. Nicht die Maske. Nicht die Rolle. Nicht die Persönlichkeit, die du erschaffen hast, damit andere dich mögen, verstehen oder nicht verlassen. Dich.
Es tut mir leid, wenn ich dir jemals das Gefühl gegeben habe, dass du dich bei mir verstellen musst. Dass du stark sein musst. Oder kontrolliert. Oder die richtige Version von dir selbst. Das wollte ich nie. Ich möchte dich roh erleben. Ohne Filter. Ohne Fassade. Mit deiner Wut. Deinen Ängsten. Deinen Zweifeln. Deinen Narben. Deinem Chaos. Ich möchte, dass du dich bei mir auch einmal fallen lassen kannst.
Aber ich weiß, dass das nicht so einfach ist. Wenn man sein ganzes Leben eine Maske getragen hat, vergisst man irgendwann, wie sich das eigene Gesicht darunter anfühlt. Man weiß irgendwann nicht mehr, wo die Maske endet und man selbst beginnt. Deshalb werde ich dich nicht drängen. Ich werde nicht versuchen, sie dir vom Gesicht zu reißen. Ich werde einfach deine Hand nehmen und sie langsam zu dieser Maske führen. Ich werde sie festhalten, während du Stück für Stück lernst, sie abzulegen. Nicht alles auf einmal. Nur ein kleines Stück. Genug, damit du keine Angst bekommst. Und mit der Zeit nehmen wir sie immer weiter ab. Zusammen.
Vielleicht kommt darunter keine strahlende, perfekte Gestalt zum Vorschein. Vielleicht steht dort eine schwarze, zerbrochene Figur voller Risse. Eine Figur, die so lange gekämpft hat, dass sie selbst vergessen hat, wie viel sie eigentlich getragen hat. Und vielleicht schämst du dich für diese Risse. Vielleicht möchtest du die Maske sofort wieder aufsetzen. Aber dann werde ich dich ansehen. Und ich werde nicht weglaufen. Ich werde meine Hand auf die Bruchstellen legen und dir zeigen, dass ich sie sehe.
Kann ich sie verschwinden lassen? Nein. Kann ich heilen, was andere hinterlassen haben? Auch nicht. Manche Risse bleiben für immer. Sie werden ein Teil deiner Geschichte sein. Aber sie sind nicht hässlich. Sie sind der Beweis dafür, dass du trotz allem noch hier bist. Was ich tun kann, ist bleiben. Ich kann versuchen, die schärfsten Kanten zu entschärfen, die tiefsten Wunden zu verbinden und neben dir zu sitzen, wenn die Dunkelheit wieder lauter wird.
Und irgendwann fangen wir vielleicht an, Farbe auf die schwarzen Stellen zu malen. Nicht, um zu verstecken, was passiert ist, sondern um zu zeigen, dass selbst etwas Zerbrochenes wieder schön werden kann. Vielleicht brauchst du dann irgendwann keine Maske mehr. Vielleicht kannst du einfach du sein. Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Es wird ein langer Weg. Aber wenn du ihn gehen möchtest, dann gehe ich ein Stück davon mit dir. Hand in Hand. Und egal, wie viele Risse du in dir trägst: Du musst sie nicht mehr alleine tragen.
P.S: Bitte sei bei mir so, wie du sein möchtest, nicht so, wie du glaubst sein zu müssen.
@eponomasie #eigenes













