Die Osteuropa-Expertin Sonja Margolina zur Zersetzungsstrategie des Kremls
In einem Interview mit der “Welt” hat die Osteuropa-Expertin Sonja Margolina schon 2014 die Zersetzungsstrategie des Kremls auf den Punkt gebracht. Die inzwischen vergangene Zeit bestätigt die Beschreibung vollkommen:
“Der Kreml gibt Milliarden von Euro, die mit Gas verdient werden, für den Informationskrieg im Westen aus. Deutschland befindet sich im Fokus dieses propagandistischen Beschusses. Russische Fernsehsender wie Russia Today, Radiosender, Videoagenturen und Internet-Portale sowie PR-Agenturen locken deutsche Journalisten mit hohen Gagen und beeinflussen die öffentliche Meinung zugunsten Russlands. Kreml-Lobbyisten treten als Experten in Talk-Shows auf. Talk-Shows hierzulande sind zum Sprachrohr des Kreml mutiert. Die russische Propaganda gegen den Maidan, der angeblich faschistisch und antisemitisch sei, wurde anfangs eins zu eins übernommen. Die Ukrainer dagegen versuchen, eine zivile Nation aufzubauen, und das ist im postsowjetischen Raum einmalig. Putin ruft ‘Haltet den Dieb!’ Es ist ein Treppenwitz, dass der Autokrat Putin in der öffentlichen Meinung ein besseres Image hat als US-Präsident Obama. Außerdem arbeitet er an einer rechten Internationale, ein Pendant zum Eurokommunismus von einst, um eine antiamerikanische und antieuropäische Gegenöffentlichkeit zu bilden.”
Sonja Margolina wurde 1951 in Moskau geboren und ist eine promovierte Biologin, Schriftstellerin und Publizistin russisch-jüdischer Herkunft. Seit 1986 lebt sie als freie Publizistin in Berlin und ist dem Historiker Karl Schlögel verheiratet.
Sonja Margolina erhielt im Oktober 1991 in Klagenfurt den Preis des Landes Kärnten für internationale Publizistik und ist Beiratsmitglied des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung n-ost, das die Online-Magazine Ostpol und Eurotopics herausgibt.