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Notausstieg des Fernmeldebetriebsgebäudes Obersdorf, Sommer 2018
Ich wollte doch nur deine Liebe, doch alles was du mir hinterlassen hast, ist ein eiskaltes Herz!
Die Zeiten in Siegen als noch klar war was Sache ist.
19. August 2019
Die Russen und die Amerikaner sorgen für mich
Die letzte Staffel von “The Americans” gab es nicht bei Netflix, also musste ich bei Amazon Prime noch mal um die 20 Euro dafür ausgeben. Als ich Deutschland und damit das Abdeckungsgebiet meines unbegrenzten mobilen Datentarifs verlasse, sind nur noch wenige Folgen ungesehen.
Ohne Zögern kaufe ich deshalb anders als bei den letzten Malen für die 17-stündige Überfahrt von Amsterdam nach Newcastle das 24-Stunden-WLAN-Paket für 17 Euro.
Ich rede mir das damit schön, dass ich ja zum Beispiel nicht das Abendessen oder Frühstück an Bord einnehme und mir stattdessen für viel weniger Geld was mitgebracht habe. Dann beschaffe ich mir die Amazon-Prime-App, gucke auf dem Handy ein paar Folgen und sehe bei langweiligen Stellen aufs Meer hinaus.
Die Streamingqualität habe ich vorher auf ganz schlecht gestellt (”Data Saver: Für 1 Stunde werden etwa 0,14 GB Daten benötigt”). Erstens erkenne ich den Unterschied sowieso kaum, zweitens habe ich beim Kauf des WLANs unterschrieben, dass ich nicht übertrieben viele Daten saugen werde (wobei im Ermessen von Telenor Maritime steht, was damit gemeint ist), und drittens tut mir das Internet leid. Schließlich müssen die ganze Daten für mich zu einem Satelliten und wieder zurück geschafft werden, nur damit ich mitten auf der Nordsee eine Serie gucken kann, statt zum Beispiel ein Buch zu lesen, wie ich es auf den bisherigen Überfahrten gemacht habe.
Oben auf dem Schiff sind mindestens vier leider schlecht fotografierbare Nupfis, über die das Internet ins Schiff hineingelangt: zwei SeaTel, ein Orbit und ein Cobham Sailor. Der Deckel ist wohl nur drauf, damit es nicht hineinregnet. Innendrin befinden sich normal aussehende Satellitenschüsseln, die in mehreren Achsen stabilisiert sind, weil das Schiff in mehreren Achsen schwankt. “Providing quality performance in the roughest seas”, wirbt SeaTel.
Mein Satellit heißt Thor 7 (Pressemitteilung, Werbevideo). Im “Nittedal Teleport” bei Oslo werden meine Serienfolgen also aus einem Internetkabel abgezapft, mit einer 13 Meter großen Satellitenschüssel in eine Erdumlaufbahn und von dort zu mir geschickt. Dass ich auf diesem Weg eine Serie sehe, die von russischen und amerikanischen Spionen handelt, macht das Ganze noch erhabener. Ohne Kalten Krieg keine Satelliten, ohne Satelliten kein Seriengucken über den Kalten Krieg. 17 Euro finde ich dafür, wenn ich es so bedenke, einen sehr sehr geringen Preis.
(Kathrin Passig)
Lasst die Jugend bisschen trippen, sonst mutieren sie zu Spießern!
eRRdeKa
Ich bin’s gewohnt krass enttäuscht zu werden, es ist ein kalter Krieg wo alle meine Träume sterben.
Zate - Das ist meine Geschichte (@in-liebe-der-boden)