40 Weine in zwölf Stunden - DWI macht Fachhändlern Sachsenwein schmackhaft
Knapp 25 Weinhändler und Gastronomen sind mit dem Deutschen Weininstitut (DWI) durch das sächsische Anbaugebiet getourt. Fünf Weingüter und die Winzergenossenschaft Meissen wurden während der Informationsreise innerhalb von drei Tagen besucht, die Weine eines siebten Betriebs auf dem Schiff verkostet.
Weinkönigin Katharina Lai stößt mit Manuel Bretschi vom DWI an.
"Uns wurden Türen geöffnet, die uns alleine verschlossen geblieben wären", meint der Siegener Weinhändler Michael Dickel. Am Montag beispielsweise hatten die Gäste den ersten Rebensaft um 9.15 Uhr im Glas - auf einem Schiff. Für die Präsentation von acht Weinen des Weinguts Walter Schuh blieb Winzermeister Holger Horter nur gut eine Stunde. Solange benötigte die gechartete Fähre "Bosel" von Radebeul bis Meißen. Routiniert und ohne dabei aus der Ruhe zu kommen, stellte Holger die Weine, den Betrieb und die auf der Fahrt vorbeiziehenden Weinbergslagen vor - dafür hat er bei Wanderungen im Spaargebirge sonst fünf Stunden Zeit.
Lehrreich und unterhaltsam: Holger Horter vom Weinhaus Schuh schenkte auf dem Schiff die Weine aus und erklärte die Weinbergslagen.
Bei der Winzergenossenschaft Meissen durften die Reisegruppe mit Gästeführer Alexander Mögeldie Weinkeller von Sachsens größtem Weinproduzenten erkunden und erfuhren dabei ganz ungezwungen allerlei von den Anfängen des sächsischen Weinbaus und der Sage um den Bischof Benno bis hin zum Wandel seit der Wende. Mit Fachwissen und persönlichen Anekdoten unterhielt Hobbywinzerin und Weinkönigin Katharina Lai die Gäste. Zumindest ständig ein unterschwelliges Thema war der Ruf des Sachsenweins, der häufig aus Unkenntnis noch immer nicht der beste ist.
Alexander Mögel schenkte in der Winzergenossenschaft aus und führte durch die Keller von Sachsens größtem Weinproduzenten.
War der Meißner Wein in der DDR nur einem auserwählten Kreis vorbehalten, hatte der erste "frei verkäufliche" Landwein für D-Mark dem Rebensaft von der Elbe erst einmal ein schlechtes Image beschert. Galt er doch seinerzeit als einfach nur sauer. Dass sich das längst geändert hat, bewies schließlich auch Winzer Steffen Loose in Gröbern. Der Chef schenkt in dem sanierten ehemaligen Bauernhof noch selbst aus, und sein sächsischer Humor kam bei den Weinfachleuten aus ganz Deutschland sichtlich gut an. Bodenständig gibt sich der Winzer, hat aber zugleich einen beachtlichen Anspruch an seine Weine. "Es ist faszinierend, welche wechselvolle Geschichte die einzelnen Weingüter haben", resümiert Weinhändler Dickel. Bisher hat er Schuh- und Genossenschaftsweine in seinem Sortiment. Ein Weingut mehr aus Sachsen könne er sich vorstellen, sagt er. Allerdings ist auch für ihn der Preis ein Problem. Die Kunden verstünden nicht, warum der Wein aus Sachsen so teuer sei. Ein Verkaufsargument im Siegerland, das als Bierhochburg gilt, sei dann seine Seltenheit. Denn im Westen Deutschlands sind hiesige Weine zumindest außerhalb großer Metropolen kaum zu finden.
Steffen Loose lässt Weinkönigin Katharina Lai und Kirsten Denzer vom DWI einen Rosé probieren.
Was den auswärtigen Weinhändlern bisher auch nahezu unbekannt war, fast jedes Jahr verkaufen die meisten sächsischen Winzer auch ohne große Werbung ihre gesamten Bestände - zumeist im Freistaat selbst und in Ostdeutschland. Große Preisnachlässe für Händler oder für die Gastronomie sind damit eher unüblich, gemeinsame Marketingaktionen nahezu unbekannt. So reagierten einige Gäste verwundert, dass sie von der Geschäftsführung der Genossenschaft nicht einmal begrüßt wurden. Selbst die Kellermeisterin gab sich nicht zu erkennen, als die Reisegruppe direkt an ihr vorbei geführt wurde. Dabei hatten die auswärtigen Weinfachleute nach eigenem Bekunden einen Tag zuvor viel mehr Stil erleben dürfen: Auf Schloss Proschwitz hatte der Inhaber Georg Prinz zur Lippe höchstselbst den Händlern und Gastronomen Rede und Antwort gestanden. Solche Wertschätzung kommt augenscheinlich an bei den Fachkunden - also den Leuten, die mit Wein aus Sachsen handeln oder diesen auf die Karten ihrer Restaurants setzen (sollen).
Weinprobe zu Wasser auf der "Bosel", dem Fährschiff der VGM
* Diese Winzer, Weinbauern und Weingüter wurden im Rahmen der DWI-Informationsreise besucht: Karl Friedrich Aust, Schloss Proschwitz, Winzergenossenschaft Meissen, Steffen Loose, Schloss Wackerbarth, Klaus Zimmerling
*Die Weine des Weinguts Walter Schuh wurden an Bord des Fährschiffs "Bosel" vor der Kulisse des Spaargebirges verkostet.
Text/Foto: Lars Müller (auch auszugsweise in den DNN erschienen)
















