Jim #23 - Suche
Ich wache nicht auf. Ich bin einfach wach. Vor einem Moment habe ich tief und fest geschlafen, jetzt bin ich so wach wie nie.
„Wir sind noch nicht im Zentrum der Milchstraße“, erklärt Jim auf dem Weg zur Brücke. "Schade“, sage ich. „Wir mussten einen Zwischenstopp einlegen, weil wir den Sprit falsch berechnet haben.“ „Und auf diesem Planeten gibt’s ‘ne Tankstelle?“ „Ja“
Wir treten durch die Luke auf die sandige Oberfläche der fremden Welt. Die Luft ist atembar und sogar die Schwerkraft … „HUI!“, brüllt Artur, während er gute vier Meter in die Luft springt.
Nach einer Weile haben uns an die neuen Umstände gewöhnt und machen uns, halb wandernd, halb purzelnd auf die Suche nach der Tankstelle.
„Wie lange sind wir jetzt schon unterwegs?“, frage ich. „Drei Stunden. Die Tankstelle sollte hier irgendwo im Umfeld sein.“ Drei Stunden! Seit drei Stunden nichts als Wüste. Kein Baum. Kein Strauch. Kein Haus. Kein einziges Anzeichen von Leben. „Bist du sicher, dass es hier überhaupt irgendetwas gibt?“, fragt Artur. „Ziemlich.“ Auch Jim klingt mittlerweile etwas unsicher. „Sucht ihr was?“, fragt plötzlich eine Stimme von hinter uns. Jim und ich drehen uns erschrocken um. Artur stolpert und fällt auf die Schnauze. „Ich glaube nämlich, dass ich auch etwas suche. Ich bin mir nur nicht mehr ganz sicher, was. Vielleicht suche ich auch nur nach etwas, wonach ich suchen kann.“ Wir starren uns eine Weile an. Wir verständnislos, er neugierig. Er wirkt alt. Er ist hochgewachsen, mit Ausnahme von Artur müssen wir alle zu ihm hoch schauen. Seine Haut hat tiefe Falten. Er legt den Kopf schief, wie ein Hund, der sich nicht sicher ist, ob er den Gummiknochen vergraben soll, oder ob er vielleicht gar nicht existiert.
„Ähm … weißt du vielleicht, wo wir eine Tankstelle finden?“ „Eine Tankstelle.“ Der Alte denkt nach. „Ja. Ich wohne in einer.“ Er dreht sich um und stapft los.
Nach einer halben Stunde Fußmarsch in irgendeine Richtung (ich habe die Orientierung mittlerweile nicht nur verloren, sie wurde bereits als vermisst gemeldet und nach angemessener Wartezeit für tot erklärt) taucht die Silhouette einer Tankstelle vor unseren Augen auf. Sie liegt in einer Talsenke, die wie alles von Sand bedeckt ist. Die Tankstelle selber liegt an einem Straßenabschnitt, etwas erhöht. Die Straße verliert sich und ist in beiden Richtungen bereits im Sand versunken.
Mit einem verzückten Aufschrei wirft sich der Alte auf den Boden und beginnt sich den Abhang hinab zu rollen. Artur grinst und purzelt hinterher. Jim und ich sehen uns an, zucken mit den Schultern und folgen.








