Bilderbuchurlaub - KAPITEL III - Abschnitt I
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Wir brauchten Schneeschuhe. Oder sonst irgendetwas. Auch wenn wir beide feste, warme Winterschuhe anhatten, der Schnee draußen war schätzungsweise einen Meter hoch, aber das konnte ich nur vermuten. Heute wollten endlich wir raus. Uns dick einpacken, unsere Rucksäcke mit allem Wichtigen voll stopfen, etwa mit dem Inhalt der Bordbar, zumindest so viel wir verstauen konnten, und dann raus.
Wohin? Keine Ahnung.
Hauptsache raus. Warten, bis uns jemand retten würde, konnten wir nicht mehr, wenn wir hier drinnen nicht wahnsinnig werden wollten.
Natürlich stellten wir uns beinahe durchgehend die Frage, was uns da draußen erwarten würde. Vielleicht eine Mondlandschaft? Oder eine Welt aus Puderzucker? Eines war sicher: Schnee.
Und wahrscheinlich mehr Schneehasen als Menschen. Ich sollte damit später weit mehr Recht behalten, als mir lieb war.
* * *
Bunt und schmerzhaft stach das grelle Farbenspiel in mein Hirn, als ich in den Tiefschnee fiel. Nein! Erschrocken schrie ich auf, versuchte mich zu konzentrieren. Schreiend verdeckte ich mit meinen Händen die Augen, Jakobs besorgte Stimme über mir. Ich spürte den Anfall heranrollen. Meine Augenlider zuckten wie wild, mit einem schrecklichen, gepressten Schrei drehte ich mich auf den Bauch und drückte mein Gesicht in den Schnee.
Ich sterbe! Dieses mal sterbe ich, schoss es mir durch den Kopf. Ich ersticke im Schnee!
Innerlich wand ich mich in meiner Todesangst. Ich spürte den eiskalten Schnee in meiner Nase, ich bekam keine Luft. Mein rechter Arm fuchtelte unkontrolliert durch die Kälte.
Animalisch stöhnend gab ich mich hin.
Und dann war es vorbei. Gar nichts mehr. Es war still.
Mit einem Ruck drehte ich mich wieder auf den Rücken und sog gierig die frische Luft ein. Benommen atmete ich ein und aus. Reflexartig musste ich die Hände wieder über meine Augen legen, um das übertrieben grelle Licht abzuschirmen.
Mir war kotzübel, ich konnte mich kaum bewegen. Langsam nahm ich eine Stimme über mir wahr.
„Was ist passiert? Lebst du?“, schrie jemand verzweifelt.
„JIM! Warte, ich komme zu dir.“
Stöhnen.
„Nein.“
„Was? Jim!“
„Nein, bleib da. Du musst da bleiben.“, rief ich angestrengt zurück.
„Ich komme schon klar.“
„Hattest du wieder einen Epi?“ Jakob wirkte nicht besonders erleichtert.
„Du musst mir hoch helfen, ich muss mir was um die Augen binden, es ist zu hell hier draußen. Aber binde dir vorher selbst was um die Augen, irgendein Stück dunklen Stoff oder so.“
„Ok, hältst du es noch kurz aus? Ich hole eben mein Tshirt.“
Ich ließ mich erleichtert in den Schnee sinken und spürte wie mein Gesicht vom kalten Schnee betäubt war, meine Unterlippe war aufgeplatzt. Ich hatte ein verdammtes Glück gehabt, dass ich nicht hatte erbrechen müssen und es mir gelungen war auf, mich den Bauch zu drehen. Andernfalls wäre ich wahrscheinlich an meinem eigenen Erbrochenem erstickt oder hätte meine Zunge verschluckt. Doch auch so, hätte der Anfall ein wenig länger gedauert, wäre ich im Schnee erstickt. Es war absolut hirnrissig von mir gewesen, aus dem dunklen Innenraum ohne Rücksicht auf Verluste nach draußen zu stolpern. Dass ich nicht sofort auf festen Boden treten würde, war absolut vorhersehbar gewesen. Doch der Sturz an sich war ja logischerweise absolut schmerzfrei verlaufen, aber bei so starkem, plötzlichem Licht hätte ich eigentlich mit dem Anfall rechnen müssen, obwohl der letzte schon sehr lange her war. Ich litt seit ich acht Jahre alt war an einer Photophobie, einer Lichtscheu. Deshalb konnte ich zwar normal leben, allerdings musste ich in Kinos oder am Strand stärkere Sonnenbrillen tragen. Allerdings kam es so selten zu solchen Schocks, dass ich häufig unvorsichtig wurde, wie eben. An meinem achten Geburtstag meinen ersten epileptischen Anfall gehabt, damals waren wir im Kino gewesen und hatten ganz vorne gesessen, und das sehr grelle Licht war dann zu viel für mich gewesen. Nur hatte ich davor immer vermutet, dass ich einfach gerne ständig Sonnenbrillen auf der Nase hatte wenn ich draußen war, denn einen möglichen Zusammenhang mit der Photophobie hatte damals aber noch niemand vermutet.
Dieses mal hatte ich einfach ein totales Blackout gehabt, normalerweise wäre ich niemals ohne Sonnenbrille da raus gegangen, wenn überhaupt. Aber jetzt war einfach alles zusammen gekommen, denn im Tiefschnee liegend einen Epi zu bekommen war kein sonderlich vergnügliches Erlebnis gewesen. Ich hätte ohne Weiteres mal eben abkratzen können, aber scheinbar hatte das Nachtgespenst da noch ein Wörtchen mitreden wollen.
Etwas landete über meinem Kopf, etwas leichtes, Stoff. Ich benötigte ein hübsches Weilchen, bis ich den Fetzen justiert hatte und meine Augen endlich wieder normal ohne Schmerzen und Blendung öffnen konnte. Wankend erhob ich mich aus dem Loch im Schnee, das ich erschaffen hatte und sah mich um.
Es verschlug mir den Atem. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte, ganz im Gegenteil, ich hatte mir die wahnwitzigsten Szenarien ausgemalt, aber irgendwie schien dies doch alle Vorstellungen zu sprengen, da, wo ich der Realität eins zu eins ins Auge blickte. Mit offenem Mund stand ich da, als besähe ich mir ein besonders faszinierendes Gemälde, ein atemberaubendes Feuerwerk oder eine besonders abgefahrene Stuntshow. Der strahlend blaue Himmel und das endlose Weiß vor meinen Augen standen Solchem in punkto Spektakel in nichts nach. Die Szene wirkte völlig surreal, geradezu synthetisch. Vor mir lag eine scheinbar endlose, verschneite Hügellandschaft und am Horizont zeichnete sich eine größere Gebirgskette ab. Es sah aus wie in einem Bilderbuch oder einem Dokumentationsfilm. Das Ding, aus dem ich herausgetreten war, offensichtlich nur ein Teil eines größeren Flugzeugs, lag völlig von Schnee bedeckt am flach ansteigenden Hang eines kleinen Hügels, rundherum waren die Hügel höher. Auf der einen Seite erhob sich der kleine Hügel, auf der anderen Seite erstreckte sich eine Talebene, die vollkommen bewaldet war. Es war sowieso erstaunlich, wie stark bewaldet die Gegend hier war. Die Sonne stand recht hoch am Himmel, wahrscheinlich war es Vormittags. Außerstande zu sprechen schaute ich nach oben und bedeutete Jakob mit einem Wink, durch das Loch zu klettern. Zuerst warf er die Selbstgebastelten Schneeschuhe aus Metallplatten und Stoff nach unten, bevor er hinterherplumpste und Knietief im Schnee versank (So wie ich vorher). Es war schwierig, sich ungeübt mit eigens zurechtgebogenen Metallplatten unter den Füßen als improvisierten Schneeschuhersatz über die Schneedecke zu bewegen, da wir andauernd wegrutschten und hinfielen und uns fleißig mit Schnee bedeckten. Im Grunde sah es absolut erbärmlich aus, wie wir uns mit verbundenen Augen mehr durch den Schnee wälzten als dass wir liefen, sodass die ganze Veranstaltung einer lächerlichen Partie Topfschlagen im Tiefschnee glich. Wir sahen schnell ein, dass unsere genialen Schneeschuhe absoluter Scheiß waren. Also saßen wir ratlos im Schnee und schwiegen, wie gebannt von der perfekten Stille spektakulären Landschaft die uns umgab. Nichts regte sich.
„Ich komme mir so vor wie in einem Traum. Das kann doch nicht echt sein!“
Ich nickte nur paralysiert.
„Ich werde wohl nie dahinter kommen, was passiert ist. Aber irgendwo hier müsste doch noch mehr von dem Flugzeug liegen, der ganze Rest. Tragflächen oder Turbinen oder sonst irgendwas.“, grübelte Jakob ein wenig ratlos.
Experimente mit Modellierung von Atemwolken durch unterschiedlich dosierte Luftmengen und Atemgeschwindigkeit.
„Was schätzt du, wo wir hier sind? Ich hab ja noch nie so viel Ahnung von Erdkunde gehabt wie du, aber dass wir hier nicht in Papua Neuguinea chillen kann ich mir durchaus vorstellen. Ich würde sagen, für den Nordpol ist das hier zu bunt, und für die Alpen zu einsam.“
Es dauerte eine Weile bis ich ratlos vor mich hinseufzte: „Das hier könnte China sein, Alaska, Kanada, Grönland oder so, Sibirien... Was weiß ich!“
Über uns flog ein kreischender Vogelschwarm davon.
Mein Hirn wirkte ausgelaugt. Es wirkte so, als seien alle enthaltenen Informationen rein zufällig von einem rein zufälligen Etwas zu einem rein zufälligen Zeitpunkt hineingegeben worden. Alles was ich über mich und die Welt wusste war vollkommen belanglos, es hatte keinen Wert, hier, wo ich jetzt saß. Selbst der Junge neben mir, von dem ich wusste, dass er mein bester Freund war, kam mir ein wenig fremd vor. Wir wussten einfach beide einen Scheiß. Wir wussten gar nichts. Und das reizte mich zusehends. Ärgerlich stocherte ich im Schnee herum. „Kein Wunder dass kein Notarzt gekommen ist. Ich kenne keinen Notarzt der in einem Baumhaus irgendwo in der Pampa hockt und wartet, dass irgendwelche schwerverletzten Rabauken aus einem Flugzeugwrack herauspurzeln um den ewigen Frieden und die Ruhe eines solch zauberhaften Plätzchens wie diesem-“ Sinnlos trat ich den Schnee, des dies teilnahmslos zur Kenntnis nahm, „zu stören! Scheiße ey, willkommen in der Walachei, Mann!“
Jakob sah mich nicht einmal an, sondern kratzte sich lieber am Kopf und hielt es für angebracht, einmal kräftig die Waldebene vor uns anzugähnen.
Das ausgedehnte Gähngeräusch verformte sich zu einem gequetschten „Wenn es wenigstens eine Stadt oder ein Dorf, oder allerwenigstens ein Haus gäbe, wo man hingehen könnte.“
Konsterniertes Schweigen.
Ich hatte es satt herumzusitzen und blöden Scheiß zu labern und zu weinen, weil man nicht wusste wieso und weshalb und warum, dabei verzweifelte man nur noch mehr. Die lächerlichen paar Pizzataschen und das andere Gefuchtel aus der Bordbar waren zwar unsere Rettung, aber auch nicht bis wir alt und grau waren. Früher hatte ich von einem Leben mit einer Ernährung durch Pizzataschen und Limo nur geträumt. Jetzt war der Traum bittere Realität und mir wurde kotzschlecht bei dem Gedanken. Ich war schon froh dass die Sonne vom Himmel brannte, das machte das draußen sitzen zwar zu einer verdammt verschwitzten Angelegenheit, aber mit der Kälte würden wir es schon früh genug wieder zu tun bekommen.
Es musste etwas passieren. Die Zeit schien im Moment stillzustehen. Ich stand auf. Und fiel wieder hin. Hohler ging es eigentlich kaum, wir hatten uns rutschige Metallplatten unter die Füße gebunden, wirklich, der Gag des Jahrhunderts.
„Was ist das für eine verdammte Scheiße? Vollkommen behinderte Drecksidee! Meine Güte das ist da grausam!“
„Das war deine Scheißidee Jim!“, empörte sich Jakob.
„Und warum hast du nichts dagegen gesagt wenn du es besser wusstest?“
„Ach leck mich.“
Die beleidigte Leberwurst Jim stapfte händeringend den kurzen Weg zurück zum Flugzeug. Ich wollte meinen Rucksack holen und gehen, aber ich kam schnell wieder von dem schwachsinnigen Gedanken ab. Schlitternd kam Jakob bei mir an und fiel in den Schnee. „Sorry Mann, nimm’s nicht allzu ernst bitte, ja?“ Ich reichte ihm versöhnlich die Hand.
Tadelnder Blick.
Per Räuberleiter gelang es mir, wieder ins Innere des Wracks zu gelangen, und ich dankte Gott dafür, dass wir beide sportlich waren und uns keine Leibesfülle behinderte, ansonsten hätten wir kaum eine Chance gehabt, wieder hinein zu gelangen. Jakob blieb draußen in der Sonne sitzen.
Es war eisekalt im Flugzeug, gefühlt gefror mir fast augenblicklich der Schnodder in der Nase. Es war enorm, beim Anblick der Leichen blieb jegliche emotionale und körperliche Reaktion, etwa in Form eines monströsen Schweißausbruches, aus. Ich hatte mich quasi mit ihnen angefreundet, zumindest in Gedanken.
„Morgen Leudis, wie geht’s uns heute? Alle gut geschlafen? Jemand ein Ei zum Frühstück? Oh, verdammt Peter, dein Aua am Kopf sieht aber hässlich aus, soll ich dir ein Pflaster geben?“
So ungefähr.
Befreit von allen Hemmungen ging ich zu dem Körper der Flugbegleiterin, den Jakob und ich schluchzend beiseite gelegt hatten um an die Bordbar zu kommen, und ertastete ihre Haut. Kalt wie ein Stück Eis. Die Uhr an ihrem Handgelenk war stehen geblieben. Ich öffnete ihr Jackett, darunter kam ein blutverschmiertes Hemd zum Vorschein, mit zitternden Händen öffnete ich die Knöpfe.
Ich stutzte. Etwas dunkles lag auf der nackten Brust. Als ich genauer hinsah, erkannte ich unter einer Blutkruste eine Tätowierung. Ich kratzte das Blut mit dem Fingernagel von der Haut, bis alles sichtbar wurde.
Черепаха
Der Schriftzug prangte mitten auf der Brust, genau zwischen den beiden Brustwarzen. Eine etwas geschmacklose Tätowierung, wie ich fand, aber das war ja bekanntermaßen Geschmackssache. Ich hatte zwar in der Grundschule einmal das kyrillische Alphabet lesen gelernt, aber hatte natürlich nicht den Hauch einer Ahnung von der Vokabel. Ich suchte ihren Oberkörper und Rücken nach weiteren Tätowierungen ab, wurde aber nicht fündig. Ich wusste gar nicht genau, warum ich sie durchsuchte, ich hatte allerdings auch kein schlechtes Gewissen dabei da ich mir schlichtweg gar keine Gedanken darüber machte. Ich knöpfte ihr gerade wieder das Hemd zu, als mir ein Halsband in die Hände viel. Daran war ein eingeschweißter Ausweis der Fluglinie befestigt. Ich hielt ihn ins Licht und las die Aufschrift:
АЭРОФЛОТ
AEROFLOT
Дана Ванков
Dana Vankov
Wahrscheinlich Ukrainerin oder Bulgarin, Vankov war kein russischer Name. Aber wahrscheinlich hatte ich auch einfach zu wenig Ahnung davon. Ich steckte den Ausweis ein. Ich hielt das in dem Moment für das Beste. Basta.
Die Leiche der Frau, die wir später gefunden hatten, hatte ihre Brieftasche in der Hosentasche gehabt. Darin fand ich einen russischen Personalausweis, eine EC Karte, Irgendwelches japanisches Wellnesszeugs, ein Bisschen japanische Moneten und über zehntausend Rubel, das waren umgerechnet immerhin so um die 130 Euro. Die japanischen Wellnesskarten flogen in den Raum, der Rest landete in der Innentasche meiner Jacke. Darin fand ich zu meinem Erstaunen sogar meine Sonnenbrille.
Nicht schlecht, was man hier so alles finden konnte, ein richtiges, kleines Erfolgserlebnis. Fröhlich schlenderte ich zu den drei Leichen hinter unseren Plätzen, erkundigte mich nach ihrem Wohlbefinden und lächelte fortwährend beseelt vor mich hin, während ich sie ebenfalls durchsuchte. Sie gaben schon ein halbwegs makaberes Bild ab, wie sie da saßen, blaugefroren und mit üblen Wunden an ihren Köpfen. Eine Metallstange lag auf dem Schoß des toten Greises, wovon wahrscheinlich auch das Loch in seinem Kopf herrührte. Er und die Frau neben ihm waren beide so entzückend, ebenfalls noch ein paar tausend Rubel inklusive Feuerzeug an die gemeinnützige Organisation Jim Oxford zu spenden, sie waren beide Letten. Die Letten schienen ja ein überaus großzügiges und selbstloses Volk zu sein, ausgesprochen sympathisch fand ich das! Das Kind neben ihnen war ja offensichtlich noch zu klein, um sich mit derartigem Unfug herumzuplagen. Aber sie hielt eine kleine Stoffschildkröte in der blauen Hand, die ich ihr abnahm. Das war schon gemein, aber ich dachte mir, dass ich sie ja nun besser gebrauchen könnte, und bei Gelegenheit würde ich wiederkommen, den Kollegen hier einen ausgeben und ihr dann auch die Schildkröte wiedergeben. Vielleicht würde ich ja sogar eine kleine Rückkehrparty hier drinnen feiern, wer weiß...
Ich stand im Flugzeug und starrte dumm an die Decke. Fünf Minuten lang.
„Jim?“
„Jim, alles in Ordnung da drinnen? Wo bleibst du?“
„Jiiiiiiiimm! Scheiße.“
Ich starrte die Decke an.
„JIM!“, schrie jemand wie am Spieß, dass ich erschrocken zusammenzuckte.
„Ah hey, was ist denn?“, säuselte ich zuckersüß, dass Jakob wahrscheinlich Angst und Bange wurde.
„Wo bleibst du mit den Rucksäcken?“, rief er unbeirrt zurück.
„Achso, ähm warte, ich komme jetzt!“
Völlig durcheinander packte ich mir den ersten Rucksack und hievte ihn zum Loch.
„Voilà, numéro un.“
Jakob fiel mitsamt Rucksack rücklings in den Schnee, doch das schien ihn schon gar nicht mehr zu beeinflussen, bei der abstrusen Nummer an Schneebädern heute.
„Haben wir alles?“, stirnrunzelte Jakob, nachdem ich den zweiten Rucksack rausgebracht hatte.
„Denke schon, da ist ja allerlei Heitetei drinnen.“
„Dann mal hopp hopp, wer weiß, wann es dunkel wird. Vorher sollten wir was gefunden haben, sonst wird’s spannend!“
„Warte, ich hole eben noch die Decken, die werden wir gebrauchen können.“
Ich rannte nach drinnen und grapschte mir alle Decken die ich finden konnte und warf sie Jakob nach draußen. Einer plötzlichen Idee zufolge zog ich sämtlichen Leichen noch die Schuhe aus und sammelte die Schnürsenkel ein, die ich in meiner Jackentasche verstaute.
Außerdem nahm ich noch zwei größere, herumliegende Metallplatten mit, da diese sehr leicht waren und man sich auf ihnen gut in den Tiefschnee setzen konnte, ohne dabei bis zum Hals zu einzusinken, plus vier unserer gegen Nahrung ausgetauschter Tshirts.
Erneut konnte ich mich durch das Loch in den Schnee plumpsen lassen. Ich legte jeweils ein Tshirt um einen improvisierten Schneeschuh, weil ich mir erhoffte, den würdelosen Rutschpartien dadurch ein Ende setzen zu können. Jakob tat das Gleiche, und wir waren erstaunt durch die Wirkung. Es funktionierte zwar nicht 1A, aber immerhin mussten wir jetzt nicht mehr krabbeln. Beim nächsten Baum den wir erreichen würden wollten wir uns aus Ästen bessere Schneeschuhe bauen. Wir erkannten sofort, dass unsere geschundenen Körper einen törichten Waldspaziergang im Tiefschnee mit tonnenschweren Rucksäcken auf dem Rücken nicht mitmachen würden. Hier lassen konnten wir sie natürlich trotzdem nicht.
Also banden wir sie mithilfe der Schnürsenkel auf die ursprünglich als Sitzfläche gedachten Metallplatten, um das Hinterherziehen zu vereinfachen.
Schnaufend standen wir da und sahen uns an.
Wir standen am Anfang eines Ausfluges.
Am Anfang einer Wanderschaft.
Am Anfang von einer Billion Kilometer Schnee und Wald.
Am Anfang vom Ende.
Mit scheinbar nichts in der Hand.
Entschlossen stapften wir los.













