Bilderbuchurlaub - KAPITEL б (II) - Abschnitt I
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Irgendwo im Nirgendwo fällt der Schnee derart dicht, das man seinen ausgestreckten Arm nicht erkennt.
Obwohl es mitten in der Nacht ist, erglimmt die Landschaft in einem nächtlichen Schneeweiß.
Irgendwo in diesem Schneegestöber liegt ein Wrack, das Wrack eines Flugzeugs.
Ich wusste nicht wo ich war. Ich spürte nur meinen Atem, meinen Herzschlag und Schmerzen. Überall.
Mit einem leisen Stöhnen öffnete ich meine Augen, konnte aber noch nichts erkennen, weil sie höllisch brannten und es zudem um mich herum dunkel sein musste.
Als ich versuchte, meinen Kopf zu drehen, knackte es gefährlich in meinem Nacken und da mir alles wehtat, versuchte ich vorsichtig Zehen und Finger zu bewegen.
Wo war ich? Träumte ich? Die Schmerzen waren extrem.
Das konnte nur ein Traum sein.
Ich konnte meinen verdammten Kopf nicht mal bewegen.
Ich hätte mich recht herzlich gerne umgesehen, doch funktionierte leider nicht. Erstens sah ich nichts, zweitens Rückenschmerzen.
Es hätte unheimliche Vorteile mit sich gebracht, hätte ich wenigstens meine Augen öffnen können.
Ich rieb und rieb meine tränenden Augen, bis es mir einigermaßen gelang.
Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, bald erkannte ich, dass jede Menge Zeugs durch die Luft schwebte. Ganz langsam legte ich den Kopf schief und runzelte die Stirn. Mit einer Hand fuhr ich schmerzerfüllt durch das Gewabere in der Luft aus irgendwelchem Zeugs das wie grobkörniger Staub aussah. Meine Verwunderung wandelte sich in Unruhe, als ich feststellte, dass vor mir Flugzeugsessel standen. Sie waren aber seltsam demoliert und der Stoff stark zerrissen und an manchen Stellen verkohlt. Doch das Schlimmste war, dass ich scheinbar selbst in so einem Sessel saß. Warum im Namen des Nachtgespenstes saß ich in einem demolierten, zerstörten Flugzeug? Ich hatte ein Brett vorm Kopf, und niemand war so freundlich, mir diese sehr erschreckende Situation zu erklären. In dem winzigen Bisschen Licht erkannte ich meine Beine. Langsam tastete ich nach ihnen und fuhr erschrocken zusammen als ich meine Wunden und den zerrissenen Jeansstoff spürte. Ich schlief also nicht.
Das kleine Fenster neben mir, durch dass das winzige Bisschen Licht hereinkam, war, wie ich feststellte, völlig verschmutzt.
Mittlerweile hatten sich meine Augen gut an die Dunkelheit gewöhnt.
Als ich meinen Kopf nach links drehte, fuhr ich zum dritten mal zusammen, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich schwitzte schon wieder Stressschweiß.
Neben mir saß noch jemand regungslos in seinem Sessel.
Ich hatte furchtbare Angst. Zitternd versuchte ich mich zu der toten Gestalt umzudrehen, um sie besser erkennen zu können.
Der Kopf der Gestalt lag auf einem großen Ding, vielleicht eine Tasche oder etwas ähnliches. Etwas dunkles klebte an ihrem Kopf, und als ich genauer hinsah, stellte ich mit Schrecken fest, dass es eine klaffende Wunde war. Alarmiert tastete ich nach ihrem Hals, um einen Puls festzustellen.
Warm tropfte das Rinnsal der Erleichterung in meinen Verstand. Die Gestalt lebte.
Behutsam drehte ich ihren Kopf zur Seite.
Ich wurde aufgespießt. Bei lebendigem Leibe.
Ich schrie. Ich brüllte. Ich brüllte so laut dass der Boden vibrierte.
Doch alles, was dabei herauskam, war ein beinahe tonloses Krächzen. Mein Hals war so ausgetrocknet dass ich nur hustete, und zwar Blut. Doch innerlich schrie ich wie am Spieß. Die Schmerzen waren so unerträglich, dass sie mich an den Rand der Besinnungslosigkeit drängten.
Ich war kurz davor in Ohnmacht zu fallen.
Panisch keuchend brach ich in Tränen aus.
Mein innerlicher Schrei schien gar kein Ende nehmen zu wollen, doch allmählich schwächte er ab. Himmel, was war bloß geschehen!
Zitternd kauerte ich, in panisch verkrampfter Haltung in diesem Sessel und rührte mich nicht. Mein Atem ging stoßweise.
Während ich mich allmählich beruhigte, meldete sich mein völlig überforderter Verstand zurück und meldete mir folgendes:
Jakob lebte noch, doch ich musste seine Wunde so schnell wie möglich verbinden. Wer wusste, wie lange er schon blutete?
Doch da ich nicht einmal genau wusste, wo ich mich befand, geschweige denn wo ich Verbandsmaterial herbekommen könnte, drohte ich schon wieder zu verzweifeln. Selbst hatte ich zwar in Frage kommende Klamotten an, doch die waren A viel zu verschmutzt und B hätte ich sie sowieso nicht ausgezogen bekommen, bei den Schmerzen. Etwas das vor mir lag drückte auf meine Füße. Ein Rucksack! Gar nicht so leicht das Teil. Mein Versuch, ihn hoch zu heben scheiterte kläglich.
Vielleicht ist ja etwas nützliches drin!
Nach kurzem und bemerkenswert schmerzhaftem Friemeln gelang es mir den Rucksack zu öffnen. Mit gerümpfter Nase und herausgestreckter Zunge besah ich mir im schwachen Licht das, was ich als erstes zu greifen bekam. Ein Stück weißen Stoff!
Begeistert drehte ich mich, um dem verletzten Jakob damit behelfsmäßig seine Wunde zu verbinden.
Ächzend sank ich zurück, und ebenso meine Zuversicht. Mein Kopf dröhnte. Ich spürte die Kälte, die unter meine Klamotten gekrochen war. Ich fand noch eine Menge Klamotten in dem Rucksack und wickelte zuerst Jakob und anschließend mich so gut es ging damit ein und schloss für einen kurzen Moment die Augen.
Ich schwebe. Sanft umhüllt mich die sommerliche Brise und ein herrlicher Duft von Eisen und Salz. Und Rindenmulch. Woanders duftet Honig, süßer, mit scharfem Senf verfeinerter Honig.
Sachte, aber bestimmt, zupft der sanfte Wind an meinen Kleidern. Ich gebe dem Druck unfreiwillig nach und beginne langsam, sehr langsam nach hinten zu trudeln. Doch ich schwebe immer noch, und immer noch ist kein Boden in Sicht, keine Wand, kein Geräusch, kein Licht. Die Brise frischt auf und sachte Windstöße treiben mich weiter durch das Nichts. Ich schwebe nun etwas schneller. Die Brise steigert ihre Intensität weiter. Immer weiter. Ich schwebe immer schneller durch den schwerelosen Raum, und gerate ins Trudeln. Angenehm warm umfängt mich der Sommerwind.
Doch der Wind wird langsam, stets ein kleines, kaum spürbares Bisschen, stärker. Er verliert seinen umschmeichelnden, liebkosenden Charakter und seine Wärme.
Sein sanftes Zupfen wird zu einem ungeduldigen Ziehen, immer weiter treibt er mich in die Tiefe des Nichts.
Kühl. Es wird allmählich kühl.
Plötzlich spürte ich meinen wummernden Herzschlag, meinen sirrenden Atem, wurde von Etwas geschüttelt und sah die verschwommenen Umrisse einer Stimme.
Meine Augen öffneten sich, rhythmisches Pumpen meines Herzens, das Rauschen von Blut in den Ohren.
Vor mir schwebte allerlei Zeug durch die Luft, umfangen von Atemwolken.
Mein Blickfeld war verschwommen und eine gedämpfte Stimme drang an mein Ohr.
Auf einmal war ich aus meiner Trance erwacht.
Es war Jakob der mich weckte. Er schüttelte mich und stierte mich dabei mit einem Gesichtsausdruck an, dass ich sofort zusammenzuckte.
„Mein Gott ist ja gut Jakob!“, wand ich mich hustend aus seinem Griff. Er ließ mich los und starrte mich an. Ich konnte ihn zwar gut erkennen, doch es war etwas schummrig im Raum.
Dann war in dran mit anstarren.
„Verdammt antworte mir Jakob und hör auf mich so anzustarren!“
Um mich zu beruhigen und wachzurütteln schlug ich mir kräftig in die Visage, schrie schmerzerfüllt auf, doch der Effekt war unschlagbar.
Meine Wange und Stirn brannten, und jetzt erst fiel mir auf, dass meine Hände äußerst geschändet aussahen. Ich sah an mir hinab, meine Hose war teilweise zerrissen, an vielen Stellen war der Stoff blutgetränkt.
Auch dass Jakobs Gesicht blutüberströmt war realisierte ich erst jetzt. Er sah insgesamt genauso brutal aus wie ich, nur hatte er den „Verband“ um den Kopf, der mittlerweile schon rot gefärbt war.
Während mich Jakob weiter unbeirrt anstarrte, fiel mir diese Grabesstille auf. Nichts regte sich. Nirgends hustete jemand, niemand pfiff eine heile-Welt indizierende Melodie, niemand machte ein Geräusch.
Plötzlich bekam ich eine Scheißangst. Wie in Schockstarre verfallen sah ich Jakob an.
Ich musste sofort seinen Kopf neu verbinden!
„Rede mit mir.“, flüsterte Jakob.
Mitten in meiner Bewegung hielt ich Inne.
Er sah mich intensiv an, meine Angst und Schweißproduktion steigerten sich.
„Jakob! Hör auf damit Mann! Das ist nicht lustig!“, krächzte ich.
„Jakob.“, lächelte Jakob mich beseelt an, ein etwas nachdenklicher Gesichtsausdruck.
Gütig blickte er mich aus seinen unglaublichen Knopfaugen an.
Jetzt wurde mir richtig heiß. Der Schauder lief mir heiß und kalt den Rücken runter.
„Wer bin ich?“, fragte ich energisch, beinahe drohend.
„SAG MIR WIE ICH HEISSE JAKOB!“, schrie ich ihn wie von Sinnen an.
Liebes Nachtgespenst, bitte tu mir das nicht an! Haare raufend versank ich in meinem Sessel. Bitte, Nachtgespenst, ich werde sonst wahnsinnig!
„Du bist Jim.“, gluckste es aus Richtung der gütigen Knopfaugen.
Kreischend fuhr ich zusammen und blickte entgeistert in Jakobs verträumt dreinblickendes Antlitz.
Er hat den Verstand verloren! Oh nein, nicht das!
Ich zeigte ihm keuchend vier Finger. „Wie viele?“
Dieses Mal fuhr Jakob wie vom Donner gerührt zusammen.
„Scheiße, Jim, oh Scheiße!“
Ich atmete hörbar ein. „Was denn, Jakob?“
Bestürzt sah er mich an. „Ich hab die Abiklausur verpasst! Ich habe Bio verpasst! Jim was mache ich denn jetzt?“
Wie bitte? Was? Fassungslos sah ich ihn an.
„Ich habe mir doch extra noch gestern zwei-“, abrupt verstummte er. Kerzengerade saß er da. Ich wagte nicht zu atmen. Dann sah er sich langsam um, ich tat es ihm unwillkürlich nach.
Als ich zu der Sitzreihe links neben uns blickte, sah ich nur Schutt und sonstiges Zeugs, dass die komplette Seite unter sich begrub.
Unschlüssig sanken wir in unsere Sitze zurück und starrten den Sitz vor uns an.
„Mir tut alles weh! Ich kann mich kaum bewegen. Wo sind wir hier?“,.
Vorsichtig tastete Jakob an die Stelle wo die Wunde war, er schien sie noch gar nicht bemerkt zu haben. Als er sie berührte, entfuhr ihm ein um Oktaven verschobener Laut, wahrscheinlich eher vor Schreck als Schmerz.
Besorgt stirnrunzelnd schielte er mich an.
„Du hast da auch einen brutalen Schnitt im Gesicht, da überm Auge. Sieht aus wie ein W.“
Vollkommen entgeistert starrte ich Jakob an.
„Wirklich, glaub mir. Genau da.“
Übertrieben hoch kratzte mein Schmerzensschrei durch den Raum, als Jakob mir auf die Stelle patschte. Stöhnend tastete ich selbst nach der Wunde und zuckte erneut zusammen. Jakob hatte recht, das getrocknete Blut klebte auf meinem Gesicht.
„Das sieht gar nicht gut aus Jim. Aber verdammt noch mal ist es hier schweinekalt!“.
Ich war erleichtert, dass Jakob wenigstens wieder sinnvolle Sätze von sich gab.
„Meine Wunde scheint nicht so schlimm, bei deiner Platzwunde mache ich mir größere Sorgen! Wir müssen die Blutung irgendwie stillen, das da ist schon patschnass. Lass mich deinen Kopf mal neu verbinden.“
„Ich verstehe trotzdem nicht was das hier ist! Wann sind wir hier reingegangen und warum? Und warum ist Alles so kaputt und verbrannt? Scheiße Jim wo sind wir?“
„Wenn man wenigstens aus dem Fensterchen gucken könnte,“ Mit meinen blutverklebten Händen löste ich den „Verband“ von Jakobs Kopf der dabei lautstark mit den Zähnen knirschte. Er war dermaßen hart im Nehmen, ich hätte dabei wahrscheinlich einen Urwald mit meinem Gekreische unterhalten können.
Ich versuchte keinen allzu entgleisten Gesichtsausdruck zu fabrizieren, doch die Wunde sah übelst aus. Sein blondes Haar war Braun vom getrockneten Blut, ich konnte die Wunde sogar riechen, so stark hatte sie geblutet. Überall dieses Blut! Wo kamen nur diese ganzen Verwundungen her? Natürlich hatte ich keinen Schimmer davon, wie man sich gegenüber einer solchen Wunde zu verhalten hatte, dennoch hielt ich es für die beste Lösung, sie mit einem Tshirt zu verbinden. Immerhin war die Wunde nicht mehr frisch, was mich ein wenig erleichterte. Knuddeliger sah Jakobs Kopf deswegen aber nicht eben aus.
„Gib mir mal das weiße Ding da, ich muss deinen Kopf damit verbinden.“
Während ich das Tshirt fest um seinen Kopf wickelte, war allerdings ich derjenige, der die Schmerzenslaute produzierte.
„Ich wüsste zu gerne wo wir sind! Ich kann mich an überhaupt nichts erinnern, nur dass ich am Schreibtisch eingeschlafen bin.“, seufzte Jakob.
Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Jakob hatte offensichtlich sein Gedächtnis verloren. Ein halbes Jahr! Siedend heiß fiel mir ein, dass auch ich mich nicht an irgendetwas in Zusammenhang mit diesem Ort erinnern konnte. Krampfhaft versuchte ich mich an das letzte Ereignis zu erinnern, doch mein Gedächtnis wollte nicht arbeiten.
Dann erinnerte ich mich, ich war vorhin noch mit meinem Onkel das Sofa in seine Wohnung tragen gewesen. Aber danach... Nichts. Nur Schmerzen.
„Verdammt Jim, ich hab Angst! Wieso weiß ich nicht wo ich bin? Ich erinnere mich einfach nicht daran hier reingegangen zu sein. Was ist das hier überhaupt für ein Flugzeug?“
„Ich habe auch Angst, es ist so leise und ich erinnere mich auch nicht wie ich hier reingekommen bin. Warum sollte ich auch in so was reingehen?“
„Lass uns abhauen, das ist wirklich schlimm hier! Und wir müssen beide ins Krankenhaus.“, erwiderte Jakob energisch.
„Gut.“, sagte ich und richtete mich energisch auf. Meine Schmerzen schienen verflogen, sodass ich mich wieder halbwegs anständig bewegen konnte. Jetzt war es an der Zeit, aktiv zu werden und Initiative zu ergreifen, auch wenn es keine zu ergreifende Initiative gab. Es war durchaus knifflig, sich, eingepackt wie ein Apollo-11 Astronaut, auf dem Sitz umzudrehen, doch, auch wenn es mich Kraft kostete, gelang es mir, mich auf den Sitz zu knien und im Flugzeug nach hinten zu schauen.
Ich sah zwar nicht gerade viel, doch das was ich sah ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Der Innenraum des Flugzeugs, in dem wir saßen, hörte zwei Meter von mir entfernt auf und glich einem post-apokalyptischen Krematorium aus einem schlechten Computerspiel. Das gewisse Zeugs, das die linken Sitzreihen unter sich begrub, war anscheinend der gesamte Inhalt der Handgepäcksfächer und abgesplitterte Plastik- und Metallplatten der Deckenverkleidung. Teilweise kamen Kabel und ähnliches zum Vorschein und Baumelten herab.
Die Decke war vollständig heruntergebogen. Im Grunde existierten nur noch die ersten drei Sitzreihen, dahinter war der Raum so etwas wie abgeschnitten!
Als mein Blick nun auf den Sitz vor mir fiel, erbrach ich mich auf der Stelle. Einmal vornüber entleerte ich meinen Magen.
Wie angewurzelt starrte ich auf das Bild, dass sich mir bot. Meine Panik steigerte sich ins unermessliche, proportional zu meiner Schweißproduktion.
Der Schock war so immens, dass ich nicht einmal in Ohnmacht fallen konnte.
Aschfahl glitt ich zurück in den Sessel.
„Was ist? Du siehst aus wie ein Zombie Jim, so weiß bist du.“, fragte Jakob fassungslos. „Was ist los was hast du gesehen?“
Ich schluckte geräuschvoll und erklärte mit zitternder Stimme: „Hinter uns sitzt ein toter alter Mann mit einem Loch im Kopf und daneben ein totes Mädchen und eine tote Frau.“
„Was? Oh Mann sag mir bitte dass das nicht wahr ist!“
„Schau es dir bloß nicht an!“
Mir schossen die Tränen in die Augen, so widerlich war der Anblick gewesen.
„Au Scheiße Mann was machen wir jetzt? Hinter uns sitzen Leichen. Das ist ja absolut oberbeschissen!“
Er legte seine kalte Hand an die Stirn, ich tat es ihm nach.
„Okay Jim, ganz schnell wieder vergessen, das ist alles nur ein Live-Horrorfilm, also beruhig dich.“, stammelte ich in mich hinein.
„Jim! Wir müssen gucken dass wir hier rauskommen!“
Er packte meine Schulter und schüttelte mich ein wenig heftiger als gewollt.
„Okay okay“, stöhnte ich und versuchte dabei meinen Kopf zu ordnen. „Du hast ja recht!“
Wir bekleideten uns so gut es ging mit den gefundenen Klamotten, in Dem anderen Rucksack, der auf Jakobs Schoß lag, fanden wir weitere, dicke Pullover und sogar Winterhosen, die bei der Kälte genau richtig waren. Danach standen Jakob und ich auf und stellten uns in den Gang. Es war alles viel zu eng um sich richtig bewegen zu können und das Licht sehr karg. Die Decke war teilweise eingedellt, und die gesamte linke Seite eingedeckt mit undefinierbarem Schrott. Ich war viel zu unschlüssig um eine Entscheidung treffen zu können und versuchte mich im Grunde nur dem elenden Knäuel meiner Bauchgefühle zu entwinden und das Richtige zu tun.
Ich warnte Jakob davor, der Versuchung zu wiederstehen und nach hinten auf die noch freiliegende Sitzreihe zu blicken, worauf er demonstrativ auf die Wand aus Schutt und Blech starrte.
Die Vorstellung, dass dort drunter eventuell noch andere Menschen sein könnten, machte mich schwindelig. Das Gefühl der Ohnmacht war ohnehin überwältigend, die Ratlosigkeit und Angst über die unerklärbare Situation grauenhaft.
Schemenhaft konnte ich ganz vorne die Umrisse einer Person erkennen, die beiden Sitze vor den unseren waren leer. Aufgeregt tippte ich Jakob an und machte eine Kopfbewegung in die Richtung.
Jetzt erst fiel mir auf, dass die einzige anständige Lichtquelle gar keine Fenster waren. Vielmehr befand sich dort ein Loch in der gefühlt einen Meter dicken Flugzeugwand, aber wie kommt bittesehr ein Loch darein? Es war jedenfalls breit genug, dass ein Mensch hindurchpassen würde.
„Siehst du auch diesen Menschen dahinten liegen?“, fragte ich leise über die Schulter.
„Mann hab ich vielleicht ne Angst!“
Ich nickte meine Zustimmung. Vorsichtig bewegten wir uns vorwärts und achteten dabei darauf, möglichst über keine herumliegenden Teile zu stolpern. Wir kamen der Gestalt langsam näher und als wir sie schließlich erkennen konnten, blieben wir abrupt stehen. Da lag eine Frau im Kostüm einer Flugbegleiterin. Sofern ich erkennen konnte atmete sie nicht. Ich vermutete dass sie von der BordBar erschlagen worden war, als sie diese in den Rücken traf.
„Oh mann, das ist ja echt grauenhaft!“, krächzte Jakob erschüttert. „Ernsthaft, ich will hier raus!“
Natürlich waren wir uns darüber einig.
Ich ging ich zu dem seltsamen Loch in der Wand und wusste nun wo die Kälte herkam. Viel konnte ich dadurch nicht erkennen, da mir gleißendes Licht entgegen fiel, doch nachdem sich meine Augen kurz an die enorme Helligkeit gewöhnt hatten, sah ich es.
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