POLYROTATION // Johann Gitters im Interview
Wir haben uns in Köln mit DJ und Produzent Johann Gitters, der diesen Monat bei uns auf POLYROTATION läuft und in Wahrheit Torsten Jahnig heißt, getroffen und mal nachgehakt, was so ein DJ eigentlich den ganzen Tag treibt, ob's zum Leben reicht und warum alle aus der Domstadt flüchten...
Torsten, wie läuft das DJ-Geschäft grad?
Sehr gut! Seit DJ Su Art die Parkmusik wieder an den Start gebracht hat und ich da spielen durfte, kommt ein Gig nach dem anderen rein. Die Leute finden meinen Kram gut und das freut mich!
Und wirst du jetzt langsam zu 'nem Kölner Gesicht?
Ich weiß nicht. Ich hoffe nicht, aber das gehört eben irgendwie dazu. Auch, dass man mit den ganzen Leuten, die in der Kölner Clubszene eben was zu sagen haben, rumhängt. Das ist sowas wie berufliches Saufen.
Kaufen die Leute deinen Kram denn auch oder hast du das Gefühl, dass in Zeiten von SoundCloud und Spotify eigentlich niemand mehr für Musik bezahlt?
Also, die Verkäufe meiner EPs und einzelner Songs steigen nach Gigs schon an. Aber auch Leute aus Japan und Indien hören mein Zeug. Die Russen stehen auch irgendwie auf mich.
Und hast du irgendwann vor, von deiner Musik zu leben oder bleibt das für immer Leidenschaft?
Klar will ich dahin kommen, keine Nebenjobs mehr machen zu müssen, sondern einfach nur den ganzen Tag Musik machen und abends auflegen.
Glaubst du, das ist in Köln überhaupt noch möglich?
Also, ich glaube, Köln ist mit seinen Strukturen für den Anfang ganz gut, um Fuß zu fassen. Es ist super schade, dass die Stadt den Techno abgegeben hat. Früher war das ja hier die Hochburg, aber es ist einfach unattraktiv geworden. Alles wird verboten und es gibt nicht genügend Off-Locations. Mittlerweile kann man ja froh sein, dass es überhaupt noch hier und da mal ein kleines Atelier oder sowas gibt. Irgendwann will ich hier also schon mal weg.
Das ist halt Klischee, aber nach Berlin wahrscheinlich.
Du bist ja auf etwas professionellerem Weg ins DJ-Business gekommen...
Ja, ich hab eine Ausbildung bei der SAE gemacht, um irgendwie auch mal Ahnung von dem zu haben, was ich da eigentlich mache. Das hat mich auch quasi ein Vermögen gekostet, aber es hat sich gelohnt! So konnte ich mit dem nötigen Background DISTORSTION REKORDING gründen und ich bin froh, dass ich mir nicht irgendwann denken werde "hätt' ich mal gemacht". Ich hab's halt gemacht.
Wer Johann Gitters mal live erleben will, hat am 18.8. im Rahmen der Klubkomm im Scheuen Reh die Möglichkeit dazu.
>> Johann Gitters auf Spotify anhören.
>> Das läuft bei Johann Gitters zu Hause - hier geht's zu seiner Playlist.