Müsste ich eine Antwort auf die Frage geben, welche Art von Atmosphäre, welche ganz spezielle Stimmung ich in der Musik von allen am liebsten mag, würde ich der Person, die fragt, einfach wortlos Jordsjøs “Nattfiolen” in die Hand drücken. Ein Album, das in den hintersten Tiefen des norwegischen Nadelwalds aus einem feuchten, nach seltsamen Kräutern duftenden Erdloch gekrochen zu sein scheint und vermutlich nicht vorhat, bis Tagesanbruch außerhalb von selbigem zu verweilen, weil es weiß, dass es beim ersten Strahl der den fahlen Dreiviertelmond ablösenden, tief stehenden Nordsonne zu Stein erstarren würde. Leicht neben der Spur wirkende Flöten, geistesabwesend im Licht der Glühwürmchen umhermäandernde Gitarren und rastlose Orgeln, die mal ausgelassen umherhüpfen, mal bedrohlich dröhnen, führen einen mysteriösen Beschwörungstanz auf, dessen Zweck sie vielleicht selbst nicht vollständig begreifen, und werden dabei von Håkon Oftungs (dessen anderes Betätigungsfeld hört übrigens auf den Namen Tusmørke und dürfte Fans dieses Stils wohl ebenso ein Begriff sein) meist recht zurückhaltendem, aber perfekt passenden Gesang an die Hand genommen, damit sie sich nicht im Unterholz verlieren. Jordsjø nehmen hier gleichermaßen Einflüsse von Prog-Klassikern wie Genesis, Procol Harum und King Crimson sowie aktuelleren Retro-Kapellen der Marke All Traps On Earth, Anglagard oder eben Tusmørke und servieren auf genau richtig dosierten 40 Minuten ein Destillat aus den besten Zutaten, das man in dieser Form einfach unmöglich besser machen kann. “Nattfiolen” (Nachtveilchen) hat das Zeug zum Klassiker und ist für alle, die etwas mit der verschrobeneren Ecke der Siebziger anfangen können, absolut unverzichtbar. Großartig.