Die Kamera sieht, was vergangen ist
Dieses Foto hat einiges an Aufwand gekostet. Mehr als ein Dutzend Schüsse mit der Panzerfaust haben die Panzergrenadiere auf dem Truppenübungsplatz abgegeben, bis ich dieses Bild hatte: Genau der Moment, in dem das Geschoss sichtbar das Rohr verlässt.
Nun hatte ich ja schon ein bisschen Technik dafür zur Verfügung, meine Digitalkamera, ein Modell aus dem Jahr 2012, schiesst bis zu 9 Bilder pro Sekunde. Und trotzdem habe ich es immer wieder geschafft, genau den richtigen Moment zu verpassen.
Entweder war es zu früh....
Jedenfalls nie so, wie es sein sollte.
Immerhin, Reporterglück, beim letzten (!) Schuss des Durchgangs, mit der letzten für diesen Übungstag zur Verfügung stehenden Panzerfaust, gelang mir das Foto ganz oben.
Neuere Kameras machen pro Sekunde zwar deutlich mehr Bilder als die neun, die ich da zur Verfügung hatte. Aber das Problem ist ja meine Reaktionsfähigkeit – bis ich den Schuss gehört und den Auslöser gedrückt habe, ist alles schon vorbei.
Inzwischen, so habe ich heute bei einem Workshop gelernt, sind diese Überlegungen obsolet. Weil moderne Versionen meiner Digitalkamera, zum halben Preis dessen erhältlich, was ich vor paar Jahren für meine bezahlt habe, schon mal vorsorglich die Bilder schießen, bevor ich überhaupt auf den Auslöser drücke.
Das kam mir beim Blick in die Gebrauchsanweisung (und auch die enthusiastischen Artikel der Fachpresse) immer ein bisschen merkwürdig vor, deshalb habe ich mir das jetzt mal erklären lassen:
Die Kamera nimmt quasi ein Video auf, und zwar in 4K-Qualität. Die bisherigen Aufnahmen werden zwar irgendwann überschrieben, aber in dem Moment, in dem ich auf den Auslöser drücke, werden die vorangegangenen 30 Aufnahmen - genauer; die einzelnen Frames, von denen es eben 30 pro Sekunde gibt - und die nachfolgenden 30 Aufnahmen gespeichert (bei manchen Modellen sogar 60 Aufnahmen). Aus denen kann ich dann das Foto auswählen, das genau den richtigen Moment getroffen hat.
Das musste ich natürlich dann zuhause auch ausprobieren:
Und kann dann hinterher auswählen, welches Foto den Moment getroffen hat. (Na gut, die schnellen Ball-Beispiele geben nur einen ungefähren Eindruck.)
So lahm können meine Reflexe gar nicht mehr werden, dass dabei nicht das richtige Bild rauskommt.