"Man nehme einen Holzstab, vielleicht eine gute Elle lang, also um die 30 Zentimeter. Dann wird dieser Stab vorsichtig der Länge nach so geteilt, dass beide Teile wieder ohne Lücken zusammengedrückt werden können. Ist dies erfolgt, können über den Schnitt hinweg Kerben in das Holz geritzt werden. Für welche Leistung oder welche Summe jede dieser Kerben steht, können die Besitzer der beiden Stockteile miteinander ausmachen [...] Wenn Zahltag ist oder das Kerbholz voll ist, brauchen die Beteiligten nur die Teile zusammenzufügen, die Summe auszurechnen und zu zahlen. Dann wird das Holz nicht mehr gebraucht, zerbrochen und weggeworfen. Wer allerdings sein halbes Stöckchen noch mit sich herumträgt, hat seine Schuld womöglich noch nicht beglichen - hat also sprichwörtlich noch einiges auf dem Kerbholz."
Tillmann Bendikowski "Ein Jahr im Mittelalter", München, 2019, S. 34 f.