Beheimatet in Köln, Moslem, sprachmächtig, Kriegsreporter. Einer, der auch hier einen anderen Akzent zu setzen versteht. Nicht die „objektive Reportage“ ist sein Ziel, sondern der „Bericht aus dem Inneren“. Einer, der mitten drin ist, der sich, auch innerlich, einmischt, der seine Meinung durch seine Worte transportiert. Und einer, der tatsächlich das Gesehene und Gemeinte sehr präzise und prägnant in Worte zu bringen versteht.
Seine, im Buch zusammengefassten, Reportagen strecken sich über 8 Jahre...das ist eine sehr lange Zeit in der Politik und vor allem im kochenden Nahen Osten. Man fragt sich sofort, wie es wohl in Lampedusa heute aussehen wird, 5 Jahre nach diesem Bericht, oder wie der Iran mit der Periode Ali Chamenei fertig geworden ist, wie der arabische Frühling auf diese Länder gewirkt hat und wie es heute weitergehen wird. Ja, das Buch sind Reiseberichte und doch möchte man über diesen Ausnahmezustand etwas Aktuelles erfahren. Man tappt etwas im Dunklen, denn die Ereignisse in diesen Ländern stehen jeden Tag in den Schlagzeilen und eine solche Zusammenfassung von Reportagen hat eigentlich nur noch geschichtlichen Wert und ist interessant für Menschen, die für dieses oder jenes Land ein spezielles Interesse haben.
Kermani liefert hier einen sehr eindrucksvollen Einblick in all das, was sich in den Berichten über diese Länder in der Tagespresse eben nicht so findet. Hier wird über die Schlagzeilen des Tagesgeschehens hinaus aufgezeigt, dass die Dinge sich bei näherer Betrachtung deutlich komplizierter darstellen. Dass die hierzulande oftmals präsentierten einfachen Lösungen von vollkommener Unkenntnis der tatsächlichen Sachverhalte vor Ort zeugen, und die Probleme dort allzu oft noch vergrößern. Absolut lesens- und verstehenswert!