Unsere erste Bergwanderung in Norwegen führte uns auf den Kjerag. Die Route ist überaus populär, dazu war auch noch Samstag, sodass wir viele Mitwanderer hatten. Das machte aber weiter nichts. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war eine absolut spektakuläre Tour mit Aussichten, die uns denken ließen: Okay, was soll danach noch kommen!?
Los ging’s mit einem sehr steilen Aufstieg, bei dem die Ketten an manchen Stellen eine willkommene Kletterhilfe waren. Vorteil eines fast senkrechten Anstiegs: Man ist schnell oben, wo man sich zur Belohnung am Bergpanorama erfreuen darf.
Da der Weg immer mal runter und wieder rauf führte, waren insgesamt drei größere Anstiege zu bewältigen. Gutes Oberschenkeltraining!
Zwar war das Wetter sonnig und warm, doch auf’m Berg waren noch ein paar Schneefelder zu überqueren.
Ziel der Wanderung ist der Kjeragbolten – ein Felsbrocken, fest eingeklemmt zwischen zwei Felswänden. So ziemlich jeder stellt sich dort drauf und lässt sich fotografieren. Dieses Motiv findet sich hier in allen Tourismusbroschüren. Für das begehrte Foto musste man schlangestehen. Wir hatten dazu keine Lust, daher gibt es kein Bild mit einem von uns auf dem Kjeragbolten. Und unter uns gesagt: Auch wenn es wagemutiger aussieht als es ist und auf dem Stein genug Platz ist – 100%ig geheuer war uns das Ganze nicht.
Dann doch lieber von einem sicheren Plätzchen aus den Blick auf den Lysefjord genießen. Einer von vielen Fjorden in diesem wunderschönen Land.
Vielleicht könnt ihr es an Daniels Gesichtsausdruck erkennen: Richtig wohl fühlte er sich nicht, so nah am Abgrund. Auch wenn er sowohl einen Bungee- als auch einen Fallschirmsprung hinter sich hat, machen ihn steile Abhänge immer latent nervös. Hier ging es etwa 1000 Meter in die Tiefe.
Ein Stückchen entfernt vom Gewimmel wollten wir uns noch etwas Besonderes angucken. An diesem Wochenende fand ein Basejump-Event statt. Basejumping ist Fallschirmspringen von Klippen und steilen Kanten. Manche haben zusätzlich einen Wingsuit an, der ihnen sozusagen Flügel verleiht, sodass sie auf dem Weg nach unten wie ein Vogel durch die Luft gleiten. Im Zuge des Basejump-Festivals flogen Hubschrauber die Basejumper auf den Berg. Wir standen oben und schauten ihnen eine Weile zu. Völlig krass, was die machen!
Vorsichtiger Blick über die Kante
Man muss sehr genau wissen, was man da tut und schon viele, viele Fallschirmsprünge absolviert haben, um vom Kjerag springen zu dürfen. Lebensgefährlich ist es dennoch – ein Jumper kam an diesem Tag zu Tode. Nach längerer Unterbrechung kamen dennoch wieder Hubschrauber angeflogen und das Event wurde trotz des fatalen Unfalls fortgesetzt.
Da die Helikopter ansonsten leer zurückfliegen, hat man als Wanderer die Möglichkeit für kleines Geld mit ins Tal zu fliegen, statt auf demselben Weg wie zuvor zurückzuwandern. Diese Chance ließen wir uns nicht entgehen.
So schnell ging der “Abstieg” noch nie! Unten im Örtchen Lysebotn hatten wir plötzlich eine ganz andere Perspektive auf den Lysefjord. Vom Ufer konnten wir in einiger Entfernung die Basejumper mit ihren Fallschirmen landen sehen.
Selbstporträt eines erschöpften Wanderers
Unser vernebelter Platz für die Nacht
Wohlverdientes Abendessen
Die Schafe mussten leider draußen in der nebligen Kälte übernachten
Der Tag war ein super Erlebnis, das uns so richtig Lust gemacht hat auf die weiteren Berg- und Fjordlandschaften Norwegens.