Endlich Weihnachten und die vermeintlichen citoyens können, sollen, dürfen feiern - feste - respektive sich voll fressen, wenn man die Plakate von Aldi und Lidl u.a. bildlich und wörtlich auslegt. Jetzt ist sorgenfrei angesagt. Ruhe ist nun die erste Bürgerpflicht! Und hier schon wieder einer dieser absoluten Begriffe, die uns im ganzen Jahr schon um die Ohren gehauen worden sind. Die sind in diesem Land vielfältig sakrosankt und es bedarf kaum einer weiteren Erläuterung um welche anderen es sich handelt: Ukraine, Israel, Schuldenbremse, Corona, Staatsräson und weitere; alles gewissermaßen religiöse und heilige Begriffe, denen durch die Anhebung in einen metaphysischen Kontext jede kritische Diskussionsmöglichkeit genommen wird. Denn der Gott dieser Metaphysik heißt Moral, die aus Marmor, also statisch und feststehend ist. Umso wichtiger hier mit dem Kratzen und mit einem Hinterfragen zu beginnen; Perspektive, wohin, was ist das Ziel, was sind die Unterhaltskosten eines Begriffs, einer Setzung? Wem nützt es? Allen oder nur einer kleiner Schar Auserwählter jenseits der citoyens. Das alles liest sich auch sehr interessant und einleuchtend in dem Buchtitel "Aufklärung in Zeiten der Verdunklung". Denn viel zu viele Sterne machen kein Licht - außer einem noch vielleicht unbekannten Zimtstern!
Nein, nicht vom Aussehen her. Sondern unser Verhalten gleicht dem vieler Ratten. Schon B.F. Skinner hat bei Experimenten mit Ratten zur operanten Konditionierung interessante assoziative Verhaltensweisen beobachten können, die heute auch auf das menschliche Verhalten in Bezug auf den Konsum übertragen werden können. Werbung nutzt dies unter anderem, indem sie sich an den Vorlieben und Gefühlen der Kunden bedient, um dabei positive Emotionen hervorzurufen.
Abbildung 1: Karikatur "Rat Race"
Wir sind gefangen in einem Kreislauf, der gesteuert wird von Arbeit, Geld und Bedürfnissen. Wir arbeiten und arbeiten, um Geld zu verdienen und unser Leben finanziell absichern zu können. Darüber hinaus aber auch, um sich mal größere Dinge zu „gönnen“ wie dem neuesten Smartphone auf dem Markt oder eine Kreuzfahrt quer über den Atlantik.
Konsum ist sehr breit gefächert und hat verschiedene Funktionen. Konsum dient der grundlegenden Befriedigung von Bedürfnissen und der Sicherung des Wachstums, was in der heutigen Industriegesellschaft von großer Bedeutung ist. Außerdem trägt Konsum durch den Erwerb, Besitz und die Nutzung von Gütern zur Identitätsgewinnung bei, wodurch ein gewisser Status und Sinn erlangt wird. Man möchte also durch Konsum auch Unzufriedenheit, Druck und Stress ausgleichen. Doch dass die Schwelle zum grundlegenden Glück mit jeder Konsumeinheit immer höher gesetzt wird, ist vielen Individuen unbekannt. Schon allein die Konsumausgaben für die Grundbedürfnisse sind seit 1991 bis 2018 linear angestiegen.
Hierbei treibt uns auch Werbung massiv an, indem sie Bedürfnisse erschafft, die vorher noch gar nicht existiert haben. Mittlerweile wächst der Entscheidungsbedarf bei dem modernen Menschen gesellschaftsweit durch die Individualisierung und es entstehen große Unsicherheiten durch eine zu große Auswahl.
Geschichte des Konsums
Auf gesellschaftlicher Ebene (= Makroebene) diente der Konsum ursprünglich bis ins 18. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung zur unmittelbaren Existenzsicherung durch v.a. selbst erzeugte Güter. Durch die dann einsetzende Industrialisierung wuchs die Kaufkraft des Einzelnen europaweit und es gab einen Trend hin zur Massenproduktion. Dadurch nahm das Warenangebot sehr stark zu.
Abbildung 3: Fabrikhalle im Jahre 1849
Ende der 1990er Jahre kam es durch die Möglichkeit des Online-Shoppings zur Globalisierung des Konsums, was auf institutioneller Ebene (= Mesoebene) zur Liberalisierung des Welthandels und des damit einhergehenden Wegfalls von Handelshemmnissen wie Zöllen und Einfuhrbeschränkungen führte. Dies erleichterte den internationalen Handeln enorm und führte gleichzeitig auch zu einem gesteigerten Absatz.
Durch die Einführung des Online-Handels wurde der Zugang zu Gütern und damit der Konsum enorm vereinfacht. Daraus resultieren allerdings oftmals Verschuldungen oder der Verlust des Gefühls, was man wirklich braucht oder was nicht.
Wertewandel und Konsum
Insgesamt kann man in diesem Kontext sowohl in der Gesellschaft als auch bei den einzelnen Individuen (= Mikroebene) einen Wertewandel konnotieren, welcher sich besonders in den gewandelten Einstellungen zum Konsum, hin zu einer positiven Definition, bemerkbar macht. Konsum wird vom Einzelnen mit Genuss und Selbstbestimmung in Verbindung gebracht, was durch den von der Individualisierung getriebenen Wandel von Präferenzen im Konsum und der steigenden Autonomie der persönlichen Lebensstile unterstützt wird. Der Fokus des aktuellen Trends liegt auf den negativen Folgen des Massenkonsums in den westlichen Industrieländern, indem man beim Kauf und Konsum die ökologischen und sozialen Kosten und Folgeprobleme mitbedenkt, um so seinen eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten.
Nachhaltigkeit in Unternehmen
Der zunehmende Fokus auf den ökologischen Fußabdruck schaffte auf der Mesoebene eine neue Wettbewerbskategorie. Der Aspekt der Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird von vielen Unternehmen als Marketingstrategie verwendet. Allerdings gibt es für Nachhaltigkeit keine genaue Definition, sodass es unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeitskriterien gibt. Das Engagement von Firmen für Nachhaltigkeit nennt man Green-Marketing oder Öko-Marketing. Hierbei geht es um die Vermarktung von Produkten auf Grundlage ihrer Umweltvorteile.
Nachhaltigkeit kann sich zum einen auf ökologische Aspekte beziehen, zum anderen aber auch auf soziale Aspekte, was oftmals in Vergessenheit gerät. Neben zahlreichen Umweltbelastungen wie Verschmutzung der Gewässer durch Müll (v.a. Plastik), Fischernetze und verschiedenste Chemikalien oder der Rodung von Regenwäldern zur intensiven Nutztierhaltung und Rohstoffnutzung, gibt es auch zahlreiche geopolitische Probleme. Oftmals werden die benötigten Rohstoffe in Entwicklungsländern gelagert, während der Verbrauch aber hauptsächlich in den Industrienationen stattfindet. Das schafft ein erhebliches Spannungspotenzial zwischen den armen und den reichen Ländern, da die Industriestaaten oftmals zu wenig für den Abbau von Rohstoffen zahlen und damit Korruption und Misswirtschaft in den Entwicklungsländern fördern.
Bio- und Fairtrade
Die wirtschaftliche Bedeutung der Ökobranche vervielfachte sich seit den 50er Jahren in jeder Hinsicht. Heute ist das Angebotsspektrum von Bioprodukten längst bis in das kleinste Detail ausgebaut und auch in dafür untypischen Branchen wie der Kosmetik etabliert. Aber was davon ist wirklich Bio, so wie ich es mir als Konsument vorstelle und kann ich mir das überhaupt leisten?
Abbildung 4: Bio Siegel
Erzeugung, Aufbereitung, Lagerung, Handel und der Import von biologischen Erzeugnissen unterliegen der Melde- und Kontrollpflicht. Das unten abgebildete Logo ist das deutsche, bundeseinheitliche Siegel, welches kostenlos und freiwillig zusätzlich zum EU-Siegel (oben) von zertifizierten Händlern und nicht-zertifizierten, stationären Einzelhändlern für Werbezwecke genutzt werden darf.
Konsumierende (die es sich leisten können,) legen zunehmend Wert auf biologisch angebaute Produkte, unter anderem mit der Intension die Pestizidbelastung zu reduzieren und bessere Tierhaltung zu unterstützen. Oder um mit vermeintlich besserem Gewissen einzukaufen. Bis Ende 2023 will die Bundesregierung laut dem Agrarkongress vom 18.01.22 sogar in der konventionellen Landwirtschaft die Ausbringung von Glyphosat verbieten. Aber inwiefern garantiert Bio auch wirklich mehr Tierwohl (im Vergleich zur konventionellen Nutztierhaltung), wie es sich der Konsument ausmalt? Eingriffe am Tier (bspw. Kupieren) und die präventive Gabe von Antibiotika sind zum Beispiel generell eingedämmt. Aber besagte Bestimmungen lassen auch Raum für so genannte „Ausnahmegenehmigungen“, die das Ganze wiederum völlig aus dem Kontext von artgerechter Tierhaltung Richtung konventioneller Haltung schießen. Ist “Bio” das wirklich wert, obwohl wir dem Begriff (Mehr-) Wert zuschreiben? Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Agrarflächen liegt in Deutschland bei 6,5% (2019). Nicht genug für den wachsenden Bedarf, den zum größten Teil nur die konventionelle Landwirtschaft stemmen kann! Weil es aber Bio-Bauern auf Grund der ökonomischen Umstände in Deutschland nicht einfach haben, werden mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert und dort hergestellt. Der dadurch entstehende Frachtweg ist sehr umweltbelastend. Damit ist der Gedanke der Umweltfreundlichkeit den man bei BIO im Hinterkopf hat, auch erledigt. Es sei denn, man kauft regionale und saisonale Produkte! Und was ist mit den Arbeitsbedingungen, die mit dem Kauf von zum Beispiel ägyptischen Kartoffeln oder spanischen Tomaten unterstützt werden?
Abbildung 5: Fairtrade Siegel
Bereits vor den Zeiten der Globalisierung verkörperte das Logo des fairen Handels neben der Förderung von Bio-Anbau in erster Linie soziale Aspekte. Weitere Vorteile der Kleinbauern sind unter anderem Gesundheitsschutz, Armutsreduktion, Förderung von Umweltschutz und biologischem Anbau und die Sicherung sozialer Standards.
Ob fairer Handel die Gesellschaft verändert, hat eine Studie (01/2017) erstmals versucht zu beantworten und bestätigte Folgendes. Es besteht auf nationaler Ebene noch viel Spielraum, um den Weg zur Förderung von mehr Gerechtigkeit im Welthandel, Achtung von Menschenrechten in der gesamten Lieferkette und einer nachhaltigen Entwicklung zu ebnen. Trotz bestehender Trends dazu, haben Verbraucher die sozialen Faktoren von Handel und Produktion nicht als erste Priorität etabliert. Infolge dieser und noch weiterer Entwicklungen nehmen konsumkritische bzw. konsumleichtere Lebensstile immer mehr zu mit der Tendenz, vom Massenkonsum wegzukommen.
Konsumkritik
Konsumkritik soll auf unsere Konsumgesellschaft hinweisen, die sich in vielen Bereichen negativ entwickelt und neue Probleme schafft. Man sollte sich fragen, wie perfekt eine Welt eigentlich ist, in der alles im Überfluss vorhanden ist. Hierbei wird auf den fiktiven und utopischen Ort des Schlaraffenlandes hingewiesen. Die Gesellschaft der Industrieländer tendiert zu einem Verlust des Überblicks, der Überproduktion und Verschwendung von Gütern (v.a. von Lebensmitteln) sowie auch psychischen Folgen (z.B. Kaufsucht). In diesem Kontext wird auch von Affluenza oder dem Fluch der Fülle gesprochen. Fülle wird hier als Last und nicht als Utopie gesehen, da nichts mehr Befriedigung und Lebensfreude schafft.
Abbildung 6: Das Schlaraffenland
Culture Jamming
Die beschriebene Entwicklung und die Dominanz der bestehenden Machtstrukturen der großen Konzerne versucht die gesellschaftskritische Bewegung „Culture Jamming“ zu untergraben. Es soll den vorhandenen Problemen damit entgegengewirkt und dafür gesorgt werden, dass die Kultur wieder von den Menschen geschaffen wird und nicht nur von den großen Konzernen. Hier finden mehrere Methoden Anwendung: u.a. die Methode der Anti-Werbung.
Die Anti-Werbung (= Subvertising) ist eine sehr marken- und gesellschaftskritische Methode, bei der Elemente aus der Werbung oder von Logos abgeändert werden, um so durch eine Neukontextualisierung von Werbebotschaften, eine subversive Botschaft gesellschaftsweit zu vermitteln.
Abbildung 7: Culture Jamming Beispiel "subvertising"
Neben der Hauptmethode der Anti-Werbung werden aber auch noch andere Methoden angewandt wie zum Beispiel die von der spanischen Aktionskünstlerin Yolanda Dominguez initiierte Performance „poses“, die Kritik an der Darstellung von Frauen in den Medien äußern soll. Hierbei nehmen Frauen die Posen von Models aus der Hochglanzpresse in der Öffentlichkeit ein und lösen diese aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus.
Kritik an der Kritik
Das größte Problem der Konsumkritik ist, dass der Hauptfokus auf den Einzelnen gelegt wird. Jeder Einzelne von uns sei selbst verantwortlich und könne bloß mit bewusstem Konsum Einfluss auf das Konsumproblem/ die Klimakrise nehmen. Außerdem wird die Klassenfrage von vielen Konsumkritikern komplett außer Acht gelassen. Bürger der benachteiligten Schichten haben gar nicht die Möglichkeit bewusst zu konsumieren, da es oft vom Einkommen der Konsument*innen abhängt, ob sie sich faire Produkte überhaupt leisten können. Ist es hier also die richtige Vorgehensweise allen ein schlechtes Gewissen zu machen? Schließlich verfügen die meisten Menschen auf diesem Planeten über keinen Spielraum, da sie bereits im Existenzminimum leben. Sie haben keine Ressourcen, um sich umweltfreundliche Produkte leisten zu können und sind abhängig von den Billigprodukten aus dem örtlichen Supermarkt. Vielleicht sollte sich die Konsumkritik also mehr auf die oberen Schichten konzentrieren, die wirklich den Spielraum haben, etwas an ihrem Konsum zu verändern. Denn die Annahme, dass wir alle im selben Boot sitzen würden, die von vielen Konsumkritikern genutzt wird, um allen Bürger*innen ein schlechtes Gewissen zu machen, stimmt nicht wirklich. Dass die Klimakrise eine Klassenfrage ist, lässt sich zum Teil damit belegen, dass rund 50 Prozent der Emissionen den reichsten 10% zugeschrieben werden. Ist es an dieser Stelle angebracht der gesamten Gesellschaft gleichermaßen einen Vorwurf oder schlechtes Gewissen auf Grund ihres Konsumverhaltens zu machen? Oder sollten sich die Konsumkritiker vielleicht mehr darauf konzentrieren die reicheren Menschen zu erreichen, die genügend Ressourcen und Freiheit haben, um etwas zu ändern? Außerdem scheinen die Konsumkritiker die Handlungsmacht des Einzelnen oft zu überschätzen. Der Apell der Konsumkritiker richtet sich meist nur an den Einzelnen und seine Handlungen und genau dort bleibt er oft stecken. Statt den Einzelnen also dazu zu bringen mehrere Einzelkämpfe auszufechten, benötigt es viel mehr politische Entscheidungen, wie zum Beispiel den ÖPNV und die Fahrradwege in der Stadt weiter auszubauen. Zwei positive Beispiele hierfür sind die zwei Städte Kopenhagen und Pontevedra, in denen eben der ÖPNV und die Fahrradwege weiter ausgebaut wurden.
Verzicht von Konsumgütern und Genussmitteln
Gedankenexperiment:
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen Zuhause, Sie gehen in sich und denken nach. Was sehen Sie? Wie nehmen Sie Ihr Zuhause wahr? Wie nehmen Sie Ihr Zuhause wahr?
Hier gibt es keine eindeutige Antwort, da jeder so individuell lebt und wohnt. Aber nehmen wir mal an, wir würden jetzt laut denken. Jeder hat doch seine Lieblingsecke im Haus, wo er sich am wohlsten fühlt. Natürlich gibt es nicht nur Orte in seinem Zuhause, die einen glücklich machen, sondern auch Gegenstände. Es kann alles Mögliche sein: Das neue Auto, die Küche, der Weinkeller, die Musikanlage oder eine Sammelleidenschaft von Klamotten, Schuhen oder Kunst.
Eine deutsche Frau gibt im Schnitt 528 Euro pro Jahr für Kleidung aus. Als erstes sehen Sie die Küche, das Wohnzimmer, die Garage oder den Garten. Wenn sie mehr darüber nachdenken, fällt Ihnen immer mehr auf. Zum Beispiel: die Zigaretten im Eingangsbereich, der Fernseher im Wohnzimmer, die Lebensmittel auf dem Küchentisch oder der Einkaufsplan am Kühlschrank. 2018 gab es 156 Fernseher pro 100 Haushalte in Deutschland. Das heißt, dass einige Haushalte mehr als einen Fernseher besaßen. Jetzt überlegen Sie mal wie viel Sie besitzen? Überlegen Sie kurz und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Früher hat man Anschaffungen nur getätigt, wenn das Geld vorhanden war und man etwas wirklich gebraucht hat. Heute schaffen wir uns Dinge an, die wir uns wünschen aber nicht unbedingt brauchen.
Der durchschnittliche Haushalt in Europa besitzt etwa 10.000 Objekte. Vor 100 Jahren besaß ein durchschnittlicher deutscher Haushalt in Deutschland circa 180 Gegenstände. Die Unterschiede könnten nicht größer sein. Durch die Industrialisierung und Weiterentwicklung der Märkte hat sich vieles verändert, so auch der Konsum. Und Veränderung ist etwas Gutes, sagt man zu mindestens. Hier ist die Frage: Hat er sich zum Guten verändert? Darüber lässt sich breit diskutieren. Denn jeder sieht sich selbst und auch seinen eigenen Konsum anders als Außenstehende. Hierzu gehört auch der Verzicht. Ihnen fällt es vielleicht nicht direkt auf, aber es fängt bereits bei Genussmitteln an. Dazu gehören Alkohol und Zigaretten, aber auch Lebensmittel. Verzicht bestimmt unseren Alltag, egal ob als bewusste Handlung oder nicht. Jeder hat schon mal auf etwas verzichtet.
Es gibt viele Bereiche, in denen wir verzichten können. Wir werden uns auf einen der größten Bereiche konzentrieren, nämlich die Ernährung. Ein nachhaltiger Lebensstil liegt im Trend, wird jedoch meist mit dem selbstlosen Verzicht auf bestimmte Konsumgüter und Verhaltensweisen gleichgesetzt. Die Verbrauchergruppe der Lohas, deren Name sich von "Lifestyle of Health and Sustainability" ableitet, will dagegen ökologisch und ethisch verantwortungsvoll konsumieren, ohne dass dabei Genuss und Wohlbefinden zu kurz kommen.
Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Vegetarier einordnen, lag im Jahr 2021 laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse bei 7,5 Millionen. Damit waren es eine Millionen Personen mehr als noch vor einem Jahr. Bei einer vegetarischen Ernährung bzw. Lebensweise wird typischerweise auf den Konsum von Fleisch sowie Fisch verzichtet. Neben dem Vegetarismus, der sich in weitere Ausprägungen unterteilen lässt, gibt es noch weitere Ernährungsweisen und -trends, die einen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel miteinschließen. Wie zum Beispiel der Veganismus, der sich dadurch definiert, dass auf tierische Produkte verzichtet wird, wozu ebenfalls Lebensmittel wie Milch, Käse, Eier, Honig und Gelatine zählen. Des Weiteren beeinflussen verschiedene Trends das Ernährungsverhalten wie zum Beispiel Superfood, regionale und Fair Trade-Produkte, sowie „Free Form“-Produkte, die frei von Laktose oder Gluten sind und Bio-Food. Zu guter Letzt überlegen Sie mal, auf was Sie bei der Ernährung verzichten. Ist es gewollt durch eine Diät oder Sport? Verzichten Sie unbewusst, weil die Kinder oder der Partner etwas nicht mögen? Oder verzichten Sie bewusst zum Beispiel auf Fleisch?
Das Ziel dieser kleinen Gedanken-Reise ist es, sich öfter zu fragen, ob man etwas braucht oder nicht, bevor man es kauft. Man sollte sich seines Konsums beziehungsweise seines Verzichts klar werden und bewusster wahrnehmen was man konsumiert. Wie meine Oma immer pflegte zu sagen: „Du bist was du isst“.
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Ich bin wichtig - ich bin der Weltenlenker, der Dirigator, das Rädchen im Konsumrausch und der unbekannte Glücklichmacher - egal ob Zalando, Amazon oder so - denn natürlich bringe ich auch die neue Musik von erdmöbel inklusive der Konsumkritik.
https://www.youtube.com/watch?v=sVwW1MtVz6I
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Habt ihr die wöchentlichen Updates vermisst? Nach dem ersten Wochenzwischenstand ist es hier auf Tumblr ja eher still gewesen, was nicht bedeutet, dass wir die #Konsumauszeit abgebrochen hätten. Nicht nur, dass wir tatsächlich vier Wochen nichts außer Lebensmittel gekauft haben, sondern es ist uns sogar leicht gefallen. Vielmehr haben wir haben das Kaufen im Alltag gar nicht vermisst, was sicherlich daran liegt, dass wir das Konsumieren schon vor einigen Monaten mehr oder weniger eingestellt haben. Für uns war die Konsumauszeit daher nur ein weiterer, sehr konsequenter Monat. Im heutigen Post möchte ich ein paar Gedanken zusammenfassen, die mir während der #Konsumauszeit immer wieder präsent im Kopf herumgespukt sind.
Wir leben in einer Zeit des Überflusskonsums.
So richtig bewusst geworden ist mir unser Überfluss diesen Monat an mehreren Stellen: Als ich mit Freunden über den Weihnachtsmarkt geschlendert bin. Als ich einfach so Waffeln gegessen habe (Waffeln sind seit meiner Kindheit irgendwie besonders für mich). Als ich im Zug Gespräche mitangehört habe und jemand sagt, er könnte ja auf Coffee to go niemals verzichten. Auf Facebook hatte ich am Sonntag dazu folgende Zeilen geschrieben, die ich hier nochmal zitiere:
Bäm, das hat mich nochmal richtig zum Nachdenken gebracht. Klar, ich lebe schon lange nachhaltig und minimalistisch, aber in diesem Jahr ist mir erst richtig bewusst geworden, wie viel sich in unserer Gesellschaft konsumieren lässt, was weit über lebensnotwendig hinausgeht. Ich meine damit solche Sachen wie Coffee to go, FastFood, schicke Sportbekleidung usw. - Sachen, die für eine Mehrheit der Mitmenschen vollkommen normal sind und auf die niemand verzichten möchte.
Überhaupt ist Verzicht ein ganz böses Wort in den Köpfen der Menschen. Da wird sofort Armut und jede Menge anderes assoziiert. Ich würde behaupten, dass das für sehr viele Familien noch vor einigen Jahrzehnten ganz anders war (und außerhalb meiner Filterblasen auch heute noch ist). Verzichten ist manchmal einfach, aber manchmal tut es auch weh. In jedem Fall ist es ein Zustand über den wir, wenn man sich Klimawandel etc. anschaut, in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr reden werden müssen. Und mit dem wir uns anfreunden müssen.
Passend dazu lese ich gerade das Buch “Wir müssen leider draußen bleiben” von Kathrin Hartmann, das sich mit der Konsumgesellschaft und Armut beschäftigt. Ein Thema, das ja in der Minimalismus und Nachhaltigkeitsdiskussion eher selten eine Rolle spielt. Die ersten 100 Seiten haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Das Buch quillt quasi schon vor Markierzettelchen über, weil ich so viele Stellen für spätere Artikel verwenden möchte. Als Anreiz, das Buch selber zu lesen, hier ein kurzes Zitat:
“Das Überangebot an Waren ist konstituierend für die Konsumgesellschaft, in der Wahlfreiheit des Kunden wie ein Menschenrecht gehandelt wird (Stichwort “mündiger Konsum”). Dass es aber tatsächlich ein formulierter Kundenwunsch sein könnte, zwischen 100 verschiedenen Sorten Joghurt zu wählen: schwer vorstellbar.” (Quelle: Hartmann, Kathrin, Wir müssen leider draußen bleiben, S. 61)
Etwas später auf der selben Seite heißt es dann über Supermärkte:
“Sie müssen satte Menschen wieder hungrig machen, sprich: neue Bedürfnisse wecken.”(Quelle: Hartmann, Kathrin, Wir müssen leider draußen bleiben, S. 61)
Klar für uns eingefleischte Minimalist_innen ist das irgendwie alter Tobak, aber trotzdem hat mich diese Einsicht dieses Mal besonders getroffen. Über das gesamte Buch wird nach der Wiedereröffnung von Apfelmädchen & sadfsh sicherlich eine Rezension erscheinen.
Wissen und Fortbildungen - ist das Konsum?
1,50€ - soviel Geld ist monatlich für Fortbildung und Wissen im Hartz IV-Satz eingeplant. Als ich diese Zahl gelesen habe, ist mir die Kinnlade heruntergefallen. Menschen aus der Gesellschaft ausschließen und ihnen den Zugang zu Weiterbildung erschweren, scheint ja politisch irgendwie gewollt zu sein, wenn man solche Zahlen liest.
Ich selber als Studentin verbringe natürlich einen Großteil meiner Zeit mit Wissen, Ausbildung und Lernen. Im November kam für mich dennoch die Frage auf, wie Konsum und Fortbildung/Lernen eigentlich zueinanderstehen. Neben dem Studium gebe ich ehrlicherweise sehr selten Geld für Wissen aus. Offline- und Onlinekurse sind meistens schlichtweg zu teuer für mich bzw. brauche ich das Geld an anderen Stellen dringender. Eine Einstellung, über die ich mich manchmal ärgere, denn neue Dinge zu lernen sollte nicht vom Einkommen abhängen.
Kleiner Auszug aus einem FB-Update von Tag 20, indem ich die Frage nach Fortbildungen an euch weitergereicht habe:
“Mittlerweile sind wir schon 20 Tage dabei und heute habe ich tatsächlich das erste Mal das Bedürfnis gespürt etwas zu kaufen: eine Onlinekurs zum Thema "creative habits", der ab Montag starten würde. Gerade in solche Fortbildungen investiere ich sehr selten Geld, weil ich immer denke, dass ich die Informationen auch mit ein wenig Recherche selber finden kann. Bisher bin ich unentschlossen, ob ich hier eine Ausnahme machen möchte. Wie handhabt ihr solche Ausgaben? Und: Wie läuft es bei euch?“
Die Antworten dazu sind sowohl auf Facebook, als auch Twitter sehr eindeutig ausgefallen: Machen! Bloß nicht an solchen Stellen sparen. Schlussendlich habe ich mich für den Onlinekurs angemeldet und es nicht bereut. Ob ich damit die Konsumauszeit gebrochen habe, weiß ich nicht. In jedem Falle hat mich der Kurs einen entscheidenen Schritt in Sachen Buchprojekt weitergebracht und ich schätze den Austausch mit den anderen Teilnehmer_innen.
Wir alle haben materielle Wünsche.
Diese Beobachtung bringt mich dann zum nächsten Gedanken: Wir alle haben materielle Wünsche. Manche können wir uns erfüllen, weil wir sie tatsächlich brauchen oder aber sie uns weiterbringen. Andere sind reine “Lust”wünsche und wieder andere sind solche Wünsche, die uns eine lange Zeit begleiten, die wir uns aber trotzdem nicht erfüllen können. Wünsche zu haben ist nicht schlecht. Sie können uns zeigen, was uns wichtig ist und uns anspornen. Ich wünsche mir z.B. schon seit zwei (drei?) Jahren ein Tablet, aber ich brauche es nicht und kann es mir nicht leisten. Also akzeptiere ich diesen Wunsch und lebe weiter. Aus meiner Sicht jedoch fragwürdig ist, mit welchem Nachdruck unsere Gesellschaft uns vorlebt, dass wir uns - quasi ständig - belohnen müssen.
Die alte Frage nach dem “Brauchen”.
Und abschließend beschäftigt mich auch in diesem Jahr wieder die Frage nach dem Brauchen, nach Bedürfnissen und wie sie entstehen. Beim Stöbern in den Beiträgen der vorherigen Konsumauszeit war ich erstaunt, wie sehr mich das Thema schon beim letzten Mal zum Nachdenken gebracht hat. Die aktuellen Gedanken sprengen sicherlich den Rahmen des Beitrags, daher sammel und strukturiere ich lieber für eine spätere Darstellung. Hierzu nur ein kurzes Zitat aus einem alten Text:
“Ist Brauchen alljenes, das unserem Überleben dient und alles darüber hinaus ist „nice to have“ (schön zu haben)? Oder ist Brauchen ein Standard, der die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe sicherstellt, also z.B. auch ein Besuch im Kino, ein funktionierender Computer mit Internetzugang etc? Und ist Brauchen folglich durch die jeweilige Bezugsgruppe oder -gesellschaft definiert?“
Zum Abschluß bleibt mir daher nur zu sagen, dass die Konsumauszeit für mich jedes Jahr eine Zeit der intensiven Beschäftigung mit Konsum und unserer Gesellschaft ist. Obwohl ich schon so lange nachhaltig und minimalistisch lebe, tut es gut, sich einmal im Jahr ganz fokussiert mit den eigenen Gedanken und Einstellungen zu beschäftigen. Konsumverzicht leben - das ist für mich mittlerweile einfach Alltag.
P.S.: Eure Stimmen und Gedanken zur Konsumauszeit fasse ich am Freitag in einem gesonderten Beitrag zusammen. Bis dahin könnt ihr eure Texte noch hier einreichen: #Konsumauszeit 2016.
Die Situation ist absurd. Ich möchte hier genau das kritisieren, was diese Form hier erst ermöglicht. Den Überfluss, die daraus resultierende Freiheit, den Gipfel der Möglichkeiten. Gleichzeitig ist Konsum natürlich ein abgedroschenes Thema. Es ist selber zu einem Thema geworden, dass mit ruhigem Gewissen konsumiert werden kann, denn alle haben wohl gleich einige Bilder parat, von den Kaufhäusern mit ihren endlosen Fluren, den Menschen die jeder blödsinnigen Mode hinterher laufen und vielem mehr. Dabei kann ich mich beruhigt zurücklehnen, denn so schlimm bin ich ja nicht, ich verbrauche moderat, nur das was ich auch brauche.
Konsumenten, das sind immer die anderen.
Konsum ist ein abgedroschenes Thema, denn er ist so offen-sichtlich. Dass dieses ganze Plastik nicht glücklich macht, das wir mit unserem übermäßigen Verbrauch die Erde zerstören - das alles ist absoluter Konsens, niemand könnte dem widersprechen. Die konsumierten Dinge sind außerhalb von uns, wenn schon nicht außerhalb von unserer Leben, so doch wenigstens außerhalb unserer Körper, unseres Geistes. Damit ist das Problem schon ein gutes Stück weggeschoben. Es ist klar, dass unser Luxus das Elend der anderen ist, die materielle Grundlage des Ganzen ist schrecklich - und trotzdem erscheint hier alles voller Glanz. Und obwohl der Konsum oft als etwas rein Äußeres erscheint prägt dieser oberflächliche Glanz unser Inneres.
Doch so einfach ist das leider nicht und hier möchte ich auch ansetzen. Quasi die innere Dimension des Konsums. Konsum ist zuallererst Verbrauch.
Verbrauchen müssen wir, sonst würden wir sterben.
Aber Konsum ist natürlich ein gesellschaftliches Phänomen - und damit möchte ich nicht sagen, dass „die Gesellschaft“ schuld ist, die Einzelnen dabei unbeteiligt wären, sondern dass es sogar über die Einzelnen hinausgeht, im Sozialen verankert ist. Denn unsere sozialen Beziehungen fußen auf zwei Polen, dem Individuum, den Einzelnen, und dem sozialen Zusammenschluss in Form der riesigen, abstrakten Gesellschaft. Und diese Gesellschaft ist eine hierarchische, trotz beziehungsweise gerade durch die Demokratie werden wir auf eine besondere Art und Weise beherrscht. Das heißt nicht nur das wir unterdrückt werden, sondern vor allem auch das wir produziert werden.
Der Gesellschaftsphilosoph Foucault nennt die Auswirkung, die die Herrschaft auf die Einzelnen ausübt, „Subjektivierung“. Dies beschreibt, dass jede Form von Herrschaft eine besondere Art von Mensch, ein Subjekt hervorbringt. Die Herrschaft macht die Menschen zu dem wofür sie sich halten, lässt sie sich auf eine bestimmte Art und Weise Verhalten und sogar fühlen. Denn dieses Sein im Einklang mit der Herrschaft gibt uns erst unsere persönliche Handlungsmacht, gibt uns erst die Fähigkeit in der sozialen Wirklichkeit angemessen zu handeln. Was sind also die Lebensbedingungen der sozialen Wirklichkeit des modernen Menschen?
Unsere, die kapitalistische, Gesellschaft begegnet uns zuallererst in ihrem unglaublichen Überfluss. Von allem gibt es soviel, das es zu viel scheint. Und wenn es von allem zu viel gibt wird der, die, oder das Einzelne fast überflüssig, auf jeden Fall aber beliebig und ersetzbar. Konsum beginnt dann, wenn wir verbrauchen, nicht weil wir müssen, sondern nur weil wir können und vor allem wollen.
Alles steht bereit um von uns nach Belieben konsumiert zu werden, es steht bereit und wirbt um uns. Und eine Auswirkung dieser gewaltigen Beliebigkeit ist das Aufkommen eines gewaltigen Begehrens. Ich nenne es bewusst nicht Gier, denn Gier bezeichnet in unserer Sprache ein quasi natürliches körperliches Gefühl, das dem Menschen scheinbar eigen ist, einfach dazu gehört. Doch ich glaube nicht, das dieses Begehren etwas ist das automatisch zu ihm gehört, sondern eben eine spezifisch moderne Ausprägung, Teil des Subjekts zu dem der moderne Mensch gemacht worden ist. Durch die Freiheit der Freizeit kann unser Begehren wachsen, von keiner Notwendigkeit behindert kann es sich errichten und auf scheinbar beliebige Dinge zielen.
Aber es gibt nicht nur zu viele Dinge, sondern vor allem auch zu viele Menschen!
Wir leben in der Massen-Gesellschaft, müssen in ihr existieren und uns zurechtfinden. Auch wenn wir uns alle unterscheiden, z.B. in unserem gesellschaftlichen Status mit dem wir auf die Welt kommen, so gibt es doch genug Menschen denen ich ähnle und auch theoretisch sind wir alle gleich. Egal was meine Eltern waren, ich bin frei aus mir zu machen was ICH will. Um mich von anderen zu unterscheiden, irgendwie überhaupt erkennbar zu sein, nicht nur in der Masse unter zugehen, muss ich mich auszeichnen. Und zwangsläufig machen wir dabei mit, wenn wir hier in den Städten mit ihrem Überangebot an Menschen und Möglichkeiten konkurrieren wollen. Überleben, gesehen werden, Interesse wecken, anstatt in der Masse zu verschwinden und links liegenbleiben, nur als eineR von vielen wahrgenommen. Mein Ich soll also etwas Besonderes werden, sich in jedem Aspekt meines Lebens ausdrücken - das beginnt zu aller erst bei meinem Körper. Also staffiere ich ihn aus, trainiere ihn, pflege und kleide ihn genau passend zu meiner Persönlichkeit. Weiter geht es mit den Dingen die ich besitze, sie werden zu meinem Aushängeschild. Und so beginnt das, was wir jeden Tag auf der Straße betrachten können. Das ist dann wieder die Banalität.
Je mehr Zeit darauf verwendet werden kann herauszufinden was ich „wirklich“ begehre, desto differenzierter und bewusster man könnte auch sagen niveau-voller, kann ich konsumieren. Das ist aber nach wie vor ein Luxus und so bleibt eben die Masse der Bevölkerung, die oft nur Vorgefertigtes aufnehmen kann. Viele haben nicht die Muße um die Möglichkeiten zu nutzen, bleiben bei dem was die Mehrheit tut, denn das kann so falsch ja nicht sein.
Aber auch wenn sie nur von Wenigen genutzt werden kann, die Möglichkeit bleibt.
Wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte kann ich mich so inszenieren wie ich es wirklich will. In der Beliebigkeit da draußen ist nichts mehr vorgegeben, ich kann alles sein was ich will -
und daher muss ich umso genauer forschen und mein Inneres durchwühlen um aus der entlegensten Ecke noch herauszukehren was genau mich zu dem macht was ich bin. Der Massenkonsum hat sich zum individuellen Konsum entwickelt. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung konnten immer kleinere Auflagen hergestellt werden, die Produktpalette wurde erweitert.
Es gibt nicht einmal mehr Mode, was blieb sind Moden und Trends. Nicht nur schnelllebig, sondern auch immer nur für einen kleinen Teil der Gesellschaft gültig. Jedes Milieu hat seinen Dresscode, seine Tabus, seine Uniform. Früher hieß die Botschaft „kauf Das damit du dazu gehörst“- Heute können die Produzenten es sich leisten zu sagen SEI DU SELBST, höre auf deinen Durst, auf dein Begehren, erfülle dir DEINE Wünsche, kauf was du willst.
Das Angebot ist unendlich, in einer Welt in der die Waren ungehindert fließen können ist der Computer das größte Schaufenster der Welt. sämtliche Angebote der Welt kann ich mir direkt an meine Haustür bestellen. Wem das nicht reicht um seine Persönlichkeit genau zu definieren, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Das Versprechen der absoluten Individualität scheint näher zu rücken, zwar noch überlagert vom stupiden Einheitsbrei, aber sich schon abzeichnend und wie immer von einer Avantgarde vorgemacht. Trotzdem scheint das das Problem nicht wirklich zu lösen.
Es scheint dass auch die individuellste Ware doch austauschbar bleibt, die Beliebigkeit nicht verliert. Es scheint unmöglich mich auszudrücken in dem nur auf Angebote von Außen reagiere. Wenn der einzig eigenständige Akt der des Kaufens ist, hat das Ergebnis nun mal wenig mit mir zu tun.
Und das ist vielleicht ein Knackpunkt, je weniger aus Notwendigkeit, je weniger zwingend zu mir gehört, desto weniger bleibt auch von mir übrig. Habe ich keine absolute Verbindung mehr, fehlen mir die Wurzeln und ich fliege frei umher. Ohne feste Verbindung zur Welt.
Denn es gibt auch nichts mehr zu tun. Arbeit ist zum notwendigen Übel geworden, es scheint nichts Wichtiges zu tun zu geben, alles läuft schon von alleine und alles ist optional, relativ eben.
Wenn dann mal etwas verpflichtend ist wird es schnell zur Last. Sein Kind zu versorgen, seine kranken Eltern zu pflegen. Auch Verbindlichkeiten gegenüber der Familie, Freunden, Partnern werden schnell als einengend empfunden. Die Dinge die einfach nicht zu konsumieren sind werden schnell anstrengend. Klar sie sind nicht optional, sondern zwingend notwendig und wer wird schon gern gezwungen? Da lebe ich doch lieber dieses Begehren, losgelöst von der unmittelbaren Notwendigkeit.
Es ist Ausdruck der Freiheit, und damit kann ich mir mein Ich neu erschaffen. In diesem Meer von Relativität, müssen wir auch unser Ich ausstaffieren, damit es als etwas erscheint.
Und so wird unser Ich auch eines dieser vielen Dinge durch die wir versuchen uns zu definieren - und behandeln es auch ganz ähnlich wie diese Dinge. Auch unser Ich wird Kriterien unterworfen, immer besser wollen wir werden, uns optimieren und immer mehr funkeln.
Und es scheint zu funktionieren!
Je weniger tiefer Wert in unserem Leben liegt, je mehr sich alles auf der Oberfläche abspielt, desto weiter können wir in uns hinein kriechen, unser Unterbewusstes erkunden (wiederum durch den Konsum, diesmal von Drogen) und uns ausleben. Die Vorstellung von unserem Inneren „Raum der Freiheit“, eines Wesentlichen Ichs das in uns schlummert - mehr als das Äußere, bedeutender als alle Form und gleichzeitig ihr Ur-Grund - auch das ist eine Erfindung, eine Vorstellung der Moderne, ein teil des modernen Subjektes. Und je oberflächlicher es wird, desto feiner und größer die Möglichkeiten es zu inszenieren.
Wenn nichts mehr dargestellt werden muss, dann ist der Raum offen für alles was dargestellt werden kann. Und wir müssen darstellen, denn sonst käme vielleicht der größte Schrecken zum Vorschein:
Dass da in meinem Inneren nichts sein könnte. Dass dieses Ich, das ich so sorgsam umhege, es pflege, inszeniere und versuche nach außen zu kehren auch nur Teil dieser gewaltigen Maschine da draußen ist. Obwohl wir uns doch so genau kennen, so viel Zeit damit verbringen uns zu definieren, so bleibt doch irgendwo tief drin die Frage „wer bin ich eigentlich“. Und die ist nicht leicht zu beantworten. Vor allem nicht, wenn wir in unser Bewusstsein lassen, dass schon längst klar ist, sogar empirisch nachgewiesen, dass der Mensch, weder in der Gruppe noch als einzelner, einen festen Wesenskern hat.
Der Soziologe Pierre Bourdieu hat es in einer Untersuchung geschafft die Menschen anhand ihres gesellschaftlichen Status (ihrer Stellung im Produktionsprozess) einzuteilen. Dabei ist er nicht nur auf ähnliche materielle Umstände gestoßen, sondern hat vor allem gezeigt, dass auch unser ganz Persönliches, unser Geschmack, unsere Vorlieben ja sogar unsere Gefühle genau in den gesellschaftlichen Bahnen verlaufen.
Ob der Autokauf oder die Partnerwahl, unser Musik-Geschmack oder unsere Hobbys, alles passt zusammen. Die gesellschaftliche Bestimmtheit auf die Einzelnen hat also nicht aufgehört. Was wir tun sollen halten wir für unsere eigene Wahl. Denn schließlich sind wir ja frei!? Frei zu tun was wir wollen und landen damit -oh wunder- bei genau dem vor dem wir geflüchtet sind:
Unser Geschmack, unsere Vorlieben, unsere ästhetischen Ansichten entsprechen im wesentlichen der gesellschaftlich-ökonomischen Schicht in der wir uns befinden.
Und darüber müssen wir froh sein! Denn was ist schlimmer als der ewige Außenseiter zu sein, keine Menschen mit denen man sich wohl fühlt, die einen so annehmen wie man ist, eben weil man sich so ähnelt. Wo alles Andere wegfällt, werden die kleinen Vorlieben, geteilter Humor und Meinungen zum alles entscheidenden Merkmal.
Das alles lässt zumindest darauf schließen, das wir nicht halb so fest sind wie wir uns gerne einreden. Was bleibt ist unsere Oberfläche, unser Ego, denn wo die Tiefe sich im Schein aufgelöst hat, erscheint die Oberfläche als das tiefst Möglichste.
Wo alles Metaphysische verschwunden ist, kehrt die Metaphysik in die Dinge ein.
Nach dem Verlust religiöser oder anderer Fetische bleibt uns der Warenfetischismus, der dafür unser ganzes Leben umfasst, uns umschließt und damit zur objektiven Wirklichkeit wird. Und nicht nur zur äußeren Realität, nein mein Ich selbst wird zu meinem größten Fetisch! Mein Wille. Mein Bedürfnis. MEIN EGO. Sein Triumph ist unsere Niederlage, ohne uns ein bisschen unserer geliebten Freiheit zu nehmen.
Ich habe versucht zu zeigen, dass Konsum ein unmittelbarer Ausdruck unserer Freiheit ist. Er ist nicht seine Perversion, kein Fehler, sondern konsequent. Denn was wäre denn das Gegenteil von beliebigem Verbrauch? Die Notwendigkeit?
Mit Notwendigkeit leben? Essen gegen den Hunger? Hunger spüren - Hunger haben?
Es scheint irrsinnig, den Luxus konsumieren zu können gegen Hunger einzutauschen.
Allerdings wenn ein Mensch Hunger hat, dann wird der Mensch auch satt. Denn was füllt den Hunger sonst? Noch mehr Konsum?
Das hört sich jetzt alles ziemlich Auswegslos an und vor allem freiwillig. Als ob die Masse Mensch immer freudig in diese Richtung getrottet wäre und nun bald endlich ankommen könnte. In der Postmoderne, dem Ende der Geschichte. Aber dieser Prozess war nur bedingt freiwillig, auch wenn die Geschichtsbücher uns das glauben machen wollen.
Es gibt und gab ihn schon immer: Widerstand, der blutig und bedingungslos zerschlagen wurde und in vielen Teilen der Welt immer noch wird.
Trotz dieser ganzen Niederlagen gibt mir das Hoffnung. Hoffnung das der Mensch in diesem System nicht vollends aufgeht, ein Unbehagen bleibt, dass Antrieb werden kann für Veränderung.
WIE KÖNNTE DIESE VERÄNDERUNG AUSSEHEN?
Was macht den Unterschied, welchen Sinn können wir der allumfassenden Beliebigkeit entgegensetzen?
Die emotionale Bindung scheint mir dafür bedeutsam zu sein, gerade im Entstehungsprozess der Dinge. Und auch wenn die größte Bindung zu dem besteht was ich selbst, alleine oder mit anderen gemeinsam, gemacht habe, so ist es doch nicht die einzige Möglichkeit.
Es gibt auch die Bindung zu einem Geschenk. Etwas, das aus dem Impuls eines anderen Menschen entstanden ist, der an mich gedacht hat, aus freien Stücken etwas für mich hergestellt hat. Sich durch Arbeit veräußert hat und mir das Ergebnis zukommen lässt. So etwas ist unbezahlbar. Und damit um soviel wertvoller als alles was ich kaufen kann. Vor allem wenn es nur hergestellt wurde um verkauft zu werden.
Deshalb ist im Hinblick auf die Zukunft für mich nicht die Frage, OB es eine Wirklichkeit nach dem Konsum geben kann, sondern WIE diese aussehen könnte. Denn viele kritisieren zwar die Unterwerfung des modernen Menschen, preisen aber die Möglichkeiten seiner Freiheit. Aber die ist eben vielleicht untrennbar mit dem Überfluss verbunden.
Es ist der Kommunismus, der diesen Luxus für alle will. Der die Frage ob der Mensch auch einen anderen Zugang zu den unzähligen Dingen gewinnen könnte positiv beantwortet. Die Dinge seien dann nicht mehr Waren sind sondern einfach nur Dinge. Dinge ohne Wert, aber eben wertvoll, fast so gut wie Selbstangefertigte, eben Geschenke der Gesellschaft.
Es soll dann nicht mehr um das Begehren gehen, sondern um Bedürfnisse. Diese herauszufinden soll möglich sein in einer freien Gesellschaft und so wäre durch die Zeit, für Muße und Selbstverwirklichung, die Voraussetzung des mündigen Umgangs mit der Flut der Materie geschaffen. Die Dinge würden nicht mehr den Menschen beherrschen, sondern eben andersrum, wir würden trotz des Überflusses Menschen bleiben.
Ein schöner Gedanke und vielleicht auch erstrebenswert, allein er erscheint mir als Utopie.
Ich glaube den Überfluss zu bändigen hieße den Menschen von dem zu erlösen was diesen Überfluss erst ermöglicht, der rationalen Ausbeutung seiner Umgebung, der Natur und der Menschen. Die Rationalität betrachtet ALLES als Instrument, nur als Möglichkeit das eigene Überleben zu sichern. Wir versuchen eine vermeintliche Sicherheit aufzubauen und beuten alles aus, damit wir ja auch „genug“ haben. Wir flüchten kopflos und voller Angst vor einem vermeintlich drohenden Mangel.
Die Rationalität hat ihre Berechtigung, muss aber in ihre Schranken gewissen werden.
Anstatt vor einer angeblichen Abhängigkeit zu flüchten, könnten wir auch vertrauen! Vertrauen darauf, dass uns von der Umgebung (der „Natur“, aber auch von den Menschen) gegeben wird was wir brauchen.
Vertrauen beinhaltet immer das Risiko enttäuscht zu werden, aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht und das Streben danach erstickt zu viel Anderes. Ich glaube, dass wir mit dem Risiko leben könnten, dass wir gemeinsam fähig wären unsere Bedürfnisse zu decken ohne allzu weit über das Ziel hinaus zu schießen. Wenn Furcht vor dem Mangel herrscht kann es keine Unabhängigkeit geben, dafür braucht es Vertrauen. Dieses Vertrauen haben wir verloren, es im wahrsten Sinne des Wortes verbraucht. Aber dieses Vertrauen ist die Voraussetzung für eine Gesellschaft in der nicht JedeR gegen JedeN kämpft.
Zusammen anstatt gegeneinander zu leben ist die einzige Chance für ein menschenwürdiges Leben.
Aber um dorthin zu kommen müssen wir jetzt und hier unsere Bedürfnisse zurückerobern, sie wieder neu erschaffen.
Es ist sehr schwer das alleine zu tun und noch viel schwerer es als gemeinsame Aufgabe zu begreifen und zu organisieren. Aber wir müssen es versuchen. Vielleicht ist es der einzige Weg, denn der Einzelne entsteht aus dem Gemeinsamen!
Und um zu einer neuen Form des Subjektes zu kommen bedarf es wohl mehr Macht als der Einzelne hat. Es ist nicht leicht aber wir sollten uns darauf einlassen, gemeinsam versuchen uns zu verändern, gemeinsam zu arbeiten, zu erschaffen um nicht immer weiter nur gemeinsam -und vor allem uns gegenseitig –