Diskriminierung durch Cyborgisierung – Technologische Utopie oder realistische Gefahr?
Der Aufstieg des kühnen Codes der Transhumanisten steht bevor. Das ist eine unabänderliche, unbestreitbare Tatsache. … Wir sind die Zukunft. Ob man will oder nicht. Und er muss angemessen geformt, geleitet und bearbeitet werden durch die Stärke und Weisheit der transhumanen Wissenschaftler …
Zoltan Istvan, Transhumaner Präsidentschaftskandidat der USA, The Transhumanist Wager, 2013
Von der Erfindung der Wasserwaage ca. 500 v. Chr. bis hin zur Vorstellung von Samsung Neon, ein virtuelles Wesen, das nicht nur menschlich aussieht, sondern auch Intelligenz aufweist – die Entwicklung der Technik geht rasend schnell voran und ist kaum aufzuhalten. Schnell stellt sich die Frage, wo wir uns als menschliche Spezies einordnen und welche Rolle wir in Zukunft spielen werden.
Für Anhänger des Transhumanismus ist klar, dass die heutige Menschheit noch nicht ihr volles Potenzial ausgeschöpft hat und dass durch die Implementierung von neusten technischen Entwicklungen völlig neue Möglichkeiten geschaffen werden können. In vielen Lebensbereichen ist die Verschmelzung von Mensch und Maschine bereits in vollem Gange. Gerade im Bereich von Fitness und Gesundheit gibt es unzählige Varianten von Wearables, die dabei helfen den Überblick über allerlei Daten des eigenen Körpers zu behalten. Auch in vielen Wohnzimmern ist Technologie schon lange nicht mehr wegzudenken – verschiedene SmartHome-Applikationen sorgen dafür, dass Licht und Rollladen automatisch gesteuert werden. Neben diversen Freizeitanwendungen kommt Technologie auch in gesundheitlichen und therapeutischen Bereichen zum Einsatz. Gehörlose Menschen erlangen durch das Einsetzen eines Cochlea-Implantats die Fähigkeit zu hören zurück.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Technologien, die die Funktionen des Körpers verändern und solchen, die ebenso einen Einfluss auf die Psyche haben. Implantate, die eine Einschränkung des Körpers ausgleichen und somit den „Normalzustand“ wiederherstellen, fallen nicht unter den Begriff des Transhumanismus. Durch diese Differenzierung ist es möglich, ethische und moralische Fragen zu stellen.
Transhumanisten sehen in der Technologie eine Möglichkeit, den Menschen nicht nur wiederherzustellen oder zu „reparieren“, sondern ihn zu verbessern, stärker und leistungsfähiger zu machen. Durch die Verschmelzung von Mensch und Technik sollen Krankheiten ausgerottet, das Altern verhindert und der Mensch effektiver gemacht werden. Das höchste potenzielle Outcome hierbei liegt in der Unsterblichkeit des Menschen, die durch die Umkehr von Alterungsprozess herbeigeführt werden soll. Aber auch vor der Erreichung dieser utopischen Vorstellung, gibt es verschiedenste Ansätze, den Menschen durch Technologie zu verbessern.
Ähnlich wie Implantate, die eine Hörschädigung ausgleichen, funktioniert zum Beispiel die Antenne von Neil Harbisson: durch einen mit seinem Gehirn verbundenen Chips verwandelt diese Farben in Geräusche und verleiht ihm eine ganz neue, synästhetische Sicht auf die Welt.
Abbildung 1: Portrait Neil Harbisson
Diese Körpermodifizierung machte ihn zum ersten anerkannten Cyborg der Welt.
Schnell stellt sich hier die Frage nach einer Abgrenzung von Hilfsmitteln zu einer Modifikation, die den Menschen zum Cyborg macht. Für die Beantwortung ist es erst einmal wichtig, den Unterschied zu kennen. Der Hauptaspekt, der für eine Differenzierung genutzt wird, ist das Ausmaß in welchem sich die angestrebte Optimierung des Körpers bewegt. So wird beispielsweise mit einem Cochlea-Implantat, genauso aber auch mit einem Langstock, eine mangelnde Funktion des Körpers ausgeglichen. Die betroffene Person erhält damit die Fähigkeiten zurück, die natürlicherweise gegeben sein sollten. Anders verhält es sich mit technologischen Veränderungen, die eine Klassifizierung als Cyborg zulassen. Hier werden dem Menschen Möglichkeiten eröffnet, die über das normal menschenmögliche hinausgehen sollen.
Durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine wird eine neue Evolutionsstufe geschaffen, die die Grenzen des bisher machbaren überwinden und neue Möglichkeiten schaffen soll.
Aber auch alltagstaugliche Systeme, wie ein im Finger platzierter Chip, der als Schlüsselkarte fungiert, sind bereits umsetzbar. Auch an diesem Beispiel erkennt man klar den Unterschied zu medizinisch notwendigen Eingriffen; die Fähigkeit, eine Türe per Fingerdruck zu öffnen ist weder von der Natur vorgesehen noch unbedingt für das Überleben der menschlichen Spezies notwendig.
Raymond Kurzweil, einer der ersten Anhänger des Transhumanismus, ging schon vor fast 20 Jahren davon aus, dass bereits im Jahr 2030 eine Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit künstlicher Intelligenz möglich sein wird. Als „Director of Engineering“ bei Google hat er die Möglichkeit, seine Visionen umzusetzen und Forschung zu Gehirn-Computer-Schnittstellen zu betreiben. Bisherige Erfolge in seiner Forschung zu Artificial Intelligence sind beispielsweise die „Smart Reply“, die in der Emailanwendung Gmail integriert ist und automatisch Antworten zu jeder eingehenden E-Mail vorschlägt oder „Talk to Books“, eine künstliche Intelligenz, die in sekundenschnelle 100.000 Bücher lesen kann, um spezifische Fragen zu beantworten. Das Ziel der Forschung sei es, „greater and greater intelligence“ (Ford, 2018, S.234) zu erreichen, um die künstliche Intelligenz auf dasselbe Level wie die menschliche zu bringen.
Vertreter des Transhumanismus sehen in der Cyborgisierung der Menschen die Chance, die Grenzen der Biologie aufzuheben. In der heutigen Gesellschaft wird alles immer schneller, immer besser und immer fortschrittlich – der Mensch muss hier mithalten, um seine Position im Zusammenspiel der Lebewesen auf der Erde zu erhalten.
Durch technologische Eingriffe wie die CRISPR/Cas9-Methode ist es jetzt bereits möglich, das Erbgut so zu verändern, dass bestimmte Gensequenzen, die Krankheiten verursachen können, entfernt werden. Das systematische „Aussortieren“ der Gene kann dazu führen, die Lebenserwartung der Menschen zu verlängern, ein gesundes Altern zu ermöglichen und tragische Schicksale zu verhindern. Voraussetzung für eine Entwicklung zu einem schöneren, schlaueren, besseren Menschen ist die Auswahl von wünschenswerten Genen und im gleichen Atemzug der Auswahl derer, die entfernt werden sollen. Hier muss aus ethischer Sichtweise interveniert werden, um die Gefahr einer möglichen Diskriminierung von Minderheiten zu beleuchten. Schnell kann aus der positiven Euphorie über die Veränderung und die entstehende Verbesserung eine missbräuchliche Anwendung von Eugenik werden. Eine historische Betrachtung dieses Themas zeigt, wie wichtig es ist, eine gewissen moralische Vorsicht an den Tag zu legen. In der jüngsten Vergangenheit Deutschlands gab es bereits ein grausames Beispiel von antisemitischer Eugenik, bei der versucht wurde „den gesamten Genpool der Menschheit zu verbessern, indem man die Fortpflanzung „minderwertiger“ Menschen unterband“. Die Gefahr, dass eine Selektion von Erbgut erneut zu einer derartigen Diskriminierung und Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen kommt, ist nur allzu real.
Bei der Auswahl der zu selektierenden Gene sollte auch bedacht werden, welche Folgen es haben kann, wenn Besonderheiten innerhalb der Gesellschaft ausgelöscht werden und alle Mensch die gleichen Merkmale haben. Zurecht muss gefragt werden, inwieweit eine Gesellschaft funktionieren kann, in der die Menschen keinerlei Makel mehr haben – wenn doch das „Streben nach Einzigartigkeit, ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen“ darstellt. Wird dieser Wunsch mit sinkender Individualität verschwinden? Oder wird sich diese optimierte Gesellschaft wieder Alleinstellungsmerkmale suchen, die dieses Bedürfnis befriedigen können?
Abbildung 2: Bedürfnis nach Einzigartigkeit
Aus sozialanthropologischer Sicht stellt sich zudem die Frage, ob eine Gesellschaft besser oder schlechter funktioniert, wenn sich alle Teilnehmer des Soziallebens stark ähneln. Kann sich eine Gesellschaft weiterentwickeln, wenn Toleranz und Aufgeschlossenheit auf ein Minimum zurückgefahren werden können und die Chance eines interkulturellen Austausches fehlt?
Der Aspekt der Diskriminierung soll weiterführend noch aus einer weiteren Perspektive beleuchtet werden: Wie wirkt sich die finanzielle Situation einzelner Bürger auf die transhumanistische Entwicklung der Bevölkerung aus?
An dieser Stelle kann über anfallende Kosten nur gemutmaßt werden, die geltenden rechtlichen Bestimmungen für medizinische Eingriffe werden hierfür jedoch weiterhin als geltend beachtet. Je nach Krankenversicherung werden Kosten für notwendige medizinische Hilfsmittel und Eingriffe, wie Brillen oder Zahnimplantate, nur teilweise oder gar nicht übernommen. Die Operation eines gebrochenen Armes dagegen wird vollständig gezahlt. Wie bereits oben diskutiert, befindet sich die Grenze zum Transhumanismus im Ausmaß der Verbesserung der jeweiligen Fähigkeit – erst wenn diese über das Normalmaß hinaus durch eine Technologie verändert wird, entspricht der Eingriff den Kriterien des Transhumanismus. Dies bedeutet aber auch, dass eine Operation, die eine derartige Veränderung des menschlichen Körpers zum Ziel hat, mit großer Sicherheit nicht von einer Krankenkasse übernommen werden würde.
Sofern die Cyborgisierung der Menschen kein (über-) staatliches, von Regierungen gesteuertes Projekt ist, besteht die Möglichkeit, dass viele Menschen finanziell nicht in der Lage sind, sich operativen Eingriffen zu unterziehen, bzw. diese an ihren Kindern durchführen zu lassen. Hier entsteht die Gefahr, dass ärmere Bevölkerungsgruppen systematisch ausgeschlossen werden, wodurch eine Spaltung der Gesellschaft in verschiedene Klassen zu befürchten ist.
Zu überlegen wäre an dieser Stelle, wie realistische eine großflächige Verbreitung von technologischen Eingriffen am Menschen ist; unter Umständen entwickelt sich bis zur Umsetzung dieses Gedankens bereits eine neue bahnbrechende Idee zur Veränderung der Menschheitsgeschichte. In diesem Fall würde aus dem Transhumanismus vielleicht keine vorherrschende Lebensform und würde den Platz von autonomen Autos einnehmen – eine nette Spielerei für Menschen, die es sich leisten können, nicht aber notwendig für den Alltag. Ist es dann noch eine Diskriminierung, wenn die Allgemeinheit davon betroffen ist und nur wenige, reiche Personen sich diese Art von Körpermodifizierung leisten können und wollen?
Ein weiterer Aspekt der Verschmelzung von Mensch und Maschine ist die Unberechenbarkeit dieser Symbiose. Da diese Art von Technologie neu ist, sind eventuelle Nebenwirkungen nicht erforscht oder bekannt. Jeder Eingriff in den Körper eines Menschen verändert direkt oder indirekt auch seine Psyche und sein Selbstbild. Die Folgen einer solchen Veränderung sind bislang nicht vorhersehbar, die Entwicklung könnte durchaus auch einen negativen Verlauf haben, bei dem die Betroffenen nicht mit der Anpassung ihres Körpers zurechtkommen oder durch ungeahnte Fähigkeiten und neu erlangte Stärken einen Anreiz dazu finden, ihre Macht zu ihrem Vorteil zu missbrauchen.
Der Wandel hin zu einer digitalisierten und technisierten Welt lässt sich weder abstreiten noch verhindern. Die Einstellung, mit der wir als Gesellschaft zu diesem stehen, liegt dagegen in unserer eigenen Verantwortung. Mit einer aufgeschlossenen und vernünftigen Sichtweise hat das Individuum die Chance, den Fortschritt zu steuern, um nicht selbst gesteuert zu werden. Denn nicht die Technik an sich schafft Ungleichheiten oder Diskriminierung, sondern wie diese genutzt wird.
Autoren: Nina-Viktoria Schotten, Arnold Maier, Rahel Barkat
Literaturverzeichnis:
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Warwick, K. Cyborg morals, cyborg values, cyborg ethics. Ethics and Information Technology 5, 131–137 (2003).
Minimalismus als postmoderne Lebensform für das gute Leben
"Die heutige Welt wird zusehends materialistischer. Die Menschheit nähert sich, getrieben von dem unersättlichen Verlangen nach Macht und ausgedehntem Besitz, dem Zenith äußerer Entwicklungsmöglichkeiten. In diesem vergeblichen Streben nach äußerer Vervollkommung der Welt mit ihren relativen Werten entfernt man sich jedoch immer weiter von innerem Frieden und geistigem Glück."
(Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama)
Wenn Menschen sich laut Tenzin Gyatso, dem 14. Dalai Lama mit ihrem Konsum und Drang nach Materialismus immer mehr von Frieden und geistigem Glück entfernen, warum wird dann weiterhin in Massen konsumiert?
Überkonsum
Grundsätzlich bedeutet Konsum „die Inanspruchnahme von Gütern und Dienstleistungen zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung“ (Bundeszentrale für politische Bildung). Konsum ist also per se nichts Schlechtes. Problematisch wird es erst, wenn zu viel konsumiert wird. Aber warum konsumieren wir eigentlich (zu) viel? Nachfolgend ein paar Gründe, die zu übermäßigen Konsumverhalten beitragen können. Demonstrativer Konsum ist ein Ausdruck für Wohlstand. Durch den Besitz bestimmter Dinge oder das Tragen angesehener Markenkleidung kann gesellschaftlicher Status zur Geltung gebracht werden. Konsum dient als Ersatzbefriedigung, negative Gefühle wie Einsamkeit, Stress oder Überforderung können beispielsweise durch Essen überdeckt werden. Aber auch in anderen Bereichen kann man sich durch Konsum mit einer kurzfristigen Dopaminausschüttung ablenken. Neue Schuhe als Belohnung, nachdem eine große Aufgabe gemeistert wurde, oder falls diese eben nicht gemeistert werden konnte, zum Trost. Werbung, besonders wenn diese personalisiert ist, kann Begehren wecken und trägt somit zu gesteigertem Konsum bei. Vermehrter Konsum und das Anhäufen von Besitztümern ist ein bekanntes Problem unserer heutigen Konsumgesellschaft - könnte der Minimalismus eine geeignete Gegenmaßnahme sein?
Minimalismus
Minimalismus ist mittlerweile mehr als ein Nischentrend, diese Einstellung ist zu einem Lebensstil herangewachsen. Dabei soll der Fokus auf die wesentlichen Dinge, nämlich immaterielle Aspekte gelegt werden. Es findet ein Wechsel von materiellen Dingen zu immateriellem Erleben statt. Man fokussiert sich nicht auf das Haben und Besitzen, sondern auf den Nutzen der Dinge und deren Bedeutung. Somit wandert das Hauptaugenmerk von Quantität und Masse zu Qualität und Sinnhaftigkeit. Gegenstände werden wieder wertgeschätzt. Der/die Konsument*in hat dabei keinen Nachteil, sondern beschränkt lediglich seinen/ihren Besitz.
Abbildung 1: Übersicht des Minimalismus (Klug, K.2018)
In der Regel wird mit der Reduktion des bereits angesammelten Besitzes begonnen, um ein Bewusstsein für die materiellen Dinge zu schaffen, welche man bereits besitzt. Durch das Aussortieren von Unnötigem soll Platz und Struktur geschaffen werden. Außerdem soll Klarheit im Umfeld auch zu Klarheit im Inneren verhelfen, weshalb sich Personen, die diesen Lebensstil führen, dadurch zusätzlich mehr Leichtigkeit, Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung erhoffen. Personen, die sich mit Minimalismus beschäftigen, achten in der Regel mehr auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit der Produkte. Mit der Umstellung auf eine minimalistischere Lebensweise geht das Hinterfragen von Verhaltensweisen einher. Denn wer nur aussortiert, aber sein Konsumverhalten nicht überdenkt, hat irgendwann wieder genauso viele oder sogar mehr Gegenstände wie zu Beginn. Durch das Reduzieren von Besitz im Zusammenspiel mit bewusstem Konsum soll eine höhere Lebensqualität geschaffen werden. Wahrscheinlich ist, dass man wenn nur eine geringe Anzahl an Dingen besessen wird, diese mehr wertschätzt, dankbarer für das ist, was vorhanden ist und zusätzlich achtsamer damit umgeht. Da Minimalismus nicht dogmatisch ist, gibt es diverse Formen und Arten der Umsetzung.
Formen des Minimalismus
Der Lebensstil wird unterschiedlich ausgelebt und interpretiert. Man kann Minimalist*innen nach Intensität in drei Typen unterteilen.
Abbildung 2: Formen des Minimalismus (Klug, K. 2018)
Moderate Minimalist*innen
Der erste Typ ist der sogenannte „Downshifter“. Hier fängt man an, sich mit der Thematik des Minimalismus zu beschäftigen und wendet Gelerntes erst einmal selektiv in verschiedenen kleinen Lebensbereichen an. Der Besitz wird unter die Lupe genommen, um sich ein Bild von den Dingen zu verschaffen, welche man angesammelt hat. Der nächste Schritt ist das Aussortieren, wodurch man sich auf Dinge reduziert, denen ein gewisser Nutzen zugeschrieben wird.
In diese Kategorie des Minimalismus gehörte auch der bereits verstorbene Apple Gründer Steve Jobs. Er war bekannt dafür, nahezu immer einen schwarzen Rollkragenpullover, eine Jeanshose und weiße Turnschuhe zu tragen. Jobs sorgte mit seiner „Uniform“ dafür, dass er sich in seiner Kleidung immer wohlfühlte. Ganz nebenbei sparte er damit auch Zeit und Geld.
Starke Minimalist*innen
Nach dem moderaten folgt der starke Minimalismus. In dieser Stufe wird die Einstellung in vielen Bereichen aktiv gelebt. Personen dieser Stufe versuchen sich auf die für sie sinnhaften Dinge im Leben zu konzentrieren und anhand ihrer Werte zu handeln. Die Freizeit erhält einen höheren Stellenwert und häufig führt dies zu einer Arbeitszeitkürzung. Starke Minimalist*innen streben nach mehr Zufriedenheit und legen weniger Wert auf gesellschaftlichen Status.
Als Beispiel für diese Stufe kann man sich eine/n Büroangestellte*n vorstellen, der/die seinen/ihren Job kündigt, um in einem Fitnessstudio Yoga zu unterrichten, weil sein/ihr alter Beruf seinen/ihren Werten nicht (mehr) entspricht. Die Person erhält dann zwar einen geringeren Verdienst, aber da sie einen sparsamen Lebensstil führt, gibt sie auch weniger aus.
Ganzheitliche Minimalist*innen
Wie oben bereits erwähnt, sind ganzheitliche Minimalist*innen eher gegen materiellen Konsum eingestellt und versuchen auf jeglichen Verbrauch, der nicht überlebensnotwendig ist, zu verzichten. Hier wird in allen Lebensbereichen sparsam gelebt und nur das gekauft bzw. behalten, was auch genutzt wird oder Freude bereitet. Personen, die den Minimalismus ganzheitlich leben, versuchen auch, sich bewusst aus dem Hamsterrad der Gesellschaft zurückzuziehen, indem sie sich so gut wie möglich selbst versorgen.
Lebensmittel werden beispielsweise im Garten angebaut oder kostenfrei über Foodsharing-Seiten erstanden. Außerdem versucht man hier auch die Natur zu nutzen und kreative Lösungen zu finden. Beispielsweise kann aus gesammelten Kastanien selbst Waschmittel hergestellt werden.
Um einen minimalistischen Lebensstil zu leben, ist bewusster Konsum essenziell. Die Auswirkungen der eigenen Kaufentscheidungen werden wohl bedacht.
Bewusster Konsum
Das Wort „bewusst“ drückt aus, dass etwas willentlich und geistig wach getan wird, um negative Auswirkungen möglichst zu vermeiden.
Beim bewussten Konsumieren versucht man sich darüber klar zu werden, warum man etwas konsumieren möchte und wie der eigene Konsum andere beeinflusst. Bevor man also das nächste Mal etwas kauft, ist es hilfreich, sich folgende Frage zu stellen und diese auch ehrlich zu beantworten: „Brauche ich das wirklich?“
Um zu wissen, ob etwas wirklich benötigt wird, muss erst einmal klar sein, was sich bereits alles im eigenen Besitz befindet. Danach gilt es bei neuen Anschaffungen darauf zu achten, nicht aus Gewohnheit oder aus einem Gefühl heraus zu kaufen. Ebenfalls sollte eine Recherche über Alternativen zu Neukäufen stattfinden. Darunter zählen Reparierbarkeit des Produktes, Ausleihmöglichkeiten oder auch Gebrauchtkäufe. Um die Belastung der Umwelt möglichst gering zu halten, sollte der/die Konsument*in besonders bei einem Neukauf auf die Produktionsbedingungen und den Produktionsort Wert legen.
Umwelt und Minimalismus
Wie bereits im Einstieg erläutert wird, stellt der Überkonsum ein großes Problem dar. Die drei Handlungsfelder Bauen und Wohnen, Mobilität sowie Ernährung sind für 70 - 80 % der Umweltfolgen unseres Konsums verantwortlich.
Minimalist*innen können auch durch den verminderten Besitz in kleineren Wohnungen und Häusern leben, wodurch der Energieverbrauch und somit der CO2-Ausstoß verringert wird. Da ein kausaler Zusammenhang zwischen Einkommen und Ressourcenverbrauch besteht, könnten vor allem die reichsten 10 % der Gesellschaft mit einem minimalistischen Lebensstil viel bewirken.
Die Verlegung von Arbeitsplätzen ins „Homeoffice“ spart Ressourcen, obwohl diese Möglichkeit nur bei ausgewählten Berufen besteht. Wenn diese Arbeitgeber*innen dann minimalistisch handeln, würden neben Einsparungen bei den Bürogebäuden auch bei der Mobilität, also den Fahrten zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz, Abgase und Schadstoffemissionen verringert werden. Durch den Wegfall von Arbeitswegen können Familien mit guter Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr die Nutzung ihrer privaten Fahrzeuge reduzieren, wodurch Staus und Schadstoffausstoße verringert werden. Auch Fahrgemeinschaften oder Carsharing sind denkbare Alternativen. Zusätzlich tragen minimalistische Handlungen wie Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen zu einer besseren Gesundheit bei.
Des Weiteren spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Beim Kauf von Produkten sollte darauf geachtet werden, dass diese biologisch angebaut werden. Bei konventioneller Landwirtschaft werden Pflanzenschutzmittel genutzt, die in die Umwelt gelangen und diese langfristig schädigen. Bei der Herkunft der Lebensmittel gilt: Je näher der Anbauort, desto besser, dadurch können lange Transportwege eingespart werden. Außerdem hilft ein Verzicht auf Fertigprodukte der Umwelt, da diese durch ihre meist üppige Verpackung zum Müllberg beiträgt. Hoher Fleischkonsum führt zu einer extremen Umweltbelastung. Treibhausgasemissionen werden unter anderem durch die Landwirtschaft produziert. Eine Reduzierung der Massentierhaltung oder der Lebensmittelverschwendung würde die Umwelt ebenso wie die Ernährungssicherheit der Gesellschaft positiv beeinflussen. Das Wissen über den Fleischkonsum und dessen Auswirkung auf die Umwelt ist bereits weit verbreitet. Deshalb sind viele Minimalist*innen Vegetarier*innen oder vertreten den Veganismus. Der sogenannte „Food Waste“ stellt ein eigentlich vermeidbares Problem dar, dennoch landen allein in Deutschland pro Jahr rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.
Auch wenn Kleidung nicht zu den drei größten Handlungsfeldern gehört, trägt vor allem die „Fast-Fashion"-Industrie zur Umweltverschmutzung bei. Ein Großteil der Kleidung wird hauptsächlich in Asien produziert und dort werden Umweltschutzgesetze kaum beachtet. Die Kleidung wird mit giftigen Substanzen hergestellt, welche umweltschädliche Auswirkungen haben, wie beispielsweise die Verschmutzung der Gewässer. Minimalismus kann dem entgegenwirken, indem grundsätzlich weniger Kleidung gekauft wird, die eine gute Qualität hat und somit länger hält. Dementsprechend würde die verminderte Nachfrage gleichzeitig die Kleiderproduktion senken und Ressourcen sparen. Die Kaufentscheidung, wo und wie viel Kleidung gekauft wird, liegt theoretisch in den Händen der Konsument*innen.
Jedoch stellt sich nun die Frage, wieso der Konsum nicht von allen reduziert wird und wir immer noch in einer Welt voller Massenproduktion leben.
Ein soziologischer Erklärungsversuch
Mit Hilfe von psychologischen Ansätzen soll versucht werden diese Thematik zu analysieren. Jede Gesellschaft handelt nach eigenen Normen und Werten. Das Individuum, das in dieser Gesellschaft integriert ist, richtet sich nach diesen. Es lernt das Verhalten, das von ihm erwartet wird, durch Beobachten. Da vieles in der westliche Gesellschaft auf Konsum ausgelegt ist, folgt das Individuum diesen Strukturen. Das gesamte Benehmen ist davon abhängig, welche Erwartungen an das Verhalten des Individuums gerichtet sind.
Trotzdem brechen einige Personen, darunter auch Minimalist*innen diese Erwartungen. Das bewusste Einkaufen kann in den moderaten Minimalismus eingeordnet werden. Veganismus verkörpert im Bereich der Ernährung den starken Minimalismus. Diese Ernährungsweise stößt des Öfteren auf Unverständnis in der Gesellschaft. Starke Minimalist*innen legen jedoch wenig Wert auf die Erwartungen der Gesellschaft und leben nach ihren eigenen Werten. Um einen ganzheitlichen Minimalismus bezogen auf die Ernährung auszuleben, müsste die Person ihr Essen selbst anpflanzen, jagen oder sammeln. Dies ist mit viel Aufwand verbunden und für den Großteil unserer Gesellschaft nicht zu bewerkstelligen.
Veränderung muss keinen Verzicht bedeuten, oft fehlt einfach das Bewusstsein für das eigene Handeln.
Wie man Minimalismus bewertet, kommt auf die Perspektive des Betrachters und der damit verbundenen Werte und Präferenzen an. Jedoch kann man guten Gewissens behaupten, dass eine erhöhte minimalistische Denkweise die Welt positiv beeinflussen würde.
Dennoch kann die Gesellschaft nicht ganzheitlich auf Geld verzichten, wie der Forscher Scholz-Wäckerle einst sagte: „Geld sollte lediglich nicht alle anderen Werte unterordnen.“ Denn Geld ist das allgemein anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel. Vor allem die Tauschmittelfunktion ist im Alltag relevant, da es Transaktions-, sowie Informationskosten einspart.
Floskeln wie „ohne Moss nichts los“, die implizieren, dass das Leben nur mit viel Geld zu bewältigen ist, gibt es zur Genüge. Dennoch oder gerade deshalb hat Raphael Fellmer ein Experiment gewagt, bei dem er versucht hat, ohne Geld zu leben. Er wollte damit auf Verschwendung insbesondere im Lebensmittelbereich, Umweltverschmutzung und Ausbeutung der Umwelt aufmerksam machen. Dafür hat er fünf Jahre kein eigenes Geld verdient, sondern passiv von seinen und den Ressourcen anderer gelebt. Bei dem Aufbau unserer gesellschaftlichen Struktur ist das keine einfache, aber wie Raphael in diesen Jahren bewies, scheinbar machbare Aufgabe. Zu seiner Erfahrung sagte Raphael Folgendes:
“Zunächst ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass es unmöglich ist, gänzlich auf indirekten Geldfluss zu verzichten, wenn man weiterhin aktiv an der Gesellschaft teilnehmen möchte und aus ihr heraus, und nicht als EinsiedlerIn, den Wandel leben möchte.” (Raphael Fellmer, 2014)
Geld nicht so wichtig nehmen und mit wenig auszukommen ist ein guter Ansatz, aber wie steht es um die Menschen, die am Existenzminimum leben? Wenn nur oberflächlich auf reduzierten Besitz und niedrige Ausgaben geschaut wird, besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen gelebten Minimalismus und Armut. Der Unterschied liegt allerdings in der bewussten und freiwilligen Reduktion bzw. dem Verzicht, während es bei ärmeren Menschen die Lebensrealität darstellt, da diese sich nicht mehr Besitz leisten können. Es ist nicht verwunderlich, dass für ärmere Menschen, die nicht einmal wissen, wie sie ihre Grundbedürfnisse befriedigen sollen, die Rettung der Umwelt oder eine Änderung des Konsumverhaltens nicht an oberster Stelle ihrer Prioritätenliste steht. In unserer jetzigen Gesellschaftsstruktur ist der minimalistische Lebensstil eher ein Privileg, der für wohlhabendere Menschen umsetzbar ist. Um auf eine Sache verzichten zu können, muss sich diese vorher erst einmal leisten können. Dennoch kann jeder die eigenen Gewohnheiten im Rahmen seiner Möglichkeiten ändern, sodass man seinen Teil angepasst an die individuelle Lebenslage zu der Veränderung beitragen kann.
Autorinnen: Nina Stehle, Kalliopi Gkaroumpas, Michaela Stühler, Anne Mangold
Quellen
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Fellmer, R. (2014): Glücklich ohne Geld! Erweiterte Auflage 2014, Redline Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH. ISBN E-Book (PDF) 978-3-86414-457-8
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Alles eine Sache der Perspektive – Durch einen erweiterten Horizont zu völlig neuen Möglichkeiten kommen
Nicht nur über den Tellerrand schauen, sondern mal ganz ohne Teller denken, wie es der Wissenschaftler James Lovelock macht.
Doch geht das so einfach, das Denken und Dasein zu erweitern?
Eine 3D oder sogar 5D Sicht auf die Existenz und das Leben kann alles, was als essenziell empfunden wird, verändern. Lebensweisen, Meinungen, politische oder religiöse Überzeugungen können komplett auf den Kopf gestellt werden.
Aber wie genau schafft ein Mensch seine Perspektive zu erweitern? - Ein Rezept wie beim Kochen gibt es hierfür leider nicht.
Perspektivenerweiterung kann mithilfe verschiedener Vorgehensweisen geschaffen werden, zum Beispiel durch Literaturrecherche aber auch Erkundung neuer Lebensweisen oder anderer Kulturen. Drogen, Psychologie, Bildung und vieles mehr können auf bestimmte Art und Weise die Perspektive eines Menschen erweitern.
Essenziell ist aber, eine Perspektivenerweiterung von analytischer Distanz zu unterscheiden. Mit einer Perspektivenerweiterung werden die eigenen Perspektiven erweitert und somit stetig weiterentwickelt. Das ermöglicht, den Fokus im Leben anders zu setzen.
Die analytische Distanz hingegen ermöglicht das Analysieren und Hinterfragen von Aspekten – immer aber mit einer gewissen Distanz.
Der deutsche Soziologe Roland Hitzler erarbeitete hierfür das Konzept der künstlichen Dummheit, um das eigene Leben, und das der anderen zu analysieren. In seinem Konzept visualisiert er vor allem, dass jeder Mensch über viel mehr Wissen verfügt, als ihm bewusst ist. Ohne Wissen können nicht einmal die einfachsten Dinge geschehen, selbst für das Betätigen des Lichtschalters muss Wissen vorhanden sein. Man muss ja schließlich erstmal verstehen, wie der Lichtschalter funktioniert und was er verursacht. Allein solche irrelevanten Handlungen beruhen auf Wissen.
Mit seinem Prinzip der künstlichen Dummheit meint Hitzler demnach, dass man sich gegenüber Wissensbeständen dummstellen soll.
Das vorhandene und vielfältige Vorabwissen (z.B. Alltagswissen), kann durch das “Dummstellen” verfremdet werden, um eine neutrale Beschreibung der Welt oder des gesunden Menschenverstandes zu ermöglichen.
Der Psychologe Timothy Leary erforschte die Auswirkungen psychotroper Substanzen auf den menschlichen Geist. Er meinte Drogen seien ein Mittel zur “Neu-Programmierung” des Gehirns. Durch so eine “Neu-Programmierung” können vorhandene Prägungen aufgehoben und neue Prägungen zugelassen werden.
Abbildung 1: Timothy Leary
Sein Prinzip SMI2LE stellt er die kommende Entwicklung der Menschen dar.
Das Akronym „SMI2LE“ steht für:
SM- Space Migration: Für Leary war klar – es muss außerirdisches Leben geben. Dadurch ist für ihn die Auswanderung der Menschheit ein logisches Ziel. Zum einen wäre Überbevölkerung ein Problem der Vergangenheit, zum anderen war der Psychologe der Meinung, dass das menschliche Gehirn und Bewusstsein durch Schwerelosigkeit eine enorme Entwicklungsbeschleunigung erleben würde.
I2 - Intelligence Increase: Leary entwickelte im Laufe seiner Forschung einen neuronalen Schaltkreis des Menschen. Dieser besteht aus acht Etappen, welche jeweils eine andere bzw. Höhere Stufe der Entwicklung darstellt. Durch diesen Schaltkreis kommt Leary zum Entschluss, dass die meisten Menschen Zugriff auf nur vier bis fünf Etappen haben.
LE- Life Extension: Auch die Unsterblichkeit und die Lebensverlängerung der Menschen ist für den Psychologe ein wichtiges Thema. Ihm nach kann mit der richtigen Forschung die Lebenszeit bis zu 100 Jahren verlängert werden kann.
Auftretende Probleme einer Perspektivenerweiterung
Befasst man sich intensiv mit er Thematik, stellt man sich natürlich schnell die Frage, ob es bei einer Perspektivenerweiterung auch zu Problemen kommen kann. Und, obwohl Perspektivenerweiterungen grundsätzlich etwas Gutes sind, kann es natürlich zu Problemen kommen. Viele Menschen kommen mit einem zu schnellen Wechsel der Perspektive nicht klar, diese drastische Veränderung endet dann oft in einer Drogen- oder Alkoholsucht. Das ganze bisherige Leben wird hinterfragt, von Scheidungen bis zu Depressionen, für eine Perspektivenerweiterung muss man bereit sein.
Eine Perspektivenerweiterung in der Entwicklung der Geschlechter und Sexualitäten
Bei der Betrachtung der Entwicklung der Geschlechter und Sexualitäten ist eine enorme Erweiterung der Perspektive zu erkennen. Gesetzte, Proteste sowie die Präsenz in jeglichen Social-Media Plattformen haben zu einer sehr wichtigen Weiterentwicklung geführt, vor allem aber für mehr Akzeptanz und Toleranz der LGBTQ+ Community. Dies Zeit sich z.B. das homosexuelle Männer ganz aktuell auch endlich Blut spenden können.
Aber auch in der Literatur tut sich so einiges, die Gender Studies erweitern diesen Ansatz um eine intersektionale Perspektive, welche die Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen sozialen Kategorien analysiert und aufzeigt.
„Die intersektionale Perspektive sieht demnach nicht nur die Verstärkung von Diskriminierung und Exklusion durch das Vorhandensein von mehreren sozialen Ungleichheitskategorien, sondern erkennt und analysiert, wie deren Wechselwirkung andere spezifische Formen von Diskriminierung hervorrufen“
(Wlasak and Wlasak, 2018)
Abbildung 2: LGBTQ+
Um nochmal den Begriff der intersektionalen Perspektive aufzugreifen, dieser hat wahrscheinlich für viele Fragen gesorgt.
Der Begriff stammt aus dem Englischen und hat seinen Ursprung in einer Metapher. Mit der Metapher einer Straßenkreuzung (engl. Intersection), an welcher der Verkehr aus allen vier Richtungen kommt, soll veranschaulicht und klar werden, dass die Vielzahl der verschiedenen Diversitiy-Dimensionen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können.
Overview-Effekt
Die Geschichte einer Fotografie, die das Bewusstsein für unseren Planeten verändert hat, begann auf einem Dach in San Francisco – und 100 Mikrogramm LSD
Reisen wir zurück in das Jahr 1966, als der damals 28-jährige Stewart Brand im Februar auf dem Kiesdach seines Apartmenthauses in San Francisco saß und im Rausch eines gerade eingeworfenen LSD-Trips die Skyline beobachtete, stellte er plötzlich fest, dass die Hochhäuser in der Ferne nicht exakt gerade wirkten, sondern etwas schief. Er begriff, dass das an der Krümmung der Erdoberfläche lag. Die würde man sehen, wäre man nur weit genug oben – etwa im Weltraum. Doch ein Satellitenfoto existierte zu der Zeit noch nicht, das entsprang vollständig seiner Fantasie. Es gab allerdings Gerüchte, dass die NASA Bilder unseres Planeten habe. Brand glaubte, solch ein Farbfoto könnte den Menschen die Einmaligkeit der Erde bewusst machen und die Basis für ein ökologisches Bewusstsein schaffen. Daraufhin entwickelt Brand eine Kampagne. Der Kern waren Poster sowie Ansteck-Buttons. Er verkaufte diese Buttons an Studenten, die pro Stück 25 Cent kosteten. Als dies an Bedeutung gewonnen hat erweiterte er sein Geschäft und schickte die Buttons letztendlich an Elite-Universitäten, Wissenschaftler, Senatoren und große Denker jener Zeit. Inwiefern Brands Aktionen tatsächlich die Raumfahrtbehörde beeinflussten, ist schwer zu sagen.
Abbildung 3: Der Button, den Stewart Brand 1966 an den Universitäten verkaufte
Wir befinden uns aktuell noch immer im Jahr 1966 aber zu einem späteren Zeitpunkt, sowie einer wärmeren Jahreszeit. Die Mondsonde Luna Orbiter 1 machte zum ersten Mal am 23. August 1966 ein Schwarzweiß Foto von der Erdsichel mit dem Mond im Vordergrund. Dies war ein Schnappschuss, noch dazu in einer schlechten Schwarzweiß-Qualität und erlangte dadurch auch keine Aufmerksamkeit.
Abbildung 4: erstes schwarzweiß Foto von der Erdsichel mit Mond
Die Reise geht weiter ins darauffolgende Jahr. Im November 1997 macht der Satellit ATS-3 das erste Farbfoto von der Erde mit dem kompletten Erdball, aber auch dieses erlangte keine Resonanz.
Abbildung 5: erstes Farbfoto des kompletten Erdballs
Wir machen einen Zeitsprung ins Jahr 1968. Die Astronauten der Mond Mission Apollo 8 Jim Lovell, William Anders und Frank Borman machten nach ihrer dritten Mondumrundung an Heiligabend eine Entdeckung. Die eigentliche Mission war den Mond zu erkunden, der Bordingenieur und Fotograf William Anders sieht plötzlich, wie die Erde hinter dem Mondhorizont auftauchte und war ganz außer sich und machte mit dem Filmmaterial, welches eigentlich für den Mond gedacht war, eine Aufnahme.
Er erschuf mit „Earthrise“ (Aufgang der Erde) nicht nur eine der größten Fotografie-Ikonen des 20. Jahrhunderts, sondern löste mit seinem Bild exakt das ein, was Brand zwei Jahre zuvor eingefordert hatte: Ein Bild, das die Menschheit innehalten lässt. Dass die Endlichkeit und Verletzlichkeit, aber auch die unglaubliche Schönheit und Einzigartigkeit unseres Planeten universell verständlich macht. Und dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass wir diesen unseren Ort schützen müssen.
Abbildung 6: Earthrise-Foto der NASA
Die Aufmerksamkeit, die „Earthrise“ bekam, war gigantisch. Das Foto erschien in zahlreichen Zeitungen und auf der Titelseite der „New York Times“. Im folgenden Jahr (1969) druckte die amerikanische Post sogar eine 6-Cent-Briefmarkte mit dem Motiv.
Im Grunde ist also alles genauso gekommen, wie es sich Stewart Brand auf unserer Zeitreisen und auf seinem LSD-Trip herbeigesehnt hatte. Er trug nicht nur zur Entstehung, sondern auch zur Verbreitung dieses und ähnlicher Fotos bei: Sein 1968 gegründetes Gegenkultur-Magazin „Whole Earth Catalog“ zeigte auf der Titelseite immer eine Fotografie der Erde, „Earthrise“
Die Astronauten der Apollo 8 Mission sahen also die Erde aus rund 380.000 Kilometer Entfernung als einen kleinen und zerbrechlichen blauen Planeten, eingebettet in das pechschwarze All. Was sie aber auch sahen, war den Planeten auf dem sie aufgewachsen waren und den sie als ihre Heimat bezeichneten als ein Ganzes – also im Überblick!
Ein amerikanischer Autor, namens Frank White bezeichnete diese Sicht des Überblicks als “Overview-Effekt”. Frank White hatte sich lange mit den Astronauten auseinandergesetzt und deren Eindrücke und Sichtweisen nach den Weltraumreisen analysiert. Diese Eindrücke fasste er in einem Buch zusammen und veröffentlichte dies unter dem Titel “The Overview Effect” im Jahr 1987. Seither ist der Begriff “Overview Effect” bei den Astronauten sehr bekannt.
Die vielen verschiedenen Eindrücke und Erfahrungen, die die Astronauten im Weltraum machten, prägten sie so sehr, dass sie nach ihrer Rückkehr verändert waren. Das führte bei den Astronauten zu einem Perspektivenwechsel und einer Perspektivenerweiterung.
Eine der Perspektivenerweiterungen ist, die Ansicht der Erde als ein Ganzes. Das heißt, dass alle Grenzen verschwinden und die Astronauten zu der Erkenntnis gelangen, dass alles auf der Erde miteinander verbunden ist und als ein Planet und auch ein System funktioniert.
Abbildung 7: Sultan Bin Salman al-Saud ist der erste Astronaut aus Saudi-Arabien.
Durch dieses Zitat wird deutlich, dass die Menschen als eine Einheit gesehen werden können und sie nur durch natürliche Grenzen voneinander getrennt werden. Und dadurch lässt sich auch schließen, dass alle Ideen und Konzepte, die uns trennen, wenn wir uns auf der Erde befinden, auf dem Mond oder im Weltall beginnen zu verblassen. Daraus entsteht eine Verschiebung der Weltsicht und der Identität.
Eine weitere Perspektivenveränderung hatte Frank White bei den Astronauten beim Thema Umwelt festgestellt. White stellte fest, dass sich das ökologische Bewusstsein der Weltraumreisenden verstärkt hatte. Die Astronauten sahen die Erdatmosphäre aus dem Weltraum und verglichen diese mit einer Eierschale. So dünn und zerbrechlich war die Erde nun von so weit oben. Dieser Anblick inspirierte die Menschen dazu, sich mit ökologischen und umweltpolitischen Fragen zu beschäftigen. Außerdem kam der Gedanke auf, die Erde und die Erdatmosphäre zu schützen. Durch die eindrücklichen Bilder der Erde und der Erdatmosphäre konnten die Menschen verstehen, welche Bedeutung das Handeln auf den Planeten Erde hat.
Abbildung 8: Erde
Eine Weltraumreise ist überwältigend. Selbst für geschulte Astronauten, die auch mit Begriffen wie dem “Overview Effekt” vertraut waren, ist der Anblick der Erde als ein Ganzes eine unvergessliche emotionale Erfahrung. Denn – die Fotos der Erde, wie “Earthrise” sind für uns normale Menschen auf der Erde schon ziemlich beeindruckend und erstaunlich. Aber – der Effekt, die Erde tatsächlich aus dem Weltall zu sehen, ist mit diesen Bildern nicht zu vergleichen. Das liegt vor allem daran, dass es in unserem Leben nichts gibt, das mit dieser Erfahrung vergleichbar wäre. Aber es liegt auch daran, dass die Reisen ins All mit Effekten, wie der Schwerelosigkeit oder Dunkelheit des Weltraums geprägt sind. Diese Effekte bestärken den unglaublichen Anblick der Erde nochmal. Diesen ganzen eindringlichen Informationen muss Raum geschaffen werden – das Gehirn nimmt die verschiedenen Sinneseindrücke auf und versucht diesen einen Sinn zu geben.
Diese emotionale Überwältigung löste bei den Astronauten aus, dass sie nach ihrer Rückkehr vom Mond menschliche Beziehungen anders sahen und alltägliche Probleme für sie unbedeutend waren. Sie beschäftigten sich eher tief mit dem Sinn des Lebens.
Das Zitat des Astronauten Jim Lovell der Apollo 8 Mission beschreibt diese emotionale Ebene sehr gut:
“We do not realize what we have on Earth until we leave it.”
Jim Lovell
Abbildung 9: Foto von der ISS
Die Weltraumforschung hat für uns Menschen auf der Erde viele positive Veränderungen mit sich gebracht. Zum einen bringt die Forschung hervor, dass wir Menschen unser Denken, unser Selbstverständnis und unsere Weltsicht ändern. Zum anderen entwickeln sich die Menschen mit der Forschung der Umgebung jenseits der Erde selbst weiter.
Die Auswirkungen der Weltraumreisen sind auf der einen Seite die Entdeckung von anderen Planeten, wie dem Mond. Aber auf der anderen Seite, die viel wichtiger ist, entdecken wir unseren Heimatplaneten und entwickeln ein Verständnis von uns selbst.
Ein direktes Ergebnis des “Overview-Effekts" ist die Verstärkung der Umweltbewegung. Dadurch entstehen verschiedene Denkweisen und eine neue Lebensauffassung, die unser Handeln auf dem Planeten beeinflussen.
Mit der Betrachtung von Earthrise sieht man auf der einen Seite wie verletzlich, klein und zerbrechlich die Erde ist, im genaueren Sinne einsam in einer schwarzen, dunklen tiefe und völlig ohne Schutz. Auf der anderen Seite gibt uns Earthrise einen externen Blickwinkel. Wir schauen auf die Erde und nicht von ihr hinauf. Es ist eine ermächtigende Wahrnehmung, die bestätigt, dass wir weder klein, zerbrechlich noch machtlos sind.
Seien es schmelzende Gletscher, oder Bilder von Eisbären, die sich auf zusammengeschrumpften Eisinseln befinden, oder abgeholzte Wälder, wo vorher üppiges Grünland war: diese Eindrücke haben die Perspektive auf die Umwelt nach dem Earthrise geprägt. Dass die Beschäftigung mit der Umwelt immer wichtiger wird und wir als Menschen unser Handeln ändern müssen, ist kein Geheimnis mehr.
Doch wie sollen wir handeln, und wie wollen wir in der Zukunft leben?
Das Umdenken in den Köpfen der Menschen hat dazu geführt, dass die Umweltpolitik stärker in den Fokus gerückt ist und dass sich verschiedene Gruppen, wie Umweltschützer, Naturschutzaktivisten oder „Fridays for Future“-Bewegungen entwickelt haben. Daneben gab es einen Durchbruch von nachhaltigen und ressourcenschonenden Energien, die klimaschädliche Emissionen vermeiden. Damit stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse hinten an und wir verstehen, dass wir uns und unseren Planten nur schützen können, wenn wir anfangen ihn mit Sorgfalt und Behutsamkeit zu behandeln. Die Welt ist so wie sie ist, sie ist wiederherstellbar und wir sind diejenigen, die es vielleicht reparieren können.
Denn – wir haben nur diesen einen Planeten Erde.
Abbildung 10: Planet Erde
Autorinnen: Baumgarten, J., Hanslik, E., Huskic, N., Meischner, L.
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Lebenslabor Auroville – eine realistische Zukunft für die Menschheit?
“For in this ideal place money would be no more the sovereign lord. Individual value would have a greater importance than the value due to material wealth and social position.” – The Dream, La Mère
deutsch: Denn an diesem idealen Ort wäre das Geld nicht mehr der souveräne Herr. Der individuelle Wert hätte eine größere Bedeutung als der Wert aufgrund von materiellem Reichtum und sozialer Stellung.
Abbildung 1: Tempel Matrimandir
Dieses Zitat von Mira Alfassa, der Gründerin des Projektes Auroville, spiegelt eine Lebenswelt wider, von welcher gelegentlich der ein oder andere in unserem Gesellschaftssystem träumt. Für einige können verschiedenste Themenfelder in unserem System belastend sein, dass sie sich wünschen davon wegzukommen. Es gibt gewisse strikt vorgegebene, konditionierte und unabänderliche Strukturen, die einengend wirken können:
Abbildung 2: Konflikte unserer Gesellschaft
Gerade unsere Generation, die Generation Z, ist auf der einen Seite so selbstbewusst, politisch aktiv und strebt eine bessere Welt an, aber auf der anderen Seite macht sich die Mehrheit unter dem individualistischen Konformismus gemütlich. Man fühlt sich einsam, obwohl man online immer mit einer so großen Zahl an Menschen in Verbindung treten kann. Man steht andauernd im Vergleich mit allen egal was man macht. Die Individualität baut somit eher auf einer Konkurrenz auf als auf einer Kooperation.
Aus gerade solchen Aspekten wünschen sich Menschen in einer authentischeren Gemeinschaft zu leben, die persönlicher und familiär ist. In einer Gemeinschaft, in der man sich um den Anderen kümmert und zusammen etwas erschafft. In einer Gemeinschaft, in der die persönlichen Talente und Fähigkeiten geschätzt und gefördert werden. Außerdem ist es doch so wünschenswert, ein wahres Freiheitsgefühl nicht nur in vereinzelnden kleinen Momenten zu spüren sowie ein wirklich erfülltes Leben führen zu können nach den eigenen Vorstellungen. Ein Leben, welches unbeeinflusst, spontan und natürlich ist. Um das zu erzielen, ist eine harmonische und friedliche Gemeinschaft sowie Umwelt die Grundlage.
Es gibt einen Ort in Indien, Auroville genannt, der all diese Aspekte als Ausgangsbasis sich gesetzt hat.
Die Verwirklichung einer Vision
Die Motive für die Gründung Aurovilles basieren auf der Philosophie des Integralen Yoga. Diese beinhaltet im Grundlegenden vier Annahmen. Zum einen ist eine weibliche, göttliche Kraft vorhanden, die sich „Shakti“ oder „Mutter“ nennt. Zudem unterliegt die Menschheit einem fortlaufenden Prozess der Evolution und der Transformation des Bewusstseins. Das Resultat und Ziel dieses spirituellen Transformationsprozesses ist es, die Ebene des sogenannten „supermind“ zu erreichen, welche einen Zustand vollkommenen Wissens und der absoluten Erkenntnis der Wahrheit darstellt. Eine Beschleunigung der Perfektion des menschlichen Wesens zum „supermind“ könne durch das Praktizieren des Integralen Yoga beschleunigt werden.
Die Errichtung der Stadt Auroville sollte dem Zweck dienen, die bestmöglichen Voraussetzungen und Bedingungen dafür zu schaffen, dass jene menschliche Entwicklung stattfinden könne und gleichzeitig Menschen mit der gleichen Vision vereint wären.
Interessanterweise konnte bei empirischen Analysen in Form von qualitativen Interviews der zweiten Generation Aurovilles festgestellt werden, dass die Interviewten Bewohner kein umfassendes Verständnis von der Vision und den Idealen des Experiments besitzen, die als Fundament für die Gründung zu verstehen sind und worauf die Existenzberechtigung der Stadt basiert. Den Ideale werden zwar in einem gewissen positiven Kontext für die Gemeinschaft verstanden, jedoch bleibt der Inhalt und damit die Ausrichtung der Lebensweise auf Grundlage dieser Idee in der zweiten Generation weitgehend unberührt.
Das Leben in Auroville
Mittlerweile leben ungefähr 2.400 Menschen in Auroville, die meisten davon kommen aus Indien, Frankreich und Deutschland.
Um ein Aurovillianer zu werden, ist es notwendig erstmal mehrere Monate in Auroville zu verbringen um sich mit dem Leben und den Prinzipien dort vertraut zu machen. Danach gibt es eine Art Bewerbungsgespräch mit einigen Freiwilligen, die bereits in Auroville leben. Wird man akzeptiert, muss man sich zwei Jahre lang selbst versorgen, das heißt man bekommt kein Geld von der Fundation. Es wird erwartet, dass man einen Arbeitsplatz findet und sich für die Gemeinschaft engagiert. Bekommt man nach diesen zwei Jahren positives Feedback der anderen, wird man offiziell als Aurovillianer akzeptiert und bekommt auch ein offizielles Visa der indischen Regierung.
Abbildung 3: Baumhaus in Auroville
Die mittlerweile in Auroville 2.400 lebenden Menschen sind verteilt in etwa 100 kleine Siedlungen, die sich über das gesamte Gelände verteilen. Diese sind unterschiedlich aufgebaut und den Interessen ihrer Bewohner angepasst. So gibt es beispielsweise eine Siedlung, in der nur Jugendliche leben. Diese besteht hauptsächlich aus Baumhäusern. Das Leben kann aber auch anders aussehen, beispielsweise in den Siedlungen der reichen Europäer. Diese leben oft in luxuriösen Villen mit Köchen und Haushaltspersonal.
Die Politik in Auroville funktioniert nach dem Prinzip der Basisdemokratie. Außerdem gibt es eine Selbstverwaltung nach dem Konsensprinzip, das heißt dass sich alle Bewohner an möglichen Beschlüssen beteiligen und diesen auch zustimmen müssen. Alle Bewohner Aurovilles haben also die gleiche Macht, um politische Entscheidungen zu treffen. Zur Ausarbeitung von Beschlüssen gibt es kleine Arbeitsgruppen, die sich jeweils näher mit einem Thema beschäftigen und in diesem Rahmen auch selbstständig kleine Entscheidungen treffen dürfen.
Eine spezielle Besonderheit Aurovilles ist das Bildungskonzept für die Kinder und Jugendlichen. Sie erfolgt nach dem Grundsatz: „Das erste Prinzip wahren Lernens ist, dass nichts gelehrt werden kann.“ Dementsprechend sind die Kinder selbst für ihre Bildung verantwortlich, die Aufgabe der Lehrer ist die Motivation und die Unterstützung dabei, die persönlichen Stärken zu finden. Der Unterricht in Auroville ist vielfältig, unteranderem werden Sprachen, Naturwissenschaften, Informatik und auch Sport angeboten. Auroville beherbergt mehrere Schulen, vom Kindergarten bis zur High School, an denen auch international anerkannte Abschlüsse gemacht werden können. So ist es aurovillianischen Kindern auch möglich, später an Universitäten zu studieren.
Abbildung 4: Wegweiser zum Kids Kingdom
Auroville als Utopie - ein realistisches Gesellschaftskonzept?
Ist Auroville eine Utopie, die man als realistisches Gesellschaftskonzept übernehmen kann? Welche Argumente dafür, beziehungsweise dagegen sprechen soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Was zunächst einmal dafür spricht ist, dass das Bildungssystem in Auroville sehr gut funktioniert. Alle Bewohner haben die Möglichkeit einen englischen Schulabschluss zu erwerben, welcher ihnen die Tür zu vielen Universitäten öffnet. Ein weiteres Argument, welches für ein gutes Gesellschaftskonzept spricht, ist die Tatsache, dass das Kollektivgefühl unter den Bewohnern stark ausgeprägt ist und somit ein durchaus gutes Gemeinschaftsgefühl entsteht. Des Weiteren steht die Naturverbundenheit stark im Fokus und Umweltschutz wird in der gesamten Utopie sehr ernst genommen. Sie gehen als positives Beispiel voran und viele Nationen könnten von diesem Vorbild viel Lernen. Von zentraler Bedeutung in Auroville ist auch die Talentförderung. Damit ist gemeint das die Bewohner dieser Gemeinschaft dazu angehalten werden ihre Kreativität frei auszuleben und nach eignen individuellen Lebensvorstellungen zu leben. Dies umschließt Dinge wie der eigene Hausbau, Hobbies und auch die Tatsache, dass jeder in seinen Begabungen gefördert wird. Dementsprechend kann jeder das beruflich machen, was ihm am besten liegt. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Bewohner der Utopie, ist die Einfachheit des Lebens. Für sie ist von großer Bedeutung zu zeigen, dass man auch mit wenigen Mitteln glücklich Leben kann und es nicht auf materielle Dinge ankommt.
Abbildung 5: Amphitheater
Die bisher aufgeführten Argumente zeigen recht deutlich, dass es einige Dinge gibt, welche Auroville einzigartig machen und die in der Umsetzung genau so funktionieren, wie sie geplant waren. Trotzdem gibt es auch gute Gründe, welche gegen Auroville und somit gegen die Aussage „Auroville als realistisches Gesellschaftskonzept“ sprechen.
Als erstes Argument lässt sich aufzählen, dass viele Europäer nach Auroville „flüchten“, um aus einer Gesellschaft auszubrechen, mit der sie zu diesem Zeitpunkt unzufrieden sind. Dies alles geschieht jedoch ohne, dass sich diese Personen im vorherein mit dem Ursprung des Experiments beschäftigt haben. Rein theoretisch widerspricht dies der Charta von Auroville und kann als egoistisches Motiv angesehen werden, was komplett der grundsätzlichen Idee der Utopie widerspricht. Hierfür gibt es auch kein Kontrollorgan, welches überwacht, ob solche Personen teil der Gemeinschaft werden. Ein weiteres Argument gegen das ideale Konzept Auroville ist die Tatsachen, dass in dieser Gemeinschaft generell eine starke Politikverdrossenheit herrscht. Oft dauert es Jahre, bis Entschlüsse getroffen werden können und es damit zu grundlegenden Veränderungen kommen kann. An diesem Punkt wird oft eine stärkere Führung gefordert, welche dafür sorgt, dass es klarere und deutlichere politische Strukturen gibt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass es in Auroville häufig zu einem Konflikt zwischen den Generationen kommt. Die Älteren sehen Auroville in ihrer Grundform mit all den theoretischen Idealen und die Jüngeren legen mehr Wert auf einen ausgeglichenen Lebensstil.
Ein starkes Argument gegen Auroville als perfekte Utopie ist die finanzielle Situation im Allgemeinen. Eigentlich wirbt sie mit dem Gedanken einer geldlosen Gesellschaft, jedoch sieht die Realität anders aus. Jeglicher materielle Besitz, sowie die gebauten Häuser der Bewohner müssen an die Fondation abgeben werden, womit es zu einer indirekten Kontrolle von oben kommen kann. Zusätzlich sind viele Bewohner auf Finanzmittel aus der Außenwelt angewiesen, da das Grundeinkommen, welches die Stiftung zur Verfügung stellt, kaum für das Leben in Auroville reicht. Dies spricht massiv gegen den Ausgangsgedanken. Ein weiteres Argument ist auch der Tourismus. Bei diesem Punkt sieht sich Auroville im Zwiespalt. Auf der einen Seite gehören die Touristen zur Haupteinnahmequelle der Leitung, anderseits stören die vielen Fremden die Gemeinschaft und das experimentelle Leben. Hinzu kommt noch der Punkt, dass die Leitung Aurovilles äußerst intransparent ist und der Weg vieler Gelder nicht nachvollzogen werden kann.
Es darf außerdem nicht vergessen werden, dass in Auroville eine Unklarheit über die Religionsfreiheit herrscht. Zum einen wird vorgeschrieben, dass die Philosophie des Integralen Yoga von den Bewohnern angenommen werden muss, andererseits wird gesagt, dass Auroville keine übergeordnete Religion besitzt.
Nach einer ausführlichen Abwägung der Vor- und Nachteile kann man zu dem Schluss kommen, dass Auroville, so wie es im Moment existiert, wohl kein realistisches Gesellschaftskonzept darstellt.
Abbildung 6: Matrimandir - Garten
Jedoch könnte es funktionieren, wenn die jungen und älteren Generationen kompromissbereit wären und ihre Vorstellungen von den ursprünglichen Idealen und dem Verlauf der Entwicklungen auf einen Nenner bringen und somit Neues und Altes vereinen. Zusätzlich muss ein Umdenken stattfinden, da trotz der Idee, dass die Entfaltung des Individuums einen hohen Stellenwert hat, ein gewisser Materialismus zur Norm geworden ist. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre, dass die Bildung in Auroville nicht nur auf die individuellen Talente angepasst wird und das, worauf das Kind gerade Lust hat im Mittelpunkt steht, sondern aufwachsende Generationen ein grundlegendes Wissen vermittelt bekommen, um eine transparente Sicht auf das Leben zu erhalten und wissensbasierte Entscheidungen treffen zu können. Als letzten Verbesserungsvorschlag wäre anzubringen, Auroville unabhängig von den umliegenden Dörfern zu machen, damit sich das Experiment von der Umgebung abkoppeln könnte. Wichtig dabei wäre der Wegfall von Tourismus, welcher als großer Ablenkungspunkt gesehen werden kann. Zudem ist es schwierig, innovative Bedingungen zu schaffen, wenn man ständig in Kontakt mit der „alten“ oder „westlichen“ Gesellschaft steht.
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Vapaux, V. (2021): Generation Z: Zwischen Selbstverwirklichung, Insta-Einsamkeit und der Hoffnung auf eine bessere Welt. München: Gräfe und Unzer.
Autorinnen: Jaina Eichkorn, Lea Fischer, Paula Grundler, Sina Schneider
Flucht aus der Realität - Ein Einblick in eskapistische Experimente
Ein kleines Gedankenexperiment
Stellen Sie sich vor sie verlieren durch einen unglücklichen Unfall ihr Gedächtnis. Sie besitzen nunmehr kein Wissen über unsere Gesellschaft, die festen Strukturen und die akzeptierten Zustände der Machtverteilung. Sie kaufen sich am Kiosk eine Zeitung mit folgenden Schlagzeilen...
„Rio de Janeiro erlebt blutigsten Polizeieinsatz seiner Geschichte“
Was macht das mit Ihnen? Beunruhigen Sie diese Schlagzeilen? Würden Sie am liebsten aus dieser Welt verschwinden und sich eine eigene neue Welt schaffen? Irgendwohin, wo sie all diese Probleme hinter sich lassen können? Vielleicht auf eine Stadt auf dem Meer?
Sie könnten sich eine Stadt auf dem Meer bauen, eine sogenannte Seastead. So könnten Sie den gesellschaftlichen und politischen Strukturen entfliehen und so leben, wie Sie es wollen. Frei von Geschichte, Ideologien, Traditionen, Normen und Sitten.
Wie es aussehen kann wenn Menschen das in die Tat umsetzten, kann man an verschiedenen schon an bisherigen Experimenten erkennen.
Beweggründe bisheriger Experimente
Das Seasteading Institute startete an der Küste von Französisch-Polynesien ein Projekt, um mitunter auf folgende Fragestellungen eine mögliche Antwort liefern zu können:
Wie können künftige Generationen nachhaltiger Leben? Wie kann das Konsumverhalten von Menschen verändert werden, um zukünftig ressourcensparender zu leben? Können Seasteads eine Lösung für kommende Probleme und Auswirkungen des Klimawandels darstellen?
Abbildung 1: Floating Island Project des Seasteading Insitute
Das „Floating Island Project“ hat das Ziel innovative Möglichkeiten zu entwickeln, dem Klimawandel entgegenzuwirken und eine nachhaltige Lebensweise zu fördern. Wichtige Themenbereiche dieser Entwicklungen sind zum Beispiel die Aquakultur, das Abfallmanagement oder das Ziel der vollständigen Selbstversorgung. Auch interessant für die potenziellen Bewohner eines solchen Seasteads ist, dass Ästhetik und Kultur komplett neu erfunden werden können. Zudem sollen Seasteads nach dem Konzept des Floating Island Projects in Zukunft auch Zufluchtsort für Menschen sein, die unter den Folgen von politischen Gegebenheiten oder Naturkatastrophen in ihrem Heimatland leiden.
Das Floating Island Project und dessen Konzepte und Ideen hören sich sehr vielversprechend an. Die Menschheit kann gespannt sein inwiefern diese Ideen umgesetzt werden können und welchen Mehrwert es für unsere Gesellschaft bringen kann.
Sowohl das Floating Island Project, als auch die Roseninsel in der Nähe von Italien folgen unter anderem dem Motiv der Flucht vor politischen oder gesellschaftlichen Gegebenheiten. Besonders zu Zeiten der Corona Pandemie wird uns Menschen deutlich, dass das Zusammentreffen von vielen verschiedenen politischen Ansichten zu Konflikten führen kann, die unsere Gesellschaft massiv spalten. Der Ingenieur Giorgio Rosa errichtete 1968 eine Plattform im Meer, weil er nicht mehr unter den Regeln der italienischen Regierung leben wollte. Die Plattform befand sich auf internationalem Gewässer was bedeutet, dass eine eigene Regierung mit eigenen Regeln sowie einer eigenen Flagge, Währung und Pässe einfach erschaffen werden konnte. Die Plattform wurde jedoch nach wenigen Monaten von der italienischen Regierung eingenommen und wieder abgerissen.
Menschen, die dieser experimentellen Lebensform nachstreben, wünschen sich neue Formen sozialer und politischer Organisation. Sie sind zum Teil geprägt von den Gesetzen und Normen sowie dem geschichtlichen Hintergrund ihres Herkunftslandes und möchten einen Neustart in einer ungeprägten Atmosphäre zu leben.
Abbildung 2: Roseninsel vor der Küste Riminis
Anhand der beiden Beispiele wird deutlich, dass es unterschiedliche Arten der Konstruktion von Seasteads gibt. Fest steht, es muss ein Weg gefunden werden, wie das Leben von Lebewesen, welche schon immer auf dem Land gelebt haben, nun plötzlich auf das Wasser transportiert werden kann.
Theoretische Ansätze zur Umsetzung
Als Grundlage für eine Seastead wird zuerst ein geeignetes Fundament benötigt. Je nach Entfernung zum Festland gibt es hier verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung: Die Verwendung einer schwimmenden Plattform, einer verankerten Plattform oder eines stillgelegten Offshore Bauwerks beispielsweise eine alte Ölplattform.
Abbildung 3: Illustration einer möglichen Konstruktion
Das Grundgerüst für die Seastead ist nun vorhanden. Jetzt fehlt noch die Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen wie Wasser, Essen und Strom. Die grundlegenden Lebensmittel können durch den Anbau von Obst und Gemüse gewonnen werden. Für den Anbau von Pflanzen wird normalerweise Süßwasser benötigt. Aber wäre es nicht praktischer, wenn zur Bewässerung auch Salzwasser verwendet werden könnte? Immerhin ist hiervon auf einer Seastead mehr als genug vorhanden. Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit hierfür, und zwar der Anbau von gentechnisch veränderten Salzwasser-Pflanzen. Diese werden gentechnisch so verändert, dass sie salzwassertolerant werden. Somit können sie in verdünntem Salzwasser gezüchtet werden. Eine interessante Möglichkeit besonders für Seasteads ist zudem die Aquakultur, also die Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen. Dies findet meist in einem abgezäunten Meeresabschnitts statt.
Tatsächlich wäre es sogar möglich auf der Seastead eine kleine Anzahl an Nutztieren wie Hühner und Kühe zu halten. Das Problem ist, dass nicht nur die Haltung, sondern vor allem der Anbau von Futtermitteln viel Fläche beansprucht. Deshalb wäre der Import wahrscheinlich der bessere Weg.
In der Theorie hört sich das gar nicht so kompliziert an. Aber ist die Versorgung mit Essen ohne Import wirklich möglich? Realistisch gesehen ist es besonders auf einer eher kleineren Seastead, unwahrscheinlich, dass man sich zu 100 % selbst versorgen kann. Häufig fehlt es an Platz oder Kapital. Zudem wäre die Vielfalt von Lebensmitteln sehr beschränkt. Das Essen wäre also nicht sonderlich abwechslungsreich.
Jetzt stellt sich noch die Frage wie man mitten auf dem Meer an Süßwasser kommt, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Die einfachste Lösung wäre das Auffangen von Regenwasser. Es könnte aber auch mithilfe von Destillation und Umkehrosmose, Meerwasser zu Süßwasser umgewandelt werden. Zudem könnte Wasser mehrmals verwendet werden. Das Wasser, welches zum Duschen verwendet wurde, kann zum Beispiel für die Gartenarbeit wiederverwendet werden.
Bei der Energiegewinnung auf dem Wasser bieten sich besonders nachhaltige Methoden, wie Wind-, Wellen- oder Sonnenenergie an. Das Problem hierbei ist, dass es auf einem Seastead auch wolkige und windarme Tage geben könnte, an welchen keine Energie gewonnen werden kann. Deshalb ist es sinnvoll die überschüssige Energie zum Beispiel mithilfe von elektrochemischen Batterien zu speichern.
Um die Relevanz sowie die Entwicklung von Seasteads bewerten zu können, ist es durchaus sinnvoll, sich die rechtlichen Rahmenbedingungen anzuschauen. Was darf man wo tun und lassen? Ist die hohe See tatsächlich ein rechtsfreier Raum?
Rechtliche Grundlagen
Die Rechtsgrundlage, die für den Bau von künstlichen Inseln oder die Nutzung von bestehenden Strukturen, relevant ist, ist das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ). Es fasst alle auf das Meer bezogenen Regelungen zusammen. Das SRÜ teilt Gewässer bzw. Ozeane in unterschiedliche Rechtszonen ein. Diese definieren den Rechtstatus, sowie die Rechte und Befugnisse der Küstenstaaten. Je größer die Entfernung zum Küstenstaat, desto geringer ist die Hoheitsmacht des Küstenstaates. Im SRÜ werden insgesamt sechs Zonen festgelegt: Innere Gewässer, das Küstenmeer, die Anschlusszone, die Ausschließliche Wirtschaftszone, der Festlandsockel und die Hohe See.
Abbildung 4: Seerechtszonen des SRÜ
Würde man in inneren Gewässern wie bspw. im Hafen Kiel oder im Küstenmeer eines Staates eine Seastead bauen, so würde man sich im Staatsgebiet des jeweiligen Landes befinden. Das impliziert, dass der Staat volle Souveränität besitzt und man sich an nationale Gesetze halten muss. Weniger streng wird es in der Anschlusszone. Hier besitzt der Staat nur noch einzelne Kontrollrechte, wie bspw. Gesundheits- oder Zollvorschriften. Noch freier ist man in der Ausschließlichen Wirtschaftszone. Diese Fläche gehört nicht mehr zum Staatsgebiet, weshalb der Küstenstaat auch keine territorialen Ansprüche erheben darf. Allerdings bestimmt immernoch der Küstenstaat den Umfang der Nutzung dieser Zone (Art. 60 SRÜ). Würde man hier eine dauerhafte Bleibe errichten wollen, müsste man folglich eine Genehmigung einholen. Erst mit Erreichen der hohen See lässt man die Hoheitsrechte des Küstenstaats hinter sich (Art. 87 SRÜ). Dieser Staatengemeinschaftsraum steht Jedem zur Verfügung und wird als nahezu rechtfrei gesehen. Es gibt dennoch einzelne Regelungen im SRÜ, welche bspw. Piraterie oder Mord betreffen. Dazu kommt, dass auf Schiffen das jeweilige nationale Recht des Ursprungslandes gilt. Allerdings sind Kontrollen in den Weiten der Ozeane unmöglich. Sucht man einen Teil der Erde, um einen eigenen Staat mit neuen Strukturen aufzubauen, wird man, was die rechtlichen Grenzen angeht, keinen besseren Ort finden.
Nachdem die Gesetzesgrundlage geklärt ist, besteht noch die Frage nach der verfügbaren Fläche. Haben wir auf unserer Erde überhaupt genug Platz für diese Wohnform?
Verfügbare Fläche
Das kann man anhand eines einfachen Rechenbeispiel sehr gut erkennen. Zwei Drittel der Fläche unserer Ozeane sind Teile der hohen See. Das entspricht einer Fläche von ungefähr 240 Milliarden Quadratkilometer. Im Vergleich dazu, hat Deutschland gerade einmal eine Fläche von knapp 360.000 Quadratkilometer. Auf der hohen See hätte man also theoretisch Platz für 672 Deutschlands oder sogar 24 USAs.
Wie bei den meisten Projekten, gibt es auch bei Seasteads trotz der theoretischen Umsetzbarkeit einige Probleme und Herausforderungen.
Herausforderungen bei der Etablierung von Seasteads
Mit
„Recognition is not a game that is won once, and for all; there are losses and gains for each new set of players “ (Lattas 2009: 138)
will Lattas aussagen, dass es eine Schwierigkeit von Seasteads ist, von anderen Staaten und der internationalen Gemeinschaft anerkannt zu werden. Das wäre jedoch wichtig, da dies eine Voraussetzung für eine gute Beziehung zwischen Staaten und der Staat auf dem Wasser ist. Wenn das Verhältnis angespannt oder sogar schlecht ist, kann es möglicherweise dazu kommen, dass der friedlicher Austausch von Waren und Dienstleistungen nicht stattfinden kann. Somit können die Lebensstandards nicht mehr so sein, wie man es sich erhofft und wie es auf dem Land war.
Ein soziales Problem kann sein, dass je nach „Aufbau“ bzw. Ideologie des Seastead, diese nur für die Elite zugänglich ist, wie es auch vom Seasteading-Institute vorgesehen ist. Gründe dafür können die begrenzte Anzahl und die hohen Kosten sein, die solch eine Stadt auf dem Wasser mit sich bringen kann. Dadurch werden Menschen, die ihren Wohnort verlieren, trotzdem keinen Zugang zu dieser haben, was in einer Spaltung der Gesellschaft enden kann.
Auch Extremwetter, welche häufiger auf den Ozeanen bzw. Meeren entstehenden, können einem Seastead zum Verhängnis werden. Tsunamis, starke Wirbelstürme oder extremer Starkregen können die Konstruktionen beschädigen. Diese müssen somit entweder so konstruiert werden, dass sie solche Extremwetterlagen aushalten oder in einem Gebiet liegen, welches nicht anfällig für solche Wetterereignisse ist.
Nach all den Information zurück zu Ihnen! Sie haben jetzt sicher eine gute Vorstellung von Seasteads, der Motivation hinter diesen Projekten, der konkreten Umsetzung und auch den Problemen. Doch versuchen wir am Ende dieses Beitrags einmal weg von der individuellen Ebene zu kommen. Haben eskapistische Experimente bzw. Seasteads einen Mehrwert für unsere heutige Gesellschaft? Werden zukünftige Generationen basierend auf diesem Mehrwert Seasteads als reelle Lebensform betrachten?
Mehrwert für heutige Gesellschaften
Durch heutige Staatsformen befindet man sich als Bürger oft in einer eher passiven Rolle. Man schwimmt mit dem Strom mit und akzeptiert vieles, ohne es zu hinterfragen. Eskapistische Experimente können das Interesse an der Politik steigern und somit dazu führen, dass Dinge mehr hinterfragt werden. Zudem könnten sie und zu mehr Partizipation und Verantwortungsbewusstsein führen. Des Weiteren bieten eskapistische Experimente Anreize zu Innovationen. Besonders in Bezug auf die Lebensmittelversorgung sind auf Seasteads und Mikronationen eher nachhaltige Modelle vorhanden. Außerdem ermöglicht es abstrakte Ideen und Ansichten real auszuprobieren und deren Konsequenzen zu erleben. Dies könnte bei den Personen zu der Erkenntnis führen, dass Regeln und Gesetze wichtig sein können und auch ein gewisses Maß an Sicherheit bieten. Theoretisch wäre es sogar möglich Diskriminierung entgegenzuwirken. Da bei eskapistischen Experimenten Menschen auf einem neutralen Ort zusammenkommen, gibt es noch keine vorherrschende Kultur. Wenn man beispielsweise auf einer Seastead einen neuen Staat gründet, gibt es noch keine Historie, keine Normen und keine Kultur. Diese werden von den Bewohnern selbst geschaffen. Jeder könnte also seine eigene Kultur ausleben. Dies ist jedoch nur eine theoretische Idee. Ob die Praxis genauso aussehen würde, ist natürlich fraglich.
Vom Kleinen ins Große
Um die Thematik abzuschließen, muss eines beachtet werden. Ideen, Modellprojekte und bisherigen Experimente wurden für kleine Gruppen von Menschen konzipiert. Sobald man den Mehrwert und die zukünftige Relevanz für die gesamte Gesellschaft bewerten möchte, muss man diese kleinen Lösungen in Lösungen für alle umwandeln und erweitern. Erst dann können potentielle positive Effekte auf das große Ganze projiziert werden und konkret über die Relevanz nachgedacht werden.
Autorinnen: Sonja Mahler, Lena Scholz, Lara Miethig, Svenja Bürkle
Literaturverzeichnis
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Ranganathan, S. (2019): Seasteads, land-grabs and international law. Leiden Journal of International Law32, 2, 205–214.
Privatopias - Ein kritischer Blick auf Gesellschaft in privater Hand
Gleich und Gleich gesellt sich gern; dieses Sprichwort wird wohl den meisten Menschen geläufig sein. Doch was steckt dahinter?
Empirisch lässt sich beobachten, dass bei vielen Paaren, darunter auch Ehepaare, eine hohe Ähnlichkeit in Merkmalen wie zum Beispiel Alter, Herkunft, psychische Merkmale etc. bestehen, was darauf schließen lässt, dass das Sprichwort auch hier seine Anwendung findet.
Ebenfalls findet es sich in den menschlichen Grundbedürfnissen wieder, spezifisch in dem grundlegenden Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Veranschaulicht an einem Beispiel könnte dies so aussehen: Wenn das Bedürfnis nach Zugehörigkeit entsteht, spricht ein Mensch mit vielen anderen Menschen, auf der Suche nach positiver Resonanz zu einem gewissen Thema. Findet er Personen, die gleichgesinnt sind und ihm positive Rückmeldungen geben, setzt das Zugehörigkeitsgefühl ein und Serotonin, ein Glückshormon, wird ausgeschüttet. Dies führt dazu, dass man sich als Teil von etwas fühlt und glücklicher, sowie entspannter wird. Gleich und Gleich gesellt sich gern.
Würde dies also bedeuten, dass man in einer Gesellschaft, in der man nur auf Gleichgesinnte trifft, automatisch glücklicher ist? Würden diese Glücksgefühle, diese Entspannung, diese Ähnlichkeiten zu anderen Menschen andere Bedürfnisse wie z.B. nach Freiheit oder Selbstbestimmung unwichtig machen?
Daher stellt sich nun die Frage: Ist ein Leben in einer Umgebung, die vollständig auf eine Zielgruppe ausgerichtet ist, also das Leben in einer sogenannten Privatopia, wünschenswert? Wäre eine solche Zukunftsoption überhaupt realistisch? Könnte man dies vielleicht sogar auf eine viel größere Personengruppe anwenden, eventuell sogar Privatopias als gesellschaftliche Zukunftsoption ansehen?
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, müssen wir erstmal die Ausgangslage für solch eine Situation betrachten.
Problemanalyse und Entstehungsgedanke
Durch die Industrialisierung wuchsen die Städte unkontrolliert und die Preise schossen in die Höhe. Als Reaktion darauf hatte Briten Howard 1898 die Idee einer neuen Art von Stadt, der sogenannten Gartenstadt. Er hatte den Glauben an eine utopische Zukunft und wollte eine neue Zivilisation zum Dienste des Gemeinwesens. Für Howard war vor allem wichtig, dass die Gartenstadt nicht chaotisch ist, sondern dem Gemeinschaftswohl dient. Deshalb wollt er Raumplanung und eine politische sowie wirtschaftliche Organisation.
In den 40er Jahren wurde Levittown als Vorort von New York City durch Abraham Levitt und durch seine Firma Levitt and Sons errichtet. Levittown wurde für Heimkehrer aus dem zweiten Weltkrieg und deren Familien gebaut. Levittown sollten den American Dream erfüllen sowie Privatsphäre als auch Unabhängigkeit bieten. Levittown war quasi die Gegenleistung für ihren Dienst im Krieg.
Abbildung 1: Levittown
In Amerika entwickelte sich nebenher ein zunehmender Wunsch nach Privatisierung. Es wurden Gemeinschaften für Privatismus entwickelt, sogenannte „exklusive Quartiere“. Hier stand eher der Gedanke des Privatismus im Vordergrund, nicht das Gemeinschaftswohl, welches für Howard von großer Bedeutung war.
Nach der Wirtschaftskrise gab es dann einen Boom an geschlossenen Gemeinden mit dem gleichen Interesse und die Idee von Howard wurde wieder aufgenommen.
Aus der Mischung von der utopischen Gartenstadt und dem amerikanischen Wunsch nach Privatisierung entstanden dann 1994 die Privatopias durch Evan McKenzie.
Allgemein kann man sagen, dass Privatopias eine Reaktion auf das explosive Wachstum war, weil dies das Zusammengehörigkeitsgefühl gestört hat. Die Lösung war dann Privateigentum eines Konzerns mit eigenen Regeln.
Aus diesem Entstehungsgedanke erschließt sich also die Relevanz für die Privatopia. Aber auch in der heutigen Zeit beziehungsweise der heutigen Gesellschaft lassen sich Probleme erkennen, bei welchen eine Privatopia die geeignete Lösung darstellen könnte. Heutzutage kommt es immer häufiger zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Menschen. Gerade wenn man die aktuelle pandemische Lage anschaut, tauchen sehr starke Meinungsverschiedenheiten zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften Personen auf. Hier könnte man sich also überlegen, ob eine Privatopia für Geimpften beziehungsweise Nicht-Geimpften eine passende Lösung darstellen könnte, um dieser Art von Konflikten entgegenzuwirken. Die verschiedenen Meinungen der Menschen würden also nicht mehr aufeinandertreffen und die bisherigen Spannungen in den Gesellschaften wären beseitigt.
Diese Situation lässt sich auch auf andere Konflikte der Gesellschaft übertragen wie zum Beispiel den Klimaschutz.
Kennzeichen
Privatopias sind geprägt von strengen Regeln. Es gibt keine bis wenig demokratische Strukturen und die Bewohner sind auch sonst festgelegten Verhaltensregeln unterstellt. Beispielsweise muss der Rasen stets in einer bestimmten Länge gemäht sein, die Vorhänge an den Fenstern müssen weiß sein. Es gibt Vorschriften, die jegliche Umbauten an den Häusern verbieten. Wird man in so einer Stadt glücklich? Ist ein Leben dort langfristig überhaupt realistisch?
Menschen streben nach Freiheit, doch um ein Leben in solch einer Stadt zu führen, muss ein Teil seiner Freiheit aufgegeben werden und man muss sich den Regeln des Unternehmens, das die jeweilige Privatopia besitzt, hingeben. Viele der Bewohner merken vorerst überhaupt nicht, wie weit sie doch eigentlich in ihrem Handeln eingeschränkt sind und wie sehr ihnen alles vorgelebt und vorgegeben wird, da es oft nur kleine, unscheinbare Veränderungen zum vorherigen Leben sind. Viele werden sich wohl damit abfinden, dass die Vorhänge von nun an weiß bleiben oder dass es nur noch bestimmte Haustiere geben wird, doch andere werden merken, dass sie sich ihr Leben so nicht vorgestellt haben und sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen.
Jedoch wird einem dafür im Gegenzug Sicherheit, gleichgesinnte Menschen und auch Komfort geboten. Es wird darauf geachtet, dass die Menschen dort ein möglichst perfektes Leben haben und alles haben was sie benötigen, um sorglos zu leben. Man lebt in einer Stadt, die wie perfekt für einen geschaffen ist. Alle Mitbewohner haben die gleichen Interessen oder das gleiche Alter und man kann sich in vielen Aspekten mit ihnen identifizieren. Dadurch entsteht das Gemeinschaftsgefühl, das sich viele immer ersehnt haben und welches ihnen in ihrem alten Leben gefehlt hat. Es gibt keine Konflikte in der Nachbarschaft, viele haben die gleichen Hobbys und Ansichten. Doch hin und wieder kommt es natürlich vor, dass man seine Meinung zu etwas plötzlich ändert. Darf man das dann überhaupt? Wird man ausgegrenzt, weil man die Meinung der anderen nicht mehr vertreten kann? Womöglich muss man sich tagtäglich verstellen, um dazugehörig zu bleiben. Hier ist die Exklusion ein präsentes Thema. Wenn man die Meinung der anderen nicht mehr teilt, sei es auch nur zu einem winzigen Aspekt, kann es sein, dass man aus Gruppe ausgegrenzt wird. Und so schnell kann das Gemeinschaftsgefühl dann auch wieder weg sein und man darf nicht mehr am Leben der anderen teilhaben. Es sollte sich also wirklich gut überlegt werden, ob man für so ein Leben geschaffen ist oder ob man daran nur kaputt gehen wird. In eine Privatopia ziehen, ist nichts was man voreilig machen sollte. Man kann nicht nach einem Monat sagen, dass es nichts für einen ist und dass man wieder ausziehen möchte. Es ist also wirklich eine Entscheidung fürs Leben und diese Entscheidung ist sicher nicht für jeden leicht, denn man entscheidet sich aktiv dazu, seine Freiheit nicht mehr so ausleben zu können, wie es vorher möglich war. Das kann für viele US-Amerikaner jedoch ein Problem darstellen, da die uneingeschränkte Freiheit bei ihnen sehr wichtig ist und sie den American Dream als Ziel ihres Lebens ansehen, welcher vor allem Freiheit, Rechte und Demokratie beinhaltet. Die meisten Privatopias gibt es in den USA, was wie schon erwähnt, gegen die Ideologie der Amerikaner spricht. Daher ist auch fraglich, weshalb es die meisten Privatopias in den USA gibt, wenn diese doch in vielerlei Hinsichten gegen die Ideologie vieler Amerikaner spricht?
Abbildung 2: Privatopia Sun City
Zurück zur Fragestellung...
Um nun zu den vorher gestellten Fragen zurückzukehren, schauen wir uns nochmal die mit Privatopias verbundenen Fragestellungen an.
Versuchen wir als Erstes die Frage zu klären, ob Privatopias eine realistische Zukunftsoption sind. Um dies genauer zu betrachtet, hilft ein Blick in die Gesellschaft.
Eine steigende Unzufriedenheit in der Gesellschaft im Laufe der letzten Jahrzehnte ist an mehreren Stellen zu bemerken. Das wohl aktuellste Beispiel von Unzufriedenheit in der Gesellschaft bieten „Quer-Denker“. Oftmals wahrgenommen als „Verschwörungstheoretiker“, lässt sich sagen, dass sie grundlegend gegen den Umgang der Politik mit solch einer brisanten Lage wie der Corona-Pandemie sind. Zudem sind sie mit den Pandemie- Maßnahmen nicht einverstanden und vermutet dahinter manchmal die Absicht von bekannten Persönlichkeiten wie Bill Gates.
Des Weiteren ist auch die steigende Beliebtheit von extremen populistischen Parteien ein Abzeichen für Unzufriedenheit in der Gesellschaft. So stellte u.a. Heiko Giebler fest, dass soziale Unzufriedenheit in Deutschland in Verbindung gebracht werden kann mit der Nähe zur „Alternative für Deutschland“ (AfD). Auch beeinflusst die stärkere Präsenz von Gewalttaten in Deutschland aufgrund der Sozialen Medien das Sicherheitsbedürfnis der Menschen.
Da wäre eine alternative Zusammensetzung der Gesellschaft im Sinne der interessensorientierten Selbstsegregation nicht abwegig. Die Idee eines interessensbasierten Zusammenlebens würde natürlich von der Akzeptanz der Gesellschaft anhängen.
Allerdings ist der Schritt zu einer „Gesellschaft in privater Hand“ nicht so weit weg, wie man anfangs vermuten könnte. Die Privatisierung von verschiedenen Aspekten wie staatliche Sicherheit, Gesundheitswesen und Verkehrswesen sind nur ein paar Beispiele dafür, wie stark wir doch inzwischen schon von privaten Unternehmen anhängig sind.
Ist da der Schritt zu einer Gesellschaft in privater Hand so groß? Ist es noch in so ferner Zukunft, dass ein Unternehmen wie Telekom, Volkwagen oder BMW anfangen, ein Gelände so groß wie eine Stadt zu steuern? Möglich wäre es beispielweise, dass BWM anbietet, für Auto-Liebhaber eine Privatopia zu erbauen ausgelegt auf allerlei Aspekte, die das Herz eines Auto-Liebhabers höherschlagen lassen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, es könnte mehrere Auto-Werkstätte, eigene Rennstrecken und vieles mehr geben. Was mit den Deutschen Recht vereinbar ist, müsste in jeden Fall einzeln betrachtet werden. Sicher wäre schon mal, dass in dieser erdachten BMW-Privatopia kein Volkswagen zu finden wäre. Die Autos wären von BWL, weitere Produkte oder Regeln würden auch von der Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft festgelegt werden.
Wenn man die Gedanken ein bisschen in die Zukunft schweifen lässt, klingt unserem Empfinden nach „Privatopia als Zukunftsoption“ eindeutig realistisch.
Anders verhält es sich allerdings mit „wünschenswerte Zukunftsoption“.
Stellen Sie sich einmal vor: „Sie könnten in einer Gesellschaft leben, die genausten auf Sie ausgelegt ist. Sie haben die Nachbarn, die Sie wollen, Sie haben alles für Sie Notwendige in der engeren Umgebung und dafür müssen Sie nur ein Teil ihrer Freiheit aufgeben.“
Natürlich ist der Grad des Freiheitsverlust immer subjektiv. Wenn man Freiheiten verlieren, die man sowieso nie in Anspruch genommen hat, fällt der Abgabe dieser wahrscheinlich nicht so schwer. Aber eine Grundvoraussetzung von Privatopias ist die starke Regelung des Zusammenlebens durch eine private oder unternehmerische Organisation. Die Möglichkeit auf demokratische Entscheidungen alle Lebensaspekte betreffend, leidet unausweichlich durch die private Steuerung.
Zudem darf der Aspekt der Exklusion in Privatopias nicht vergessen werden. Durch die Exklusion und Exklusivität entsteht erst das Gemeinschaftsgefühl in Privatopias. Durch die gemeinsamen Eigenschaften wie beispielsweise Alter oder Hobbies, werden Personen ohne diese Eigenschaften ausgegrenzt. Sie sind einfach nicht willkommen.
Diese Exklusion steht allerdings im Gegensatz zu dem gesellschaftlichen Ziel der Inklusion. Die Inklusion wird stark gefördert und man versucht genau etwas gegen diese Exklusion zu tun. Wie kann dann eine wünschenswerte Zukunft so gestaltet sein, dass sie so extrem einem so wichtigen Ziel unserer heutigen Zeit widerspricht?
Unserer persönlichen Meinung kann dieser so schwierige Widerspruch auch nicht durch den Fakt aufgehoben wird, das es durchaus Erleichterung bringen kann, wenn einem Endscheidungen angenommen werden. Nicht umsonst kennt jeder das Sprichwort: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Es kommt vor, dass man mit einer zu großen Auswahl an Entscheidungsmöglichkeiten überfordert ist. Bei einem Überangebot an Entscheidungen, fallen wir häufiger lieber keine als die falsche Entscheidung zu treffen.
An diesem Dilemma setzen Privatopias an und nehmen einem etwas von diesem „Überangebot“ an Entscheidungen ab. Dabei können auch demokratische oder Entfaltungs-Entscheidungen betroffen sein.
Im Endeffekt muss jede Person, bei der Frage, ob ein Leben in einer Privatopia wünschenswert, selbst abwägen zwischen Freiheit und Komfort. Für die Autor*innen dieses Beitrags fiel die Entscheidung immer auf die Freiheit und gegen Privatopias als wünschenswerte Zukunftsoption.
Literaturverzeichnis:
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Giebler, H.; Hirsch, M.; Schürmann, B.; Veit, S. (2021): Discontent With What? Linking Self-Centered and Society-Centered Discontent to Populist Party Support. Political Studies, 69 (4), 900–920. https://doi.org/10.1177/0032321720932115.
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Autorinnen: Lena Lubini, Sofie Hepfner, Melina Dufner, Melissa Kopp
Erschaffung einer perfekten Stadt - Der Spiegel einer idealen Gemeinschaftsordnung
Eine Stadt, in der Gerechtigkeit herrscht. Eine Stadt, in der jeder nett und respektvoll miteinander umgeht. Eine Stadt, in der die Natur verblüffend akkurat und die Architektur wunderschön ist. Eine Stadt die perfekt ist. Klingt das nicht gut? Klingt das nicht nach einem friedvollen Leben und einer umso schöneren Zukunft?
Die Rede ist von Idealstädten, so wie die fiktive Kleinstadt „Seahaven“ eine ist. Eine idyllische, harmlose Stadt, in den Stilen der 1950er Jahre mit simuliertem Wetter, Sternenhimmel, Sonne und Mond. Hier wächst Truman auf, umgeben von Schauspielern und täglich beobachtet von über 5000 Kameras.
Ihr möchtet mehr erfahren? Dann schaut euch gerne den Trailer zum Film „Die Truman-Show“ an. Ein sehr interessanter Einblick in eine Idealstadt und den Gefahren, welche diese mit sich bringt.
Als Vorbild für die Stadt Seahaven diente die reale Idealstadt Celebration in Florida, welche wir uns in diesem Blogbeitrag anschauen werden. Bevor wir allerdings in die Welt von der scheinbar perfekten Stadt eintauchen, springen wir ganz an den Anfang zurück und untersuchen, woher die Sehnsucht nach einer idealisierten Gemeinschaftsordnung überhaupt kommt.
Die Sehnsucht nach einer idealisierten Gemeinschaftsordnung
In der Geschichte des Menschen gab und gibt es immer wieder das Phänomen, dass Menschen „Idealstädte“ erbauen, bzw. erbauen wollen, weshalb sich hier die Frage stellt, welche Umstände überhaupt dazu führen. Wie das Wort „Idealstadt“ bereits impliziert, sollen gewisse Aspekte einer Stadt, seien es das gemeinsame Zusammenleben der Menschen, architektonische Gegebenheiten oder andere, so umgesetzt werden, dass diese einem Ideal entsprechen. Natürlich ist ein „idealer Zustand“ immer aber auch eine subjektive Gegebenheit, was in diesem Fall bedeutet, dass Menschen unterschiedliche Vorstellungen von einer idealen Stadt haben und solche bspw. in ihrem Wohlfühlfaktor daher auch sehr unterschiedlich bewerten. Dennoch soll die konkrete Frage an dieser Stelle erst einmal sein, welche Faktoren nun ursächlich für diese Art von Sehnsucht sein könnten. Welche Gegebenheiten lösen innerhalb des Menschen die Sehnsucht nach einer Idealstadt aus? Unsere heutige Zeit ist von einem stetigen und ständigen Wandel geprägt, es gibt ständige technologische Fortschritte, die einerseits natürlich positive Veränderungen nach sich ziehen, andererseits aber auch einen erheblichen Stressfaktor darstellen können, und dann sind da aber auch noch ganz andere Dinge, die die Menschen stark negativ beeinflussen können. Zu diesen Dingen zählen unter anderem soziale Ungleichheit, unsere Umweltproblematik, Kriege und Gewalttaten… Natürlich ist die Liste hiermit nicht auch nur ansatzweise vollständig, was hervorhebt, von wie vielen ungelösten Problemen und Herausforderungen unsere Welt beherrscht wird. Hier wäre daher eine Annahme, dass sich manche Menschen so überwältigt von einer Form der Frustration fühlen, dass sie selbst anfangen nach Möglichkeiten und Lösungen zu suchen, um Dinge anders und besser zu machen. Eine Möglichkeit würde hierbei eben auch die Errichtung einer Idealstadt darstellen, innerhalb welcher man alles anders und besser machen möchte, wie zum Beispiel Menschen sozial gleichzuberechtigen und ihnen auf diese Weise Chancengleichheit gewährleisten zu können.
Abbildung 1: Soziale Ungleichheit
Soziale Ungleichheit stellt, wie bereits erwähnt, einen Faktor, der einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und ihre allgemeine Zufriedenheit, bzw. Unzufriedenheit haben kann. Menschen streben normalerweise danach, die gleichen Chancen wie ihre Mitmenschen haben zu können, also den gleichen Lebensbedingungen zu unterliegen und im gleichen Zug auch eine mangelnde soziale Durchlässigkeit idealerweise aufzulösen. Sind diese Dinge nicht gegeben, so fühlen sich sozial schlechter gestellte Menschen abgehängt, chancen- und aussichtslos. Dies führt nicht selten zu Unzufriedenheiten und einer Kritik innerhalb und an der Gesellschaft, was dann allerdings auch in dem Wunsch, dies ändern zu wollen, enden kann. Diese stets anhaltenden Herausforderungen - wird eine gelöst so kommt die nächste hinzu - versetzen die Welt in einen stetigen Wandel, gleichzeitig aber auch in eine gewisse Unordnung. Wie das Wort selbst bereits impliziert, ist Unordnung das Gegenteil zu Ordnung und Ordnung in der Regel etwas, das ein jeder anstrebt. Ein geordnetes Leben könnte für einige bspw. sein, dass sie gesund sind, einen sicheren Arbeitsplatz haben, über ein politisches Mitspracherecht verfügen, in Frieden und Freiheit leben, ihre Existenz gesichert ist und viele ähnliche Dinge. Sind solche Dinge allerdings nicht gegeben, dann kann bereits Unordnung herrschen. Folge davon ist, dass man versucht, Strategien und möglichst einfache Lösungen zu entwickeln, um diesem Zustand der Unordnung und dem möglicherweise damit einhergehenden Überforderungsgefühl zu entkommen. Man möchte Ordnung (wieder) herstellen. Erneut haben wir es aber auch hier mit einem stark subjektiv geprägten Begriff zu tun, weshalb es im Prinzip unmöglich ist, allgemeingültig zu definieren, wann man tatsächlich von einer vorherrschenden Unordnung im Leben und auf der Welt sprechen kann. Wie viel Unordnung und Wandel lässt also ein Mensch in seinem Leben zu, bis er sich daran derart stört, dass er sich dem Ganzen widersetzen möchte? Festhalten können wir daher erst einmal, dass sich Konzepte von Idealstädten dann herausbilden, wenn Menschen unzufrieden sind und sie das Bedürfnis haben, etwas ändern zu wollen. Dennoch ist Unordnung nicht per se etwas Schlechtes, ganz im Gegenteil, denn diese kann auch eine inspirierende Wirkung entfalten und uns dabei helfen, dass wir uns von bisher gelebten Konventionen befreien können. Manchmal braucht es vielleicht auch erst Unordnung, damit sich Dinge zum Besseren ändern können und es überhaupt Innovationen geben kann.
Einer dieser Menschen, die sich nicht nur gedanklich mit ihrer perfekten Stadt auseinandergesetzt haben, sondern ihre ganz eigene Vision des Stadtlebens und Zusammenlebens auch in der Praxis umgesetzt haben, war Walt Disney. Walt Disneys Idealstadt sollte eine romantisch inszenierte Wohnidylle werden, getreu dem Motto “Leben wie im Disney-Film".
Celebration
Celebration zählt zu den Showcase Towns und ist ein zu Statistikzwecken definiertes Siedlungsgebiet im US-Bundestaat Florida. Besonders an der Stadt ist, dass diese 1994 von der Walt Disney Company gegründet wurde und sich daher in der Nähe zum Walt Disney Resort befindet. Walt Disney’s Ziel war es, dass Celebration die „perfekte Kleinstadt“ verkörpert. Um dies zu erreichen, wurde die Stadt auf der architektonischen Grundlage des New Urbanism designt. Celebration ist also eine traumartige Gemeinschaft und somit eine Art Kreuzung zwischen verschiedenen Beispielen amerikanischer Hyperrealität: New Urbanism, das Einkaufszentrum, die Vorstadt und die Disney Corporation selbst. Das Streben eines Gemeinschaftsgefühls wird auch auf der Startseite von Celebration verdeutlicht mit den Worten:
„There‘s a reason Celebration is not a town, but a community in every positive sense of the word”.
Die Menschen verbringen nicht mehr nur ihre Ferien in einer unwirklichen Erscheinungsform wie Disneyland selbst, sondern sie leben in einer vermeintlichen Traumwelt. Es geht hierbei also um ein Versprechen eines Hyperrealen Lebens mit einer hyperrealen Gemeinschaft.
Um die typisch amerikanische Kleinstadt zu verkörpern, wird in Celebration viel Wert auf Details gelegt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: man sieht in Celebration ausschließlich pastellfarbene Bauten, historische Fassaden, Straßen mit Palmen und wird von angenehmer Musik, die aus versteckten Lautsprechern ertönt, auf den Straßen begleitet. Auch die Rückbesinnung auf die uramerikanischen Werte von Nachbarschaft und Gemeinschaft wird in Celebration verkörpert, da die Stadt keine Gated Community ist und es daher keine Grundstücksabgrenzungen durch Zäune gibt. Celebration präsentiert also eine neue Realisation des Hyperrealen. Die Menschen verbringen nicht mehr nur ihre Ferien in einer unwirklichen Erscheinungsform wie Disneyland selbst, sondern sie leben in einer vermeintlichen Traumwelt.
Abbildung 2: Einblicke in die Stadt Celebration (Eigene Bearbeitung)
Eine weitere Besonderheit in Celebration ist das mehrere 100 Seiten lange Regelbuch – das sogenannte „Community Charter“. Dort wird das gesamte Leben der Bewohner durch Regeln festgelegt. Das ist kein Scherz, die Bewohner werden vertraglich dazu verpflichtet, den teilweise sehr genauen Verhaltensregeln zuzustimmen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen, die Bewohner dürfen keine Umbauten an den Häusern vornehmen, dazu zählt auch das die Gardinen in den Fenstern weiß sein müssen. Es ist auch untersagt, den Garten nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Das bedeutet, dass der Rasen im Garten eine bestimmte Zentimeterlänge haben muss oder dass man nur bestimmte Pflanzen und auf keinen Fall Palmen im Garten anpflanzen darf. Celebration wirkt dadurch makellos und nahezu perfekt.
Was ist nun schief gelaufen in Celebration?
Würde man 10 verschiedene Menschen danach fragen, wie sie sich eine ideale Stadt vorstellen, so würde man vermutlich 10 völlig unterschiedliche Antworten bekommen. Die Menschen sind zwar schon immer von der Vorstellung einer idealen Gemeinschaft, bzw. idealen Stadt fasziniert, es ist jedoch fraglich, inwieweit sich dies tatsächlich umsetzen lässt. Das Problem besteht vor allem darin, dass eine große Differenz zwischen dem Wunsch seine eigene Individualität zu verwirklichen und den Zwängen der Gesellschaft besteht.
Abbildung 3: Die Minderheit von Individualiät
So werden auch in Celebration die Bewohner durch das Regelbuch stark in ihrer Individualität, Kreativität und Freiheit eingeschränkt. Außerdem kritisieren die Menschen die fehlenden demokratischen Strukturen. Der Disneykonzern reglementiert das Gemeinwesen, was dazu führt, dass es keine demokratisch gewählte Bürgervertretung in Form eines Bürgermeisters oder Stadtparlamentes gibt. Ein weiterer Punkt welcher kritisch zu betrachten ist, sind die Lehrmethoden an den Schulen. Die Klassen werden nicht nach Alter aufgeteilt, sondern sind gemischt, außerdem wird nach der „Ganzwortmethode“ lesen gelernt und es gibt eine schriftliche Bewertung anstelle von Noten. Die Häuser von Celebration scheinen nach außen hin zwar perfekt, jedoch gibt es Mängel an der Bausubstanz. Ein häufiges Problem, welches durch jene Baumängel entstehen kann, ist der Schimmelpilz, den vermutlich keiner gerne in seinem Zuhause haben möchte.
Abbildung 4: Der perfekte Schein trügt (Eigene Bearbeitung)
Besonders auffallend in Celebration ist, dass es keine soziale Vielfalt gibt, sondern die weiße Oberschicht dominiert. 91 % der Bewohner sind weiße Amerikaner aus höheren Einkommensschichten, daneben sind 11% Hispanos oder Latinos und Afroamerikaner sind nicht vetreten. Dies könnte auch an den unmenschlich hohen Preisen eines Hauses in Celebration liegen. Entschließt man sich ein Haus in dieser scheinbar perfekten Welt zu kaufen, muss man mit Preisen rechnen, welche dreifach so hoch sind wie normale Häuserpreise in Florida.
Eine Aussage von Leon Battista Alberti aus der frühen Neuzeit lautet:
„Das Ideal einer Stadt und ihre Aufgabe nach der Meinung der Philosophen können wir darin erblicke, dass hier die Einwohner ein friedliches, möglichst sorgloses und von Beunruhigung freies Leben führen“.
Wenn man von diesem Zitat ausgeht, sollte das Leben in einer Idealstadt nahezu perfekt, ohne Sorgen und Probleme sein. In Celebration scheint dies nicht der Fall zu sein, schon nach einem Jahr nach Errichtung der Stadt kam es zu Aufständen. Der Druck einem bestimmten Ideal zu entsprechen und sich anzupassen ist in der Stadt sehr hoch.
Checkliste – Die Top 5 Regeln für das Gelingen einer Idealstadt
Am Beispiel von Celebration haben wir gesehen, dass die Stadt wohl doch nicht so ideal ist, wie sie scheint. Damit ihr bessere Chancen, beim Entwerfen einer Idealstadt habt, hier fünf Regeln, die ihr unbedingt beachten solltet:
Die Menschen sollen ihre Individualität behalten dürfen. Es sollte keine Regeln geben, welche die Menschen zu gleich aussehenden Schöpfungen macht.
Es sollte ein Mitspracherecht für die Bewohner einer Idealstadt geben in Bereichen wie Politik und Bildung
Der Zugang zu einer Idealstadt sollte nicht nur für die weiße Oberschicht möglich sein, sondern auch für Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten und Ethnien
Es sollten Freiheiten ermöglicht werden
Man sollte einen Ansprechpartner bereitstellen, z.B. Bürgermeister
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Autorinnen: Sarah Hezel, Enisa Köycü, Laura Ruopp, Carina Wentzien
Nein, nicht vom Aussehen her. Sondern unser Verhalten gleicht dem vieler Ratten. Schon B.F. Skinner hat bei Experimenten mit Ratten zur operanten Konditionierung interessante assoziative Verhaltensweisen beobachten können, die heute auch auf das menschliche Verhalten in Bezug auf den Konsum übertragen werden können. Werbung nutzt dies unter anderem, indem sie sich an den Vorlieben und Gefühlen der Kunden bedient, um dabei positive Emotionen hervorzurufen.
Abbildung 1: Karikatur "Rat Race"
Wir sind gefangen in einem Kreislauf, der gesteuert wird von Arbeit, Geld und Bedürfnissen. Wir arbeiten und arbeiten, um Geld zu verdienen und unser Leben finanziell absichern zu können. Darüber hinaus aber auch, um sich mal größere Dinge zu „gönnen“ wie dem neuesten Smartphone auf dem Markt oder eine Kreuzfahrt quer über den Atlantik.
Konsum ist sehr breit gefächert und hat verschiedene Funktionen. Konsum dient der grundlegenden Befriedigung von Bedürfnissen und der Sicherung des Wachstums, was in der heutigen Industriegesellschaft von großer Bedeutung ist. Außerdem trägt Konsum durch den Erwerb, Besitz und die Nutzung von Gütern zur Identitätsgewinnung bei, wodurch ein gewisser Status und Sinn erlangt wird. Man möchte also durch Konsum auch Unzufriedenheit, Druck und Stress ausgleichen. Doch dass die Schwelle zum grundlegenden Glück mit jeder Konsumeinheit immer höher gesetzt wird, ist vielen Individuen unbekannt. Schon allein die Konsumausgaben für die Grundbedürfnisse sind seit 1991 bis 2018 linear angestiegen.
Hierbei treibt uns auch Werbung massiv an, indem sie Bedürfnisse erschafft, die vorher noch gar nicht existiert haben. Mittlerweile wächst der Entscheidungsbedarf bei dem modernen Menschen gesellschaftsweit durch die Individualisierung und es entstehen große Unsicherheiten durch eine zu große Auswahl.
Geschichte des Konsums
Auf gesellschaftlicher Ebene (= Makroebene) diente der Konsum ursprünglich bis ins 18. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung zur unmittelbaren Existenzsicherung durch v.a. selbst erzeugte Güter. Durch die dann einsetzende Industrialisierung wuchs die Kaufkraft des Einzelnen europaweit und es gab einen Trend hin zur Massenproduktion. Dadurch nahm das Warenangebot sehr stark zu.
Abbildung 3: Fabrikhalle im Jahre 1849
Ende der 1990er Jahre kam es durch die Möglichkeit des Online-Shoppings zur Globalisierung des Konsums, was auf institutioneller Ebene (= Mesoebene) zur Liberalisierung des Welthandels und des damit einhergehenden Wegfalls von Handelshemmnissen wie Zöllen und Einfuhrbeschränkungen führte. Dies erleichterte den internationalen Handeln enorm und führte gleichzeitig auch zu einem gesteigerten Absatz.
Durch die Einführung des Online-Handels wurde der Zugang zu Gütern und damit der Konsum enorm vereinfacht. Daraus resultieren allerdings oftmals Verschuldungen oder der Verlust des Gefühls, was man wirklich braucht oder was nicht.
Wertewandel und Konsum
Insgesamt kann man in diesem Kontext sowohl in der Gesellschaft als auch bei den einzelnen Individuen (= Mikroebene) einen Wertewandel konnotieren, welcher sich besonders in den gewandelten Einstellungen zum Konsum, hin zu einer positiven Definition, bemerkbar macht. Konsum wird vom Einzelnen mit Genuss und Selbstbestimmung in Verbindung gebracht, was durch den von der Individualisierung getriebenen Wandel von Präferenzen im Konsum und der steigenden Autonomie der persönlichen Lebensstile unterstützt wird. Der Fokus des aktuellen Trends liegt auf den negativen Folgen des Massenkonsums in den westlichen Industrieländern, indem man beim Kauf und Konsum die ökologischen und sozialen Kosten und Folgeprobleme mitbedenkt, um so seinen eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten.
Nachhaltigkeit in Unternehmen
Der zunehmende Fokus auf den ökologischen Fußabdruck schaffte auf der Mesoebene eine neue Wettbewerbskategorie. Der Aspekt der Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird von vielen Unternehmen als Marketingstrategie verwendet. Allerdings gibt es für Nachhaltigkeit keine genaue Definition, sodass es unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeitskriterien gibt. Das Engagement von Firmen für Nachhaltigkeit nennt man Green-Marketing oder Öko-Marketing. Hierbei geht es um die Vermarktung von Produkten auf Grundlage ihrer Umweltvorteile.
Nachhaltigkeit kann sich zum einen auf ökologische Aspekte beziehen, zum anderen aber auch auf soziale Aspekte, was oftmals in Vergessenheit gerät. Neben zahlreichen Umweltbelastungen wie Verschmutzung der Gewässer durch Müll (v.a. Plastik), Fischernetze und verschiedenste Chemikalien oder der Rodung von Regenwäldern zur intensiven Nutztierhaltung und Rohstoffnutzung, gibt es auch zahlreiche geopolitische Probleme. Oftmals werden die benötigten Rohstoffe in Entwicklungsländern gelagert, während der Verbrauch aber hauptsächlich in den Industrienationen stattfindet. Das schafft ein erhebliches Spannungspotenzial zwischen den armen und den reichen Ländern, da die Industriestaaten oftmals zu wenig für den Abbau von Rohstoffen zahlen und damit Korruption und Misswirtschaft in den Entwicklungsländern fördern.
Bio- und Fairtrade
Die wirtschaftliche Bedeutung der Ökobranche vervielfachte sich seit den 50er Jahren in jeder Hinsicht. Heute ist das Angebotsspektrum von Bioprodukten längst bis in das kleinste Detail ausgebaut und auch in dafür untypischen Branchen wie der Kosmetik etabliert. Aber was davon ist wirklich Bio, so wie ich es mir als Konsument vorstelle und kann ich mir das überhaupt leisten?
Abbildung 4: Bio Siegel
Erzeugung, Aufbereitung, Lagerung, Handel und der Import von biologischen Erzeugnissen unterliegen der Melde- und Kontrollpflicht. Das unten abgebildete Logo ist das deutsche, bundeseinheitliche Siegel, welches kostenlos und freiwillig zusätzlich zum EU-Siegel (oben) von zertifizierten Händlern und nicht-zertifizierten, stationären Einzelhändlern für Werbezwecke genutzt werden darf.
Konsumierende (die es sich leisten können,) legen zunehmend Wert auf biologisch angebaute Produkte, unter anderem mit der Intension die Pestizidbelastung zu reduzieren und bessere Tierhaltung zu unterstützen. Oder um mit vermeintlich besserem Gewissen einzukaufen. Bis Ende 2023 will die Bundesregierung laut dem Agrarkongress vom 18.01.22 sogar in der konventionellen Landwirtschaft die Ausbringung von Glyphosat verbieten. Aber inwiefern garantiert Bio auch wirklich mehr Tierwohl (im Vergleich zur konventionellen Nutztierhaltung), wie es sich der Konsument ausmalt? Eingriffe am Tier (bspw. Kupieren) und die präventive Gabe von Antibiotika sind zum Beispiel generell eingedämmt. Aber besagte Bestimmungen lassen auch Raum für so genannte „Ausnahmegenehmigungen“, die das Ganze wiederum völlig aus dem Kontext von artgerechter Tierhaltung Richtung konventioneller Haltung schießen. Ist “Bio” das wirklich wert, obwohl wir dem Begriff (Mehr-) Wert zuschreiben? Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Agrarflächen liegt in Deutschland bei 6,5% (2019). Nicht genug für den wachsenden Bedarf, den zum größten Teil nur die konventionelle Landwirtschaft stemmen kann! Weil es aber Bio-Bauern auf Grund der ökonomischen Umstände in Deutschland nicht einfach haben, werden mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert und dort hergestellt. Der dadurch entstehende Frachtweg ist sehr umweltbelastend. Damit ist der Gedanke der Umweltfreundlichkeit den man bei BIO im Hinterkopf hat, auch erledigt. Es sei denn, man kauft regionale und saisonale Produkte! Und was ist mit den Arbeitsbedingungen, die mit dem Kauf von zum Beispiel ägyptischen Kartoffeln oder spanischen Tomaten unterstützt werden?
Abbildung 5: Fairtrade Siegel
Bereits vor den Zeiten der Globalisierung verkörperte das Logo des fairen Handels neben der Förderung von Bio-Anbau in erster Linie soziale Aspekte. Weitere Vorteile der Kleinbauern sind unter anderem Gesundheitsschutz, Armutsreduktion, Förderung von Umweltschutz und biologischem Anbau und die Sicherung sozialer Standards.
Ob fairer Handel die Gesellschaft verändert, hat eine Studie (01/2017) erstmals versucht zu beantworten und bestätigte Folgendes. Es besteht auf nationaler Ebene noch viel Spielraum, um den Weg zur Förderung von mehr Gerechtigkeit im Welthandel, Achtung von Menschenrechten in der gesamten Lieferkette und einer nachhaltigen Entwicklung zu ebnen. Trotz bestehender Trends dazu, haben Verbraucher die sozialen Faktoren von Handel und Produktion nicht als erste Priorität etabliert. Infolge dieser und noch weiterer Entwicklungen nehmen konsumkritische bzw. konsumleichtere Lebensstile immer mehr zu mit der Tendenz, vom Massenkonsum wegzukommen.
Konsumkritik
Konsumkritik soll auf unsere Konsumgesellschaft hinweisen, die sich in vielen Bereichen negativ entwickelt und neue Probleme schafft. Man sollte sich fragen, wie perfekt eine Welt eigentlich ist, in der alles im Überfluss vorhanden ist. Hierbei wird auf den fiktiven und utopischen Ort des Schlaraffenlandes hingewiesen. Die Gesellschaft der Industrieländer tendiert zu einem Verlust des Überblicks, der Überproduktion und Verschwendung von Gütern (v.a. von Lebensmitteln) sowie auch psychischen Folgen (z.B. Kaufsucht). In diesem Kontext wird auch von Affluenza oder dem Fluch der Fülle gesprochen. Fülle wird hier als Last und nicht als Utopie gesehen, da nichts mehr Befriedigung und Lebensfreude schafft.
Abbildung 6: Das Schlaraffenland
Culture Jamming
Die beschriebene Entwicklung und die Dominanz der bestehenden Machtstrukturen der großen Konzerne versucht die gesellschaftskritische Bewegung „Culture Jamming“ zu untergraben. Es soll den vorhandenen Problemen damit entgegengewirkt und dafür gesorgt werden, dass die Kultur wieder von den Menschen geschaffen wird und nicht nur von den großen Konzernen. Hier finden mehrere Methoden Anwendung: u.a. die Methode der Anti-Werbung.
Die Anti-Werbung (= Subvertising) ist eine sehr marken- und gesellschaftskritische Methode, bei der Elemente aus der Werbung oder von Logos abgeändert werden, um so durch eine Neukontextualisierung von Werbebotschaften, eine subversive Botschaft gesellschaftsweit zu vermitteln.
Abbildung 7: Culture Jamming Beispiel "subvertising"
Neben der Hauptmethode der Anti-Werbung werden aber auch noch andere Methoden angewandt wie zum Beispiel die von der spanischen Aktionskünstlerin Yolanda Dominguez initiierte Performance „poses“, die Kritik an der Darstellung von Frauen in den Medien äußern soll. Hierbei nehmen Frauen die Posen von Models aus der Hochglanzpresse in der Öffentlichkeit ein und lösen diese aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus.
Kritik an der Kritik
Das größte Problem der Konsumkritik ist, dass der Hauptfokus auf den Einzelnen gelegt wird. Jeder Einzelne von uns sei selbst verantwortlich und könne bloß mit bewusstem Konsum Einfluss auf das Konsumproblem/ die Klimakrise nehmen. Außerdem wird die Klassenfrage von vielen Konsumkritikern komplett außer Acht gelassen. Bürger der benachteiligten Schichten haben gar nicht die Möglichkeit bewusst zu konsumieren, da es oft vom Einkommen der Konsument*innen abhängt, ob sie sich faire Produkte überhaupt leisten können. Ist es hier also die richtige Vorgehensweise allen ein schlechtes Gewissen zu machen? Schließlich verfügen die meisten Menschen auf diesem Planeten über keinen Spielraum, da sie bereits im Existenzminimum leben. Sie haben keine Ressourcen, um sich umweltfreundliche Produkte leisten zu können und sind abhängig von den Billigprodukten aus dem örtlichen Supermarkt. Vielleicht sollte sich die Konsumkritik also mehr auf die oberen Schichten konzentrieren, die wirklich den Spielraum haben, etwas an ihrem Konsum zu verändern. Denn die Annahme, dass wir alle im selben Boot sitzen würden, die von vielen Konsumkritikern genutzt wird, um allen Bürger*innen ein schlechtes Gewissen zu machen, stimmt nicht wirklich. Dass die Klimakrise eine Klassenfrage ist, lässt sich zum Teil damit belegen, dass rund 50 Prozent der Emissionen den reichsten 10% zugeschrieben werden. Ist es an dieser Stelle angebracht der gesamten Gesellschaft gleichermaßen einen Vorwurf oder schlechtes Gewissen auf Grund ihres Konsumverhaltens zu machen? Oder sollten sich die Konsumkritiker vielleicht mehr darauf konzentrieren die reicheren Menschen zu erreichen, die genügend Ressourcen und Freiheit haben, um etwas zu ändern? Außerdem scheinen die Konsumkritiker die Handlungsmacht des Einzelnen oft zu überschätzen. Der Apell der Konsumkritiker richtet sich meist nur an den Einzelnen und seine Handlungen und genau dort bleibt er oft stecken. Statt den Einzelnen also dazu zu bringen mehrere Einzelkämpfe auszufechten, benötigt es viel mehr politische Entscheidungen, wie zum Beispiel den ÖPNV und die Fahrradwege in der Stadt weiter auszubauen. Zwei positive Beispiele hierfür sind die zwei Städte Kopenhagen und Pontevedra, in denen eben der ÖPNV und die Fahrradwege weiter ausgebaut wurden.
Verzicht von Konsumgütern und Genussmitteln
Gedankenexperiment:
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen Zuhause, Sie gehen in sich und denken nach. Was sehen Sie? Wie nehmen Sie Ihr Zuhause wahr? Wie nehmen Sie Ihr Zuhause wahr?
Hier gibt es keine eindeutige Antwort, da jeder so individuell lebt und wohnt. Aber nehmen wir mal an, wir würden jetzt laut denken. Jeder hat doch seine Lieblingsecke im Haus, wo er sich am wohlsten fühlt. Natürlich gibt es nicht nur Orte in seinem Zuhause, die einen glücklich machen, sondern auch Gegenstände. Es kann alles Mögliche sein: Das neue Auto, die Küche, der Weinkeller, die Musikanlage oder eine Sammelleidenschaft von Klamotten, Schuhen oder Kunst.
Eine deutsche Frau gibt im Schnitt 528 Euro pro Jahr für Kleidung aus. Als erstes sehen Sie die Küche, das Wohnzimmer, die Garage oder den Garten. Wenn sie mehr darüber nachdenken, fällt Ihnen immer mehr auf. Zum Beispiel: die Zigaretten im Eingangsbereich, der Fernseher im Wohnzimmer, die Lebensmittel auf dem Küchentisch oder der Einkaufsplan am Kühlschrank. 2018 gab es 156 Fernseher pro 100 Haushalte in Deutschland. Das heißt, dass einige Haushalte mehr als einen Fernseher besaßen. Jetzt überlegen Sie mal wie viel Sie besitzen? Überlegen Sie kurz und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Früher hat man Anschaffungen nur getätigt, wenn das Geld vorhanden war und man etwas wirklich gebraucht hat. Heute schaffen wir uns Dinge an, die wir uns wünschen aber nicht unbedingt brauchen.
Der durchschnittliche Haushalt in Europa besitzt etwa 10.000 Objekte. Vor 100 Jahren besaß ein durchschnittlicher deutscher Haushalt in Deutschland circa 180 Gegenstände. Die Unterschiede könnten nicht größer sein. Durch die Industrialisierung und Weiterentwicklung der Märkte hat sich vieles verändert, so auch der Konsum. Und Veränderung ist etwas Gutes, sagt man zu mindestens. Hier ist die Frage: Hat er sich zum Guten verändert? Darüber lässt sich breit diskutieren. Denn jeder sieht sich selbst und auch seinen eigenen Konsum anders als Außenstehende. Hierzu gehört auch der Verzicht. Ihnen fällt es vielleicht nicht direkt auf, aber es fängt bereits bei Genussmitteln an. Dazu gehören Alkohol und Zigaretten, aber auch Lebensmittel. Verzicht bestimmt unseren Alltag, egal ob als bewusste Handlung oder nicht. Jeder hat schon mal auf etwas verzichtet.
Es gibt viele Bereiche, in denen wir verzichten können. Wir werden uns auf einen der größten Bereiche konzentrieren, nämlich die Ernährung. Ein nachhaltiger Lebensstil liegt im Trend, wird jedoch meist mit dem selbstlosen Verzicht auf bestimmte Konsumgüter und Verhaltensweisen gleichgesetzt. Die Verbrauchergruppe der Lohas, deren Name sich von "Lifestyle of Health and Sustainability" ableitet, will dagegen ökologisch und ethisch verantwortungsvoll konsumieren, ohne dass dabei Genuss und Wohlbefinden zu kurz kommen.
Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Vegetarier einordnen, lag im Jahr 2021 laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse bei 7,5 Millionen. Damit waren es eine Millionen Personen mehr als noch vor einem Jahr. Bei einer vegetarischen Ernährung bzw. Lebensweise wird typischerweise auf den Konsum von Fleisch sowie Fisch verzichtet. Neben dem Vegetarismus, der sich in weitere Ausprägungen unterteilen lässt, gibt es noch weitere Ernährungsweisen und -trends, die einen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel miteinschließen. Wie zum Beispiel der Veganismus, der sich dadurch definiert, dass auf tierische Produkte verzichtet wird, wozu ebenfalls Lebensmittel wie Milch, Käse, Eier, Honig und Gelatine zählen. Des Weiteren beeinflussen verschiedene Trends das Ernährungsverhalten wie zum Beispiel Superfood, regionale und Fair Trade-Produkte, sowie „Free Form“-Produkte, die frei von Laktose oder Gluten sind und Bio-Food. Zu guter Letzt überlegen Sie mal, auf was Sie bei der Ernährung verzichten. Ist es gewollt durch eine Diät oder Sport? Verzichten Sie unbewusst, weil die Kinder oder der Partner etwas nicht mögen? Oder verzichten Sie bewusst zum Beispiel auf Fleisch?
Das Ziel dieser kleinen Gedanken-Reise ist es, sich öfter zu fragen, ob man etwas braucht oder nicht, bevor man es kauft. Man sollte sich seines Konsums beziehungsweise seines Verzichts klar werden und bewusster wahrnehmen was man konsumiert. Wie meine Oma immer pflegte zu sagen: „Du bist was du isst“.
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Anthropozän - Der Mensch als Gärtner oder Parasit der Erde?
„Hört endlich auf, vom Holozän zu sprechen. Wir sind nicht mehr im Holozän. Wir sind im Anthropozän.“
Der niederländische Meteorologe und Atmosphärenchemiker Paul Josef Crutzen nahm im Jahr 2000 an einer Konferenz von Erdsystemwissenschaftlern in Mexiko teil. Während den Debatten war immer wieder vom Holozän die Rede. Crutzen läutete mit dem oben genannten Zitat ein neues, menschengemachtes Erdzeitalter ein, der Mensch ist zur Naturgewalt geworden.
Das Zeitalter Anthropozän ist geprägt durch den Menschen, der aufgrund seines Lebensstils und seines Konsumverhaltens die Erde immer weiter zerstört. Der Mensch hat einen enormen Einfluss auf den Planeten und gravierende Auswirkungen auf die Umwelt. Dies betrifft die Klimaerwärmung, das Plastik in Meeren, die Mülldeponien und die Waldrodungen für zum Beispiel Palmöl oder Sojaplantagen. Anthropozän verkörpert somit die ökologische Krise der Erde.
Wir müssen uns somit die Fragen stellen:
Liegt die Zukunft der Erde in der Verantwortung des Menschen?
Wird Anthropozän als Chance genutzt oder bedeutet es den Untergang der Erde?
Die Gaia-Hypothese, aufgestellt von dem Chemiker James Lovelock, betrachtet die Erde als einen großen Organismus. Als Indizien werden Eigenschaften der Erde genannt, die über große geologische Zeiträume konstant waren, wie die Temperatur der Erdoberfläche, die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre oder die Salinität der Meere. Daraus lässt sich schließen, dass Verbindungen zwischen lebendigen und leblosen Bestandteilen der Erde bestehen, die diese Parameter, durch Selbstregulierungsprozesse, in einem Gleichgewichtszustand halten. Die Gaia-Hypothese hat dazu beigetragen, dass die Erde als Ganzes und die Rückkopplungsmechanismen zwischen den verschiedenen Sphären betrachtet wird.
Die bisherigen Klimaänderungen führten zu Warm- oder Kaltzeiten und wurden durch natürliche Prozesse ausgelöst, wie der Änderung von Erdbahnparametern und von Sonneneinstrahlung.
Der heutige Klimawandel ist überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen - er ist anthropogen, vom Menschen gemacht.
Im Wesentlichen liegen die Ursachen in der Emission von Treibhausgasen aus der Verbrennung fossiler Energieträger, aus landwirtschaftlicher Praxis, Landnutzung und Urbarmachung sowie indirekt im Bevölkerungswachstum.
In Deutschland sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits zu spüren. Es wird immer häufiger von Wetterextremen, wie Hochwasser, Hitzewellen und Stürmen berichtet. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Hochwasserkatastrophe, welche Mitte Juli 2021 das Zuhause zahlreicher Menschen kostete. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren hiervon am stärksten betroffen. Vielerorts wurden die Infrastruktur und die Versorgungsstruktur vollständig unterbrochen und zerstört. Diese Umweltkatastrophe hatte 180 Todesopfer zur Folge. Klimaexperten warnen davor, dass in Zukunft solche Umweltkatastrophen auch in Deutschland keine Seltenheit mehr sein werden.
Der Mensch als Bewahrer der Erde
Abbildung 2: Der Mensch als Schützer oder Zerstörer der Erde
Wir leben auf einer Erde, die von unendlich vielen ineinandergreifenden ökologischen Prozessen geprägt ist und die eine ökologische Sinnhaftigkeit besitzt. Doch wer trägt die Verantwortung?
Zu dieser Frage gibt es die verschiedensten Ansichten.
Die Theologie geht davon aus, dass der Mensch als Teil eines großen Gesamtgefüges geschaffen wurde. Der Mensch trägt als Ebenbild Gottes die Verantwortung über die Erde und soll die „Schöpfung bewahren”.
Menschen, die vom anthropozentrischen Weltbild überzeugt sind, gehen davon aus, dass der Mensch sich selbst und sich als Spezies in den Mittelpunkt stellen sollte. Es folgt die Erkenntnis, dass die Erde als der einzige für uns bewohnbare Planet, geschützt werden muss und das Verantwortung in diesem Kontext eine bedeutende Rolle spielt. Die Menschheit muss die Erde und somit die Natur retten!
Jede Krise birgt eine Chance
Um den Klimawandel zu bekämpfen, muss in der Gesellschaft eine Transformation zu einem nachhaltigeren Lebensstil erfolgen.
Dies beinhaltet die Förderung von erneuerbaren Energien, den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, die Förderung ökologischer Landwirtschaft, die Aufforstung von Wäldern sowie den Einsatz biologisch abbaubarer Alternativen für Plastik. Auch der Verbrauch von knappen Ressourcen, wie zum Beispiel von Wasser, muss in Zukunft mit Bedacht erfolgen. Vorhandene Ressourcen müssen gerecht verteilt werden, um Knappheit in Entwicklungsländern zu vermeiden und Verschwendung in Industriestaaten zu verhindern.
Des Weiteren können auch technische Innovationen langfristig zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen. Es gibt bereits verschiedene Entwicklungen im Bereich des Geoengineerings, wie beispielsweise die Stimulierung des Planktonwachstums, durch die künstliche Erhöhung des Eisensulfatgehalts, in den Ozeanen. So können großflächige Algenblüten erzeugt werden, die Kohlenstoffdioxid aus der Luft absorbieren. Problematisch ist hierbei, dass dies einige Jahre an Forschung bedarf, um die Technologien flächendeckend einsetzten zu können.
Um den Klimawandel als Gefahr anzuerkennen muss jetzt in der Gesellschaft und in der Politik an einem Strang gezogen werden.
Eine langfristige globale Lösungsmöglichkeit stellt der Budget-Ansatz vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) dar. Hierbei gibt es ein weltweites Emissions-Budget für CO2. Dieses Budget wird auf alle Länder der Welt gerecht verteilt. Die Länder bekommen ein pro Kopf der Bevölkerung gleich großes Anrecht auf Emissionen. Hat ein Industrieland sein Budget aufgebraucht, kann dies von Entwicklungsländern zusätzliche Emissionsrechte kaufen. Dieses System soll zur Wirkung haben, dass Entwicklungsländer keine klimaschädliche Industrie aufbauen, denn es ist für sie lukrativer in erneuerbare Energien zu investieren und somit Teile ihres Emissionsbudgets an andere Länder verkaufen zu können.
Schlussendlich ist es wichtig zu erkennen, dass jede und jeder Einzelne einen Unterschied machen kann, sei es durch klimafreundliches Verhalten oder durch politische Beteiligung.
Aus der neuen Sozialenzyklika „Fratelli tutti - Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft" von Papst Franziskus (2020) geht hervor:
„Eine globale Tragödie wie die COVID-19-Pandemie hat für eine gewisse Zeit wirklich das Bewusstsein geweckt, eine weltweite Gemeinschaft in einem Boot zu sein, wo das Übel eines Insassen allen zum Schaden gereicht. Wir haben uns daran erinnert, dass keiner sich allein retten kann, dass man nur Hilfe erfährt, wo andere zugegen sind.“
Der Aspekt der Gemeinschaft in unserer heutigen Gesellschaft wird hierdurch verdeutlicht. Ausschlaggebend ist, dass die Gesellschaft von tatkräftigen Politikern geleitet wird, die als Erbauer mit großen Zielen und realistischem und pragmatischem Weitblick auch über ihr Land hinaus etwas bewirken können. Es ist ebenfalls die Verantwortung der Bürger*innen an diesen Prozessen mitzuwirken und Veränderungen einzuleiten. Wir dürfen deshalb nicht alles von denjenigen erwarten, die uns regieren (Wuthe, 2020).
Wir als Gemeinschaft sollten jetzt ins Handeln kommen, denn wir sind es, die einen bedeutsamen Einfluss auf den Verlauf der Erde haben. Durch sofortige Maßnahmen und gemeinschaftlichem Handeln kann Veränderung geschehen. Die Herausforderung beim Klimawandel besteht jedoch darin, solche Maßnahmen langfristig umzusetzen.
Wir tragen die Verantwortung. Jeder Einzelne.
Literaturverzeichnis
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Mars-Exit: Lässt sich die Gesellschaft auf der Erde durch einen “Resetknopf”zurücksetzen?
Mal angenommen...
Die Erde, sowie wir sie heute kennen, gibt es nicht mehr. Eine Kettenreaktion von apokalyptischen Szenarien überrollte die Menschheit. Der menschengemachte Klimawandel sorgte für große Dürre Perioden. Das Süßwasser-Vorkommen wurde knapp und 80% der Erde waren nicht mehr bewohnbar. Panik brach aus und es entbrannte ein nuklearer Krieg. Die einzige Chance, die Menschheit vor der Ausrottung zu bewahren, ist eine neue Heimat zu finden. Und das so schnell es geht.
Wir schreiben das Jahr 2150, das bemannte Raumschiff “Prometheus” befindet sich seit 4 Monaten mit 500 Menschen aus den verschiedensten Nationen und Gesellschaften dieser Welt auf einer langen Reise. Das Ziel? Die Mars-Basis “Patriam”, die letzte Zufluchtsmöglichkeit der Menschen. Ein Ort, der uns die Möglichkeit bieten, von vorne anzufangen. Unsere Gewohnheiten und Laster hinter uns zu lassen. Aber was bedeutet überhaupt ein Neuanfang? Ist das überhaupt möglich? Können wir einen neuen Planeten besiedeln und per “Resetknopf” eine neue Gesellschaftsform aufbauen, oder verfällt das Gewohnheitstier Mensch immer wieder in seine alten Muster zurück?
Abbildung 1: Raumschiff am Himmel
All das klingt nach einem weiteren Sciences-Fiction Film von Roland Emmerich, kann aber tatsächlich eines Tages Realität werden. Die Wissenschaftler der Stiftung “Global Challenges Foundation” untersuchten gemeinsam mit Forschern des “Future of Humanity Institute” der Oxford University potentielle Gefahren, welche die Menschheit vor dem Aussterben bedrohen. Dabei gibt es diverse Szenarien wie Klimawandel, Asteroiden-Einschlag, Künstliche Intelligenz oder Zusammenbrüche ganzer Staaten (Nuklearer Krieg), die den Menschen zwingen könnten, die Erde früher oder später aufgeben zu müssen. Wann und ob sie eintreten ist ungewiss, aber eins kann gesagt sein: Allerspätestens in 7,6 Milliarden Jahren dehnt sich unsere Sonne zu einem roten Riesen aus und lässt die Erde verdampfen. Daher sind wir wohl oder übel gezwungen, eines Tages unseren Heimatplaneten zu verlassen.
“Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.”
Albert Einstein
Elon Musk möchte bereits im Jahre 2040 die ersten Astronauten mit seiner Firma SpaceX auf den Mars für den ersten “Spaziergang” schicken, was den Anschein macht, als wäre der gewählte Zeitraum sehr realistisch und umsetzbar. All diese technischen Voraussetzungen werden seit Jahrzenten erforscht, entwickelt und erprobt. Dieser Fortschritt lässt sich ganz besonders am 25. Dezember gestarteten James-Webb-Weltraumteleskop erkennen. Aber was bei all diesem Erfindergeist für das Machbare untergeht, ist die Frage nach dem: Wie sollen wir da oben überhaupt gemeinsam zusammenleben?!
Prof. Dr. Markus Landgraf, Forschungsleiter bei der ESA, hat selbst auf diese Frage noch keine Antwort. Er meinte: “aktuell wird leider nicht an diesem Problem geforscht und gearbeitet.” Jedoch wird es dringlicher denn je. Denn wollen wir unsere Gewohnheiten dorthin mitnehmen und den Mars zu einer Erde 2.0 machen? Oder definieren wir unseren Heimatplanet neu und leben dieses Mal in Frieden, ressourcenschonend und bedacht zusammen.
Was sind “Exit-Strategien”?
Nehmen wir mal an, dass die Welt aufgrund von Katastrophen wie z.B.
(Atom-)Kriege, Politik, Überbevölkerung, Verschmutzung, Klimawandel oder durch andere Desaster nicht mehr bewohnbar ist und man eine neue Lösung oder eine Alternative sucht. Eine Lösung, die für die Menschheit einen neuen Ausblick gebietet. Eine neue Welt, in der es keinen Krieg, keine Klimakrise oder keine Katastrophen gibt. Genau in diesem Moment kommt der Begriff Exit-Strategie ins Spiel.
Der Ursprung des Begriffes Exit Strategie findet seinen Ursprung in den USA. Er wurde im Militärwesen genutzt und wurde verwendet um ungünstige Situationen, die in verschiedenen Anwendungsbereichen wie den Verlust von Menschenleben oder Materialverlust genutzt wurden. In diesem militärischen Kontext bedeutet Exit Strategie, dass man die Verluste minimiert, z.B. von Menschenleben und Ausrüstung.
Im Allgemeinen wird das Wort Exit als ein Ausgang, Notausgang oder Ausstieg aus einer bestimmten Lage, Situation oder einer Gesellschaft gemeint. Die Strategie beschreibt hingegen in welcher Art und Weise dies in Kraft treten soll. Somit ist eine Exit-Strategie ein geplanter Ausstieg aus bestimmten Zuständen, Lagen oder Situationen. Man versucht mit der Exit Strategie, die Verluste zu minimieren und die Gewinne zu maximieren.
Exit-Strategien lassen sich über verschiedene Ebenen skalieren. Zum einen gibt es Exit-Strategien, welche auf der Erde stattfinden:
Bunker
Sie werden immer häufiger gebaut und kommen bei Katastrophen zum Einsatz. Menschen suchen eine Exit-Strategie für das Überleben auf der Erde. Bunker wurden damals als Zufluchtsort im Falle eines Krieges gebaut, um sich schützen zu können. Hierbei stellt sich die Frage, ob der Bunker eine Exit Strategie ist, um sich effektiv vor Katastrophen zu schützen.
Unterwasserstädte
Sie werden immer mehr zu Trends. Manche Länder wie Japan wollen in der nahen Zukunft mehrere Unterwasserstädte bauen. Die Gründe dafür sind, dass eine Unterwasserstadt mehr Platz zur Verfügung stellt als auf der Erdoberfläche vorhanden ist. Eine neue Unterwasserwelt, die nicht von Klimakrisen betroffen ist, ist eine Alternative zum Katastrophenszenario Klimawandel.
Und zum anderen gibt es Strategien, welche sich mit einem Exit außerhalb unserer Erde befassen:
Mars
Auch werden andere Planeten, wie zum Beispiel der Mars, für eine Exit Strategie in Betracht gezogen. Auf dieser Ebene des Exits wird das Zurücklassen der Erde in Kauf genommen, um einen kompletten Neustart auf einem anderen Planeten zu versuchen. Es könnte ein neuer Lebensabschnitt für bestimmte Kleingruppen sein. Offen bleibt die Frage, für welche Teile der Bevölkerung ein Neuanfang auf dem Mars in Frage kommt.
Alle drei Exit Strategien Bunker, Unterwasserstadt und Mars sind für die allgemeine Bevölkerung nicht denkbar. Eine große Rolle nimmt hier auch die Finanzierung ein. Gerade auf der Ebene des Mars-Exits ist die Menschheit auf große Geld- und Ressourcengeber angewiesen. Daher sind die Exit Strategien vorerst für kleinere Gruppen, sogenannte “Eliten”, gedacht, um sie vorläufig testen zu können.
Bevor man sich mit der Neubildung der Gesellschaft auf dem Mars befassen kann, gilt es die Probleme, welche auf der Erde momentan vorherrschend sind zu identifizieren. Neben zahlreichen wirtschaftlichen und ökologischen Problemen, wie dem Klimawandel, gibt es auch einige gesellschaftliche Probleme. Um den Umfang dieses Themas einzugrenzen wird sich im Folgenden auf das Problem “Konflikte” fokussiert.
Abbildung 2: Mars Science Fiction
Grundproblem der Gesellschaft – Konflikte?
Was sind die Herausforderungen für die Neubildung einer Gesellschaft auf dem Mars? Angesichts der Probleme auf unserer Erde könnten Konflikte auch auf dem Mars eine tragende Rolle spielen. Wir alle erfahren in unserem alltäglichen Leben Konflikte. Wir streiten uns mit Geschwistern, Freunden, Kollegen oder Chefs. Oft, vielleicht sogar zu oft nur wegen Kleinigkeiten. Um auf eine Exit-Strategie, wie zum Beispiel den Mars-Exit, ausweichen zu müssen, sind viel weitgreifendere Konflikte nötig. So weitgreifend, dass sogar die ganze Erde mit all ihren Bewohnenden gefährdet ist.
Konflikte betreffen alle Teile der Welt und der Gesellschaft. Sie finden unter Individuen oder Gruppen und sogar ganzen Nationen statt. Wie vielfältig Konflikte in einer Gesellschaft sein können, wird von verschiedenen Ethnologen und Soziologen beschrieben. So bekräftigt beispielsweise der Ethnologe Günther Schlee die Rolle sowie die Verantwortung von Ethnie und Religionsgemeinschaft bei Konflikten. Demnach sind nicht nur Auseinandersetzungen um Ressourcen der Schwerpunkt bei der Entstehung von Konflikten.
Weshalb entstehen Konflikte? - In diesem Zuge untergliedert Ulrike Wasmuth Konflikte nach deren Orientierung. Unterschieden wird hierbei zwischen inhaltsorientierten, wertorientierten, interessenorientierten, machtorientierten und nicht-rational orientierten Konflikten. Inhaltsorientierte Konflikte thematisieren Kontroversen in konkreten Angelegenheiten, zum Beispiel zwischen Parteien um die politische Richtung. Wertorientierte Konflikte dagegen handeln darüber was sein sollte. Ein Beispiel hierfür wäre die Diskussion über die Zugehörigkeit zum “richtigen” Glauben. Hätte der Mars Platz für Religion? Bei machtorientierten Konflikten geht es um die Abklärung und Festlegung von Macht und Herrschaftsverhältnissen. Nicht-rational orientierte Konflikte basieren auf unbewussten psychischen Gefühlslagen. Wasmuth merkt hierbei jedoch auch an, dass die Grenzen der Konflikte oftmals nicht eindeutig voneinander getrennt werden können. In vielen Fällen beeinflussen sich die unterschiedlichen Konfliktorientierungen daher auch gegenseitig. Konflikte müssen nicht zwangsweise in Gewalt enden. Dennoch führen sie zu Meinungsverschiedenheiten und damit zur Spaltung der Gesellschaft. Und selbst wenn sich zwei Parteien ausgesprochen haben, so sind ihre inneren Ansichten und Meinungen in der Regel nicht geändert.
Angesichts dieser Konfliktfelder auf der Erde entstehen Fragen, wie diese Konflikte sich auf dem Mars, also der Erde 2.0, auswirken würden? Oftmals lassen sich Konflikte schon durch gegenseitiges “aus dem Weg gehen” lösen. Doch wie die Vergangenheit gezeigt hat, hat das auf unserer Erde schon nicht funktioniert, obwohl genug Platz dafür wäre. Wie würde das erst auf dem Mars aussehen? Wenn man die Raumstation nicht einfach so verlassen kann? Es stellt sich also die Frage, ob die Gesellschaft der Erde wie durch einen “Resetknopf” zurückgesetzt werden könnte, um die dort bestehenden Konflikte bei der Kolonialisierung auf dem Mars zu verhindern.
An dieser Stelle gilt es wieder zu dem Gedankenexperiment am Beginn dieses Vortrags zurückzukommen. Angenommen, die technischen Voraussetzungen sind geschaffen. Die Grundvoraussetzungen für Leben dort sind ebenfalls vorhanden. So gibt es dort flüssiges Wasser, Metallerze sowie andere lebenswichtige Mineralstoffe. Der Druck auf dem Mars ist im Vergleich zur Erde sehr niedrig und die Atmosphäre ist staubig sowie kohlenstoffdioxidreich. Die Annahme ist jedoch, dass es hierfür technische Lösungen gibt. Die einzigen Fragen, welche sich die Passagiere also stellen müssen, gelten den Anforderungen an die neue Gesellschaft. Was muss vorausgesetzt sein um eine konfliktfreie Gesellschaft zu bilden? Kann es diese überhaupt geben?
Abbildung 3: Verschmelzung von Mars und Erde
Neue Gesellschaft – Gibt es eine Lösung?
Im folgenden Abschnitt soll erläutert werden, wie eine Gesellschaft auf dem Mars gestaltet werden kann. Hierbei stellt sich die Frage, ob die auf der Erde bestehende Gesellschaft wie durch einen Resetknopf zurückgesetzt werden kann oder ob eine Mars Gesellschaft sich an den Werten und Normen der auf der Erde bestehenden Gesellschaft orientiert. In einer funktionierenden Gesellschaft gibt es gewisse Eckpfeiler, die auch für eine Marsgesellschaft unumgänglich wären. Zu diesen gehören die Menschenrechte als eine der größten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Hier steht jedoch zur Debatte, wie und ob es möglich ist diese auf dem Mars sicherzustellen. Freiwillige Kolonisten des Mars würden mit ihrer Reise auf grundlegende Rechte wie z.B die Wahl des Wohnsitzes, des Berufs und das Recht auf angemessene medizinische Behandlung verzichten. Demnach ist es entscheidend diese Rechte auf dem Mars wieder zu erlangen. Um eine angemessene medizinische Behandlung sicherzustellen ist es notwendig ein Gesundheitssystem aufzubauen. Hierbei stellt sich die Frage ob dies auf dem Mars möglich wäre oder ob jedes Individuum selbst für seine gesundheitliche Versorgung zuständig ist. Des Weiteren benötigt es wahrscheinlich mehrere Generationen, um verschiedene Berufsfelder aufzubauen. Die Gesellschaft auf dem Mars und die ersten Kolonisten könnte durch eine Selbstversorger Gesellschaft geprägt sein. Jedes Individuum müsste in diesem Falle die Versorgung mit Nahrung selbst gewährleisten.
Entscheidend für eine Gesellschaft ist auch die Fortpflanzung. Die Fortpflanzung ist essentiell für die Existenz einer Gesellschaft, für eine Kolonisation auf dem Mars jedoch strittig. Kinder die auf dem Mars geboren würden, hätten in keinem Falle das gleiche Maß an Auswahl in Bezug auf Bildung und Beruf wie Kinder auf der Erde zur Verfügung. Freiwillige Kolonisten hätten sich auf ein Leben in Isolation und Einschränkung vorbereitet und diesem Leben zugestimmt, die Kinder jedoch hätten keine Wahl.
Eine Gesellschaft kann ohne Gesetze und Regulierungen nicht in Frieden existieren. Eine Gesellschaft auf dem Mars könnte durch Ressourcenknappheit, der sozialen Isolation und Unsicherheit geprägt sein. Deshalb könnte politisch gesehen ein hierarchisches System zutreffend für eine Marsgesellschaft sein. Es ist notwendig, dass ein solches System von einer Behörde unterstützt wird, welche die Gesetze durchsetzt und die Wirksamkeit dieser sicherstellt. Außerdem benötigt es eine Verwaltung der Gesetze, um eine Weiterentwicklung dieser zu gewährleisten. Ein modernes Rechtssystem wie es derzeit auf der Erde existiert wäre auf dem Mars somit schwierig umzusetzen.
Um eine friedliche Gesellschaft und Kolonisation zu gewährleisten, muss die Frage der Souveränität geklärt werden. Der sogenannte “pragmatische Ansatz zur Souveränität auf dem Mars” würde es Nationen und Privatgesellschaften ermöglichen die Gerichtsbarkeit und exklusive Rechte über ein Teil vom Land auf dem Prinzip des Privateigentumsrechts basierend zu erwerben. Vorteilhaft hierbei ist, dass der Schutz des Gebiets hinsichtlich ökologischer, wissenschaftlicher und kultureller Aspekte sichergestellt würde. Diese Option für die Entwicklung der Gesellschaft auf dem Mars könnte eine diplomatische Beziehung zwischen einzelnen Kolonien in Übereinstimmung mit internationalen Verträgen zur Folge haben. Um Konflikte lösen zu können, könnte eine Verwaltung durch eine Kommission, Agentur oder einem Gericht mit Vertretern der einzelnen Kolonien gegründet werden. Eine weitere Lösung wäre ein Mars-Sekretariat, das sich ausschließlich der Verwaltung der diplomatischen Kommunikation und Konfliktlösung zwischen den einzelnen Interessensgemeinschaften widmet.
Abbildung 4: Mars-Spaziergang
Es ist also klar zu erkennen, dass Lösungen für eine Gesellschaft auf dem Mars stark auf bereits auf der Erde vorhandener Modelle basieren und aufbauen. Die Frage ob man die bestehende Gesellschaft auf der Erde durch einen “Resetknopf” zurücksetzen könnte kann nur bedingt beantwortet werden. Dies ist der Fall, da jedes Individuum auf dem Weg zum Mars seine eigenen Erfahrungen, Normen und Werte mit sich trägt. Um eine friedliche Gesellschaft zu gewährleisten, müssen Ansätze aus der auf der Erde bestehenden Gesellschaft benutzt und auf die Marsgesellschaft angepasst und weiterentwickelt werden. Daher wäre es auch denkbar, dass sich komplett neue Gesellschaftsformen bilden, von welchen wir heute noch keine Vorstellung haben. Ebenso wäre es realistisch, dass sich auf dem Mars eine “Erde 2.0” bildet, da die Menschheit oftmals in alte Muster verfällt und somit ihre Probleme mitnehmen könnte.
Wie diese Probleme gelöst und das Zusammenleben auf dem Mars gestaltet wird, ist abhängig von den 500 Passagieren auf dem Weg zum Mars. Die beschriebenen Lösungen wären dabei durchaus denkbar. Eine konfliktfreie Gesellschaft ist kaum möglich, viel mehr gilt es die Konflikte gemeinsam zu bewältigen.
Literaturverzeichnis
Treu, Johannes (2010) : Anmerkungen zur möglichen geldpolitischen ExitStrategie der EZB, Wirtschaftswissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 04/2010, Universität Greifswald, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Greifswald
Brunner, F., Drage, T., (2016). Nachhaltigkeit in der Stadt – von Herausforderungen, Partizipation und integrativen Konzepten, in: Zimmermann, F.M. (Ed.), Nachhaltigkeit Wofür? Von Chancen Und Herausforderungen Für Eine Nachhaltige Zukunft. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg, pp. 113–146.
Levchenko, I., Xu, S., Mazouffre, S., Keidar, M., Bazaka, K., (2019). Mars Colonization: Beyond Getting There. Global Challenges 3, 1800062.
Spenlen, K. (2019) ‘Religiöse Konflikte in multikulturellen Gesellschaft’, in Barz, H. and Spenlen, K. (eds) Islam und Bildung: Auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit. Wiesbaden: Springer Fachmedien, pp. 179–200.
Autoren: Nasrullah Arslan; Fabian Müller; Simon Knödler; Luc Gaubusseau
„Kein Krieg, keine Flucht, keine Umweltverschmutzung & Klimawandel, Frieden und Gesundheit, Gleichberechtigung“
„Bildung und Gesundheit für alle“
„Friedliches Miteinander, genug zu Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf zu haben, Gesundheit, genügend Geld, kein Macht Gehabe, keine Computer und Handys, für die neue Generation ein lebenswertes Leben zu sichern“.
All das waren Antworten, die wir bekamen, als wir verschiedene Personen, verschiedenen Alters gefragt haben, wie eine perfekte Welt für sie aussehen würde.
Was ist Glück?
Als die Frage: „Was macht dich glücklich?“, als Interviewfrage aufkam, stellte ich mir die Frage, was Glück eigentlich ist. Glück bezeichnet einen besonders günstigen Zufall oder auch die günstige Fügung des Schicksals. Es heißt aber auch, dass es sich als Zustand innerer Freunde, Befriedigung und Hochstimmung, also als angenehmes Gefühl bemerkbar macht. Des Weiteren wird Glück in Beziehung zu sinnerfülltem Handeln und Erleben gesetzt.
Abbildung 1: Bedeutung von Glück
Doch kann man Glück messen? – oft heißt es, das Glück sich nicht messen lasse. Diese Aussage widerspricht dem Glück im Sinne der Lebenszufriedenheit. Diese Art des Glücks befindet sich nämlich in unserem Kopf. Dahingehend kann man fragen, wie sehr den Menschen ihr eigenes Leben als Ganzes gefällt.
Was für mich noch wichtig zu klären war, ist die Frage, ob es kulturelle Unterschiede in der Empfindung von Glück gibt. Man kann sich nämlich schlecht vorstellen, das ärmere Menschen in Entwicklungsländern Glück gleich empfinden wie die Oberschicht in Industrieländern. Die Ergebnisse verblüfften mich allerdings. Menschen in hoch entwickelten Kulturen scheinen weniger glücklich zu sein als andere. Beispielsweise Deutschland und vor allem die USA scheint sehr unglücklich zu sein. Die glücklichsten Menschen finden sich in Bangladesch, Kolumbien, Costa Rica und Panama wieder. Alles Länder, die nicht wirklich hohen Lebensstandard genießen können. Nun stellt sich eine neue Frage in den Raum. Warum sind Menschen in den ärmeren Ländern glücklicher? Darauf lässt sich antworten, dass häufigere Glücksmomente das Anspruchsniveau hochtreiben. Zudem steigern sie die Erwartungen und die Wahrscheinlichkeit, sich bei nächster Gelegenheit unglücklich zu fühlen. Andererseits kommt es nicht zu einer endlosen Absenkung der Erwartungen durch dauerhafte Enttäuschungen. Hinsichtlich der „glücklichen“ Menschen der Entwicklungsländern, kann einfach davon ausgegangen werden, dass deren Maßstäbe ihnen einen zwanglosen Wechsel von glücklichen und unglücklichen Augenblicken ermöglichen.
Utopien
Abbildung 2: Utopie
Die ideale Gesellschaftsordnung, Friede, Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit, Gleichheit aller Menschen, genau das beschreibt eine Utopie. Harmonisches, paradiesisches, ja sorgloses Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft, scheint reine Zukunftsmusik. In verschiedenen Fachrichtungen wird von Utopien gesprochen, im Umgangssprachlichen wird es ebenso gebraucht. Meint hier aber oft nur etwas Unerreichbares. Aber Utopie meint mehr, meint das große Ganze, spricht die gesamte Gesellschaft an, will das ideale für alle.
Aber was ist überhaupt ideal? Das scheint die Frage zu sein, die über allem schwebt. Jeder hat einen anderen Blick auf die Realität, jeder hat einen anderen Fokus, etwas anderes, was am wichtigsten ist. Die Wahrnehmung der Realität ist subjektiv und veränderbar. Jeder Mensch sieht die aktuelle Welt auf eine andere Weise und stellt sich aus diesem Grund die perfekte Welt auch unterschiedlich vor.
Neben unseren Erfahrungen und Dispositionen prägt auch die Historie der Menschen die Wahrnehmung und die Vorstellung der perfekten Welt.
Schon seit Jahrhunderten scheinen sich die Menschen mit der Frage nach der idealen Gesellschaftsordnung zu beschäftigen. Schon 1516 wurde das Werk „Utopia“ von Thomas Morus veröffentlicht und begründete das literarische Genre der Utopie.
Aber auch in der heutigen Zeit wird die Vorstellung der Utopie als Vorlage für Filme verwendet, so beinhalten die Filme „Black Panter“ aus dem Jahr 2018 sowie „A World Beyond“ aus dem Jahr 2015 utopische Ansätze.
Dystopien
Abbildung 3: Dystopien
Wenn man dieses Bild auf sich wirken lässt, macht sich schnell ein düsteres und beherrschendes Gefühl in einem breit. Um diesem Bild einen Namen zu geben, nennen wir es mal Dystopie. Dystopien werden in unserer Gesellschaft als eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählungen betrachtet. Häufig herrscht darin ein unterdrückerisches Regime, eine mächtige Technologie oder eine Macht, die die Menschen kontrolliert.
Vier Merkmale machen deutlich das es sich um eine Dystopie handeln muss.
In vielen der Dystopien gibt es eine übermächtige Technik, die von der Menschheit erschaffen wurde. Dieser hohe technische Fortschritt gerät darauffolgend außer Kontrolle und ist nicht mehr von Vorteil, sondern zum Nachteil der Gesellschaft.
Dystopien verstecken sich zudem häufig hinter einer herrlich schönen Fassade. Hinter dieser Fassade verbirgt sich hingegen eine Gesellschaft, die in all ihren Rechten und ihrer Freiheit beschnitten wird.
Als weiteren Punkt, kann man die gespaltene Gesellschaft einer Dystopie aufführen. Meist gibt es keine Mittelschicht, sondern nur eine privilegierte und hoch technisch fortgeschrittene Oberschicht, bei der es zur Verschwendung von Rohstoffen kommt. In der Unterschicht jedoch, steht häufig nicht einmal ausreichend Wasser zur Verfügung und die Durchsetzung der Macht erfolgt durch militärische Gewalt.
Gerecht geht es in einer Dystopie nie zu. Kleine Gruppen bestimmen oftmals über den Rest der Menschheit. Hier gibt es keine Rechtsprechung, sondern die Macht wird mithilfe von Gewalt durch die Machtinhaber durchgesetzt.
Passende Filmbeispiele sollen eine Dystopie veranschaulichen. Hier finden sich die Filme „Blade Runner“ (1982), „Ghost in the Shell“ (1995), „Matrix“ (1999), „Cloud Atlas“ (2012), „Tribute von Panem“ (2012) und „Die Bestimmung“ (2014) wieder.
Abbildung 4: Die Bestimmung
„Die Bestimmung“ handelt davon, dass alle Sechzehnjährigen sich entscheiden müssen, welcher Fraktion sie für den Rest ihres Lebens beitreten. Durch einen Test soll geholfen werden sich für Fraktionen zu entscheiden, indem ihre Stärken analysiert werden. Bei der Hauptperson stellt sich heraus, dass sie eine Unbestimmte ist, also zu keiner Fraktion gehört. Während sie versucht zu verstehen was dies bedeutet und warum es so schlimm ist, eine Unbestimmte zu sein, entdeckt Beatrice Unruhen und wachsende Konflikte, die ihre scheinbar perfekte Gesellschaft bedrohen und gerät mitten in einen im Hintergrund geführten Krieg - und zwar als Zielscheibe.
Dystopische Filme schildern eine Gesellschaft, deren idealisierte Ziele zu einer unterdrückenden Gesellschaftsstruktur geführt haben. Dystopien beginnen oft mit edlen Absichten, die allmählich verfallen. Gemeinsame Merkmale dystopischer Romane sind ein Mangel an Freiheit, repressive Regierungen, begrenzte oder keine Wahl, korrupte Führer und ein futuristisches Umfeld. Oft stehen diese im Zusammenhang mit Freiheit und Menschenrechten. All die zuvor genannten Merkmale der Dystopien, findet man in den drei Bänden des Films „Die Bestimmung“ wieder.
Ideologien
Konstruierte Motivation und Verhalten des Einzelnen oder einer Gruppe, bzw. die eigenen Interessen als höchste Priorität, dann sprechen wir von Ideologien. Sie sind geprägt von Ideen, Werten und Überzeugungen.
Woran erkenne ich, dass es sich hierbei um eine Ideologie handelt? Erkennbare Merkmale einer Ideologie zeigen sich beispielsweise anhand einer gewissen Stabilität, der Vertretung von relevanten gesellschaftlichen Gruppen, den Handlungsappellen an bestimmte soziale Gruppen und grundlegenden sozialen oder politischen Veränderungen. Dabei wird zwischen Konkurrenz-, Rechtfertigungs-, Propaganda- und Verschleierungsideologie unterschieden.
Zur Veranschaulichung von Ideologien, hier noch ein paar Beispiele. Da wäre zum einen der Sozialismus, also die Ideologien, die zur Überwindung des Kapitalismus und der Befreiung der Arbeiterklasse aus Armut und Unterdrückung beigetragen haben. Dabei soll die Gesellschaftsordnung nach Gleichheit, Solidarität und Emanzipation streben. Des weiteren gäbe es den Nationalsozialismus, als negatives Beispiel. Dieser war durch eine antisemitische, rassistische, antikommunistische und antiliberale Ideologie geprägt, nach dem Motto: „du bist nichts, dein Volk ist alles.“ Und dann wäre da noch der Anarchismus, als eine Ideologie der Herrschaftslosigkeit. Diese Ideologie ist von Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung geprägt.
Unterscheidung realer und fiktionaler Utopien anhand von Beispielen
Bei realen Utopien ist das Ziel möglich, jedoch wird es meistens, wegen Unzugänglichkeiten, nie vollständig erreicht werden können.
Eine fiktionale Utopie dagegen ist von vorneherein ein konstruiertes nicht erreichbares Ziel, das auf dichterischen Gedanken beruht.
Literarische fiktionale Utopie
Utopia
Abbildung 5: Utopia
Religionsfreiheit, direkte Demokratie, Entscheidungsfreiheit darüber, was mit Straftätern passieren soll, kein persönlicher Besitz, Respekt vor älteren und ausnahmslos jeder muss arbeiten. So wird die ideale Gesellschaftsordnung von Thomas Morus in dem 1516 veröffentlichten Werk „Utopia“ beschrieben. Zwei Teile enthält das Werk: einen, in dem über den idealen Staat diskutiert wird und einen, in dem dieser ideale Staat, mit seiner idealen Gesellschaftsordnung beschrieben wird. Utopia, ein Inselstaat, beschrieben, vor mehreren Jahrhunderten, enthält Merkmale, die bis heute nicht erreicht wurden.
Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der das Bildungsniveau deutlich höher ist, die Lebenserwartung verdoppelt, Kindersterblichkeit, Armut und Analphabetismus wurden vermindert, die Impfrate steigt, die Verbrechensrate hingegen sinkt.
Trotzdem fliehen täglich mehrere Tausend Menschen vor Krieg, Unrecht und Hunger, materielle Güter sind alles andere als gerecht verteilt.
Atlantis
Abbildung 6: Atlantis
Atlantis war ein sogenannter Seefahrtsroman, der von Francis Bacon geschrieben und nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Dabei handelte es sich um eine Sage, eines utopischen Staates, der vom griechischen Philosoph Platon als Metapher verwendet wurde. Atlantis galt als große Streitmacht und hatte eine fortgeschrittene Technik, was zu diesem Zeitpunkt verwunderlich war. Der Sage nach war der Untergang von Atlantis die Bestrafung der Götter für die moralische Korruption und den Drang nach immer mehr Macht.
Reale Utopie
Humanismus
Die Welt ist geprägt durch Hunger, Krankheiten und Kriege. Das hat die Menschheit bereits als Bedrohung angesehen. Wir haben uns weiterentwickelt und sehnen uns nach einer Welt voller Gesundheit und einem längeren Leben. Das ist ein Punkt, weshalb die Menschheit sich spaltet. Den unteren Bevölkerungsschichten geht es schlecht, den oberen Schichten hingegen immer besser. Eine Vielzahl an Menschen ist bestimmt von Egoismus und ist nur darauf fokussiert sein eigenes Wohlergehen zu fördern, wobei dabei egal ist, wer darunter leidet. Es gibt vier Handlungsweisen, die dies unterstreichen:
- Blindes Setzen auf technische und biochemische Lösungen
- Stummes Sich fügen bis hin zu Teilnahmslosigkeit, Burn-Out und Depressionen,
- Zorniger Protest bis hin zu gewalttätigen Ausschreitungen, aber es gibt auch
- Geduldiges Engagement für eine humane Welt
Man muss sich einfach bewusstwerden, dass Humanismus auch eine Verbesserung der Lebensqualität für einen selbst bereithält.
Der erneuerte Humanismus ist angeknüpft an die allgemeinen Menschenrechte und macht deutlich, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.
Humanismus kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden: es gibt den liberalen Humanismus, welcher auf die Frage zielt, wie benachteiligten Menschen Gerechtigkeit widerfahren kann. Unterstützung ist dabei ein wichtiger Punkt. Man muss seine negativen Gefühle überwinden und seine positiven Gefühle stärken, denn nur so kann man glücklich mit sich und mit anderen werden.
Beim pragmatischen Realismus geht es darum nicht über die negativen Ereignisse nachzudenken und sich dadurch runterziehen zu lassen, sondern immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Dies ist nur bedingt möglich und zum Teil von anderen abhängig, weshalb dieser Kreislauf dazu dienen soll, aufeinander zuzugehen und sich gemeinsam für ein gutes Leben zu engagieren.
Der christliche Humanismus zielt auf die Nächstenliebe ab.
Der sozialistische Humanismus macht deutlich, dass die Menschen gegen böse Tendenzen ankämpfen sollen, die die humane Entwicklung gefährden. Dabei sind dauerhafte Selbstbestimmung sowie Partizipation notwendig.
Alle Menschen sollen möglichst dazu aufgefordert werden sich an dieser utopischen Vorstellung zu beteiligen. Aber nicht nur die Menschen, sondern auch vom Staat wird Hilfe abverlangt. Jedes Lebewesen soll seine Fähigkeiten voll ausleben und diese zur positiven Bewegung verwenden. Es geht nicht darum, dass man sich die Welt untertan macht, sondern darum, dass man die Potenziale dieser entfaltet und über sich selber hinauswächst.
Weiterführende Gedanken
Wunschdenken
Abbildung 7: Wunschdenken
Haben wir uns nicht alle schon mal Dinge vorgestellt, die etwas realitätsfern sind? Die perfekte Welt zum Beispiel? Frieden? Gesundheit für alle? Im Lotto gewinnen? Das alles könnte Realität sein, ist es aber nicht, kann es jedoch werden.
Wunschdenken. So werden diese Dinge häufig bezeichnet. Hierbei geht es darum, Überzeugungen auf Basis dessen zu kreieren, was wir als erstrebenswert und angenehm empfinden. Das heißt, man interpretiert hier echte Fakten so, dass sie dem Gewünschten entsprechen. Anders wäre das bei der Selbsttäuschung, hier glaubt man etwas, obwohl man Beweise gegen das Geglaubte hat. Man glaubt also bewusst etwas Falsches.
Man kreiert sich die umgebene Welt so, dass sie den eigenen Wünschen, Begierden, Vorlieben und Zielen entspricht.
Kommen wir auf das Lotto spielen zurück, hieran lässt sich gut verdeutlichen, wie Wunschdenken funktioniert. Jemand der Lotto spielt hat den Wunsch, beziehungsweise das Ziel, zu gewinnen. Logisch. Er hält also an seinem Ziel fest und das, obwohl er weiß, dass die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen nur sehr gering ist, nahezu gegen Null geht. Aber er weiß, dass es passieren könnte, es ist also nicht falsch daran zu glauben, deshalb hält er daran fest und redet sich ein, dass es Realität werden kann.
Fakten hingegen, die gegen den Gewinn sprechen, werden vollkommen ausgeblendet.
Utopien also als Wunschdenken zu bezeichnen, meint keinesfalls, dass diese unerreichbar sind. Sie sind nur eben jetzt gerade nicht vorhanden. Kein Beweis spricht dafür, dass sie niemals existieren werden. Utopien verdeutlichen hingegen den Wunsch, bzw. die Ziele der Gesellschaft. Und sind wir mal ehrlich, braucht man nicht dieses Ziel vor Augen, um sich weiterzuentwickeln.
Wunschdenken kann also keinesfalls nur negativ beleuchtet werden.
Eigenverantwortung am Beispiel Gesundheit
Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen. Jedoch ist es nicht immer einfach an diese heranzukommen. Laut der World Health Organisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Dieser Zustand ist jedoch kaum oder sogar gar nicht zu erreichen, weswegen Gesundheit auch als Utopie angesehen werden kann. 2017 hatten lediglich 2,5 bis 3,7 Milliarden Menschen, also ungefähr nur die Hälfte der Weltbevölkerung, Zugang zur grundlegenden Gesundheitsversorgung. In Ländern mit wenig Einkommen sind es nur 12-17% mit diesem Zugang. Besonders für benachteiligte Gruppen stellt es sich als schwierig heraus, da diese oftmals nicht über das notwendige Wissen oder die notwendigen Ressourcen verfügen. Die Gesundheitspolitik zielt darauf hinaus, dass der Mensch für seine Gesundheit Eigenverantwortung übernimmt, jedoch ist klar, dass die soziale Lage der Menschen eine große Rolle spielt. Diese Menschen haben öfter mit Erkrankungen zu kämpfen und haben es andererseits schwerer Lösungen zu finden.
Besonders zu Corona Zeiten zeigt sich, dass Gesundheit ein hohes Gut ist und nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Die ganzheitliche Gesundheit zu erhalten oder gar zu bekommen ist in der Corona-Krise sehr schwer zu bewältigen. Körperliche Folgen wie Kurzatmigkeit, bis hin zur künstlichen Beatmung, oder auch psychische Folgen durch Isolation oder die Quarantäne haben enorme Auswirkungen auf die Gesundheit. Jedoch ist das Individuum dem nahezu ausgesetzt.
Jeder möchte über Gesundheit und Verantwortung verfügen. Viele Aufgaben werden mittlerweile vom Staat auf das Individuum und die Gesellschaft übertragen. Dieser konzentriert sich darauf die eigenverantwortliche Lebensgestaltung zu fördern und zu fordern. Die Tatsache, dass aber die Gesundheit von der sozialen Lage abhängt und die Fähigkeiten ungerecht verteilt sind, wird oftmals außer Acht gelassen. Sätze, die bestimmt jeder schon einmal gehört hat, sind zum Beispiel: Hättest du dich doch mehr bewegt, dich gesünder ernährt, an einem besseren Arbeitsplatz gearbeitet oder an einem anderen Ort gewohnt usw., dann wärst du nicht krank geworden. Das sind die Regeln für die Gesundheit, aber inwieweit unterstützt der Staat einen dabei diese Ziele zu erreichen? Als Voraussetzung ist das Wissen über Gesundheitsverhalten gesetzt. Wer also dieses Wissen nicht besitzt, dem werden zum Teil Gesundheitsleistungen verwehrt. Dies bedeutet im Großen und Ganzen, dass die, die bereits gesund sind, das Recht auf weitere Leistungen haben. Da diese über das Know How verfügen, benötigen sie es eigentlich weniger.
Die Verantwortung und das richtige Handeln werden dadurch befähigt, dass falsches Handeln bestraft wird. Anstatt diese Pflichten auf den Menschen zu übertragen, sollte der Staat mehr in Präventionen und Aufklärung investieren. Dabei muss darauf geachtet werden, dass mehr Menschen erreicht werden, die es auch benötigen. Momentan werden nämlich 8€ pro Kopf für Prävention angewendet, was nicht viel ist.
In einer Welt voller Digitalisierung, in der der Mensch zur Unterhaltung nicht mehr nach draußen gehen muss und in der Fast Food schneller und bequemer ist, als sich eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten, werden die perfekten Voraussetzungen für ein ungesundes Leben gesetzt. Trotzdem zieht die Politik das Individuum zur Verantwortung und ignoriert dabei, dass der individuelle Spielraum für Veränderung nur begrenzt ist.
Dass Übergewicht und Rauchen schädlich sind, wissen wir alle, aber dass übermäßiges Arbeiten ebenfalls einen schädlichen Einfluss haben kann, geht oftmals unter. Oft werden nicht in allen Bereichen Aufklärung und Maßnahmen geleistet.
Somit lässt sich schlussfolgern, dass das Individuum oder die Gesellschaft allein nicht vollkommen eigenverantwortlich handeln kann. Es bedarf einer größeren Unterstützung vom Staat, die die Menschen aufklärt, möglicherweise auch die Richtung vorgibt und an manchen Stellen auch Verbote einführt (wie Beispielsweise das Rauchen im Auto, wenn Kinder dabei sind), um die Eigenverantwortung der Menschen stärken zu können.
Umsetzung
Das ewige Leben: Utopie oder Dystopie?
Stellen wir uns eine Welt vor, in der die Menschheit den Tod überwindet, eine Gesellschaft, in der jedes Individuum unsterblich ist und keine gesundheitlichen Ungleichheiten herrschen. Wir ewig Zeit mit unseren Liebsten verbringen können und jeden Moment unendlich erleben dürfen. Verbinden wir diese Gedankenvorstellung mit etwas positivem oder negativem? Ist dieser Gesellschaftsentwurf in nahbarer Zukunft umsetzbar oder wird dieser für immer eine Utopie bleiben?
Um diese Frage beantworten zu können ist es wichtig zunächst einen Blick in die Vergangenheit und Gegenwart zu werfen. In der Vergangenheit hat sich die Lebenserwartung innerhalb der letzten Jahrhunderte deutlich erhöht, vor allem durch die Verringerung der Sterblichkeit, durch verbesserte Hygienekonzepte und Versorgungssysteme im Laufe der letzten Jahrhunderte. Zudem die größere Ernährungssicherheit vor allem in Mitteleuropa und der Rückgang von Kriegen und allgemeiner Gewalt.
Zunächst eine positive Entwicklung, dennoch hat die steigende Lebenserwartung zu einem demografischen Wandel geführt. Die Zahl der pflegebedürftigen Bevölkerung und Demenzkranken steigt stetig. Man geht im Jahr 2050 von bis zu 3 Millionen Demenzerkrankten aus, die Wahrscheinlichkeit an einer neurodegenerativen Erkrankung vor seinem Tod zu erkranken steigt. Bereits heutzutage wird jeder neunte Euro innerhalb des Gesundheitssystem ausgegeben, die steigende Morbidität verstärkt sowohl individuelle, familiäre als auch gesellschaftliche Finanzierungen. Dennoch gehen wir in unserer Utopie davon aus, dass jeder Mensch frei von Krankheiten ist und ein ewiges Leben vor sich hat.
Möglichkeiten der Umsetzung
Bereits heutzutage gibt es Möglichkeiten die Fähigkeiten eines Menschen zu verbessern und Lebensverlängernde beziehungsweise erhaltende Maßnahmen durchzuführen.
Die alleinige Einnahme von Medikamenten, wie Antibiotika bei bakteriellen Infektionen ist bereits eine Verhinderung der natürlichen Selektion. Eine weitere Möglichkeit ist der Transhumanismus, dieser Begriff beschreibt die Verbesserung menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften mithilfe von medizintechnischen Eingriffen, Prothesen oder Implantaten. Ziel dabei ist es die Kraft und Ausdauer eines Individuums zu stärken bis hin zur Verlängerung des Lebens oder gar Überwindung von Tod. Der Mensch wird zu einer Mensch-Technik Maschine, auch bekannt unter der Bezeichnung Cyborg. Die Transhuman-Utopie konzentriert sich auf die Selbstoptimierung einer Gesellschaft. Eine weitere Möglichkeit welches ein Geschäftsmodell von Firmen wie ALCOR ist, ist die Kryokonservierung. Dabei werden einzelne Organe, Zellen im flüssigen Stickstoff eingefroren und bleiben somit auf unbestimmte Zeit erhalten. Schon heute benutzen einige Frauen diese Technologie, um ihre Eizellen einzufrieren, um sie anschließend zu einem späteren Zeitpunkt wieder befruchtet einzusetzen. Eine weitere Möglichkeit ist CRISPR. Dieses medizinische Phänomen ist aus medizinischer Sicht, ein Konstrukt aus gRNA und CAS-Protein, welches mithilfe einer Genschere die DNA eines Menschen an gewünschter Stelle durchtrennt. Hier können nun Gene eingefügt, ausgeschaltet oder reguliert werden. Forscher beschäftigen sich heutzutage schon mit der Frage, ob dieser Eingriff in Zukunft Autoimmunerkrankungen heilen kann.
Folgen der Unsterblichkeit
Bereits heutzutage haben wir einen fortschreitenden Anstieg klimawirksamer Gase durch menschliche Aktivitäten und die zunehmende Unwahrscheinlichkeit das 2 Grad Ziel der Erderwärmung zu erreichen, damit unser Planet so wie wir ihn kennen bewohnbar bleibt. Die Weltbevölkerung wird bereits im Jahr 2050 auf 10 Milliarden geschätzt. Ein deutscher Einwohner produziert durchschnittlich 7,9 Tonnen Co2 pro Jahr, weltweit liegt der Wert im Schnitt bei 4,8 Tonnen. Um unseren Planeten weiterhin bewohnbar zu erhalten, müsste jeder Mensch sein Co2 Fußabdruck reduzieren und auf vieles im Leben verzichten, beispielsweise der Flug in den nächsten Sommerurlaub. Schon jetzt ist klar, dass dieses Leben in Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht so aussehen wird, wie wir es bisher kennen. Bereits die nachfolgenden Generationen müssen aufgrund unserer gegenwärtigen Verschmutzung um ihre Zukunft fürchten.
Als nächster Schritt müsste ein Rückgang der Reproduktion eingefordert werden. Wenn immer mehr Menschen dauerhaft auf der Erde bleiben und zudem immer mehr Menschen weiterhin geboren werden, reichen die Ressourcen bald nicht mehr aus. Einige Ressourcen sind gegenwärtig schon sehr knapp. Es müssten Regelungen zu Geburten eingeführt werden. Eine Familie darf nur eine bestimmte Anzahl an Kindern haben, bis hin zum Verbot für Kinder. Dieses beinahe unmenschliche Szenario war bereits in China Realität, wurde dennoch im Oktober 2015 wieder verworfen.
Eine weitere Folgen wäre der immer größer werdende Platzmangel. Wohnen wäre nur noch in gemischten Gemeinschaften möglich und das klassische Einfamilienhaus würde nicht mehr existieren. Somit müssten die Menschen systematisch in Wohnungseinrichtungen eingeteilt werden, um eine faire Aufteilung zu ermöglichen.
Als letztes drohen Hungersnöte. Es würde zwar ein exponentielles Wachstum der Menschheit geben, dennoch wächst die Erdoberfläche nicht und somit auch nicht die Anbauflächen für Nahrungsmittel. Schlussendlich bräuchten die Menschen ein Verbrauchskonto, indem ein fester Wert bestimmt wird, wie viel Co2 jemand verbraucht und wie viele Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser man maximal in Anspruch nehmen darf. Diese Folgen verdeutlichen schnell, dass diese Gesellschaftsformung eher eine Dystopie auslösen würde, als eine ursprünglich gedachte Utopie.
In einer Utopie sind Elemente wie Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit beschrieben. Wie bereits oben erwähnt wäre eine Welt der Unsterblichen alles andere als Nachhaltig und in Zukunft auch nicht Gerecht der nachfolgenden Generationen gegenüber. Somit kann die Unsterblichkeit bei genauerer Betrachtung wohl kaum als gesellschaftliches Ziel eingestuft werden. Das Leben wäre zwar unendlich, dennoch nicht so wie wir es uns vorstellen bzw. wie wir es jetzt kennen. Die Menschen würden schnell die knappen Ressourcen aufbrauchen, ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen zu nehmen, was bereits heute schon zu sehen ist. Die Vorstellung der Unsterblichkeit ist somit nicht mit einer Utopie vereinbar, es wäre unmöglich alle Ressourcen aufzuteilen. Der Mensch strebt nach immer mehr, wenn er unsterblich ist, möchte er das Beste daraus machen und wird nicht damit anfangen auf bestimmte Sachen zu verzichten, der Mensch ist so gesehen ein Egoist.
Der Gedanke unendlich viele Erfahrungen zu sammeln und sie auf ewig wiederholen zu können, macht für viele Individuen ein ewiges Leben wünschenswert. Dabei sollten wir uns die Frage stellen, ob nicht gerade die Einmaligkeit mancher Erlebnisse bzw. Erfahrungen das Leben so wertvoll und kostbar für uns machen.
Literaturverzeichnis
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Veröffentlich von: Lisso, J.; Renner, S.; Rovara, M.; Schwarz, E.; Sutterer, H.