Dieser Moment, in dem man total apathisch mehrere Minuten unter der Dusche steht, seine Gedanken fokussiert und nicht mal mehr die 42 Grad auf der Haut spürt.
In Vorbereitungen für ein neues Video, suchte ich heute nach einigen Fotos von mir im Alter von 9 Jahren.
Warum gerade Fotos von meinem 9-jährigen Ich? Nach 10 Jahren kann ich behaupten, dass dieses Alter ein Schlüsselmoment für mich war. Es sind viele Dinge passiert, die mich zu dem gemacht haben, der ich bin.
Wie das so mit Fotos ist, neigt man beim Anschauen dazu, in Erinnerungen zu schwelgen und über Vergangenes nachzudenken. Zunächst ploppen die schönen Momente auf und man findet sich in der “Früher war alles besser-Trance” wieder. Die wundervollsten und lustigsten Situationen sind die stärksten - es sind diejenigen, an die wir uns erinnern wollen.
Die weniger schönen Erinnerungen verdrängen wir - verdrängte ich, bis auch sie irgendwann den Weg hinaus aus dem dunklen Tal des Unterbewusstseins hinausstiegen. Eine Vielzahl an Gefühlen spürte ich in mir hochkochen. Scham, Wut, Trauer. Ich schämte mich, war wütend und traurig über Dinge, die ich damals tat oder sagte.
Wie konnte ich sowas tun? War das wirklich Ich? Mein jetziges Ich würde sowas niemals tun.
Und da begann ich mich zu fragen, ob diese Person aus meiner Erinnerung wirklich dieselbe Person ist, die heute von mir als “Ich” bezeichnet wird.
Dass sich meine Persönlichkeit in der Zeit in gewisser Weise verändert hat, steht außer Frage. Ich habe viel Wissen und Erfahrungen gesammelt. Aber vielleicht macht mich diese Veränderung ja zu einem anderen Menschen. Zu einem anderen “Ich”.
Würde ich gebeten werden den Begriff “Ich” zu definieren, wäre “Persönlichkeit” einer der zentralen Bestandteile, die ich dem Begriff zuordnen würde. Verändert sich dieses zentrale Bestandteil müsste folglich ein anderes “Ich” daraus entstehen.
Vielleicht ist das Leben eine ewige innere Metamorphose, in der man in Abhängigkeit von erlangtem Wissen und Erfahrungen sich ständig neu erfindet. Vielleicht gibt es keine Selbstfindungsphase, sondern nur ständige “Selbsterfindung”, abhängig von der Entwicklung der Persönlichkeit.
Dieser 9-jährige Clement, war einmal Ich - vor genau 10 Jahren. Aber heute bin ich das nicht mehr. Um es mit den Worten von zwei Ex-Youtubern auszudrücken:
“Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren.”
Das alles bedeutet letztendlich auch, dass Menschen sich ändern können. Jeder macht Fehler, aber jeder ist in der Lage an sich zu arbeiten. Darauf basiert meiner Meinung nach auch das Prinzip des Vergebens und der “zweiten Chancen”
Mein heutiges Ich, findet diese Vorstellung irgendwie spannend - dass man gestern ein Anderer war als man heute ist und wollte das mal mit euch teilen.
Vielleicht bin ich in 10 Jahren wieder ein Anderer. Eine andere Person, mit der ich nichts außer Erinnerungen teile.
Und vielleicht liest diese Person diesen Text gerade und neigt dazu in Erinnerungen zu schwelgen und über Vergangenes nachzudenken.